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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 511

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 511 (sequence 7)
Language
German
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511 Die mir gestellte Frage möchte ich hauptsächlich aus dem Gesichtswinkel meines Berufes als GauleitereinerführendenAngestelltenorganisation beantworten. Der (J. V. hat eine innere und äußere Aufgabe auch im neuen Jahre zu bearbeiten. Er hat den jüdischen Menschen für den Kamps ums tägliche Brot zu schulen, da immer mehr deutsche Juden in die soziale Schicht der Arbeitnehmer gedrängt werden. Wege zubauen . . , . , „ . . 3efne Landesteite mehr als andere, einzelne Berufe häufiger als andere sich Juden eröffnen oder verschließen. Tie Ergebnisse dieser Untersuchung werden wichtige Schlüsse auf die Einstellung der Juden in bestimmten Berufen ermöglichen und den ß. B. in die Lage versehen, bei den Arbeitgebern der von Juden wenig sreguentierten Gewerbezweige über die zufälligen oder beabsichtigten Gründe ihrer Ausschließung nachzuforschen. Tenn es hat sich gezeigt, daß gewisse Berufe von Juden beinahe „traditionell" nicht ergriffen werden, während bei anderen alle, auch die christliche Umwelt, sie für eine Art Reservat der Juden halten. Hier wird dann die Aufklärung einzusetzen haben, die auch die aus Unwigenheit über den Juden entspringende gehässige Einstellung mancher Kreise mildern dürste. Die Arbeit des E. V. wird ferner besonders darauf gerichtet sein müssen, die Firmen fest zu stellen, die keine Juden aufnehmen, um diejenigen, bei denen diese Handlungsweise nicht verbohrten Vorurteilen entspringt, zu Versuchen mit jüdischen Arbeitnehmern zu veranlassen. Dabei wird eine Beeinflussung der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Hand in Hand gehen müssen. Eine nicht kleine Anzahl von Arbeitgebern, darunter leider auch Juden, hängen bei dem Entschluß, jüdische Arbeitnehmer nicht anzustellen, vielfach den Mantel nach dem Winde, glauben, daß sie den Wünschen eines kleinen Teiles der Bevölkerung mit antisemitischen Regungen nachgeben müssen und vergessen dabei, daß weit weniger als das Personal lebten Endes reelle und prompte Geschäftsführung Aufsicht auf Erfolg hat, mehr als das Buhlen um die wandelbare Gunst der Menge. Den Arbeitnehmern hingegen muß gesagt werden, daß Juden aus der Geschichte die Lehre ziehen sollten, daß sie sich hauptsächlich durch die Erzielung von Spitzenleistungen behauptet haben, und daß es auch heute noch darauf ankommt, durch größere Leistungen Konkurrenten zu überflügeln. Dem E. B. eröffnet sich hier ein weites Arbeitsgebiet, das sich um so fruchtbarer für die deutsche Judenheit auswirken.wird, je mehr jüdische Arbeitnehmer erfaßt und mit den Zielen des E. V. bekanntgemacht werden können. An diese Arbeit im inneren Dienst reiht sich als ungleich schwierigere Aufgabe für den E. 33. an die Schwelle des neuen Jahres die Aufklärung der christlichen Deutschen über die Inden. Stark lastet auf dem deutschen Volk noch der Irrglaube von der Wertigkeit der Rassen, wobei den Juden selten Gerechtigkeit widerfährt. Noch immer gelingt es gewipenlosen Hetzern, die Juden als Schmarotzer am Volkskörper hinzustellen, die ehrlicher Arbeit ans dem Wege gehen und sich ihren Lebensunterhalt durch dunkle Manöver verdienen. Hier gilt es die Mitbürger über das wahre Wesen der Inden aufzuklären, sic mit der geschichtlichen Entwicklung bekanntzumachen, ihnen die Eigenarten ihres Familiensinns 31t zeigen und ihrer staatsbürgerlichen Hingabe. Aber der C. V. als Organisation kann nichts erreichen, wenn nicht unsere jüdischen Mitbürger sich als "Richtschnur ihrer Handlungsweise die sozialen Leitsätze unserer uralten ewig jungen Religion nehmen, wenn sie nicht selbst, jeder in seinem Kreise, danach streben, als sozialdenkende Menschen angesehen zu werden, für die „sozial zu sein" einfach die Befolgung göttlicher Gebote bedeutet. Durch persönliches Beispiel wird