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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-31 · 35 (31.8.1928) · p. Seite 479

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
35 (31.8.1928)
Date
1928-08-31
Page
Seite 479 (sequence 3)
Language
German
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lLK" MWWK Bsn Nationalverläftliche" Theater besitz er und Schankwirte. — Gegen die jüdischen Karrfleute: — Beamtenabbau nrrd Disziplinarverfahren. — Eigenartige Bodenreformen. — Ter neue Numerus clausus. Budape ft, den 24. August. An dieser stelle wurde erst vor kurzem im Zusammenhang mit ber staatlichen Finanzierung eines j u den feindlichen Films, den der frühere ungarisäze Weihgardist Kolomcm Z s a b k a herstellt, aus die Art und Weise hingewiesen, wie der ungarische Ministerpräsident Graf Bethlen seine „Konsolidierungsarbeit" betreibt, über deren glänzende Ergebnisse sein PropagandaapparaL der Welt so viel schönes zu erzählen weiß:^Die blutbesleckren Helden der Jahre 1919 bis 1921 wurden zum Teil in bürgerlichen Stellungen nntergebracht oder sie bekamen fette Geschäfte, zum Teil wurden sie scharenweise in staatlich beaufsichtigte Prätorianerorganisationen ausgenommen, wo ihr Tatendurst behördlich reguliert wird. S o hat Bethlen die „P e r s o n a l - fragen" geregelt, als er daran ging, aus Ungarn einen Staat zu machen, der äußerlich tue Attribute eines europäischen Staatswefens aufweisen sollte. Biel komplizierter war es, die all ge ineinen Grundlagen des politischen lind des wirtschaftlichen Lebens so zu — „tonm solidiere n", daß auf der einen Seite die Welt nichts daran Lnszusetzen hatte, auf der anderen Seite aber in der Praris das stark judengegnerische Programm von 1919 seine Verwirklichung finde: Bethlen hat die Aufgabe meisterhaft gelöst. Angefangen hat er mit den Kinos. Es wurde ein Gewtz geschaffen. das den Betrieb eines Kinotheaters an staatliche Konzessionen bindet, wobei — mit „Rücksicht auf die propagandistischen Möglichkeiten, die der Betrieb eines Kinotheaters bietet" ^— vorgeschrieben wurde, daß nur „nationalverläßliche" Personen Konzessionen bekommen dürfen. In wenigen Wochen waren alle in jüdischen Händen befindlichen Kino gesperrt. Kurz daraus wurden ne unter der Leitung eines „national verläßlichen" Eigentümers wieder geöffnet, der in der Regel ein ausgedienter Weißgardist oder sonst eine zuverlässige Stütze des Regimes war Nach einigen Wochen, und das Kino war wieder geschlossen, denn der „Nationalverläßliche" verstand nichts vom Geschäft. Es wurde aber wieder geöffnet — nominell noch immer unter der Leitung des .^verläßlichen" Konzessionärs, aber auch Der alte Eigentümer war als Kompagnon beteiligt. Auf diesem Umwege hatte man den Juden um die Hälfte seines Arbeitsverdienstes gebracht. Absolut „nationalverläßliche" Personen müsien es auch fein, die alkoholische Getränte ausschenken dürfen. Ta zu diesen! Geschäft keine besondere Geschäftskenntnis gehört, ist es auf diesem Gebiete gelungen, eine Reihe jüdischer Existenzen völlig zugrundezurichten. Es wurden unter dem Titel der billigeren Versorgung der öffentlichen Angestellten Konsumvereine sür diese Ktschafkeu. (Fortsetzung des Textes auf Seite 430.) menschlicher und kultureller Gleichwertigkeit. Setzt sich solche Gesinnung durch, dann wird es beiden Teilen immer deutlicher zum Bewußtsein kommen, daß das Trennende verschwindend gering und unbeträchtlich ist gegenüber dem Gemeinsamen, das zum mindesten seit hundert Jahren durch gleiche Sprache, Staatsangehörigkeit, Uebereinstimmung bedeutender Teilgebiete der Weltanschauung und Sitte längst geschaffen ist. Die noch vorhandenen Unterschiede und Gegensätze werden sich dann immer mehr ausgleichen, bis sie sich schließlich auf Schattierungen beschränken, nicht tiefer und entzweiender, als sie in einem reich entwickelten Volk auch zwischen anderen Bevdlkerungsgruppen nun einmal untilgbar vorhanden sind — und vorhanden sein müsien, soll nicht die Menschheit und mit ihr das deutsche Volk durch die immer fortschreitende Normalisierung und Typisierung auch des Geistes- und Eemütslebens auf das seelische Niveau des Ameisenstaates herabgedrückt werden. Ich für meine Person glaube viel zu fest und zuversichtlich an den Genius meines Volkes, des Judentums, der Menschheit, als daß ich zweifeln könnte, es müsie auch das jüdische Problem schließlich in eine Phase der Versöhnung und des Ausgleichs münden, die alle wertvollen und dauerbaren LÄrte beider Gruppen für die künftige Weiter- und Höherentwicklung unseres Geschlechtes erhält und nutzbar macht. In diesem Sinne zu arbeiten sei unser aller Gelöbnis. Auf unsere Bitte hin schreibt uns Herr Rabbiner Dr. Hahn (Essen) zu den Ausführungen Walter Blee ms das Folgende: Walter Bloom wirft die Frage auf. warum die Juden Westeuropas, trotz ihrer unzweifelhaft starken Anteilnahme an dem Leben der allgemeinen Kultur, es ablehnen, sich auch physisch'mit ihrer Umgebung zu amalgamieren. Es gibt für diese Erscheinung nach seiner Meinung nur eine stichhaltige Erklärung. Offenbar