Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 37 (14.9.1928)
- Date
- 1928-09-14
- Page
- Seite 514 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277818--04730-2285377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
514 Der Wiederaufbau. Jüdische Wirtschastsführer (VU). Don Dr. Kurt Ziclcnziger. Verbindungsglied zwischen dem Deutschland des Glanzes der Vorkriegszeit und dem um seinen Wiederaufstieg ringenden Reiche stellt eine Reihe von Männern dar, die noch rn unseren Tagen als Wirtschastsführer eine große Rolle gespielt haben oder noch spielen. Zu ihnen gesellen sich dann einige, deren Name erst in den letzten Jahren überall genannt wurde. Wir können hier nur wenige dieser Prominenten nennen. Die Serie der Köpfe') erhebt keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Einer der letzten Bankiers großen Formars ist Karl Fürstenberg. Er ist es, der im Zeitalter der Expansion der Banken unbeugsam am zentralistischen Prinzip festhielt. So Hai er sein Unternehmen, die Berliner Handelsgesellschaft, zu einem der größten Emissionshauser Deutschlands ausgestaltet. Der 1850 in Danzig Geborene, der zunächst in Berlin bei Bleichröder tätig war, wurde 1883 als Reorgani- Jator an die Handelsgesellschaft berufen. Er war es, der früh M e Bedeutung Emil Rathenaus erkannte und der Finanzmann der AEG wurde. Als Aufsichtsratsmitglied einer großen Reihe führender Unternehmen der Schwerindustrie hatte er starken Einfluß auf die deutsche Wirtschaft ausgeübt. Ganz anderer Art ist der Bankierphilosoph Max M. W a r - bürg, der Seniorchef des alten Hamburger Bankhauses M. M. Marburg u. Co. Das Haus der Marburgs hat für Hamburg, wo es schon 1798 gegründet wurde, ungefähr die gleiche Rolle gespielt wie das der Mendelsohns in Berlin. Frühzeitig haben die W a r b u r g § es verstanden, sich ausgedehnte internationale Beziehungen zu verschaffen. So wurden sie führend wie einst die Rothschilds im internationalen Emisswnsgeschäft. Max Marburg, in Hamburg 1867 geboren, der dem Generalrat der Reichsbahn angehört, der stellvertretender Vorsitzender des Zentralverbandes des Bank- und Dankiergewerbcs nt, gehört auch zu den Schöpfern der Hamburger Universität, die ihn zu ihrem Ehrendoktor ernannte. Als echter Hamburger ist Marburg ausgesprochener Liberaler in politischer und wirtschaftlicher Beziehung. So erklärt er: „Tie Lätigkeit des Staates^ auf wirtschaftlichem Gebiet birgt große Gefahren in sich, der «Ltaat entbehrt die beste Freundin des Kaufmanns: die Angst vor dem Konkurse." . Ein Reformator in der Industrie war Maximilian Kernpner. In ihm verband sich in glücklicher Mischung der große Jurist mit dem genialen Kaufmann. Der 1854 in Kempen Geborene kommt 1874 als Referendar nach Berlin, wird Sekretär des damaligen Berliner Oberbürgermeisters v. Forckenbeck und läßt sich 1879 als R echts anw alt nieder. Als Aktienrechtsspezialist, der er mit der Zeit wird, gehört er bald zu den bekanntesten Leitern von Generalversammlungen. So kommt er schnell in Beziehungen zur Industrie. 1909 beteiligt er sich an den Kämpfen in der Kaliindustrie. Kempner wird nun der Erneuerer der deutschen Kali Wirtschaft, die damals noch ein Weltmonopol besaß. Er . gehört zu den Vätern des deutschen Kaligesetzes, wird Vorsitzender des Kalisyndikats und dann schließlich nach dem Umsturz der Präsident des Reichskalirats. Auf der Rückkehr von schwierigen Verhandlungen mit Amerika stirbt er ganz plötzlich am 11. Mai 1927 m Amsterdam. Der wahre Nachfolger Emil Rathen aus wird 1915 Felix Deutsch. Er gehört zu den Mitschöpfern der ÄEG. Am 16. Mai 1858 in Breslau geboren, lernt auch dieser Kankorsohn sein Handwerk von der Pike auf kennen.. Nach dem Besuch des Gymnasiums und kurzer Lehrzeit in einem Bank- 5>aus kommt er bald zu einem technischen Großunternehmen Vresaus, das hauptsächlich Maschinen und Apparate für die Zuckerindustrie