erreicht werden, was keine Aufklärung vermag, nämlich dem christlichen Menschen den deutschen Inden als einen mit sich gleichwertigen, kulturell der gleichen Stufe angehörenden Menschen zu zeigen, dessen Lebensaufgabe und Ziel das gleiche seiner Mitbürger ist. Stadtverordneter Ernst Behrendt (Benthen, Oberschlesien). e>, §m & m 'MW!Ue Das jetzt beginnende Jahr wird dem deutschen Volk und mit ihm seinem jüdischen Bestandteil, soweit man bisher überblicken kann, die folgenden Probleme stellen: 1. Die Dauerregelung des Reparationsproblems wird aller Voraussicht nach, wenn nicht endgültig festgelegt, so doch weitgehend zur Entscheidung reifgemacht werden müssen. Nachdem man einige Jahre lang die Tragweite dieses Problems für Deutschland zweifellos überschätzt hatte, ist in weiten Kreisen heute eine nicht minder bedenkliche Unterschätzung der Schwere der damit verbundenen materiellen Fragen eingetreten. Es handelt sich um das Problem, ob und in welcher Weise von dem Arbeitsergebnis des deutschen Volkes ein recht beträchtlicher Prozentsatz für mindestens eine Generation dauernd dem Ausland gezahlt werden soll. Das Ausmass und selbst die Form dieser Lasten ist für niemand gleichgültig. Vor allem aber wird man nicht nur zu wünschen, sondern dafür Sorge zu tragen haben, dass nicht einseitig die Last auf die breiten Massen so abgewälzt wird, wie es bisher vorgesehen zu sein scheint. 2. Nach anderthalb Jahren ungewöhnlich guter Hochkonjunktur folgt nach den nun einmal geltenden Wirtschaftsgesetzen ein Absinken, und dieses wird durch die Dauer, welche die Diskussionen über die endgültige Regelung der deutschen Schuld haben werden, nach Mass und Schwere weitgehend mitbestimmt So liegt es im Interesse aller, vor allem aber auch der jüdischen Gewerbetreibenden, dass für solche kommende schwierigere Geschäftslage rechtzeitig Vorsorge getroffen wird. Konjunkturpolitik für drohende Arbeitslosigkeit, ausgieichende Wirtschaftspolitik für die übrigen Bevöikenmgsschiehten, das ist die nächste Aufgabe. 3. Die Frage wirtschaftlicher Freiheit oder Einengung dieser Freiheit durch das schnelle Fortschreiten der Kartell- und sonstigen Mo nopol Wirtschaft wird in dem kommenden Jahre Gegenstand der Diskussion über gesetzliche Regelung und darüber hinaus der Einstellung der Yolksgesomtheit dazu sein. Wer für den Aufstieg der Fähigsten ohne Kücksicht auf das Bekenntnis eintriit, dessen Stellungnahme kann in diesem nunmehr unvermeidlichen Entscheidungskampf nicht zweifelhaft sein. 4. Bei der kommenden Wirtschaftsentwicklung wird auch für die jüdischen Organisationen noch mehr als bisher die Fragestellung sich aufdrängen, die wir bei der letzten llauptvorstandssnzung erörterten, nämlich: ob man fatalistisch pessimistisch den^Wirtscliafissehwierigkeiien, die unvermeidlich eintreten müssen, entgegensieht, oder optimistisch und aktiv sich ihnen entgegenwerfen will in der Ueberzeugung, dass steigende Wirtschaftstätigkeit für die fähigsten Elemente erst recht neue Möglichkeiten bringen wird. Bewusste Einwirkung auf das wirtschaftliche Geschehen in unserem Lande lind für dieses Land auf längere Sicht mutiger Wirtschaftsoptimismus, das ist die Grundlinie solcher Betrachtungsweise. Staatssekretär z. D. Professor Dr. Julius Hirsch. i Der Grundgedanke des Gentraloereins. der Gedanke des Rechts, darf nicht verdunkelt : J |' V 1 lv/ - 1 f werden. Er ist zu verwirklichen im Hinweis auf die seit dem Frieden von'Versailles analoge 44Wf Rechtslage Deutschlands: Au Stelle des Machtgedankens kann nur der Gedanke des richtig verstandenen und empfundenen, vertieften Rechts Deutschlands mindere Stellung in der ^elt allmählich wieder ausgleichen. Hinausgehend über den gegenwärtigen Geltungsbereich der Fakullativuause!. Artikel CG) £e* Statuts des Ständigen Internationalen Gerichtshofes des Völkerbundes im ~ Haag, wonach ote .Verpflichtung übernommen wird, und zwar gegenüber jedem anderen Staat, der die gleiche Klausel

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