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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-09-14 · 9 (14.9.1928) · p. Seite 25

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
9 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 25 (sequence 1)
Language
German
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HerUn, 14. September 1H28 Jahrgang 4 Lrrckrvrg 7/etr. Die Notwendigkeit der Erhaltuna der jüdischen Gemeinschaft ist in der letzten Zeit bei Erörterungen über die C. B.- Arbeit von Aelteren und Jüngeren immer mehr betont worden. Wir dürfen wohl deshalb voraussetzsn, daß diese Forderung, bei aller Verschiedenartigkeit der Auffassung über Mittel und Wege, alle in unserem Kreise eint. Ludwig Holländer schrieb vor kurzem: . . . „wenn der sittliche Inhalt um die Forderung des Judentums den einzelnen zu erner Phrase geworden ist, wenn man die Gemeinschaft, in der man herangewachsen ist, nicht kennt, wenn man nicht einsieht, daß man jüdisch nicht sein kann, ohne in die Kenntnisse vom Judentum hineingestiegen zu sein, wenn es uns und der kommenden Generation nicht gelingt, nach dieser Richtung hin unsere Erkenntnis zu steigern, unseren Willen zu stärken und unsere Forderungen durchzusetzen, so nützt der Judeuheit kein Zionismus und kein Eentralverein." („C. V.- Zeitung" Nr. 32.) Mit diesen Gedanken und Ln diesen Worten zeigt Holländer, welche Aufgabe heute jeder jüdischen Gemeinschaft neben ihrer engeren durch politische und religiöse Richtung bestimmten Arbeit zufällt. Es muß gerade von uns, der jüngeren Generation, die in die Arbeit des E. V. eintritt, immer wieder betont werden, daß eine Derteidigungsarbeit, eine politische Tätigkeit auf die Dauer mit innerer Berechtigung nur dann geleistet werden kann, wenn man das Objekt dieser Arbeit genau kennt. Wir behaupten nicht zu viel, wenn wir sagen, daß diese Voraussetzung für einen bedeutenden Teil der jüngeren jüdischen Generation in Deutschland — wenn wir die religiös-konservative Jugend ausnehmen —, sogar für den größten Teil, nicht zutrifft. Aus diesem Grunde haben wir wiederholt (vgl. Denkschrift „E. V. der Zukunft") unser Deutschtum als unsere ArbeiLsgrurrdlage, unser Judentum als Arbeitsforderung bezeichnet. Die jüdische Jugend in Deutschland, deren gesamtes Leben in den letzten zehn Jahren durch die Entwicklung der Jugendbewegung entscheidend beeinflußt worden ist, bringt für diese Arbeitsforderung ihrerseits eine andere, von der älteren Generation sehr verschiedene Voraussetzung mit. Sie ist durch das Leben in den Bünden gewohnt, sich voll und ganz für eins Sache einzusetzen, die über den egoistischen Jnteressenkreis des einzelnen Individuums hinausgeht. Hierin liegt ein Plus, das auch n a ch dem eigentlichen Leben im Bunde der Persönlichkeit den Stempel aufdrückr. Dadurch würde auch die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in äußerst günstiger Weise beeinflußt werden, wenn das Leben und die Betätigung in den heute bestehenden jüdischen Organisationen den einzelnen beliebigen könnte. Dies ist aber im Augenblick nicht der Fall. Vielmehr muß die Jugend immer wieder sehen, wie das Organisatorische zum Selbstzweck wird und wie mehr und mehr die innere Beziehung zum Judentum schwindet. Es ist also Ausgabe jeder einzelnen jüdischen Organisation, die jüngere Generation nicht nur für sich zu gewinnen, sondern sie mit dem Judentum bekanntzurn a ch e n. Wir wissen, daß es für die altere Generation und für die jüdisch- Poutischen Organisationen nicht möglich ist, diese Ausgabe unmittelbar zu erfüllen. Die Bünde selbst können zwar den ein- Aünen vorbererlen, ihn empfänglich machen, daß er den Willen hat, seine Beziehungen zum Jüdischen zu vertiefen. Aber sie können selbst, aus Mangel an genügend vorgebildeten Führern, diese Aufgabe, jüdisches Wissen zu vermitteln, nicht Erfüllen. So liegen die Derhältmpe heute bei der jüdischen Jugend fast aller Richtungen in Deutschland. Es wurde nun schon in Nr. 29 der „E. B.