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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 533

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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/ 60 Friedhohsdkämdmmgen in Deutschland! ln Westfalen Ui in diesen Tagen in furzen Folgen nach gleichen sinnlosen Gemeinheiten die 60. (sechzigsiel) Friedhofs- Schändung geschehen. Hysterisch-robuste Zeitgenossen werden sagen: Was gehen uns die Toten an? Und, werden de sagen. wenn de niemand hört — das ist das Entscheidende, es hl doch nur die 60. Schändung jüdischer Grabstätten. Soweit sind wir heute. Spricht ein Jude gegen solche irrsinnige Trottelei, so ist er „Partei“, sagt der hysterisch-robuste und christliche“ Zieitgenosse, darum trete ich vor, weil ich nicht Partei bin, und sage, im Bewusstsein, dass es eine Schande ist, solches in Deutschland sagen za müssen: Es hl das undeutschcste, tmchristlichsle, roheste, gemeinste, feigste Mithelfen bei dem Handeln einer Verkommenheit, deren wir uns nicht nur zu schämen, gegen die jeder, ohne jeglichen Unterschied, mit gewaltigster Verachtung vorzugehen verpflichtet ist. Das ist feine H/emo Sache, das hl keine Konfessions- oder Glaubenssache, das hat mit Politik nichts, aber schon gar nichts, mit gar nichts anderem zu lim, ah damit, dass sich in diesem Handeln Eigenschaften zeigen, zu denen verurteilende Worte, wie bübisch, bestialisch, viehisch, mehl Inmcichen; hier stockt wirklich das menschliche Wort, das der Anfang und das Ende ht — dtis hl das Ende, jeglichen, -auch nur hauchartigen Tief- oder Menschseins. Das hi das Ende, die Verdammung, der umgestürzte Gipfelpunkt der VermaleÜeiung. Ich bitte alle grossen Zeitungen aller Richtungen des Memchscins in Deutschland, alle Eltern, Lehrer, Geistlichen, jeden, der irgend steh auch nur einer Spur Mitverantwortung der Gesamtheit gegenüber bewusst ist, sich aus der stumpfen Gleichgültigkeit des Zusehens bewusst zu werden, dass rieh in diesen systematisch betriebenen nächtlichen Friedhofsschändungen eine Verwilderung zeigt, gegen die jedes Verbrechen anderer Art gering und entschuldbar erscheint — wieder stocke ich, die Worte greifen daneben und fehlen —als unsere menschUche Sprache sich der Tierheit entwand, da war solches nicht vorhanden, nicht zu bezeichnen, was im Jahre 1928 in Deutschland lebt Sind die C ra herb es udlcr, die Grabsieinzerirümmerer Kinder oder Halbreife, wie in den meisten Fällen. dann tragen in noch höherem Masse die Schuld die „Erwachsenen \ für die es erst recht kc'm Wort gibt, das verdammend genug wäre, für solche, die jugendliche Seelen derart durch Verhetzung in den letzten Gestank und Schlamm der Selksienlmenschung, w\d dadurch Sdbsiverdammung, hinabschleudem. Ich hielte so gern diese, meine wenigen Zeilen jedem vor Augen, aber soweit sind wir in Deutschland, dass ich nicht wetss, welcher Korrespondenz ich diese Zeilen anverirauen sollte, damit sie sie verbreitete, es ht ja alles Partei. Man hiesse das eine „jüdische Aktionoder man schwiege mich toi, und so verantwortungslos ist der grosse Teil unserer Presse geworden,, so sensaiionsgierig, dass sie meine Worte Wohl druckten, aber nur, wenn sie sie allein drucken könnten, denn fast alles sieht nur mehr sich und nicht' die Gesamtheit. Was bleibt? Die Bitte: Sprecht jedes, das diese Zeilen liest, jedes, ohne jede Ausnahme^ zu allen, die euch erreichbar sind, überall über die Friedhofsschänder, es darf kcme Ausnahme, (ein Aber oder Doch heimlicher oder offener Art geben! Macht euch und jedem kl er, dass Tollwütige durch unsere Nächte streifen, dis für jede Seele grösste Gefahr bedeuten, vernichtet die tollwütigen Seelen der Schänder durch einen Sturmwind eisiger Verachtung. Oder soll cs noch tiefer hinab gehen? Walter von Molo- Dieser Notschrei Walter von Molos erscheint gleichzeitig in führenden deutschen Tageszeitungen. Wir hoffen sehnlich, daß cr endlich einmal viele bisher stumpfe Genrüter ansrntteln wird. Wir selbst haben das traurige Jubiläum der 60. Friedhossschändnng zum Anlaß genommen, verschiedene neue Schritte bei den geeigneten Stellen zu unternehmen. Wir erinnern daran, daß Hauptgeschäftsstelle und Landesverbände des Centralverems schon Zn Beginn der Friedhofsschändungon, als sich heransstellie, daß es sich um keine Einzelerscheinuugen handelte, bei