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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 506

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 506 (sequence 2)
Language
German
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50H Wie ich; ein wunderliches Ansinnen an ihn, in wunderlicher Stunde, während er im.Begriff war, sein Leben für Deutsch-, land in die Schanze zu schlagen. Da mein Philosoph dieselbe Forderung auch an mich stellte, bemerkte ich ihm, daß meine Vorfahren seit mindestens fünfhundert Jahren hu fränkischen Land gesessen feien und daß ich gern die Probe machen möchte, wie viele sich autochthon nennende Deutsche, Sachsen, Pommern, franzöfisch-brandenburgische Emigranten das gleiche von sich behaupten könnten. Daß es den Juden nicht gelungen ist, sich dem Körper der Nation tiefer Zu vermischen, ist nicht ausschließlich Schuld der Juden, sagte ich, es sei dieser herrlichen Jetztzeit Vorbehalten geblieben, einer Genossenschaft, die ursprünglich von fremder Art war, die äußere Zugehörigkeit p Sprache, Landschaft und Geschichte trotz viele Mate bewiesener innerer Zugehörigkeit beharrlich abzusprechen. Ich wies den jungen süddeutschen Philosophen, der mir die Auswanderung nach Palästina nahegelegt hatte, auf die Unterdrückungen, Ausbeutungen,. Vermogenserpressungen, Martyrien und abergläubischen Vorurteile hin, unter denen die Juden von jeher p leiden hatten und über die sich jeder ehrliche Forscher mit Leichtigkeit informieren könne. Ich sagte ihm, daß es mir demütigend erschiene, die schöpferischen Genien auszuzahlen, Künstler, Gelehrte, Dichter, von Montaigne bis Spinoza, von Mendelssohn bis Bizet und Gustav Mahler, die der Menschheit immerhin einige geistige und seelische Nahrung gereicht hätten. Er erwiderte mir, ohne darauf naher einzugehen, die Juden seien zur Führerolle unfähig. Ein köstliches Diktum, ungefähr so beweisbar wie ein anderer famoser Ausspruch von ihm, daß die nationale Blüte in Frankreich und Spanien erst nach der Vertreibung der Juden eingesetzt hätte. Ich erwiderte, daß für Spanien das Gegenteil zutreffe, wenigstens hatte ich etwas läuten hören von jahrhundertelanger Verfinsterung in Fanatismus und Tyrannei, die nach jenem Zeitpunkt eintrat. Unvermeidlich war dann die Rassenfrage, und ich konnte mich nicht enthalten Zu sagen, daß in Deutschland jetzt ein Begriff von Raffe triumphiere, der an Elastizität das mögliche und unmögliche zuwegebringe und jeder Demagogie und jedem Irrwahn Vorschub leiste. Er kam immer wieder aus die Macht der Juden zurück. Ich sagte: gut, sprechen wir von der Macht. Welche meinen Sie? Waffenrnacht? Politische Macht? Sie lächeln selbst. Geldmacht? Geistesmacht? Ich kann nicht alle beide gleich verwerflich finden; äußern Sie sich. Tie Geldmacht, als den Hauptangriffspunkt, ließ er einstweilen im Hinterhalt drohen und sagte etwas von Verführermacht. Also keine Führer, wohl aber Verführer. Verführer wozu? Na ja, zu einer materialistischen Lebensauffaffung, einer die unter Heitslehren verkappt sein kann wie der Sozialismus. Ich fand, es würde zu weit führen, wenn wir diese Doktrin untersuchten, die in ihrem innersten Kern zweifellos höher rangiere als auf die Ebene einer bürgerlichen Weltanschauung, ginge sie doch auf den Stifter des Christentums zurück, und ich erinnerte ihn an das Wort, nach welchem eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ginge, als daß ein Reicher ins Himmelreich käme. Es sei eine historische Fahle convenue, den Nazarener zum Juden zu stempeln, meinte er, der Sozialismus sei ja eben die jüdische Verwässerung seiner Lehre. Ich wollte mich nicht mit ihm aus ein Gebiet begeben, wo die Argumente vor der Wahrheit stehen wie die Nebel vor der Sonne, er ließ aber nicht nach und kam auf den Bolschewismus zu sprechen, den er erbittert als die modernste Emanation jüdischen Geistes bezeichnete. Ich hatte es erwartet. Es machte nicht beit geringsten Eindruck auf ihn, als ich die große kommunistische Erhebung erwähnte, deren Schauplatz Norddeutschland in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts war, oder die kommunistische Revolution in China, die ungefähr um die gleiche Zeit das ganze gewaltige Reich erschütterte; da sei doch von Juden weit und breit nichts zu sehen gewesen. Er wollte nichts davon wissen. Daß fast alle russische Umstürzler Juden seien, wurde damals in ganz Europa und Amerika behauptet und geglaubt. Seitdem ist festgestellt worden, daß sich unter den Leitern der Bewegung nur ein kleiner Prozentsatz Inden befand, aber auch wenn dem nicht so wäre: die zufällig