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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-31 · 35 (31.8.1928) · p. Seite 482

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
35 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
Seite 482 (sequence 6)
Language
German
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♦ 4 4S2 ^luch in alten Tagen Ein lehrreicher Brief aus dem Jahre 1801* Vor kurzem erschien aus der Feder des .nichstüdstchcn) Oberlehrers K. Rose in S ch ö n i n g e n (Brnunschweig) eine interessante, .20 Seiten rnnfafscnde Abhandlung über „Xi c Jüdische Genieinde in S ch ö n i n g c nst Tie erste Kunde von Juden in Schvningcn stammt aus dem Jahre 1396. Neben mancherlei wertvollem Material 3111* Geschichte der Braunschweiger Juden verdient ein Brief einen besonderen Hinweis, der a m 20. März 1801 vorn Ecmeindeälrc'ten I s rae! Jacobss 0 h n in Brauns ch w e i g an den Schöningev Bürgermeister Kerll (1760—1807 im Amte) geschrieben worden ist. Wenn heute immer wieder von judengegnerischer Seite in Deutschland den Juden vorgeworsen wird, sie gaben sich n u r mit dem Handel ab, so ist cs bezeichnend, daß auch schon damals solche Vorwürfe erhoben rvorden sind, und daß damals der tluge Braunschrveiger Gemeindcälreste Jacobssohu die Ursachen dieser Tatsache klar erkannt hat. Ter Brief lauter nämlich also: ,.Nach meinem Prinzipiunr scheint der Grund, warum meine Glaubensgenoffen sich beinahe alle mit dem Handel bcfaffen, nicht darin zu liegen, weil sie sich von Natur zu dieser Lebensnot am besten geeignet nrhlcn, sondern lediglich darin, weil ihnen die Obrigkeit und besonders die Gilden und Zünfte keinen anderen Verkehr, womir ne nch sonst wohl ihren Lebensunterhalt verdienen könnten, gestatten will, ja, ich kann Ew. Vohlgeb. aufrichtig versichern, daß ich festst deshalb vier manchen vergeblichen Versuch gemacht und keinen Kostenaufwand gescheut habe, dem ohngeachtet aber alles fruchtlos geblieben in. i9 a s bleibt also nach altem diesen d c nr Juden weiter übrig, als Zu de nr einzigen ihm ü de r b! e i bc n d e n Mittel, wodurch er sich und die Seinen ans eine redliche Art ernähren k a n n, seine Zust n ch r zu nehmen, wenn man ihm jeden anderer! Ausweg g I c i d) f a in abgefchnitten h a ist Heörohungen des juöifch-reltgiösen Lebens in Sowjet-Nußlanö. Schon in der Nr. 14 der „ E. V. -Zeit u n g " vom Z. April 1923 haben wir darauf hingewiestn, wie unsinnig es ist, wenn immer wieder behauptet wird, die bolschewistische Herrschest werde von jüdischer Seite, als im „jüdischen Wcltbeherrschungsplan Liegend", besonders begrüßt. Es ist wiederholt betont worden, daß gerade das religiöse Judentum im Gegensatz zu den Lehren des sowjetrussischen Bolschewismus stehen muß, der das religiöse Leben in schärfster Weise bekämpft. Tie Jüdische Tetegraphen-Agentnr (JTA) berichtet soeben, aus Anlaß von starken Gegensätzlichkeiten, die zwischen der jüdischen Sektion der kommunistischen Partei (Jevrsekzia)*) und dem gesetzestreuen Judentum in Rußland entstanden und. über eine Reihe von Gewalt Maßnahmen, die von russisch-kommuniftifcher Seite in letzter Zeit ergriffen wurden: „Im Korostcner Kreis sind sehr viele Synagogen enteignet; in Olewsk, Malin und Lohrn bemüht sich die Je\v$ekzia, die Synagogen zu konfiszieren, desgleichen in Sobolewka. Vorläufig ist cs dank der energischen Verteidigung der örtlichen Bevölkerung gelungen, die Synagogen zu schützen. In Korosten . selbst hängt schon an Stelle des „Schrankes für die Heilige Lade" das Bild Lenins. In dem Städtchen Pogrenischrsche, Kreis Berdnschcw. fehlte