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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-07 · 36 (7.9.1928) · p. Seite 495

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
36 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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] 495 i ä | i Zer 5. SrirnialijteMg in Bsrm. i Die Mitarbeit der jüdischen Gelehrten. — Tr. Mar Meyer- — Bonner Ehrendoktor.— Vortrag Tr. Benno Jacobs. L Die ältesten Bibcthandschriften. — Abkehr von wilder Tertkritik. — Sabäische Inschriften. — Jcmenische Inden im Film. Tie Wissenschaft vom Judentum und die Wissenschaft vom Trient i find nicht erst seit heute in Tcntschtand gute Freunde. Als sich im 1 Jahre 1844 3 u nt erste n Male in Dresden deutsche Orientalisten zu gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit, zu freundschaftlicher Ausi spräche vereinigten,' waren unter den neun Vortragenden drei jüdische Gelehrte: Oberrabbiner Tr. Frankel (Dresden) beleuchtete das Alter der frühesten Bibelübersetzungen. Rabbiner Tr. Geiger (Breslau) untersuchte die Sprache der Mischnah (seine vor etwa 100 Jahren erschienene Bonner Preisschrist: „Was hat Mohammed aus dem Judentum genommen?'", ist noch so wertvoll und gediegen, das; sie kurz vor dem Kriege ohne Äenderungen neu gedruckt wurde) und der „Rabbinatskandidat" Steinschneider aus Prag, den wir ähnlich wie Leopold Zunz uns gar nicht anders als einen hoch-! betagten Greis im Silberhaar vorstellen können, handelte damals, ein Jüngling noch, „über fremde Sprachelemente in der ncu- : hebräischen Literatur und ihre Bedeutung für die Philologie überhaupt". 84 Jahre später, in den letzen Augusttagen dieses Jahres, konnte jeder in Sonn die erfreuliche Bestätigung erleben, wie weiter geachtete dentschjndische Gelehrte in der Orientalistik ihre Lebensarbeit sehen und das; den Frankel und Geiger und Steinschneider ihre Nachfolger von heute wahrlich nicht unwürdig sind. Und sicher hätte es sie erhoben, etwa miterleben zu dürfen, daß die E h r e n d 0 k t 0 r w ü r d e der Bonner philosophischen Fakultät, diesmal an einem Orientalistentag : zuerst verliehen, einen jüdischen Teutschen krönte: den Hannoveraner Tr. med. Nt a x M e y e r h 0 f, Augenarzt in Kairo, dessen fruchtbare und richtunggebende Arbeiten aus dem Gebiete der arabischen Medizin, dessen segensreiche Tätigkeit im Dienste der deutschen Kultur der Doktorbrief rühmend hervorhebt. Daß Meyerhof ein alter Freund unseres Ee n t r a l v e r e i n s, ein Mitarbeiter an diesen Blättern ist, unterstreicht unsere freudige Genugtuung. * Absichtsvoll bildete in der ersten Sitzung der „A l t t e st a m eut -!er" der Vortrag eines evangelischen, der eines katholischen, der Vss grösste SeStuh-Spezialhaus mit der grössten Auswahl Berlins »4-rsS .»-'S.'"-' lCks*ob rerte^' SSE U l^o-Schnur* ,tfcrrc*-*w Schnvi^c Lacv-sp®; z* VSS**- ß\ fee® eines jüdischen die Tagesordnung: die Neutralität der wissenscl>afrlichen Forschung auf biblischem Gebiete sollte sichtlich betont werden. Professor Mein^hold (Bonn) behandelte das sinaitische Zehnwort, Professor Schulz (Breslau) eine dtinkle Pialmenstelle. Rabbiner Tr. Benno Jacob (Dortmund), unser treuer Freund seit jeher, setzte sich mir der Bibelstelle „^eele um ^eele, Auge um Auge, Zahn um Zahn" auseinander und versuchte mit ausgebreitetem, neuem philologischen Material scharfsinnig den Nachweis, das; diese viel angefeindete Bibelstelle niemals die rachsüchtige, körperliche B^rgelkung bis znni J-Düpsel im üblichen Wortsinn predige, sondern lediglich ans eine dem Gewichte der Tat entsprechende ^ühne durchaus nicht körperlicher Art bestehe. Professor Dr. Kahle, der bekannte Orientalist der Bonner Universität, dem vor allem das gute Gelingen des Orientalistentages zu danken ist, hatte im Orientalischen Seminar eine einzigartige Aufstellung von über 100 Photographien der ältesten B i b e l h a n d s ch r i f t e n dargestcllt. Tie ältesten gehen bis ins 7. und 8. Jahrhundert zurück und stammen aus der Kairoer G e 11 i s a. der vor rund dreißig Jahren entdeckten „Rumpelkammre" neben der Synagoge, wo die für den frommen Gebrauch untauglichen heiligen Schriften die Jahrhunderte überdauerten. Diese in den iUcitieeu der ganzen Welt verstreuten, uralten Funde haben unserer Kenntnis vom Bit^eltert und Punktation eine neue Grundlage gegeben, und gerade Profeuor Kahle, der den hebräischen Tert der Bibel im Verein mit Professor R. Kittel neu herausgeben will, arbeitet seit langen Jahren erfolgreich auf dem Gebiet der Bibeltertforschung. Sein jüngstes Werk: „Die hebräischen B i b e l h a n d s ch r r f t e n aus Babylostiie n" — die Festgabe für den Orientalistentag —, schenkt der wissenschaftlichen Welt 86 Nachbildungen babylonischer BibethandschrifLenreste des 7. und 8. Jahrhunderts, „ein einzigartiges Material, d a s ü b e r 10 0 0 I a h r e lang vollkommen verschollen war," bis es eines Tages die dunkle Kammer der Genisa der überraschten Mitwelt wiedergab. Im übrigen entspringt aus den Verhandlungen der Altrestameutler, aus Gesprächen mit den verschiedenen Gelehrten die Ueberzeugung vom unrühmlichen Ende des zügellosen Umberspringens übereifriger Jünger der Wissenschaft mir dem überlieferten Bibeltert. Der wahrhafte Forscher ist weit vorsichtiger, weit pietätvoller dem Worte gegenüber als einst. Geht der Bibelvers nicht auf den ersten Anhieb dem Verständnis ein, so hat — eine weiterführende Erkenntnis — nicht sogleich der Vers, sondern vielleicht der so irdische Verstand daran schuld. Und von diesem Nichtwipen befreit uns durchaus nicht immer die Annahme eines Tertfehlers oder gar die umgehende Entdeckung einer neuen „O u e l l e", nein, nur

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