Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- Seite 481 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Don VezittsrabSmer £ f iPvy^äp / Dr.Veermann(Keilbronn) Wir haben bereits in den Nummern 36 und 49 von 1927 unserer Zeitung über die P a s s a r g e s ch e Herausgabe des Buches „Vom KahaIst berichtet. Kürzlich ist nun der zweite Band erschienen, der in Einleitung und Schlußwort de» Verfassers wieder viel judensemdliches Material enthalt. Aus diesem Anlaß berichtet im folgenden Rabbiner Tr. Beer mann (Heilbronn) noch einmal zusammenfaffend über die Entstehung und Bedeutung des Buches vom Kahal. und zeigt die Unstimmigkeiten der Passargeschen Folgerungen aus. Die Schriftleitung. I. Professor Passarge lehrt an der Hamburger Universität Geographie. Darüber hinaus hat er ein starkes Interesse am Kulturleben der Menschheit. Er glaubt das Wissen von menschlicher Gesittung und Gemeinschaft Zn bereichern, wenn er Jakob Brafjtt A n n § Buch „V o m K a h a V herausgibt und mit Anmerkungen unö Nachworten versieht. Auch der II. Band dieser seltsamen Schrift bringt neben einem Wust von Irrtum und Vorurteil manche gelehrte und richtige Erkenntnis, so daß man ihm als Motto das Wort der Phorkyas aus dem zweiten Teil des Goetheschen „Faust" mitgeben könnte: „Wie unverständig neben Klugheit Unverstand." n. Jakob Brafmann, einer jener getauften Juden, deren Untreue sich in blutrünstigen Haß gegen feine früheren Elanbensgenofsen verwandelte, denunzierte im Jahre 1864 die Inden, sie ließen ihre von der russischen Regierung 1844 aufgelöste Gemeindeorganisation als Geheimbünd sortbestehen und bekräftigte diese seine Anschuldigung dadurch, daß er die Minsker Beschlüsse und Protokolle des jüdischen Eemeindevorftands aus dem Hebräischen in einer tendenziösen russischen Uebersetzuug veröffentlichte, die lediglich dazu beftimnit war, aus die russischen Verwaltungsorgane im judenseindlichen Sinne einzuwirken, so daß sie die Juden noch mehr drangsalieren und schikanieren könnten. Tiefe Verhandlungsdokumente aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sollten den Eindruck wecken, daß die Juden noch immer eine im geheimen gut funktionierende Verbindung unterhielten, die sie in den Stand setzte, allerlei Manipulationen durchzuführen, um staatliche Behörden zu bestechen und ihre.Wirtsvölker" auszubeuten. Der russischen Regierung war die Schrift des vielleicht vom Zarismus gekauften Täuflings ein herzlich willkommener Vorwand, um die Juden von neuern mit Vergewaltigungsversuchen und Ausnahmegesetzen aller- Art zu quälen. Tie Formel, nach der russischer Derwaltungsantisemitismus arbeitete, hat nachmals Pobjedonoschef, der Präsident des heiligen Synod, etwa so ausgesprochen: ein Drittel der Juden muß verjagt werden, ein Drittel soll verhungern, und was bleibt, soll gelegentlich totgeschlagen werden. III. Es gehört mit zu den Aeußerungen großartiger Lebensenergie des Judentums in allen Ländern, daß es allen feindlichen Daseinsbedingungen zum Trotz, ohne Schutz und Hütte vom Staate, sich lediglich^ von innen heraus zu organisieren wußte. So fand auch das russisch-polnische Judentum den gemeinsamen freiwilligen Zusammenschluß im Landesverband des Waad und die örtliche Zusammenfassung im Kahal (Gemeindeverwaltung), der nicht bloß das religiöse Leben, sondern auch rechtlich^ und soziale Verhältnisse der Gemeindeaenossen regelte und in gewissem Umfange eine eigene Gerichtsbarkeit besaß. Diese Gestaltung der'Dinge gehört der Vergangenheit an, seit etwa 75 Jahren. Tier deutsche Herausgeber des Brafmannschen Buches gibt auch zu, daß der „Kahal" längst