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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 535

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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535 »eil des L.Z. ein SchauerarLikel über Könitz^ Des ,,jüdische Sittlichteitsverörccher« — Was Graf CorrDenhove- Calergi nicht gesagt hat« — Ein Dostojewski-Zitat« ßs gibt immer noch Leute, die Jntereste für sensationelle Schauermärchen haben. Deshalb können Blätter vom Schlage des „Stürme t" fast in jeder Nummer die R i t u a l m o r d l ü g e aufwärmen; je blutrünstiger die Schilderung, desto größer der - Absatz. - Die geschäftlichen Erfolge solcher Organe ließen einen gewissen Ni edel aus Kamen Westfalen) sein schriftstellerisches Talent entdecken. Er überschüttete die gesamte deutsche Presse mit einem Waschzettel, in dem er die traurigen Vorgänge in Komtz ebenso kindlich wie unwahr und schauererregend darstellte. Sogar von einer Zigeunerin ist darin die Rede, die für das Jahr 1932 die völlige Aufklärung der Tat vorausgesagr hätte. Für den Abdruck des Artikels erbat er 5 Mark. Die erdrückende Mehrzahl der deutschen - Zeitungen ist über dieses Machwerk hinweggegangen. Immerhin haben sich einzelne Blatter gesunden, die den Aufsatz als Lückenbüßer oder gar als willkommenen Anlaß zur Sensationserregung abdruckten. Wenige Stunden, nachdem wir von der Aktion des Riedel Kenntnis, erhielten, waren unsere Maßnahmen getroffen: Ein.ausführlicher Aufsatz, der den wahren Sachverhalt erschöpfend darstellte, ging der gesamten deutschen Presse zu. Wir konnten mit Befriedigung feststellen, daß Blätter, die die Arbeit Riedels gebracht hatten, unjere Richtigstellung erscheinen ließen. Ebenso charakteristisch für die Methode der stillen Aufklärungsarbeit deL C. V. sind unsere Maßnahmen im Falle des sogenannten „Sittlichkeitsverbrechers" (siehe Nr. 33. 1929. der ,.C. B.- Zeitung"). Das beliebte Thema vom jüdischen Sittlichkeitsverbrecher muß immer wieder herhalten, um die Spalten der völkischen Blätter interessanter zu machen. Meist zehrt man von einigen wenigen, sehr bedauerlichen Vorfällen, die jahrelang zurückliegen, um. mit oer üblichen Verallgemeinerung dieses sogenannte Problem immer wieder auszurollen. Mit besonderer Gier hat man sich daher aus den von uns veröffentlichten Fall des Kaufmanns W. gestürzt, der von einem Berliner Schöffengericht wegen eines Sittlichkeits- Vergehens verurteilt wurde. Auch hier find einige, nichtvölkische Blätter der Fälschung zum Opfer gefallen. Wir haben durch unsere Korrespondenz die Tatsache, daß der Angeklagte Nichtjude und Mitglied einer rechtsgerichteten Organisation ist, der gesamten deutschen Prefie unterbreitet. In allen Teilen des Reiches wurde dieser Artikel nachgedruckt. Erfreulicherweise hat eine große Anzahl von Schriftlertungen Anlaß genommen, an Hand dieses exemplarischen Beispieles die Fälschermethode der völkischen Presie zu beleuchten. Die völkische Fälsch-ertaktik wählt manchmal einen besonderen Trick: Sie unterstellt einer bedeutenden Persönlichkeit phllofeuritische Aeußerungen, um dadurch die Persönlichkeit und die hinter ihr stehende Bewegung zu diskreditieren (nach völkischer Meinung ist ja Gerechtigkeit gegenüber den Juden Verrat an der nationalen Sache). — Gleichzeitig will man damit den vermeintlichen übergroßen jüdischen Einfluß brandmarken, der sich Männer des öffentlichen Lebens und Organisationen dienstbar m machen gewußt habe. So geht seit längerer Zeit eine angebliche Aeußerung des Führers der „Pa «europäischen Union", des Grasen