Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 38 (21.9.1928)
- Date
- 1928-09-21
- Page
- Seite 534 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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534 btv Volksgemeinschaft sieht. Aber auch dieser entschiedene Vertreter. der Rafsentheorie erkennt an, daß „die deutsche Judenschaft'zur politischen Gemeinschaft der Deutschen'gehört-und teil hat an der deutschen Kultur-, Schicksals-- und ^prachgemeinschast"- (2. Jahrgangs Heft 7/8. S. 350.) . " ' . ..: - Ter Zusammenbruch des Unternehmens ist als Symptom der politischen und kulturellen Lage in der Gegenwart zu werten. Kann den unvoreingenommenen Beobachter ein solches.Ende auch nicht überraschen, so ist das Verschwinden der einen zur Sammlung rufenden Stimme aus dem Chorus der Nufer zum Streit doch auchpon unserem Standpunkt aus nur zu bedauern. H. 8t. vom nallormlsoziaWschen Iührerkag. ProLrftarrt nnb Üatfjollt müsse« sich rusammerrsügcrr. — Die Idee des Antisemitismus wächst. Die Jndcrrsrage „eine Wcltfrage^ ' Vor kurzem fand in München die Führertagung und General- Mitgliederversammlung der N. S. D. A. P. statt,. die bewußt unter der Parole.' Weg vom Antisemitismus, hin zum NaLionalisms, stand. Adolf Hitler, der an der historisch gewordenen Stätte des Bürgerbräuhauses am Abend vor einer übersüllten Versammlung im Namen einer Partei, die zwölf Abgeordnete im Reichstag 'sitzen hat, die heute 100 000 eingeschriebene Mitglieder zählt, und die mehr als drerviertel Millionen Stimmen in sich vereinigen konnte, sprach, konnte mit Stolz festpellen, daß.sich die.Partei, die im Jahre 1920 64 Mitglieder gezählt hatte, innerhalb von neun Jahren zu ihrer heutigen Bedeutung emporgeschwungen habe. An Stelle einer Ortsgruppe im . Jahre. 1920 zahlt die Partei heute 1200 Ortsgruppen, soweit über die finanzielle Lage der Partei Auskunst erteilt wurde, kann K erstellt werden, daß sie ihren Etat mit rund 255 000 Mark nciert hat. Ter. der etwas hinter die Kulisien der völkischen Bewegung sieht, wird diese Zahlen mit größtem Skeptizismus aus- :nehmen, oenn es ist klar, daß die völkische Propaganda, die neben dem umfangreichen „Völkischen Beobachter" .noch Zahllose Wochenschriften im ganzen Reich unterhält, die Vorträge über Vorträge veranstaltet, Empfänge gibt. Bücher drucken läßt, einen Etat von mehreren Millionen haben muß! Der darf aber wohl nach außen hin nicht in Erscheinung treten. - Mit der diesjährigen Führertagung scheint jedoch in einem entscheidenden Punkte ein grundlegender Wandel innerhalb der Politik der Nationalsozialisten eingetreten zu sein: die Parole „Einigkeit" .stand über den gesamten Ausführungen Hitlers. Sie soll gelten für den inneren Ausbau der.Organisation wie für ihren Kampf nach außen. So heißt es in einer Rede an die Führer: « ,Zie Bewegung muß sich jetzt über die Wege der nächsten Zukunft klar werden und alle Arten von organisatorischen Schwierigleüen beseitigeru Zedereinzelne Unterführer kann das, wenn er selbst allen kleinen lokalen Konflikten gegenüber durch größte Geduld, durch Bcharr- . lrchkeit und persönlichen Takt Herr zu werden versucht. Dadurch kann er den übergeordneten Führern sehr wesentliche Hindernis aus dem Weg räumen. Tie Führer brauchen vor ollem Versöhnung^- vrllen. höchste Gerechtigkeit und die Fähigkeit, sich : m den Mitarbeiter einzusühlen, zu. ihrem schweren Amte." . Die gleichs