ausgehoben ist, redet sich aber und seinen Lesern ein, daß das Bild von jenen einstigen Zuständen einen Schluß zulasse auf die G e s a m t j u d e n h e i t von heut e. Er glaubt, daß nicht nur unter den Ostjuden eine folche Geheimverbindung bestehe, sondern unter den Inden der ganzen Welt zu dem Zwecke, in Haßgefühl und Racheempfinden die „Wirtsvötker" zu schädigen. Er glaubt es — ohne Beweise! Der Antisemitismus hat ja nacheinander so manck^e liebe Urkunde, so manchen angeblichen Rechtstitel für seine gehässige Agitation in ein Nichts dahinschwindcn sehen. Segels bündiger Nachweis, daß die Schrift: „Die Weisen Zions" eine niederträchtige Fälschung sei. die Tatsache, daß Henry Ford sein hetzerisches Machwerk „Der internationale Jude" desavouiert hat, macheu die Umschau nach neuen Dokumenten begreiflich. Da boten sich die vergilbten Papiere der Minsker Gemeinde. Was Wunder, daß ein deutscher Professor mit starken antisemitischen Neigungen mit dem Musageten vom Blocksberg dachte: „Ich mag in diesem Hexenheer mich gar zu gern verlieren, denn freilich diese wüßt' ich eher als Musen anzusühren" usw., und er zum Musagcteu eines B r a f m a n n wurde. IV. JS>ie Minsker Urkunden geben uns einen Einblick in das enge. gedrückte jüdische Gemeinwesen vor etwa hundert Jahren. Wir sehen die zähe Entschlossenheit am Werke, Gottesdienst, Unterricht und Wohltätigkeit trotz furchtbarster Ausbeutung ausrechtzuerhalten. Die grobe und große Fälschung Brasinanns besteht darin, daß er so tut. als ob es sich um staatsgefährliche Pläne, um einen mit unmoralischen Mitteln arbeitenden Geheimbünd handelt. Gewiß, es ist kein schönes Bild, das sich dem Forscher bietet; aber die Mißstände, etwa daß Bestechnngsgelder für russische Beamte flüssig gemacht werden müssen, ist doch eine Anklage gegen das russische Gewaltshstem. Die Ostjuden, die seit dem 17. Jahrhundert in Kosakenmetzeleien, Haidamakenversolgungeu, Ritualmordhetzen und Pogromblutbädern unbeschreibliches Elend erfahren haben, denen eine frevlerische Negierung alle Quellen der Volkswohlfahrt verstopfte, zeigten natürlich dann auch in ihrem Seelenttrm manche häßliche Anomalie, wie etwa die leidenschaftliche Gehässigkeit der religiösen Parteien und Gruppen untereinander. Wenn Passarge sich darüber entrüstet, wie die Chassidim von ihren Gegnern behandelt wurden, so möge er bedenken, wie in ungleich günstigerer Kutturtage die evangelischen Orthodoxen ihre pietistischen Brüder behandelt haben und wie Calvin die Tötung Servets bewirkte. Wenn ihm das rabbinische Judentum lediglich eine auf äußere Handlungen eingestellte und abgestimmte Kuttreligion ist, die auf Gesinnung und Gefühlsleben keinerlei Einfluß übt, so muß er ja selbst S. 32 in der Anmerkung zugebeu. daß die Aggada — und sie gehört ja auch zum Talmud und zum Nabbinismus — sich an Herz und Gemüt wendet. Wie ein Hohr aber auf alle Menschlichkeit und Gerechtigkeit muß es wirken, wen? Passarge aus S. 254 schreibt: „Die Pogrome, die die Juden der ganzen Welt schon beim Ausspruch des Namens in Angst und En^ setzen aufschrecken lassen, sind in Wirklichkeit das Lebenselixie “ das sie widerstandsfähig erhält." Wer ein solches Wort zu schreibe* wagt, der darf sich nicht entrüsten, wenn man ihn mit jenem Armilos dem Antimessias der jüdischen Volkssage, vergleicht, der nur mit dem Ohre des Hasses hört und mit dem Auge der Feindseligkeit sieht. V. Wie duldsam doch der Hammer-Verlag ist, in denr „Passarge- Brasinann" erschien. Sonn ist das A und O aller dort veröffentlichten Literatur der feste Glaube an das Rassendogma. Passarge hat den Wahrheitsmut des