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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 512

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 512 (sequence 8)
Language
German
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angenommen hat, dem Gerichtshof alle NechtsstrerLigkeiLen zur Entscheidung Zu unterbreiten, hat Deutschland feit 1921 bereits dreizehn Schiedsgerichts- und Vergleichsverträge abgeschlossen von bedeutend vertieftem Verständigungswillen: Sie unterbreiten nämlich der obligatorischen Schiedssprechung nicht nur die juristischen, sondern nunmehr auch die politischen internationalen Streitigkeiten. Also: Durch Gewöhnung an das Recht, Erziehung zürn Recht und zrrr Ehrfurcht vor dem Recht als einem der höchsten Ideale aller Kulturstaaren. S oz i olo g r sch - P sy ch o l o g i sch e Vertiefung muß den Kampf ums Recht dem Genüssen und dem Erkennen und damit dem Verstehen näherbringen. Die Lieblosigkeit muß aufhören, wenn durch Einführung in die Psychologie sozialer Gruppen, namentlich der Minderheiten, auch volklicher Minderheiten deutscher Prägung im Ausland, das tief Menschliche unserer Ansprüche, die Selbstverständlichkeit unseres Heimatbewußtseins und unserer Heimatliche aus dem Dunkel der Vorurteile in das Licht klarer, unbefangener Erkenntnis tritt. Also: Mutige Weiterarbeit des Philo-Vcrlags und der Zeitschrift ,L)er Morgen" und, nach wie vor: geistige Höhenlage gehalten! Neue Bildungsmöglichkeiten und, durch sie hinaufgcsührt und gestählt, neue F ü h r c r p e r s ö n l i ch k e i t e u find zu schaffen innerhalb der deutschjüdischen Gemeinschaft. Es ist richtig, was aus Anlaß des Erscheinens des neuen Buches von Herford „Tie Pharisäer" geschrieben wurde: „Die deutschen Gebildeten besitzen gar keine Ahnung, wie unwiderstehlich sie bei der Beurteilung religiöser Problematik gewöhnt find, sich christlichen Methoden und Kategorien unterzuordnen." Wo sind die jungen jüdischen Menschen, die in der Lage sind, die Entwicklung der gesamten jüdischen Problematik durch die Jahrtausende, von innen und von außen zu sehen? Ohne diesen Einblick und Ueberblick aber kann man heute kein Führer auf diesem schwierigsten kulturpolitischen Gebiete mehr sein. 'Darum: Fort mit der veralteten pädagogischen Dogmatik, die, kurzsichtig und eigensinnig, ohne Ausnahmen zu gestatten, rein politische Gesichtspunkte auf die Erziehung der deutschjüdischen Jugend überträgt. Kein politischer Liberalismus und Sozialismus kann und wird verhindern, was die jüdische Jugend immer stürmischer verlangt und was ich als Leiter eines der größten öffentlichen deutschjüdischen Schulwerke im Bewußtsein meiner Verantwortung der deutschjüdischen Gemeinschaft in vorbehaltloser Liebe wünschen muß: Mehr Bildungsstätten jüdischer Patronate, insbesondere auch höhere Lehranstalten als Entfaltungsstätten des deutschbewußten, deutschjüdischen Menschen, Bildungsstätten nicht als Regel — die sogenannte Simultanschule will niemand von uns bekämpfen —, aber immerhin: Mehr Pflegestätten des seelischen Ringens um der: Ausgleich zu freudiger, harmloser, selbstverständlicher, tiefster Harmonie des deutschjüdischen Menschen. Studiendirektor Dr. Otto Dricscn, Phitauthropin, Frankfurt a. M. r^iö Die Aufgaben der C. V.-Arbeit sind auch im kommenden Jahr Zahlreich. Denn es muß auf den verschiedensten Gebieten in der Richtung der Abwehr des Antisemitismus gearbeitet werden. Eine dieser Ausgaben besteht auch darin, unentwegt den pseudowissenschaftlichen Argumentationen der Gegner'— insbesondere der Rassenfanatiker oder, richtiger ausgedrückt, Rapenphantasten — entgegenzutreten. Diese — sagen wir, wissenschaftliche — Bekämpfung des Antisemitismus ist heute deshalb besonders nötig, weil durch einseitige Darstellung von Rassenfragen bei vielen eine Verwirrung in der Beurteilung von Rapenproblemen erzeugt worden ist.