-Zeitmrg" davon berichtet, daß in Berlin ein Kreis jüngerer Menschen Vorarbeiten geleistet hat, um dieser Unzulänglichkeit in jüdischer Beziehung durch Schaffung einer „Schule der Jugend" abzuhelfen. Diese Schule soll den Jugendlichen verschiedener Altersstufen und verschiedener allgemeiner und jüdischer Bildungsgrade jüdisches Wissen vermitteln. Es soll der in jüdischen Dingen gänzlich Uninformierte wie auch der in seiner jüdischen Bildung Fortgeschrittene dort Lernmöglichkeiten erhalten. Wesentlich ist die Art der Wissensvermittlung, die von einem einheitlichen Geiste getragen sein soll. Weder schulmäßig, noch akademischwissenschaftlich soll unterrichtet werden, vielmehr soll alles, was gelehrt und gelernt wird, eine von der Persönlichkeit des ,Lehrers" ausstrahtende und die gesamte geistige und seelische Haltung des Schülers erzeugende Wirkung haben. Wissen soll hier dem Leben dienen und charakterbildend Einfluß nehmen. Diese entscheidende Forderung wird diese Schule von den bereits existierenden kulturellen Einrichtungen aller Art unterscheiden, besonders auch von der Volkshochschule, die sich nicht ausschließlich an Nur-Jugendliche wendet und weder durch systematischen Aufbau, noch in der Wahl der Dozenten, noch durch einen festen, innerlich geeinten Schülerkreis den hier gestellten Forderungen genügt. Auch aus dem Gebiete der hebräischen Sprache und Spracherlernung soll sich die Schule in Zielsetzung und Methode wesentlich von der hebräischen Sprachschule unterscheiden. Für die Praktische Verwirklichung und den Aufbau einer solchen Schule ist bereits ein Lehrplan ausgearbeitet worden, der für drei Kategorien Lernender bestimmt ist. Als Themen für den Unterricht sind Ln Aussicht genommen: Hebräisch. Geschichte, Bibel und Talmud, Literatur, Philosophie und Musik. Neben diesem reinen Lehrbetrieb ist die Einrichtung eines „freien Sprechsaals" geplant. Es darf ohne Ueberrreibung gesagt werden, daß das deutsche Judentum hier die Möglichkeit hat, die „ewige Glückchanee", die seinem Bestände durch die Jugend gegeben ist, wahrzunehmen. Wie in der oben erwähnten Lornotiz bereits gesagt wurde, „trägt eine wirklich lebensvolle Schule der Jugend Keime zu einer Entwicklung in sich, die das gesamte jüdische Leben auf eine neue gesunde Basis stellen kann". Eine solche Basis sich zu schaffen, ist die Jugend aller Richtungen ernsthaft bemüht, und die ältere Generation sollte aus eigenem Interepe hier an der Verwirklichung dieses Zieles Mitarbeiten. Denn eine solche jüdische Erziehung der Jugend wird sich auf alle Organisationen fruchtbar auswirken. Es wird in den Mittelpunkt der Organisationsarbeit das Wesentliche treten: Die Arbeit für die Erhaltung und Fortenwicklung der jüdischen Gemeinschaft, getragen von Menschen, die ihr Judentum kennengelernt haben und innerlich damit verbunden sind. Keineswegs soll damit bezweckt werden, Gegensätze ernster, tiefgehender Art zu verwischen. Wohl aber werden Auseinandersetzungen über diese Richtungen von der Ileberzeugung getragen sein, daß die letzte Einheit nicht die Partei, sondern das im Bewußtsein und Gefühl lebendige Judentum ist. Denn „die Parteien hebt und verschlingt die Welle, wie den Menschen in dem göttlichen Liede Goethes, und sie können wie der Sand am Fuße der Pyramide Vorbeitreiben und wie das Laub fallen, währendderBarrmweiterrväch st". (Theodor Wolf, berliner Tageblatt", 27. Mai 1928.) ^ULÄsm/n/ratt.- FürrFLNF «Lee'f2Lkr»Lܧn — ckvLßpü LiserrrsKtt F/eLl- — L/'iLLiF'iLkr

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