Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 34 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
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471 In der haloossiziellen Marienbader „Deutschen Bäderzcitung" nnden wir in der Nummer vom 19. August einen Aufsatz „Die Pohlischen", dem mx folgende Stellen entnehmen. Karlsbad sollte gerade diesen Gästen besonderen Dank wissen, und'doch sie es, die Karlsbads Ruf nn Osten fördern und festigen, die von der Heilkraft seiner Quellen lebendig Zeugnis ecken, denn welcher von ihnen ließe fein Gefräst in Ezenstochau oder Rawa-Ruska rm ^-trch, um die Zeit nutzlos in der Sprudelstadt zu vertrödeln? . .. . Und hier setzt das Unlogische ein. Auf einen Neger, Araber, Japaner, Indier (natürlich mit fürstlichen Titeln), ist der Herr Hotelier stolz. Ein polnischer Jude ist ihm ein Greuel. . . . Daß das Leben der polnischen Juden nicht vom Geschäft zu trennen ist, bedeutet für die Kurftadt auch eins wesentliche Förderung ihrer Handelskreise. Es wird wenig Ostjuden geben, die nicht aus ihrer Heimreise Jndustrieartikel aller Art mitnchmen, sie im Osten direkt einführen. . . . . . Wie jämmerlich gegen diese wahre Kulturmisswn des Ostjuden ist die Rolle manches prinzlichen Hochstaplers aus Acghvten, Sudanesien oder Niemandsland. Der Hotelier, der gegen die Ostjudckr oft das Argument der mangelnden Reinlichkeit führt, läßt sich Von diesen farbigen Gaunern (die nur zu schnell herausbekommen haben, daß ihre Farbigkeit in Europa Seltenheitswert und Geld bedeutet) den ärgsten Schmutz gefallen, stolz ' in dem Gefühl, einen Schah oder Radja zu bcherbergigen. Ein altes Handtuch um den Kopf gewunden, gilt in Karlsbad leider mehr als der würdige Seidcnkastan des Ostens/ * In der Beilage der „Wcscrrnirnder Neuesten Nachrichten" vom 4. August „Tie niedersächpsche Heimat", finden wir einen Aufsatz: ,.D i e I s r a e l i t e n B e d e r k e s a s", dem wir folgenden Absatz entnehmen: „Wer es liebt, im Forstort Holterborg stimmungsvolle Bahnen und Lichtungen auszusuchen, um ihren eigenartigen, nichr selten geheimnisvollen Zauber auf sein Gemüt einwirkcn zu lasten, de: muhte an der Westscite der Holzung inmitten ragenden Tanns aus einen alten Begräbnis- Platz stoßen, der mit seinen umgcstürztcn Dcnkmincn und mit seinen Vollständig vernachlässigten Grabhügeln in der Lraumchastcn Stille oes Waldes den Anblick trostloser Verlassenheit Lot — einerseits, anderseits aber auch wieder dem besinnlichen Besucher Anlaß wird zu beschaulichem, tiefernstem Nachdenken über den Wandel der Zeiten. — And dom! — ^o grenzenlos verlassen war der sogenannte „Iudenkarkhosst aber keineswegs, daß die geheimnisvoll webende Natur sich seiner nicht erbarmt, und die von rohen Vubenhänden zertrümmerten, sandsteinenen Grabmale mit buntem Flechtwerk nicht umsponnen hätte, um die an ihnen verübte Frevcltat liebevoll zu verhüllen zu suchen. — Denn nun auch neuerdings die israelitische Gemeinde der Nnterweserhafen es sich zur Pflicht machte, diesem^ nur in engeren Kreisen bekannten Friedhof die ursprüngliche Eesamterscheinung in würdiger Weise wiederzuverleihen. so hat doch auch der Flecken Bederkesa alle Ursache, diesem Vorgehen seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, und ihm die Mithilfe nicht Zu versagen. — Handelt es?rch doch um das^Gedächtnis an eine Sonderaemrrnde in ihm, die zunächst als eine solche in den Jahrbüchern des Alten Amtes keineswegs unerwähnt bleiben darf, und sodann um einen geschichiüch Zu bewertenden, nicht überall an.zutrestenden Waldfriedhof, der in feiner Eigenart un- Zweiselhast manchem erholungsbedürftigen und traute Stille" suchenden Ferrengaste das Ziel seiner Spaziergänge zunr eingangs bereits hervorgehobenen Sinnieren abgebcn dürste. ... Es ist eins uralte Begräbnisstätte, die die Israeliten Bederkesas Anscheinend nn letzten Drittel des 18. Jahrhunderts oder doch so um die Wende herum zur Beisetzung der abgeschiedenen Glieder chrer kleinen Kolonie sich erwarben oder die vielleicht auch amtlich ihnen Zugewiesen wurde. In unmittelbarer Nähe gehobene llrnenfund^ weisen nach, daß man^ bereits in der Bronzezeit — oder geschah es wohl gar aus Veranlagung des Herrn der unweit nahe dem alten SHützenplatze gelegenen, ungemein starke Befestigung verratenden Wallburg — diesen Abhang der Geestinse! Holterborg im vorgeschichtlichen Handclncr Delta Zum Nrnen- Medhof bestimmte, weil er, als am Grunde