Coudenhove-Kalergi, durch die völkische Prefie: „Für Europa wünsche ich mir eine eurasisch-negroide Zukunstsraste; die Führer sollen die Juden stellen, denn eine gütige / Bas Ml! Faohisger Versandstelle, Berlin SW 11, Schöneberger Strapse 16a. Telefon: Lötzow 8260/61 Vorsehung hat Europa mit den Juden eine neue Adelsrasse von Geistesgnaden geschenkt". Ein neues Dokument für jüdische Ueberheblichteit und für den faszinierenden.Einfluß des Judentums, dem eine so bedeutende Persönlichkeit wie Graf Coudenhove zum Opfer gefallen ist! - So und ähnlich kommentiert die völkische Prefie jene Aeußerung. Schade! Leider ist fie von Anfang bis zu Ende erlogen! Tie Wiener Freimaurerzeituna vom Jahre 1923 (Nr. 9/10), in der das Zitat nach völkischer Lesart erschienen fein soll, enthält keine auch nur ähnliche Stellen. Wir find ermächtigt festzustellen, daß Gras Coudenhove niemals etwas derartiges geschrieben hat. ¥ Die „Stand arte", die nationalistische Monatsschrift des „Stahlhelm", brachte im Heft 15 vorn 12. August d. I. unter der Rubrik „Briefwechsel" ein judengegnerisches Zitat Dostojewskis. Sie knüpfte daran die Bemerkung daß Dostojewski prophetisch die Entwicklung des jüdischen Einflusses vorausgeahnt habe. Charakteristisch ist die Ausnutzung der Autorität eines großen Mannes, besten gelegentliche Aeußerungen man verwertet, um ihn als Kronzeugen völkischer Gcdankcngänge aüszurusen. Ter Autoritätsbeweis ist ja in der Politik kein unbedingt verläßliches Argument. Man kann wohl im Leben jeder bedeutenden Persönlichkeit verschiedenartige Stellungnahme zu bestimmten politischen Fragen feststellen. Das ist auch natürlich! Tenn die Ansichten eines strebenden Menschen formen sich mit fortschreitender Entwicklung und Erkenntnis. Wir möchten daher der „Standarte" empfehlen, in den politischen Schriften Dostojewskis (Band 13 der sämtlichen Werke sPiper, Münchens, S. 348) au Zuschlägen. Sie wird dort eine Aeußerung finden, Me gewiß nicht im Einklang steht mit der, die sie zu zitieren beliebt hat: „Allerdings lasten sich Fragen von solcher Größe nicht in einem kurzen Artikel genügend auseinandersetzen, und zudem wäre das auch aus einem anderen Grunde ganz unmöglich: noch ist die Zeit für das endgültige Urteil über dieses Volk (die Juden) nicht gekommen, trotz der verflossenen vierzig Jahrhunderte; noch steht das letzte Wort aus. das die Menschheit über dieses mächtige Volk zu sagen hat." Es soll hier nicht die Frage beantwortet werden, ob Dostojewski Antisemit war. Keinesfalls können Aeußerungen, die aus eine andere Problemstellung zurückgehen, als die der seichten Antisemiten-Presse im Sinne völkischer Agitation gestattet werden. Dieser kurze Hinweis mag als Beispiel für die Kampfart völkischer Blätter gelten. ¥ Nur diese wenige Proben der Kleinarbeitdes Central- Vereins aus der letzten Zeit! Wollten wir über diese Arbeit uns einigermaßen ausführlich äußern, so würden wir mit dem Raum dieser Nummer nicht reichen. r/- i & <L f 11? k MV Ms VSWLL' \ Ztmh-praline«, Zunh-Schokoladrn usw. find wie bk srit drei Generationen beliebten Zurrtz«-' Kaffees Erzeugnisse von höchster Qualität. Ihr Absatz steigt stetig. Mer sie sind noch ulchL so bekannt, wir sie es verdiene». — Um euch Ihne» einen Versuch ~ ohne Kosten ttt ermögliche», veranstalte ich eine drei Donate dauernde Propaganda für Zuntz» Süßigkeiten, über die Sie bitte altes Erforderliche aus der kleinen Druckschrift entnehmen Wolle«, die bei den Znutz-Wiederverkaufsrn und in allen Zuntz-Filialm» ohne Kaufzwang ja haben ist. - j J-yi 1

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