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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-09-14 · 9 (14.9.1928) · p. Seite 26

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
9 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 A'/r/ALLNA ÄS? /LLÄ/§Är6/r ÄÄgSNÄ cke/' ArrL^c-ao/is a«5 ö/>. S rr/rck S ^at/rarr ^Lr?x ^§ke/t/n/.' Zu den Ausführungen vor: Ernst Wolfs in Breslau habe ich folgendes zu bemerken: Ich halte cs für eine unbedingte Notwendigkeit, daß eine Einigung der jüdischen Jugend erstrebt und herbcigesührt wird. Damit will ich nicht sagen, daß nunmehr alle jüdischen jungen Menschen denselben Idealen naclMern sollen; nur soll ein Boden bereitet werden, auf dem sich alle die treffen, die, wie Herr Wolfs aussührt, ..die geschichtliche Erhaltung des Judentums, wie immer sie sie sich denken, wünschen'. Hierfür eine neue Organisation zu schassen ist gar nicht nötig, der Centralvcrein wäre hierfür geeignet. Es bedarf hierzu nur einer inneren irnistcllung des Centralvereins, und zwar müßte er all die Juden als Mitglieder ausnehmen, die sich bei ihm melden und die damit zum Ausdruck bringen, daß sic sich als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens fühlen. Vielleicht herrschen darüber, welche Stellung der Centralvcrein in solchen Angelegenheiten cinzunehmen hat, verschiedene Meinungen. Ter Centralvcrein ist kein Gesinnungsr^rein. In ihm sollen sich alle trefsen. die die Interessen der brutschen Juden ln Deutschland durch ihn vertreten haben wollen. Darüber hinaus soll es dem einzelnen überlassen werden, wie er sich sonst jüdisch-politisch cinstckLt. Will man das Kind beim rechten Namen nennen, so dreht es sich doch immer wieder um den Streit der Zionisten und der im Centralvcrein vertretenen Anti- und Nicht-Zionisten. Der Kamps um den Zionismus kann ruhig weiter gehen, nur braucht er sticht Im Centralverein geführt zu werden. Die jüdisch-politische Glisinnung der Mitglieder hat dem CenLralverein gleichgültig zu fein. Er benötigt alle deutschen Juden, die ihn im Kampfe unterstützen wollen. Was ich vom Centralvcrein zuerst verlange, das ist, lvas er eigentlich von unseren Gegnern verlangt: Toleranz. So auch dis Toleranz gegen seine eigenen Genossen. Stellt sich erst der Ccntralverein auf diesen Standpunkt. so liegt kein Grund vor, daß nicht auch Zionisten ihm vertreten, und dcrCentralverein ist dann die berufene Organisation, die jüdische Jugend zufammenzuführen, eine Aufgabe, die so groß und so schon ist. daß man alle Meinungsverschiedenheiten zurück stellen müßte. Als selbstverständlich betrachte ich es auch, daß der Centralverein als solcher Politisch neutral bleibt, d. h., daß er sich um die Betätigung der Zionisten nicht kümmert. Auch die Zionisten sind heute nicht mehr so ganz einheitlich in ihren Bestrebungen. Die Ziele sind verschieden, und es wäre richtiger, man ließe die Zionisten diesen Kampf untereinander aussechten, als immer die schärfste Richtung zu bekämpfen. Der Boden für den Eintritt der Zionisten in den Centralvcrein müßte natürlich vorbereitet werden. Es würde sich empfehlen, sich in der „C. V.-Zeitun g' nicht mehr mit dem Zionismus ausciuanderzusetzen, nur tatsächliche Geschehnisse in Palästina zu registrieren und im übrigen jede Presseschde und jeden Angriff der Redner des Centralvereins gegen den Zionismus zu unterlaßen. Der Centralvcrein hat dann die Aussicht, eine wirkliche Sammelstelle aller deutschen Juden zu werden, ein Gedanke, der sicher bei der Gründung erstrebt wurde. Die Jugend- Organisation des Centralvereins würde dann alle jüdischen jungen Menschen umfassen und eine neue Organisation wäre.nicht nötig. 