Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 9 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 sVettbunck cke/- /üÄ'sc^s/r «/UASNÄ?/i6Ll5'ick Dwcknttr sLe/'/r/r): Vom ö. bis 9. August fand in Straßburg ein Kongreß des „Weltverbandes der jüdischen Jugend" unter dem Vorsitz seines Präsidenten AimS Palliere, den man auch in Deutschland durch sein Buch „Das unbekannte Heiligtum' keunengelernt hat, state. Der Weltverband ist eine Zusammenfassung von Jugendverbänden, die sich einstweilen im wesentlichen auf Frankreich, seine afrikanischen Kolonien und einige Mittelmeerländer beschränkt. Er hat die Tendenz, sich auf Mittel» und Osteuropa auszudehnen, was auch schon, wie von Palliöre betont wurde, in der oftwärtsgewandten Wahl des Tagungsortes zum Ausdruck kam. Der gut besuchte Kongreß fand unter Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Körperschaften Straßburgs statt. Derhandlungsgegenstände waren Fragen organisatorischer nnd programmatischer Art. Es wurden Referate erstattet über die Tätigkeit der angeschlossenen Gruppen, über die Stellungder jüdischen Frau im jüdischen offen tlichen Leben und über „dre Aufgabe der jüdischen Jugend an der heutigen Renaissance-Bewegung im Judentum" (Pacifici). Der Verband bezeichnet sich als religiös und jüdisch-politisch neutral. Er muß aber alsansgesprochenzionistensreundlich bezeichnet werden. In den vorn Kongreß angenommenen Leitsätzen, die wir nach ihrer Wiedergabe in „l-a Trllmno ckuivo' vom 17. August zitieren, finden sich unter dem Abschnitt Palästina die Sätze: „Der zweite Kongreß der 11. 11. I. I. (Union universells cks 1a vermesse ^uivo) erinnert daran, daß die Zusammenarbeit aller Sektionen zugunsten des Keren Koje me LH einen wesentlichen Teil der aktiven Arbeit der 11. U. I. I. entsprechend ihren Satzungen bildet und fordert alle seine Sektionen und angeschlossenen Verbände*) auf. die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Entschließung innerhalb ihrer Gruppe durchzuführen. . . « Ter Kongreß beauftragt die Zentrale; eine dauernde Verbindung mit der örtlichen Organisation des Keren Kajemeth herzustellen. . . . 11m die Kräfte der Mitglieder der Ü. 11. I. I. für den Ausbau Palästinas zusammenznfassen und Zu interessieren, nimmt der Kongreß die Gründung einer Kolonie Kfar Hanar (Dorf der Jugend) in Erez Israel in Aussicht, die aus Mitteln, die von ihren Mitgliedern aufgebracht werden sollen, unterhalten wird? "Diese Beschläge des Kongrepes haben für uns ein gewisses Interesse. An der Tagung nahm nämlich, als Vertreter des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands' Herr Rabbiner Dr. Jacob (Saarbrücken) teil, der dem Kongreß ein Referat über die jüdische Jugendbewegung in Deutschland erstattete und mit dem Präsidium des Weltverbandes Verhandlungen über eine gegenseitige Zusammenarbeit führte. Als Ergebnis wurden von Palliere folgende Leitsätze bekannt gegeben, die wir im Wortlaut einer Meldung der JLa brinc^n. „Die beiden Parteien find, vorbehaltlich spaterer Aenderungen seitens der beiderseitigen Leitungen, zu dem folgenden lieberemkonuncn gelangt: Unter absoluter gegenseitiger Achtung der Richtlinien jeder Gesellschaft Ln Sachen der Religion und des Zionismus wird eine Föderation geschaffen, die möglichst alle großen Organisationen der jüdischen Jugend umfassen soll. Die Ziele dieser Föderation sind: 1. Die Kräfte!