es an einem geeigneten Saal für ein Kino. Tie Jewsekzia faßte einen Beschluß, daß zur Hebung des kulturellen Entwicklungsstandes der Bevölkerung ein Kino von unumgänglicher Notwendigkeit sei. Tie Jewsekzia beschloß, die Synagoge zu enteignen und in ein Kino n m z u w 2 n d e l n. Ties rvurde auch ohne weiteres durchgcsührt. — Im Städtchen Radorm'al hat die Jewsekzia beschlossen, die S y n a g0 ge zu konfiszieren; da sie aber nicht die Zustimmung der Regierung besaß, verlangte sie von der jüdischen Gemeinde, daß sie ihr die Synagoge freiwillig . übergeben solle. Tie Gemeinde erklärte jcdoch daß sie einem Gebote der jüdischen Religion gemäß ihr Heiligtum nicht abgellen dürse, solange sie von der Regierung nicht dazu gezwungen werde. Eines Tages, nach Schluß des Gottesdienstes, urrd nachdem die Synagoge in Erwartung der Ausschreitungen der Je^sekzia fest verschlossen und verriegelt rvorden war. erschienen fünf Männer der Jewsekzia beim Synagogendiener und drohten ihm. daß sie die Thorarollen zerreißen und ihn aus dem Hause wcgjagen würden, *) Jüdische Kommission der Kommunistischen Parier, bereit Aufgabe es ist, darüber zn wachen, daß sich das jüdisch-religiöse Lcoen in Rußland innerhalb der Bahnen des Kommunismus bcwcgr. wenn er ihnen den Einlaß in die Synagoge^ im Wege durch feine Wohnung verweigern würde. Ter erschrockene Synagcgendirncr wagte nicht zu widersprechen und gewährte iknien Einlaß. Alsbald fand sich die ganze Jewsekzia ein und ver a n ftalrete i n der Synagoge einen Ball mit Tan z n n d G e s a r. g. Es sei betont, daß der russische Bolkskomaniffar n:t Kuttusnngclcgenheilln, Lunartscharsk y, entschiedener Gegner einer Herausforderung religiös eingestellter Menschen sein soll. Auch ein Teil der Führer der Jevcsekzia steht im Gegen'en zu den an:ireligiöfen Ausschreitungen untergeordneter Srgane. Es in zn besten, daß die Auseinandersetzungen, die zurzeit in Rußland die leb Hastesten Formen angenommen haben, zu einem Sieg der gemäßigten Etcmeme führen, denn es wäre ein trauriges Zeichen für die Gesinnung der Menschheit im 20. Jahrhundert, wenn sie zu den 'Methoden des Mittelalters, zu damaligen religiösen Verfolgungen zurückkehrie. C. v.-Irauerrarbeit. Geleistetes und Gefordertes. In der Erkenntnis, daß die Anforderung, n. die die neue H:ou:ra:rt auch an die Frauen stellt, ihre Rückwirkungen auch a::f das jüdnwc Frauenlebcn haben werden, wurde, znrückgcbcnd auf die im Jahre cingeleitcte Frauenarbeit, im Landesverband G r 0 ß - B c r! i n t i n ü r a lt e n b c 3 c r n a t ge schal st n. Aus der Frau-nmürarbei: der Lrwgruppe 8. 81V, 80 haben sich im Laust dieser acht Jahre in Graß- Berlin allein 16 arbeitende F r a u c n g r u v v c n erttwickttr. dir die Schaffung eines Tezcrnates nollvcndig machten. Au'gab-e diests Tezcruaus ist es, die jüdischen Frauen in Graß-Benin zu alnviercn. d. b. ihre Autellnahmc wachzurustn für den Kampf um Ehre und Gie-chbercchngung d^r deutschen Staalsbürger jüdischen Glaubens. Tie 211 itarbeit der Frau i m E e n t r a l v e r e i n tunst ßi st.erb l die Stellungnahme zu den politischen als auch zu den wirr'chastLicvcn und sozialen Fragen. Tic politischen nnd wirtschaftlichen Maßnabmerr geacnübcr den jüdischen Teutschen haben auch die Einbezistung d<r wzialcn Arbeit in das Programm der E B. - Frauenarbeit unerläßlich gcu-ach-t. Um Jrrtümern vorzubeugcn muß bemerkt werden, daß pst Fiauenailett im Ccntralverein nicht durch eine selbständig organisierte FrancnVcrrinigung vertreten ist, sondern daß cs sich nur um die Mitarbeit der Frauen in der großen Organisation des Ecntralvcreins bandelt. Somit greist auch die Einflußnahme, die die E. P. - Frauen auf die soziale Lage d<r iüdstchcn Temschcn zu erlangen suchen, nicht in das Art<irsgeb:et irgrnd<iner bcstehenden jüdischen Frauenorganisalion ein. Tie E. V.