^ II. a. zeigen schon die sporüichen Leistungen von Juden, daß auch physische Höchstleistungen nicht von einer bestinrmten „Rape" abhängig sind. Deshalb sollte der C. V. auch den Bestrebungen zur Ertüchtigung der Jugend weiterhin^seine besondere Beachtung schenken und ganz allgemein das Ziel verfolgen, durch weitgehende Anteilnahme an den Jntereperr der Jugend diese.für die Ideen des C. D. zu gewinnen. Prosepor H. Ttrautz \1 Als d t e beiden wichtigsten Aufgaben erscheinen die Gewinnung der der I u g c n d und der Frauen zum Wiederaufbau des jüdischen Lebens. I. Für die zum Schlagwort gewordene Arbeit für die Jugend und mit der Jugend, die freilich bisher mehr W o r t geblieben, als kräftiger Schlag nach vorwärts geworden ist. ist zu verlangen, daß das bisherige laisser faire, laisser aller innerhalb des Judentums aufhöre. Die Jugend muß an der jüdischen Wirklichkeit — der Gemeinde — mitgestalten. Als ein praktischer Weg für diese Gewinnung der Jugend liegt vor uns die unaufschiebbare Gründung von Jugendheimen in allen Gemeinden, in denen jüdische Jugend heranwächst. Hier ist Zusammenfassung in „nicht beschwerten politischen Wänden" gegeben und damit die Möglichkeit des Sichverstehens in einer Sprache. Diese Jugendheime, Sie in allen Gemeinden Amerikas und in dem wundervollen settlement des Ehepaares Henriquez im Osten Londons.^das zwei Menschen höchster westlicher Kultur und größten jüdischen Aeramwortlichkeitsgefühls aufgebaut haben, erfüllen die große Aufgabe, die auch wir bewältigen muffen: sie bilden aus der Gemeinde eine Gemeinschaft. in der jeder die Verantwortlichkeit für das Ganze fühlt und daran arbeitet. Tie Jugend stillt ihre Sehnsucht nach eigener Bewegung und nach Erprobung ihrer Kräfte. Eine solche Gemeinschaft fehlt unserer Jugend, es fehlt ihr schon die reale Möglichkeit, beieinander zu sein. Wäre ihre lokale Raumnot beseitigt, so würde sie sich auch geistig und seelisch bewegen können. Daß die vielen Möglichkeiten, die das Jugendheim der Jugend schasst, erfüllt lvcrdcn. daran kann und muß auch der Ceutralverein mit seinem großen Reichtum an Kraft und Kräften Mitarbeiten. s' : 2. Und die Frauen? Der Aufbau des jüdischen Gemeinschaftskörpers kann sich ohne Frauen nicht in Harmonie vollziehen, wie kein lebendiges Leben es kann. Auch für sie soll in durch Politik unbeschwerten Wänden Mitarbeit möglich sein an freudigem Judentum, dem die große Maste der jüdischen Frauen „aus Trägheit des Herzens" viel zu fern steht. Ter sicherste Weg ist wohl auch hier durch die Jugend. Die jüdische Erziehung des jüdischen Mädchens muß nicht nur so nebenbei den zwei oder drei wöchentlichen Religionsstunden überlasten bleiben, auch nicht nur der Organisation, dem Verein. Bor allem hat das Elternhaus zu erziehen. Und hier gilt es einen Begriff lebendig zu inachen. der viel Selbstkritik und Selbstüberwindung fordert: „Erzogene Erzieher." Wenn sich die Mütter entschließe» könnten, ihre Herzen der Begeisterung zu öffnen, die aus der jüdischen Geichichte strömt. die ihnen ein großer Teil des jüdischen Schriftwerks bis in unsere Zeit vermitteln kann, wenn, wie Baeck kürzlich aus Nietzsche zitierte, die 3 M. Meinung. Moment, Mode, aufhörten, ihre Wegweiser zu sein — dann würden sie über ihre eigene Familie hinaus das Haus Israels aufbaven helfen. Man muß sie freilich auch Mitarbeiten lassen und sie nicht durch.ganz dicke Mauern von den Männern abschließen. Wieweit hier der Eentralverein Mitarbeiten kann? In allen seinen L^>enssunktioncn! Er erkennt die neue Staatsforin und ihre Verfassung an und wirbt für beide in feiner Gesaintarbeit. Sollte er. ohne über seine Neutralitätsgrundsätze hinauszugeheu, nicht mich für Form und Verfassung in den jüdischen Gemeinden werben können., welche der Frau Rechte und Pflichten noch vorcnthalten. die sie als Staatsbürgerinnen besitzen? Wenn man den Frauen beides früher innerhalb der Religionsgemeinschaft gegeben hätte, vielleicht wäre manche von ihnen der Gemeinschaft erhalten geblieben, die sie aus Mangel an Verantwortlichkeit, wie sie durch Recht und Pflicht entsteht/ verlassen hat.; Die Jugend und die Frauen! Sie zu gewinnen für ein starkes, unerschütterliches Judentum, ihnen die Sprache dep jüdischen Gegenwart verständlich und heimisch zu machen, so daß durch sie die Farnilicn — die Gemeinden — die Gemeinschaft einander verstehen — das ist Wunsch und Aufgabe fürs Neue Jahr. Paula Ollcnvorjs (Breslau).

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