2!//>ea Ni>Lckbe7'g fZe/'lm).' RTLr-LNF ckei" Die Aussprache, die sich in diesem Blatte im Anschluß an Ernst Wolss § Aufsatz „Einigung der jüdischen Jugend' entwickelt und nunmehr über zwei Nummern fortgesetzt hat, ist an einem Punkt cmgelangt, an dem es notwendig wird, die Grundgedanken des Referates und der Dis?ussionZ.,redu?r' zusammenfasiend nachzuziehen und danach sestzustellen, wo wir stehen und wohin der Weg führt, den die verschiedenen Wegloerser anzeigen. Wolfs war zu dem Ergebnis gelangt, daß eine grundsätzliche Eini- . gung der jüdischen Jugend kein „erstrebensroertcs Ziel' darstelle, weil die Voraussetzung hierfür, nämlich die Möglichkeit, einer „gemeinschastdildenden gcsamijüdischen Idee' in unserem oder dem Leben der Jugendorganisationen einen vollen Platz bereirzustetten, nicht gegeben sei. Denn die deutsch-jüdische Jugendbewegung stehe aus Grund bewußter und gewollter SchicksalsgemeinschasL mit dem deutschen Volke vor soviel ungeheuer schweren Problemen des geistigen nud sockischin Erlebens, die ihr mit dem deutschen Volke aufgcgebcn sind, daß das Renen zu dieser gesamtjüdischen Idee in ihr noch nicht erfolgen könne. Wohl aber bestünde eine Reihe von jüdischen Gemeinsamkeiten. Am diese zu Pflegen oder zu verwirklichen, genüge ein Zusammengehen der Bünde von Fall Irr Fall, ein Vorgang, der bereits jetzt häufig eintrete. Die beiden ersten Beiträge zu dem angeschlagenen Thema zeigen sehr charakteristisch die Angriffspunkte eines universellen Eimgmrgs- Planes. Kurt Steinhard engt die Problemstellung sofort zu „Einigung der deutsch-jüdischen Jugend" ein. Er tml! die zionistische Jugendfr a g e aus äußerlich-technischen, die zionistische Jugcndb ewegung jedoch aus prinzipiellen Gründen außer Betracht lassen. „Wenn es sich einmal um die absolute programmatische und organisatorische Einigung der jüdischen Jugend Deutschlands handeln sollte". Nur aus den von Wolsf angedcuteten Teilgebieten der jüdischen Arbeit sei Zusammentreffen von Fall zu Fall möglich. Dagegen bejaht Steinhard die Notwendigkeit, den großen deutsch-jüdischen Jugcndbimd schassen, „der jugendlich, aber unromantisch in seinen Ausgaben sein fach -er bewußt die Aufgaben des C e n kr a l vc re i n s zu den seinigcn macht, ohne vom Centralocrcin etwa dis Führer oder die Arbeitsformen zu übernehmen-' Innerhalb dieses neuen großen Kreists könnte dann auch die Wiederbelebung unserer jüdischen Werte allgemein beginnen. Ernst Holzer entwickelt folgende Gedanken: Die Atomisierung dcr jüdischen Gemeinschaft, die früher bestanden hat. muß mit Naturnotwendigkeit zum Nnt-ergange des deutschen Judentums überhaupt führen. Wenn man, wie es bei allen Aeußerunacn zum Tbcma der Fall war, den Willen zur Erhaltung des deutschen Judentums als Voraussetzung aller jüdi'ch-en Betätigung annimmt, so muß die gesamijüdischs Gemeinschaft Neu geschaffen werden. Diese aber geht von der Tatsache einer neuen gchamtjüdischen Gesinnung aus. In einem zukünstigcn „Großen Bunds' muß diese sich entwickeln und die Grundlage einer alle Altersstufen umfassenden neuen jüdischen Gemeinschaft bildenlieber die Ausführungen von Nathan Mar; erübrigt sich das Referat« Sie liegen in dieser Nummer nachlcsbar vor. So steht im Augenblick die Auseinandersetzung. Ihr Kernpunkt ist. wie mir scheint, bereits deutlich erkennbar. Es geht darum, ob Orgmisations f o r m und Wille zur Organhation vor dem Organisations ih a! t stehen — oder um. gelehrt. Ist es der glattere und raschere Weg. eine äußere Form zu schaffen, in