Tendenz spricht aus den Worten, die sich an das gesamte religiös gesinnte Deutschland richten. „Eines ist vor allem wichtig: Tie Notwendigkeit, daß die Bewegung für alle Zukunft freigehatteir wird von allen religiösen Diskussionen und Kämpfen. Ich lege allen Wert darauf, daß unsere VsrlcL gerade die Kluft schließt, die unser Volk zerreißt, hier urust Protestant und Katholik sich restlos zufammenfügen können. Ich habe nur den einzigen Wunsch, daß in der Partei niemals der Zustand einreißk, daß einern Katholiken oder Protestanten Gewissenskonflikte urmröglich machen würden, der Partei anzugehörcn. Tie Partei muß. stets so geleitet werden, haß jeder fromme Katholik, ohne in Konpikt mit seinem Gewissen zu kommen, ihrer Politik zustimmen kann." ' Hitler formulierte dann im Verlaufe seines Referates die Programmpunkte für die weitere Arbeit. Sie lauten: 1. Es gibt rrrrr eine rraLrorraksoLialiftssche Bewegung, und was sich fönft herumtreibt, wird verschwinden. 2. Neubau der Organisation. Diese Ausgabe bezeichnet Hitler als, soweit es in menschlichen Kräften steht, gelöst. 3. Vertiefung der Idee. Dort heißt es: „Als Idee aber wächst der Antisemitismus. Was vor zehn Jahren kaum da war. ist heute da: D L e I u d e nfeage ist auf Las Tapet gebracht, sie wird nicht mehr verschwinden, und wir werden dafür sorgen, daß sie zur internationalen LLeLLfrage wird, wir werde« sic nie zur Ruhe kommet lassen, bis einmal die Frage gelöst wird. Den Lsg glauben wir noch erleben zu können." Naturgemäß sucht Hitler nach einer Rechtfertigung dafür, daß der Kampf gegen den Katholizismus eingestellt werden soll: „Wen« wir gegen das Zentrum kämpfen, so nicht, weil es vorgrbr. cinestatbolische Partei zu-sein, sondern weil es Ehriftcrriunr und '* Katholizismus verrät. Wir betrachten rs als eine Heuä^elci, das Chrrsttntum m den Mund zu nehmen, um damit Wahlg?schüste wachen. Den« wäre das Zentrum wirklich christlich, dann würde rs an nuferer Leite stehe- 1 Zum Schluß spielt Hitler seinenletztest Trumps mx% unb ruft pathetisch: ,^Jn unftren Reihen sind Menschen, die Monarchisten und Republikaner sind. Was wir verlangen ist. daß jeder Ln fi unseren Reihen ein Deutscher ist."' | So sehen wir von unserem Standpunkt aus.als Ergebnis dieser Tagung, daß der Nationalsozialismus keineswegs am Ende seiner Kraft ist: daß er vielmehr gemäß den Zeitstrvmungen sich von der j Radäupolitik abwendet und mit allen Mitteln versucht, seiner Bewegung einen geistigen Inhalt zu geben. Hitler weiß sehr lr gut, daß er es heute nicht mehr nötig hat, vom „jüdischen" Finanz, 1 . kapital oder vom „jüdischen" Verbrechertum zu sprechen, daß' xZ j genügt, wenn er vom „internationalen" Finanzkapital und „inter-! nationalen" Verbrechertum spricht,' Laß dank seiner jahrelangen Agitation jeder hinter seinen Worten das sieht, was er wünscht, das hinter ihnen gesehen werden soll. Wenn er in seinem Referat darauf hinweist, daß die Parteien, die von den vaterländischen Verbänden im Wahlkampf unterstützt worden seien, trotz dieser Unterstützung sich nicht behaupten konnten, und wenn er an diese Tatsache die Hoffnung knüpft, daß der Nationalsozialismus, erfüllt mit neuen Ideen, diese Kreise für sich gewinnen könne, so - sollte diese, Tatsache von uns nicht übersehen werden. Wieder und.immer wieder müssen wir den Ruf erheben: Tragt Aufklärung ins Bolk, sorgt dafür, daß die breite Masse erfahrt, was