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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-09-14 · 9 (14.9.1928) · p. Seite 27

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
9 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 - 6scka/r^6/r um cksutsc/r-ZÜLk/sc/rs ^rbeitsgs/Trer/rLLirLr/tsn. Drei Ismnbtt5§er Uiicrröei/e^ a„z ^er/ce cier Oerck.?a/L- /ückiLcüen ^rbell§c?ettre/>r§c/ichi //a/?rbtt^A .^e/re/r ckio von /skod LMrrAe/- r<?tck?>/eckricü L/-«xi,rlls i-r ^Vr. 7 cker Le/la^s besonnene ^ltts^prac/ro chri. Li§e/na/rn f/Zambrrr^) unck ^ariLL Oa/'lebackr sVe/-li/r, /rüüe/- //am barg) Es muß einleitend bemerkt iverden, daß die Deutsch-jüdische Jimend Hamburg keine Organisation, sondern eine Arbcitsgemeinsctart ohne vermnsmätzige Bindung ist, jo daß Ettlinger seine Ausführungen nicht in ihrem Namen gemacht hat, sondern Gedanken wiedergab, die seine eigens Auffassung bilden und die allerdmgs von dem weitaus größten Teile unserer Bewegung ebenso aufgefaßt. werden. Wenn wir also, einen: Wunsche Brodnitz' folaend, versuchen wollen, die. grundlegenden Ideen der D. j. I. Hamburg in bezug auf Arbeitsmethode, Inhalt und Zweck darzustellen, so müssen wir auch abstrahieren und die Meinung einiger wenigen aus unserem Kreise gegenüber der vorherrschenden Meinung zurückstellen. Junge Menschen sind wir, die ihr gefühlsmäßiges Bekenntnis zum deutschen Volkstum in den Kreis der Verstandes- und gefühlsmäßigen Betrachtung einzugliedern versuchen, Menschen, denen ihr deutsches Judentum als Erbe üteilommen ist, nicht um daraus als satte Spießer auszuruhen, sondern um es durch eigene Arbeit zu pflegen, zu vertiefen, wirken und werben zu laßen. Unser gemeinsames Ziel ist die Erfassung dcutschjüdischer Probleme unserer Zeit, um durch sie tatkräftig an der E-estaltung des deutschn Judentums Mitwirken Zu können. Es scheint, als ob auch die Deutsch-jüdische Jugendbewegung das gleich Zxl mit uns Hütte, da auch sie. „Kanreradcn", Aelterenkund der .Kameraden" und Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft, ihre Mitglieder für die größere Gemeinschaft des deutschen Judentums vorbereitet. Ter Unterschied ergibt sich aus der verschiedenartigen Betrachtungsweise der Begriffe: Deutschtum, Judentum, deutscher Jude und der ihm erwachsenden Ausgaben. Um den extremsten Fall Zu nehmen: Erich Hirsch berg sagte aus dem Bundestage des Aelterenbundes der „Kameraden" über die Bedeutung der Begriffe Deutschtum und Judentum etwa folgendes: .Die Synthese Zwischen Deutschtum und Judentum, d. h. die Verständigung des jüdischen und nichtjüdischen Menschen, mutz erstrebt werden und liegt in der Zukunft." Er zieht daraus den Schluß: Da das Deutsch-Jüdische in uns variabel sei, müsse das Jüdische in uns konstant sein. Aehnlich sagt Ludwig Tietz in seinem Artikel „Vertiefung unserer inner- Jüdischen Arbeit": „Die Synthese von Deutschtum und Judentum ist ein Ziel, Zu dessen Erreichung wir noch viel Weges werden gehen müssen." Hier gehen schon die Ansichten der Jugendbewegung mit denen unseres Kreises auseinander. Wir glauben, daß die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum keine Forderung mehr darstellt, daß diese Verbindung beider Quellen in uns bereits zur Tatsache geworden ist. Wir haben nur e i n Herz in der Brust, nicht ein jüdisches und ein dcutschs. Dir sind eine Gesinnungsgemeinschaft. Könnten wir selbst die Ideologie des Gegners verstandesmäßig begreifen, so ist es doch das Gefühl, welches sich nicht überzeugen lassen kann. Daraus entspringt unser Prinzip „nur junge jüdische Menschen, die sich zum deutschen Volkstum bekennen", Mitarbeiten zu lassen; denn Diskussionen, bei denen das