^r jüdischen Jugend sollen als moralischer Faktor m der^ Menschheit zur Geltung gebracht Werdern 2. Die zusammengeschloffenen Gesellschaften werden ihre Erfahrungen inslnsondere im Hinblick auf die Organisationsprobleme auZLauschen. 3. Durch *Z Von uns gesperrt gedruckt. (Die Cchr'rftlertung.) Austausch von Rednern und durch andere geeignete Mittel soll die jüdische Jugend in den verschiedenen Ländern über die Lage der Juden in der ganzen Welt auf dem laufenden gehalten rverden. Die Dertreter der verbundenen Gesellschaften werden für Ende 1928 eine möglichst zahlreich besuchte Zusammenkunft der Führer der verschiedenen Verbände der jüdischen Jugend vorbereiten. Die Einladungen zu dieser Zusammenkunft werden vom Weltverbande und dem deutschen Verbände gemeinsam versandt werden." Herr Dr. Jacob hat nach seiner Rückkehr in einer Vorstandssitzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereme Bericht über diese Verhandlungen erstattet nnd zu deren Ergebnissen (Jta-Mchrichten vom 15. August) die Zustimmung des Vorstandes erhalten. An nnd für sich ist die Idee einer Union dev jüdisckM Jugend aller Länder etwas überaus Begrüßenswertes. Die jüdische Renaissance, wie sie von der jüdischen Jugend fast aller Länder berichtet wird, würde in einem solchen Verbände ein wirksames Instrument finden, sich dnrchzusetzen. 1lnl>eschadet der Verschiedenheit der nationalen Aufgaben, würde sich eine Fülle kultureller nnd sozialer jüdischer Problerne finden, die sich durch Gedankenaustausch und Zusammenarbeit in ihrer Lösung fördern ließen. Erste Voraussetzung wäre aber die strengste Neutralität eines solchen Verbandes. Die 11. U. I. I. kann nach dem Berichteten aber nicht als neutral bezeichnet werden. Sie stellt daher kaum die geeignete Grundlage für einen wirklichen Meltverlnnd der jüdischen Jugend dar. Ter Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands war die einzige in Straßburg vertretene Jugendorganisation Deutschlands. Die jüdischen Jugendbewegungen Deutschlands hatten keine Vertreter auf dem Kongreß. Wie der Verband der Jugendvereine seinen Grundsatz strenger Neutralität mit der zionistischen Einstellung der 11. 11. I. I. in Einklang bringen wird, ist seine Sache. Immerhin aber wird Dr. Jacob in Straßburg als der repräsentative Vertreter der jüdischen Jugend Deutschlands angesehen worden sein. Und ein etwaiger Beitritt des Verbandes der Jugendvereme zur N. U. I. I. wird von den Franzosen von ihrem Standpunkte ans als Beitritt der repräsentativen deutschen jüdischen Jugendorganisationen gewertet werden. Ta können wir doch nicht umhin, an den Verband der jüdischen Jugend- Vereine Deutschlands die ernste Bitte zu richten, bei den kommenden Verhandlungen sich der Verpflichtung bewußt zu bleiben, die ihm seine so oft l^etonte strenge Neutralität auferlegt. Die oben zitierten Leitsätze scheinen uns zu großer Vorsicht Anlaß genug zu enthalten. ^ussncttreAe/r in Br-r'ese/a/rg Das Tressen des Landesausschusses Berlin-Brandenburg der jüdischen Jugcndveröünde am 1. und 2. September in Brieselang gab eine günstige Gelegenheit, den tatsächlichen Stand der jüdisck>cn Jugendbewegung sestzuftellen. Während es bei Konferenzen und Besprechungen der „Vorstandsmitglieder' bzw. der Führer nur auf die Leistungsfähigkeit des einzelnen ankommt, so legte das Tressen Zeugnis davon ab, welche Gefolgschaft hinter diesen stetst, lind dies weniger in quantitativer