- Frauen aber haben daher auch nicht die Möglichkeit, sich als selbständige Frauenrcrcinignng dem großen jüdischen Frauenbund anzuichließen. Tie Frauenarbeit, die. eine Erziehung der Frau zur Erkenntnis der Einheit von Teutschtum und Judcntrun notwendig macht, ist abgcgrenzr aus die Ziele des Ecntralvcreins, d. h. auf die Stellung der Judcn als dcuckche Staalsbürger. Tiefe Abgrenzung schließt nicht aus, daß innerhalb der Frauenarbeit auch die Arbeit der Nationatjüdinnrn beleuchtet wird, um vorurtcilsstci die große Verantwortung zu klären, die die dcunche Jüdin für die Zukunft der Heranwachsenden Jugend ans deutschem Boden *n tragen bat Nur eine im Sinne des Eentrawercms geststigte Arttraffung wird die positive Mitarbeit auch der jüdischen Frau im dcul'ch-en Vaterland als Pflicht empfinden lassen. Mehr a C§ J3 000 tauen haben sich bisher in Gr 0 ß - BcrIin zu dieser Aufsagung bekannt und dadurch den ersten Schein zur innigen Verschmelzung von Teutschtum und Judentum. getan. Aber der Kamps um unsere Gleichberechtigung und Anerkennung verlaust nicht nur die Ileberzcngung unserer Wertigkeit in den eigenen Reiben, stndern vielmehr eine gerechte Bewertung des jüdischen Menschen in den Aeib.cn der christlichen Milbürgcr. Tiefe durch den Ecniralv-crein zu lösende schwere Aufklärungsarbeit ist auch nn Programm der Frauenarbeit cnihallen. Welch schwierige aber loertvotle Aufgabe, Ausklarungsarb-.it in den Rechen der Frauen zu leisten! Es ist der Tatsache nicht oisen genug bagecnct worden, daß der Einfluß einer ganz bestimmten Grurpe von Frauen innerhalb unseres Vaterlandes ansrcicht, um mit der Aufreizung zum Judenhaß das Gift in den Volkskvrpcr zu stoßen. )chch sind wir den Zeiten ferne, in denen ein Goethe von der versöhnenden, stets zn mildern Urteil geneigten Frau gedichtet hat. In der Enge von Ablehnung und Haß übcrbicten sich oft Frauen aus dem Lande, in der Kleinstadt und in der Großstadt, wo sie beispielsweise die Martchallen zum Tummelplatz ihrer ungeklärten Erzählungen machen. Tiefe Art der E- D. - Frauenarbeit aber muß zum Arbeitsgebiet aller Landesverbände des Eentralvcrcins werden. Möglichst in allen Städten muffen Arbeitsguneinschastcn der E. V. - Frauen geschaffen werden, um je nach Lage und Auswirkung ar.risemitischcr Uebergriffe neben der Erziehung zum „Sich-nicb:s-tsiesallen!an-wst auch die Entwaffnung des Gegners durch Aufklärungsarbcir zu leisten. Tie Untätigkeit der Frau im Politischen Ergehen des Volkes baden jene Mrnderwerligkeitsgcsühle wachgernfen, die bisher die jüdische Frau bn Kampf um Ehre und Gleichberechtigung so ost gleichgültig und icige geweckt haben. Aber eine neue Zeit formt neue Menschen. Eine 'esterganisicrre Frauenarbeit im gesamten Eentralverein ist die Forderung dieser Stunde! Margarete Fried. * Ter Vorstand der Frauenaruppen Groß-Berlins Ns Ccnira.'ocrrius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ladet ein zu cincm T e e n a q :n :: * tag im Lass Gärtner, Holsteiner Ufer 27.23, am Dienstag, drm 4. Lcrtcmdcr 1928, nachmittags 5 Uhr pünktlich. Bir legen Dort darauf, daß aüo rwscrr Mitglicder an biefee geselligen Perangalrung teilnchmen und auch Lefrerrudrte Damen, dst der L.-V.-Arbeit uahestehen, als Gäus eim'ühren. Göcufo gern i[i die Heranwachsende C.-B.-Iugend aeschcn. I. A. Maegarcte Fried.

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