Bekenners: Er gibt zu, daß anthropologische Untersuchungen mit Sicherheit zeigen, daß sich die europäischen Juden aus den gleichen Nassen wie die Europäer zusammensehen. Das jüdische Problem werde aus ein ganz falsches Gleis geschoben, wenn die Rassensrage als maßgebend erklärt wird. Das Judentum sei aus ganz anderen" Gründen für die Wirtsvölker verhängnisvoll: a) wegen seiner Mondnatur. Ich gestehe offen, der ich manche subtile talmudische Untersuchung begreifen konnte, ich habe nicht recht verstanden, * was sich der gelehrte Verfasser eigentlich darunter denkt; soll das beißen, die Juden oder das Judentum wende nicht immer seine volle Außenseite der übrigen Menschheit zu, oder es leuchtet, wie der Mond, der sein Licht von der Sonne empfängt, im erborgten Glanze, oder es macht Phasen des Wachsens und des Abnehmens? Mir scheint das, um mit Goethes Worten aus der Vlocksbergszene zu sprechen: „von Saus umzirlt und Jugend braus!" d) wegen seines Rabbiuasmus. Das Ist kein Druckfehler. Diese geistreiche Wortbildung bezeichnet im Gegensatz zum Nabbinismus den Haß des ungläubigen Juden gegen die Wirtsvölker und sein Streben, ihr Wirtschaftsleben durch Marxismus und Bolschewismus £it zerstören. Dr. Stanjek, dem überhaupt das Verdienst gebührt, das Buch ..Von: Kaha!" nach seinem wahren Werte gewürdigt zu haben, hat' darüber in den Abwehrblättern das Nötige gesagt, ebenso wie über den dritten Punkt, den Cheskelhaß. c)wegendesjüdischenCheskelhafses, der so bezeichnet wird nach dem jüdisch-zionistischen Literaten Klötzel, dem in einem Jugendartikel über den Judenhaß einmal ein recht starkes Wort des Grolles gegen die Judenhetzer in die Feder geflossen ist. Dieser Tintentropstn scheint mir aber unvergleichlich harmlos, wenn ich an die Blutströme denke, die auf Konto der Judenhetzer kommen. Der Cheskelhaß. d. h. der Groll der Inden gegen die Nichtjudem ist ein Phantom^ und ein Märchen, die Ausgeburt des bösen Gewissens der Judenhasser. Freilich, wären die Juden aus demselben Holze geschnitzt wie die Hepp-Hepp-Ruser, sie würden so hassen. Gott sei Dank bildet ihre Religion eine stärkere Macht in ihren Seelen, und diese ihre Religion läßt sie das Psalmistenwort beherzigen: „Mögen jene fluchen, du aber segne!" Der völkische Herbst beginnt. In dann Leitartikel seiner neuesten Nummer des „Angriff' spricht Tr. Goebbels prahlerisch, wie immer, über die gewaltigen Anstrengungen, die seine Partei in Berlin im t o ui i:i e n b e r. H e r b ft machen wird. „Ter Herbst steht vor der Tür. Ter Kampf beßinnt. Wir sind gerüstet und erzbereit. Rücksichstlos und angrissslustig werden wir fechten gegen ein faulendes Staatssyftcm und seine morbiden Vertreter. Wie bisher, so auch fortan streng im Suibmeit der Gesetze, in de:n Bewußtsein, daß zum Schluß doch das Recht wegen wird. Ein Trommelfeuer nationalsozia- 1 i st i f ch e r u f 11 ä r i: n g soll c 11 f d i e Berliner Oeffent- 1 i ch k c i i!xc r e i n ss r a s s e l n , daß den Nutznießern unseres Elends Hören und netzen vergeht. Ein jeder von uns steht bereit zum politischen Eingriff. Wir werden uweren Feinden die heuchlerische Maske dom Gesicht reißen und lachend rufen: So sehen Sie aus! Das Spiel kann beginnen!" Wir nehmen selche Prahlereien nicht so tragisch, obwohl wir genauestens darüber unterrichtet sind, daß Herr Dr. Goebbels, von München wohlnnierstützt, in diesem Herbst und Winter sein H a,lp ta u ge nm c 11 cu| d ic Bec-rbcituug Berlins und der Provinz Brandenburg richten wird. Wir haben das Vertrauen zu nuferen Berliner Freunden des E. V„ daß sie unsere Gegenarbeit nach Kräften unterstützen werden.