herstellt. Die Spezialkenntnisie, die er sich hier erwirbt, machen ihn dann geeignet mit R a t h e n a u gemeinsam die Leitung der Edison-Geseüschaft und später der AEG zu übernehmen. Hier wird Deutsch der Organisator des riesigen Vertäussapparates dieses Unternehmens. Er versteht es, den Konsum aufzusuchen, aber auch anzuregen und dadurch den Absatz der elektrotechnischen Erzeugnisse die Wege zu bahnen. Schon wahrend des Krieges, aber besonders nachher, steigt Deutsch immer mehr zu der Rolle eines deutschen Wirtschasrsführers aus. Er versucht es durch Umstellung der Fabrikation schon frühzeitig eine Modernisierung in der deutschen Industrie herbeizuführen. Deutsch gehört auch zu denjenigen Männern, die für die W i ede ra n k n ü p f u n g der Beziehungen zum Ausland eintreten. Als. einer der ersten schasst er eine Brücke mit Amerika, aber er fordert auch die Verbindung mit Rußland. An seinem 70. Geburtstage feiert ihn ganz Deutschland. Mit tiefer Trauer steht es an seiner Bahre, als er plötzlich drei Tage nach dem Jubiläum am 19. Mai dieses Jahres aus diesem Leben abberufen wird. J) Vgl. „C. B.-Ztg." Nr. 24, 29, 27, 29, 29, 51* Keks II Enthäut nur feinste MOLKEREIBUTTER J H.BAMLSENS KEKS-FABRIK AG' HANNOVER Zu den Männern, die sich erst in der letzten Zeit zu der Stellung eines Führers der deutschen Wirtschaft emporgearbeitet haben, gehört Jacob Gold schmidt. Heute unbestritten der einflußreichste Finanzier Deutschlands. Trotz seiner noch jungen Jahre. Goldschmidt, am 31. Dezember 1882 in Eldagsen (Hannover) geboren, Sohn eines kleinen Kaufmanns. besuchte in Kasiel die Schule, kommt in die Lehre zu dem alten Bankhaus H. Oppenheimer in Hannover. Als diese Firma von der Darmstädter Bank übernommen wird, bleibt er zunächst dort. 1907 geht er nach Berlin, tritt hier in das Bankhaus Emil Wechsler u. Co. und gründet dann mit Julius Schwarz zusammen 1910 die Firma schwarz. G o l d s ch m i b t u. C o. Von hier wird Eoldschmidt in die Direktion der Nationalbank für Deutschland berufen und führt dann deren Fusion mit der Darmstädter Bank durch. So ist er heute Geschäftsinhaber der Danatbauk. Tie Universität Heidelberg ernannte ihn 1927 zum Dr. rer. h. e. wegen „seiner Verdienste u rn den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft". Zu den wenigen Köpfen, die aus der großen Zahl der deutschen -Unternehmer herausragen, gehört auch eine Anzahl jüdischer Männer, deren Leistungen sie in die Führerreihe stellen. So noch Oskar Wassermann unter den Bankiers, Aron Hirsch in der deutschen Metallindustrie, Benno Orenstein in der Lokomotiviudustrie. Neben ihnen Ignatz Racher, heute einer der maßgebenden Männer des deutschen Braucrcrgewerbes, dann die T i e tz und die Karstadt als die Schöpfer der großen Marenhaustruste. Schließlich Nie ödem Caro, der geniale Chemiker und Kaufmann, vielfacher Ehrendoktor, als einer der Schöpfer der deutschen SncksLossindustrie. Trotz dieser Leistungen jüdischer Wirtschastsführer, sehen wir überall ein Zurückdrängen des jüdischen Einflusses. Die völlige rechtliche Emanzipation scheint Hand in Hand zu gehen mit einer Verminderung der Wirtschaftskraft der deutschen Juden. Als einfache Soldaten marschieren die meisten mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern in gleickzer Front, vereint mit ihnen im Kampfe gegen die Abwehr der Riesenorganisationen. Kauft Loset Wie wir bereits früher mitgckeilt haben, sind uns von befreundeter Seite eine Anzahl von Losen der Wettlotteris zur Delämpfung der Tuberkulose unter den Juden zugunsten des Wahlsonds 1933 jur Verfügung Qcfkfii worden. Dir Zielens dieser Lr-tt-rie, t>ci fcä? wertvoll- Gebn starke zu gewinnen sind, findet anr 26, SrpLeurber statt. g&Ur fc-uics Freunde und Brcundinnerr unserer Sache» noch zeht zum Preise von 2 Mark bei der Kaffenverwariuttg $<3 CerrtrarverciuS, DerUn SW 68, KLndeusrratze 13, bestellen in wollet«