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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-14 · 37 (14.9.1928) · p. Seite 505

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
37 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
Seite 505 (sequence 1)
Language
German
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r 1? SEP. 23 Serlkn» 14. September I92Z Vll. Jahrgang * EiKzrLoummer 10 Pf&irmg X inY-XiXx^ r-^'X MMW vSSSSS^^ Äll^emeine Zeitung des Judentums BLerterjahröebonnement 1,20 NM. (zuzügl. Left-llgeld). vrr?Lg v.Schriftle!ttrng: Derlirr SY/ 03, Lindensir. 13 .:. Fernsprecher: Amt Dönhsff 3594.3595. .7. Postscheckkonto: Berlin 50472. DsnRsnts: Dresdner Bonk. Drch^'eÄ _. , r stuLe G, Berlin SW 08, Lindenstr. 7. und »on EoldschmidNAotyschUd L Co., Terlin W8. ALeknsae Anzelgenanvahrne: Aimonttn-Expeditioir Rudolf Moste. Berlin SW 19. und deren Filialen. 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Wie ernsthaft ich auch mit mir zu Rate ging, rein wistenschaftliches Gebiet zu betreten durfte ich nicht wagen, ich konnte, genau genommen, nur mit persönlichen Erfahrung dienen, die sich allerdings ins Allgemeine erweitern ließen, und obschon es tiefreichende Erfahrungen waren und solche, für die meine Person gleichsam nur ein Brennpunkt bildete, schien es mißlich, subjektive Inhalte vor ein Forum zu bringen, das sich in dieser Hinsicht möglicherweise nicht einmal sür zuständig erklären würde. Als ich meine Bedenken Herrn Professor Harms mit dem Bemerken mitteiCte und hmzufügte, daß ich höchstens imstande sei, über das Judentum als über eine psychologische Situation zil schreiben, bedeutete er mir nachsichtig, auch eine derart gefaßte Rede sei willkommen, und so unternehme ich es denn. Ihnen im gedrängten Aufriß das Bild eines Zustandes zu geben, besten soziale Elemente aufs engste, ja fast unanftöslich mit Seelischem und Geistigem verknüpft sind und das letztlich nichts anderes sein will als eine Zusammenfassung von vielem einzelnen, das ich im Verlauf vieler Jahre geschrieben und gesprochen habe, eine Endsumme schmerzlicher und schwerwiegender Erlebniste auch, hier nochmals überschaut und vorlmrfig abgeschlosten. Ich möchte, ohne mit Erklärungen und Definitionen deffen, was ich die psychologische Situation nenne, Zeit zu verlieren und Ihre Geduld zu ermüden, gleich mit einem charakteristischen Erlebnis beginnen, das mich vor ungefähr fünf Jahren, mitten in einer Periode strenger Arbeit, ziemlich nachhaltig beschäftigt hat. Erlebnis, das ist eigentlich ein zu geräumiges Wort dafür, im wesentlichen war es ein Briefwechsel, der von meiner Seite ruhig, sachlich, ein wenig abwehrend, von der anderen Seite mit beängstigendem Fanatismus geführt wurde. Es war ein oder zwei Jahre nach dem Erscheinen meiner autobiographischen Schrift „Mein Weg als Deutscher und Jude", als ich in kurzer Folge mehrere Briefe eines jungen süddeutschen Philosophen erhielt, eines Mannes, der öffentlich noch nicht hervorgetreten war, aber mir durch ein Werk, das er mir zusandte, den Beweis lieferte, daß mit ihm etwas los war, daß ich es da mit einem wirklichen Denker, einem redlichen Menschen und bedeutenden Charakter zu tun harre. Was wollte nun der Mann von mir, dieser deutsche Philosoph und Idealist? Er legte mir nahe, nach Palästina auszuwandern. Er legte es mir nicht nur nahe, sondern er forderteLes von mir, und zwar so kategorisch, daß ich bei der Lektüre seines ersten Brieses das Gefühl hatte, es handle sich um einen Polizeibefehl. Nun, es lag da eine Ziemlich sonderbare Geistesverfassung vor; ich habe dergleichen bei einem hochstehenden Menschen weder vorher noch nachher gefunden. Er, der Germane und expressive Deutsche, wollte ein geeintes, gereinigtes Volkstum, und dazu schien es ihm notwendig, die Juden aus Deutschland Zu entfernen. Das ist ja nun nichts Seltenes, das haben wir schon gehört, aber die merkwürdige Nuance bei ihm war, daß er die Juden liebte, er beteuerte es mir aufs glaubwürdigste und belegte es durch seine Freundschaften mit Juden und eine intensive Beziehung zu Walther Rathenau, den er ebenfalls Zu seiner Ansicht hatte bekehren wollen. Da er die Juden liebte, wünschte er schon um ihretwillen deren Auswanderung, und da er fand, daß es ihnen an geeigneten Führern mangele, wollte er mich überreden, ihnen ein Führer in? Gelobte Land Zu sein; er versicherte mir, der Exodus werde beiden Teilen Zum Segen gereichen. Ich fragte ihn verwundert, weshalb ec sich gerade an mich gewandt hatte (nicht nur in einem neuen Briefe, auch mündlich; er besuchte mich ein Jahr daraus, und ich lernte in ihm einen feinen scheuen, ängstlich-gedrückten Mann kennen, ganz im Gegensatz zu der Kühnheit, mir der er gegen mich die Feder geführt hatte). Warum kommen Sie gerade zu mir? fragte ich ihn, ich muß Sie in ihren Erwartungen genau so enttäuschen, wie Walther Rathenau Sie enttäuscht hat, er hatte für die Ideen und Ziele des Zionismus genau so wenig übrig

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