die nationalsozialistischen Kreise in Watzrhert erstreben. Für j unsere Mitglieder aber sollte jede Versammlung der National-! sozralisten ein neuer Ansporn sein im Kampfe nicht zu erlahmen, nicht den Köpf in den Sand zu stecken und zu glauben, die Parole „Fort vom Antisemitismus, hin zum Nationalsozialismus" ent. hebe uns des Kampfes gegen diese Partei. Ostpreußen. Der schwere wirtschaftliche Kampf. — Abwanderung jüdischer Jugend aus Königsberg. — Rückgang der Ehe, . schliestnugen. Aus der Hauptversammlung des Verbandes der Synagogcru gemeinden Ostpreußens hielt Gerrreirrdcraböiner Tr. Lewitt (Königsberg) einen Vortrag über „OsLprcußische Zudcnnott, dem wir laut dem Bericht des .^Königsberger Jüdischen . Gemeindeblattes" das Folgende entnehmen: Die schwierige Lage Ostpreußens durch seine Abschnürung vom Reich macht sich im ostpreußischen Judentum doppelt schwer bemerkbar. Infolge der wirtschaftlichen Bedrängnis findet unsere Jugend in. Ostpreußen kein entsprechendes Betätigungsfeld, und verläßt daher Ostpreußen, um unter weit günstigeren Verhältnissen im Reich eine Position zu finden, bzw. sich eine Existenz zu gründen; junge, jüdische Akademiker und Kausleute streben über den Korridor hinaus. Damit geht die bisherige Vodenstammigkeit des ostprentzischerr Judentums verloren. Die Konsequenzen der wirtschaftlichen und seelischen Not wirken sich bei den Juden weit stärker und nachhaltiger aus als bei der übrigen ostpreußischen Bevölkerung. Dazu kommt der 'Antisemitismus, der ganz besonders in Ostpreußen die Juden als die Schuldigen an allem Elend verleumdet, durch offene und versteckte Aufreizung Zum Boykott die ohnehin wirtschaftlich schwache Position der Juden geradezu vernichtet und alteingesessene ostpreußische jüdische. Familien zur Auswanderung zwingt. Ter Bevölkerungsrückgang der Juden in Ostpreußen gibt zu schweren Besorgnissen Anlaß. In Königsberg ist die Zahl der Juden seit 1910 um 500 Seekeri — das sind 11 Prozent — zurückgegangen, trotzdem die Zuwanderung aus den abgetretenen Gebieten in diese Zahl eingerechnet ist. 100 Todesfällen im Jahre, stehen nur 60 Geburten gegenüber. Während im Jahre 1920 «och 62 Ehcschlietzrrngen vollzogen wurden, waren es im Jahre 1927 nur noch 21. Die hieraus sich ergebenden Gefahren | werden durch das Zrrrrehmerr der Mischehen noch bedrohlicher. Im Jahre 1920 wurden in Königsberg 20 Mischehen geschlossen, 1925 und 1920 waren es 10 bzw. 13, im Jahre 1927 war ein Rückgang auf 7 zu verzeichnen, aber im lausenden Jahr 1923 sind es bis jetzt schon mehr als 7. Aehnlich wie in Königsberg dürsten die Verhältnisse in der f übrigen Provinz liegen. Das jüdische Verantwortungsgefühl ist! krank geworden. ... Leistungsfähige Gemeinden haben Beamte; angestellt, die fachlich nicht vorgebildet sind und in keiner Weise als! würdige Träger und Förderer des jüdischen Gemeinschaftslebens i angesprochen werden können. Andere Gemeinden haben den Normal-; vertrag vor Ablauf der Probezeit gekündigt, um die lebenslängliche? Anstellung des Beamten hinauszuschieben, oder gar unmöglich zu machen. ... An den Emanzipationsbestrebungen warenost- ) Preußische Juden hervorragend beteiligt; in Königsberg und Lyck bestanden hebräische Druckereien und wurden hebräische \ Zeitschriften herausgegeben. Das geschwächte Derantwortungs' s gesühl muß gestärkt, das Gewissen in den großen und kleinen t Gemeinden geschärft werden. |