den Zuständigen Ministerien des Reiches und der Länder mit Eingaben vorstellig wurden. Die Antworten waren durchweg befriedigend; der Erfolg entsprach aber leider nicht unseren Envartungen. Wir find überzeugt, daß' dieses im befriedigende Ergebnis nicht an dem mangelnden guten Willen der zuständigen behördlichen Instanzen, sondern an der Schwierigkeit geeigneter Ermittlungen liegt. Hoffen nur. das; die den Behörden erneut überreichte Lifte der Friedhofsschändungen Veranlassung zu erfolgreicheren Schritten als bisher gelten wird. Wir haben ferner Rücksprache bei geeigneten Instanzen der Justiz wiederum vorgenommen und haben uns mit politischen und verschiedenen führenden Persönlichkeiten des geistigen Deutschlands über diese, das deutsche Ansehen enttvürdigende Angelegenheit eingehend ausgesprochen. Leider muffen nur schon wieder Zwei rreue FricdhsfsschänDnttgen mitteilon: Irr Frarnrrrershcirrr (Kreis Reirrbach), im Rheinland wurderr auf dem jüdischen Friedhof fast f 3 m 111 $ c Marrrrvrtafelrr Zerstört und Die Grabsteine beschmiert. Irr K i r ch h e i m , das in der Nähe von Flammers- %t\m liegt, sind ans dem Friedhof s ä rrr t l i ch e Grabsteine rr m geworfen und Znm Teil zertrümmert worden. Beide Friedhöfe sind schon mehrmals in dieser Weise herm- Nsucht worden, jedoch noch nie in so schlimmer Art wie dieses Mal. Die Bonner Staatsanwalrschaft hat, leider bisher ohne Ergebnis, mit allem Nachdruck Maßnahmen zur Ermittlung ber Täter eingeleiter. . . . , r Irf der Nacht vom 15. zum 16. September, also am jilbt= Neujahrsfeste, haben Bubenhande wieder den Eingang Förster Synagoge beschmutzt und zwei groftc Hakenkreuze mit roter Del färbe au das Maucrwcrk links und rechts des Harrpteinganges gemalt. Tie Führer unserer Ortsgruppe haben in aller Frühe schon die Polizei auf diesen Vorfall hingewiesen. Der näherer Untersuchung wurde festgestellt, daß an verschiedenen Stellen der Stadt Hakenkreuze von besonderer Größe in roter Farbe prangten. Unsere Freunde haben der Förster Polizei gegenüber keinen Zweifel gelüsten, daß sie sich mit Worten nicht beruhigen werden, sondern Taten sehen wollen. Es muß zugegeben werden, daß die Förster Polizei sich in der Angelegenheit außerordentlich bemüht. Im Einvernehmen mit unserer OrtsgruppeForst rverden auch wir kein Wttel unversircht laßen, die Täter zu ermitteln. Es ist bezeichnend, daß gesirnrungslose Bolksj verhetzer sich unser heiliges Neujahrsfest ausgesucht i haben, um unser Gotteshaus zu beschmutzen. Das Enöe öes„Zusammenschluß". Nach Aweieiiwrorteljährigem Bestehen hat nunmehr „Der Zusammenschluß, Politisch^ Monatsschrift zur Pflege der deutschen Eintrachtsein Erscheinen eingestellt. Die Zeitschrift wollte und sollte ein Sammelpunkt für alle diejenigen fein, die über die trennenden Paragraphen rmd Richtlinien der Parteien hinweg das Bedürfnis nach Verständigung in nationalen Fragen fühlten. Bewußt hatte sich die Zeitschrift darum an dicftnigen Parteien äugelehnt, in denen die Idee der Volksgemeinschaft besonders lebendig war. Resigniert. muß der Herausgeber Friedrich L h i m m e nun Abschied bckeimen, „daß cs nicht gelingen wollte, den in allen Teilen des deutschen Beltes tief empfundenen Drang nach Zusammcuschlnß zu einer organisierten Bewegung großen Stiles zusam- Menznsanerst. Die UrsackM; des Fiaskos deutet Fritz Herrnt a n n, der steltoertretente Kanzler des Jnngdeutschen Ordens, j rocmr er die oberflächliche und äußerliche Begrifft ^stimnnmg des | Wortes ^rational" nach fceii Kriterien chchoarzweißrot', „rechts-! stellende Zeitung" für die Zerrissenheit b^ranttoorttich macht. Jeden-! falls ist es nicht gelnugen. sichren de Persönlichkeiten aus Politik : und Knlturbewegimg Zur Mitarbeit hcranzuzicheu und el^nsowenig! rft die Zeitschrift in ihren Beiträgen zu dcn entscheidenden Srrcitj punkten vorgedrungen.' \ Die In den frage spielte in dorr Auseinandersetzungen eine i <>ruz untergeordnete Rolle. Vorn ersten bis in den zweiten Jahr- - aaug zieht sich durch vier Hefte hindurch eine Kontroverse über die Rastenfrage zroifchrn Kuno Wnlternath (Harburg) und dem Herausgeber einerseits, die den ^Rassenwahn als Feind des inneren und äußeren Friedens" bekämpfen, und einem Anonpmus oudei rerieils, der in vor Dlntsgnv.einschasr den en:stl)cidcnden Falwr

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