Wachen in einem trägen und zerschlagenen Volk für den endlichen Weck- und Alarmruf zur Verantwortung ziehen, das heiße ich mir Billig, keit. Schade, daß Leo Tolstoi ganz bestimmt kein Jude war, seine dem Urchristentum zustrebenden Lehren, die den: russischen Kommunismus erst das Strombett gruben, würden einen fetten Posten auf dein jüdischen Sündenregister ausmachen. Aber man kann nie wissen, vor diesem Verdacht ist man nie sicher, denn es hat sich gezeigt, daß er ein äußerst^bequemer Abzugskanal für alle Sorten von schlechtem Genügen ist. Also, ermunterte ich meinen Gegner, gehen wir auf das nächste Kapitel über, sprechen wir vom jüdischen Reichtum. Ich bin darauf gefaßt, das übliche Dutzend Namen zu höre^, einige europäische und einige ans der Wallstreet. Ich mache Sie aber aufmerksam, sagte ich, daß nur ein sehr geringer Teil der Wallstreet-Firmen jüdische Firmen sind, und im übrigen: wollen Sie sicher sich und mich absichtlich täuschen? Wir wissen ja, daß diese Bankfürsten genau solche Exponenten eines Systems und einer zwangläufigen Bildung des Sozialkörpers vorstellen wie die Armeen Frankreichs, Rußlands, Italiens und wie die Eiftgasprodnktion in allen Kulturstaaten heute, die darauf abzielt, den christlichen Nationen rascher den Garaus zu machen, als es fünfhundert Millionen Juden vermöchten, falls dergleichen in ihrer Absicht, läge. Ich mache mich anheischig, sagte ich zu meinem Philosophen, Ihnen für jeden reichen oder reichgewordenen Juden fünfzigtausend jüdische Arme zu stellen, ich brauche gleichsam nur zu winken, und sie kommen unzählbar aus ihren verwahrlosten Dörfern in Polen, in der Ukraine und in Galizien herbei, jammervolle Gestalten, die wahren Gebrandmarkten der Geschichte. Daß einzelne unter ihnen immer wieder, sobald sie nur in günstigen Boden versetzt werden, wie lang erstickt gewesene Flammen auflodern und dA Welt dabei mehr verzehren als erobern, wen dürfte es wundern, es ist wie ein physikalisches Gesetz. Ich höre sehr viel von jüdischem Wucher, fuhr ich fort, aber selten vom agrarischen Wucher, von dem der ungarischen Großgrundbesitzer etwa, der eine der Ursachen des Krieges war; wer, wie ich, seit Jahren unter Bauern lebt, der weiß, was Wucher im kleinen ist, Wucher mit Brot und Korn und Vieh und Schmalz und Haus und Hof. Er sagte: Die persönlichen Erfahrungen, die ich mit Juden machte, waren stets solche der Zuneigung und des tiefsten Verständnisses. Natürlich, mußte ich ihm antworten, das kann man fast von allen Dichtern, Künstlern und Philosophen hören. In früheren Jahren, als ich das Visier noch nicht so entscheidend gelüftet hatte, ist es mir häufig passiert, daß ein Tischnachbar im Gespräch mich erstaunt anschaute und ausrief: Was? Sie sind Jude? Unmöglich! Gott weiß, wie er sich einen Juden vorgestellt hatte. Oder einer sagte: Ja, wenn alle Juden so wären wie Sie; worauf ich nur zu entgegnen hatte: Ja, wenn alle Christen so wären wie ich; wozu ich innerlich, wie jedesmal, die Eegensatzstellung Jude- Christ wie etwas Unwahres empfand, oder doch ein nicht mehr Wahres. Aber, um auf meinen Mann zurückzukonunen, so machte ich ihm bemerklich: Trotzdem Ihre persönlichen Erfahrungen also die erfreulichsten sind, verlangen Sie, daß die Juden verschwinden sollen, womöglich vom Erdboden, denn was fotTcu sie allesamt in dem kleinen Palästina? Einen neuen Nationalstaat aufrichten zu den anderen künstlichen? Sich von Türken, Arabern, Griechen, Persern langsam massakrieren zu lassen? Da Sie mich forthaben wollen, was bedeutet es, daß Sie sich mit mir verbünden wollen? Daß Sie eine Gemeinschaft statuieren wollen, der die erste Bedingung aller wahrhaften Gemeinschaft fehlt, nämlich Humanität? Sie wünschen offenbar, daß ich Ihnen zur Beschaffung der Mittel behilflich bin, das einzige, wozu man die Juden seit jeher brauchen kann, daß ich den Fahnenträger abgebe für Ihr pangermanischpolitisches Projekt, damit Sie mir dann, in der Idee freilich nur, den üblichen Fußtritt versetzen können, den Sie mir anständigerweise vorausgesagt haben. Ich bitte, sich deutlich zu erklären. Tenn ich lasse mich nicht als Ausnahme behandeln, solange man mich mit Jdeologenhochmut traktiert. Meine Damen und Herren, ich hoffe, daß diese Reproduktion einer vergangenen Polemik nicht Ihre Ungeduld erregt. Aber sie erscheint nur darum wichtig, weil sie symptomatisch ist; zudem bleibt das Wesentliche dieses sonderbaren geistigen Duells noch zu berichten. Indem ich mich einer solchen Weitschweifigkeit schuldig mache, sage ich mir zugleich, daß ich

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