als vor allen Dingen in qualitativer Beziehung. Ohne Zweifel drückten die auf Jüngcrenarbcit und straffes Fahrtenleben eingestellten Bünde Kameraden", D e u L s ch j ud i f ch e Jugcnd-Semeinfchast und ,st?adimah" dem Tressen den Stempel auf, während von den anders aufgebauten Bünden eigentlich nur der I. I. LV. B. hervortrat. Die Formen der Pfadfinder ei sind teils mehr, teils weniger übernommen. Der Gefahr, daß diese Formen Inhalt des Dündnislebens werden, ist man bisher cnrronncn. Wohl aber war es den Formen zu verdanken, daß eine mustergültige Ordnung und Diszipliniertheit, die nicht militaristisch, sondern militärisch im besten Sinne des Wortes war, herrschte. Abendseier mit gemeinsamem Sprechchor (Schöpfungsgeschichte Ln der Buber - Rosenzweiaschen Ilebersehung), Sportwettkämpse und Chorsingen der Bünde kennzeichneten den äußeren Verlaus des Treffens, von dem im Interesse der Bünde und der jüdischen Oessentlichkeit zu hoffen ist, daß es zu einer ständigen, jährlich wiederholten Einrichtung werde — ^HsckaurLs/r «rn ck§rrL§A'/2ckt§crrs ernerrrLc/rcr/ie/r). Aus diesem Grunde, rveil wir die Uebcrzeugung im anderen achten, wenn wir sie vielleicht auch als falsch oder gar als gefährlich ansthen, vermeiden wir tunlichst eine zwecklose Diskussion, die im günstigsten Falle ein Aneinandervorbeiroden bringen würde. Mit der zionistischen Richtung. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt sein, daß wir uns nicht mit diesem Problem, nur das kein tankender Mensch — nicht nur kein Jude!! - iMumkommt, beschäftigt haben und es noch Lun. Warum wir den Zionismus ablehnen? Nun, das gchört nicht hierher. Ebensowenig wie die Frage nach unserer Stellung zur Jugendbewegung. Gerade das letztere liegt z. B. ganz und gar im Auge des Beschauers, die einen rechnen uns dazu, die anderen weisen diese Zumutung entrüstet zurück. Interessant ist vielleicht, daß an einem Abend des letzten Winters über Jugendbewegung u. a. formuliert wurde: „D. j. I. plus Hohe-Meißner-Fonnel ergeben »Kameraden'/ Doch dies ist ja alles gar nicht so wichtig, auch mochte ich damit nun nicht einen Entrüstungssturm der „Kameraden' herausiwschwbren. Es war zu zeigen, daß es möglich ist, deutsch-jüdische Jugend aller Richtungen ohne Bundes- oder DereinZzwang zu einen, und daß es möglich ist, gemeinsame geistige — und vielleicht kulturell wertvolle — Arbeit arg dem Weg, den wir gegangen, zu leisten. Wir müssen es ablehnen, ein Rezoptbuch Zu veröffentlichen oder einen offiziellen Arbeitsplan Zur gefälligen Kemrtnisnahme zu unterbreiten, rveil wir das -einfach nicht können; denn ein solcher Plan sicht aus wie jeder andere, nur die Art ist anders als die der anderen. Deshalb ergeht an alle jungen jüdischen Deutschen der Ruf: Kommt, wenn ihr in Hamburg seid, an den Dienstagabenden zu uns, seht euch an, wie gearbeitet wird, was gearbeitet wird, und dann berichtet aus eigener Erkenntnis, kritisiert, was nach eurer Meinung falsch ist, wir fürchten keine gerechte Kritik» sondern sind dankbar dafür. Tenn nur Einanderverstehemvollen und gesundes Krrtiküben bringt eine Sache Vonvärts, dem Ziel entgegen. Und das Ziel heißt: An unserem Leit Mitarbeiten für ein gesundes Volkstum und Mitwirken an der End Wicklung reinen Menschentums. Verantwortlich für die Vorlage „Von deritsch.jüdischer Jugend": Alfred Hirsch» d<rg (Berlin-LharloUenbirrü). Druck von Rudolf Möge, Berlin 8N' 1L.