die sich alle einlügen, die glauben, daß sich in ihr eine Idee deshalb entwickeln werde, rveil sie notwendig sei und deshalb Wirklichkeit werden müsse? Oder ist cs besser, die Idee in den Kopien der einzelnen bis zur Durch bruchsnähe der Wirklichkeit bilden und entwickeln und den oraanisatorischen Zusammenschluß erst dann und durch diesen erfolgen zu lassen? Diefe Frage soll hier nicht entschieden werden. Sie kann theoretisch auch gar nicht eindeutig beantwortet werden. Nur so viel ist klar, daß eins Organisation, die nur die Zerrissenheit Verneint und ljosst. daß alles Weitere sich finden werde, wenig Gewähr für eine aus ihr herauswachsende einende Idee bietet. Ebensowenig dürfte aber wiederum eine Bewegung bis zur Organisation durch dringen, bei der der einzelne Bewegungsträger mit zu vielen Voraussetzungen belastet wird und sich selbst belastet. Nur eine Kombination beider Möglichkeiten scheint aussichtsvoll zu sein. Die Schlußfolgerung für unsere Fragestellung liegt rrahe. Eine weitere Frage muß hier kurz gestreift werden, die in der Aussprache auftauchte. In Zwei Beiträgen wird der Centralverein erwähnt und seine Amgabe und seine Bedeutung für das Einigungswerk hervorgehoben. allerdings in charakteristischer Verschiedenheit — von Steinhard und Marx. Tenn während Steinhard einen neuen Bund wünscht, der Idee und Ausgabenkreis des Centralvereins — man wird wohl rm Sinne des Verfassers hinzufügen mimen: in einer durch die Generationsentwicklrwg weitergebildeLen Form — zum Inhalt hat, sieht Marr die Verwirklichung des Zieles in der völligen inneren Umstellung des Centralvereins selbst, durch die allen deutschen Juden die Zugehörigkeit Zu ihm ermöglicht w-erden solle. Marx berührt hier Fragen, die über die „Einigung der jüdischen Jugend" rveit hinausgehen und ausgesprochen die innerjüdische Haltung des Centralvereins zum Gegenstcurd haben. Tie große Aussprache ül^r diese Fragen, die .. in den Hauptblättern der jüdischen Presse grundlegend gesührt wird, kann nicht — sozusagen in einem Nebensätze — in unserer Beilage fortgeseßt werden. Einer gründlichen Auseinandersetzung auch in der Beilage, an der. ihrer Aufgabe gemäß, in erster Reihe die jüngere Generation teilnehmen soll, steht natürlich nichts im Wege. Was Marx will, ist aber g 2 r keine Umsormung des Centralvereins. sondern eine völlig neue Organisation, für die er aus Zweck Mäßigkeit-- gründen seine äußere Form verwenden möchte. Marx verkennt damit gründlich den Zusammenhang zwischen Form und Inha! t. Wasfür die Einigungsfrage der Jugend aber noch das Problematische ist, ist für den Centralvcrein überwunden: hier ist Einheit von Inhalt und Form. Für eine Gcsi n nun gsgem ernsthaft gelten andere Gesetze als beispielsweise für Zweckorganisationcn wirtschaftlicher Art. Eine G. rn. b. H. kann verkauft werden, sie kann sich, auch bei Ausnahme völlig neuer Ausgaben in ihr Programm. als sehr einträgliches Unternehmen Herausstellen. Für rocktanschauliche Gemeinschaften aber gilt wie für ausgeprägte Persönlich' leiten „das Gesetz, nach dem sie an getreten'. Ein Bedeutungswandel in dem Begriff ist möglich, wenn die Mehrzahl innerhalb der Bewegung ihn bejaht. Und dann vielleicht kann auch ein neues Gesetz gelten. Eher nicht. Was und mit n-elchen Mitteln der Ccntralverein. zrr den Einigungsbcstrebungen innerhalb der deutschjudischen Jugend gern und freudig be i tra g en w i i l. wird noch zu sagen sein. Laß die Beilage .L?on -deutsch-jüdischer Jugend^ ihr dienen will, braucht nicht mehr betont zu roerden.

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