Gefühl dauernd Einspruch erhebt, find ziellos. Wir können die Ziele des Gegners verstehen, seiner Methode unter seinen Gesichtspunkten gerecht werden, jedoch vermögen wir es nicht, „die ernst erworbene Anschauung eines Andersdenkenden bis zur Selbstverleugnung zu respektieren". Eine Halttrng, die Brodnitz ' tsr Jugendbewegung als besonderes Verdienst anrechnct. Uns ist diese Tatsache bezeichnend für die innere Unsicherheit der deutschjüdischen Jugendbewegung. Auch sie ringt und kämpft um ihr Sein als 'Deutscher und Jude. Aber, wie Ernst Wolfs es in einem anderen Zusammenhangs sagte: .Die Strahlen des untergegangenen Volksbildes leuchten ihr, vom Zionismus reflektiert, mir solchem Glanze, daß sie sie für den Zusammenbruch der letzten Jahre blind m-ochn." Wir sagen nicht, daß die lleberbetonung der stammesmaßigen jüdischen Gemeinschaft einheitlich bei allen Mitgliedern der Bünde vorhanden sei, aber richtunggebend ist stets die öffentliche Stellungnahme einer Organisation. Mt der Meinung von Ernst Wolfs und seiner Freunde können wir uns außer in Fragen der Jugendbewegung fast restlos identisiziercn. Die Ueberbetommg jüdischer Gemeinschaft, das Eintreten für Palästina. Religiosität im Sinne der Jugendbewegung, die Wiedsrerw-eckung der jüdischen Sprache, dies alles ist rwch keine Neuerweckung und Vertiefung des Judentums. Ehernes und Unabänderliches ist im Judentum nicht dem Wechsel der Zeiten unterworfen. Wir schließen uns den letzten Ausführungen des Rabbiners Dr. Go! dmannan von dem hcteronomen Judentum und der autonomen Jugendbewegung und glauben mit ihm, daß der diesem höheren Sinne"autorilätslose Geist der Jugendb-elvegung sich .nicht mit deutsch-jüdischer Auffassung des Judentums vereinen läßt. Man kann nicht von jüdischer Wirtlichkeit reden und dabei selbstgewählte Gesetze und Regeln zur Geltung bringen wollet:. Wirklichkeit, ist, daß die jüdische Gemeinschaft eine einzigartige Gottesidee, eine einzigartige sittliche Weltanschauung durch eine mehrtausendjährige (Äschichte getragen hat und nur durch sie erhalten ivorden ist. Während nun die Deutsch-jüdische Jugendbewegung mehr und mehr die übe rw i eg en d st am m esmäßige Bindung betont, empfindet die D. j. I. Hamburg in diesem Punkte vollkommen anders. Wir stimmen mit Ernst Wolfs und denjenigen der „Kameraden" überein, die sagen, daß heute die Schajfung einer jüdischen Einheitsfront nicht durch Ueberbrückung, sondern lediglich durch Negierung von Gegensätzen geschossen werden könnte. Wir erkennen jedoch außer unserer gemeinsamen Vergangenheit keine gemeinsame Gegenwart mit den Zionisten mehr an, jedoch ist vielleicht eine gemeinsame Zukunft in unserem Sinne möglich. Wir unterscheiden uns aber von der Jugendbewegung auch in den Voraussetzungen unserer Arbeit. Tie Menschen, die zu uns kommen, wollen nicht die Brücken zu der Gesellschaft ab brechen. Wir treffen uns bei Spiel und Sport, Zu gesellschaftlichen Vergnügungen und intensiver Arbeit. Durch unser Alter bedingt (18 bis 25 Jahre), rückt bei uns das politische Interesse stärker in den Vordergrund als bei der Jugendbenoegung, die vorwiegend Erziehungsarbeit leisten will. Es muß bei der Aneignung von Wissen aus die spätere Anwendung zum deutschen und jüdischen Tageskamps Rücksicht genommen werden. Die Abwehrliteratur, Kenntnis völkischer Gedankengänge, die wichtigsten TageZsragen, das Werden des deutsck)en Judentums und seine heutige soziologische Beschaffenheit, jüdische Ethik und jüdisches Schrifttum, die Mitarbeit deutscher Juden an deutscher Kultur, das sind Themen, dis wir uns stellen. Die Zahl der jungen Menschn, die wir umfassen, beträgt ungefähr 600. Zu den wöchentlich