glauben die Träger dieses auf die Erhaltung der eigenen Gattung gerichteten Lebenswillens, daß das Judentum Werte von allgemein menschlicher Bedeutung in sich birgt, die zugrunde gehen müßten, sofern sie nicht „von einer weitervostehenden, lebendigen jüdischen ,Natiow getragen, erhalten und weiterenwickelt würden". Unter „Nation" versteht dabei der Dichter — entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch — einen Verband von Menschen, der durch gemeinsame Ideale geeinigt ist. Es ist Bloem offenbar nur tticht recht ersichtlich. roelcizes die „Ideale" sind, um derentwillen das Juden t u m sich in der Juden heit erhalten muß. Am Verspiel der griechischen Kultur glaubt ec Nachweisen zu können, daß das Weiterleben und -wirken der geistigen Errungenschaften kiner „Nation" nicht notwendig an ihren physischen Bestand geknüpft zu sein braucht. Sollte es nicht möglich sein, daß auch die llkwaltigen Geistesschöpfungen des Judentums, wie sie vor allem vre Blbel^ aufweist, ihren Einfluß auf die Menschheit geltend machen könnten, auch wenn die Juden ihre biologische Sondererrstenz ausgeben würden? f§ ist ohne Zweifel richtig, daß der griechische Geist in der wrrksam blieb, auch nachdem der Staat und die „Nation" uutergegangen waren. Das war aber nur möglich — und darauf 1)01 Hermann Eohen in seinem Atterswerk „Die Religion der Vernunft" vor allem aufmerksam gemacht —, weil der griechische Geist in seinen verschiedenen Werten zu einem formvollendeten Abschluß gekommen ist. Alles Philosophieren geht seitdem von Sokrates aus, wie alle Poesie an Homer und alle bildende Kunst an der griechischen Plastik ihr Maß hat. Die Funktion, die dem griechischen Geist zukommt, besieht also offenbar darin, daß er den eigenen Geist der Völker anregt und zur Entfaltung bringt. Anders ist es mit dem Geistesgut des Judentums. Hier muß ein Eigenes, Unaustauschbares gewahrt und zu immer größerer Verdeutlichung gebracht werden. Es handelt sich nicht darum, die Völker anzuregen, daß jedes feinen eigenen Golk findet, sondern dem Judentum geht es um die Erkenntnis, daß es nur einen Gott für alle „Nationen" geben kann. Und auch mit dieser Erkenntnis allein ist ihm nicht gedient. Dem Judentum ist es vielmehr um die Verwirklichung dieses Einheitsgedankens unter den Menschen zu tun. Dem einen Gott kann nur die eine Wahrheit, die eine Gerechtigkeit, der eine Frieden entsprechen. Der Einheitsgedanke des Judentums kann ]id} deshalb mit seinem literarischen Niederschlag in der Bibel nicht zufrieden geben. Er will gelebt, er will verwirklicht werden. Im Altertum fand sich außer Israel keine „Nation", die sich in den Dienst dieser Forderung gestellt hatte. Und heute? „Die Fahne des reinen, irrtöcrwässerten Monotheismus hochzuhalten, das war imnrer ein Teil und kein geringer Teil des Zeugnisses, welches das Judentum durch all die Jahrhunderte abgelebt hat: und wer will behaupten, daß solches Zeugnis nicht heute noch vonnöten ist", fragte der englische Geistliche Travers Herford in seiner Schrift „Was verdankt die Welt den Pharisäern?" (Leipzig, 1920, 18.) Die biologische Isolierung, die das Gesotz den Juden auferlegt, ist nicht Selbstzweck. Sie ist um des jüdischen „Ideals" willen gefordert. Sie will die kontinuierliche Uebernahme der jüdischen Verpflichtung dura; die neue Generation sicherstellen. Es ist die einzige vorbeugende Maßnahme, die dem Judentum gegeben ist. um seine Substanz vor dem Verfall zu retten. Mit den! Äufhören des jüdischen Menschen würde auch die jüdische „Idee" ihren Sinn verlieren. Die Erhaltung der physischen Eigenart ist also Ausdruck unseres Glaubens, daß dem .Judentum geistige Werte iunewohnen. die in der Welt noch nicht zum Durchbruch gekommen sind. Dieser Glaube macht uns nicht zu schlechteren Volksgenossen. Im Gegenreil: er ist dazu angetan, uns die Selbständigkeit des Urteils zu rvahren, die der Herausführung einer lvahren Kul iurgemeinschaß nur förderlich sein kann. Wir bedürfen keiner besonderen „Option", um uns einzudeuGchkZ!. Die Wahl, vor die wir uns bestellt sehen, kann nicht Heiszen: Deutschtum oder Judentum. „Tie Wahl kann nicht so gemein: stin. als ob es darauf ankäme, das eine oder das andere auszuschatten. auftugeben. zu überwinden. Es wäre sinnlos, sich etwa von der umgebenden Kultur freiniachen zu wollen, die ja von unseres Blutes innersten Kräften verarbeitet und uns eingeeignet worden ist." Wir bejahen kleide Komponenten in unserem Innern. „Aber wir wollen nicht die Sklaven, sondern die Herren dieser Mischung sein." (Bul>cr.) Wir wehren uns deshalb gegen eine Amalgamierung, die von uns die Preisgabe unseres Judentums fordert. Vom Nützlichkeitsstandpunkt aus gesehen, mag eine solche Forderung empfehlen-- wert erscheinen. In Wirklichkeit ist solche ..Assimilation" Flucht vor der eigenen geschichtlichen Verantwortung. Kein kultivierter Mensch kann solckze Treulosigkeit wünschen. Und damit ist der Weg zum vertrauensvollen Zusiunmeuarbeiten, zur Btoemschen „Symvwse" ausgewiesen.

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