stattfrndenden Arbeitsabenden erscheinen durchschnittlich 80 bis 100 junge Menschn. Es ist unser Bestreben, rnöglichst die gesamte deulschjüdische Jugend Hamburgs Zu erfassen. Es hat sich bewährr, nicht neue Wege AU schaffen, sondern von den Alten zu lernen und;ung zu sein. Unsere Kenntnis deutscher Verhältnisse berechtigt uns zu der Annahme, daß der überwiegende Teil der mcht erfaßten deutschjüdischen Jugend die hier niedergelegten Gedankengänge mit uns teilt und daß es möglich ist, diese noch Fernstehenden aus ähnlicher Grundlage zur Mitarbeir zu bewegen. KeW/'rL/r/r f/kaurrbrr/g'). Fast möchte auch ich mit Jacob Ettlingers Worten beginnen? Ist das so etwas Neues, Besonderes? Etwas gar so Problematisches? Und schon finden wir, daß es eigentlich gar keiner großen Debatten und keiner großen Worte bedarf: Diese Arbeitsgemeinschaft ist uns schon längst etwas ganz Selbstverständliches, Nichtwegzuleugnendes geworden. Durch unsere Arbeitsabende unter der Leitung von Persönlichkeiten des geistigen Hamburg sind wir, die Mitglieder der D. j. I., so gefestigt worden und so miteinander verbunden, daß wir es nicht nötig haben, die Meinung Andersdenkender irgendwie zu tyrannisieren. Wir behaupten niemals, den allein seligmachnden Weg zu gehen, sondern nur einen richtigen Wog gefunden zu haben, und daß dies stimmt, das zu beweisen ist wahrlich nicht schwer. Dis D. j. I. entstand im bewußten Gegensatz zur sogen an ntenJugendbewegung und hat sich, das sei hier offen von einem früheren Angehörigen der jüdischen Jugendbewegung gesagt, in der — oder wenigstens in einer der Richtungen entwickelt, die wir damals als „Jugendbeivegte" erstrebten, nämlich nicht Kampf gegen die ältere Generation, sondern Aufbauen ans den Grundlagen, die diese gescbasseu, Ausbauen ihrer Ideen, Weiterführen des begonnenen Baues. Das ist es ja gerade, was uns von der derzeitigen Jugendbewegung unterschwet, wir wollen nicht alles nur aus uns selbst heraus schassen und das Alte als einfach nicht vorhanden betrachten — denn das ist eine Unmöglichkeit, an der jede Arbeit auf dieser Grundlage scheitern muß. Man kann, weil der Baumeister gestorben ist, nicht einfach das begonnene Gebäude wieder ganz abreißen und nach seinem eigenen neuen Willen ganz anders gestalten oder gar den Bau in ganz anderer Stilart weiterführen. aus die Gefahr hin. daß der neue Baumeister vor Vollendung auch stirbt und nun alles wieder von vorn begonnen werden mutzte. Darum ist es notwendig, die Ideen des Baumeisters kennenzulernen, und dies ist nur bei eingehender Beschäftigung damit möglich Deshalb unsere Forderung nach Arbcitsabenden in der Art der Serninarübungen unserer deutschen Hochschulen. Nur im gegenseitigen Ideenaustausch mir den derzeitigen geistigen Führern aller Konfessionen können wir es zu einer klaren Erkenntnis der Probleme des täglichen sowie der des rein geistigen Lebens bringen, ohne die wir. die künftige Generation. die Arbeit und die Ziele der heutigen Elterngeneration niemals verstehen können. - Einen Berveis der Loyalität aller Mitglieder der D j. I. mag man auch daraus ersehen, datz wir junge Menschen aller religiösen Richtungen in unserem Kreise vereinen, von der orthodoxen Richtung, wie sie z. B. Jakob Ettlinger vertritt, bis zur ganz und gar freireligiösen Richtung, au? deren Standpunkt z. B. der Schreiber dieser Zeilen steht. Religion ist tteberzeugungssach. und wir denken einfach nicht daran, die Ueberzeugung eines anderen irgendwie anzugreisen, geschveige denn Zn ironisieren, wie es z. B. sertens der ach ihren Großmut so stolzen jüdischen Jugendbeloegrrng geschieht. <5o5tr>'QLnx Leite

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