einer gen Westen sich öffnenden Bucht gelegen, die letzten Grüße der zur Rüste sich neigenden Sonne empfing! — Im Wandel der Jahrhunderte ist ihr Gelände zu einem Moore (Me*n Iudcnkarkhoff) ausgeguollcn, das einen vorzüglichen Torf birgt. * Im Augusthest der „Standarte" findet sich ein Aussatz „Politische Hysterie", dem wir die folgenden Stellen'entnehmen: „Dadurch, daß man ganz automatisch alles, was au Gegenkräften vorhanden ist und wirksam wird, von Juden, Jesuiten oder Freimaurern dirigiert erklärt, erschwert man sich in Wirklichkeit dsn Kampf um die positiven Kampfziels ja ganz ungemein und macht das wirklich schlagkräftige Ausschrlten dieser Kreise um so unmöglicher, als man die eigene an sich richtige Tendenz durch diese überspannte Neigung, immer den gleichen „SündenboA" für alles Negative verantwortlich m machen, für weiteste Kreise lächerlich macht . . . . .... Es passiert eben doch in der Welt noch eine ganze Menge, weder von den geheimen Oberen des Ordens noch von den Rathenauschen $00 Männern oder römischen Machinationen ge- ^?en ^ud ins Werk gesetzt wurde! Wie verhängnisvoll däffe pOlrchüze Monomanie der gesamten völkischen, nationalen Deroegund rverden beginnt, Lerreisen die oft ’mcht gI* leichrfertigon Angriste^gegen einzelne Persönlichleiieu r?d-er Kreise, indem man M AU Freimaurern stempelt ihnen jüdische Verwandtschaften nachsagt und sie sonstwie als von diesen ül>erstaQtlichen Mächten gekauft verdächtigt, sobald sie in Einzelheiten eigene Wege gehen.7 Wenn auch der Aussatz als Ganzes selbst nicht frei von der in ihm angeprangerten Hysterie ist, so hoffen wir, daß allein der;n ihm zum Ausdruck gebrachte Wille Zur Objektivität für die Zukunst Früchte tragen wird. Mobiles unö immobiles Nüpitsl. Ein Beitrag z«r Frage Der Grrrvpenbildimg. In einer vor roenigen Wochen erschienenen Broschüre behandelt Tr. Ludwig Bernhard. Prosepor der Stautswistenschaften an der Universität Berlin, das Werden des Hugenöerg-KonzernsJ. ßZ ist bekannt, daß Bernhard Hugenberg uahestcht und in vieler Hinpcht als Mitarbeiter Hugenbergs bezeichnet werden kann. Ausdrücklich muß hervorgehoben werden, daß weder Hugenberg noch Bernhard zu den Gegnern der deutschen Judenheit gerechnet werden können. Man mag sich zu manchen politischen Aufsagungen und zu vielen Taten Hugenbergs ablehnend verhalten, man mag seine allgemeine Politik verdammen, das hat nichts mit d-er Frage zu tun, ob Hugenberg oder Bernhard „Antisemiten" sind. Beides ist auf Grund eingehender Kenntnis der Verhältnisse zu verneinen. In der Bernbardschen Broschüre befindet sich ein Kapitel: „D i e soziologische Funktion der geschäftlichen Interessen", das auch für uns von besonderer Bedeutung ist. Bernhard untersucht nämlich die Bedeutung des „Interessenten", d. h. eines Menschen, der aus das politische Geschehen Einfluß zu üben sucht und von dem anzunehmen ist, daß mit seiner öffentlichen Betätigung der Erfolg privater geschäftlicher Unternehmungen zusammenhängt. Er weist darauf hin, daß die einen dem „n a f i o n a I q e \ i n n t c n" Schwerindustriellen vorwersen, das Feuer seiner nationalen Begeisterung sei im eigenen Hochofen geschürt, während andere wieder vom Bankherrn sagten, er sei Weltbürger, weil er deu tsche Efs ekten in New Jork und Amsterdam zu emittieren habe. Bernhard rveist nach, daß, soziologisch betrachtet, d. h. im Zusammenhang mit der Frage, wie kommen die Gruppenbildungen in der Gesellfchajt zustande, zwischen diesen scheinbar so entgegengesetzten Begriffen nur eine Spannung wie zwischen bestimmten Elementen besteht. Diese Spannung sei zu erklären durch den Unterschied Zwischen beweglichem und unbeweglichem Besitz; denn indem der unbevoegliche Besitz die Gutsbesitzer, die Bergw-erkseigentümer, die Großindustriellen mit ihren geschäftlichen Jntereffen innerhalb der Grenzen eines Landes festhält, zwingt er diese Eigentümer, Gedanken und Gefühle mit dem Schicksal des Landes in steter, enger Berührung Zu halten. Ter bewegliche Besitz hingegen, der fremden Ueberfluß zur Befriedigung heimischen Bedarfes heranzicht, der unbeschäftigter heimischer Tatkraft Lohnende Beschäftigung für ausländischen Bedarf verschafft. Zwingt die Bankiers, die Handeltreibenden, ihre Gedanken, ihre gestaltenden Geisteskräfte hinausfchweisen zu lasten über die Grenzen des Landes. So bildet der bewegliche Besitz einen sammelnden und stärkenden Kern für alles Seelische, das dahin neigt, die Gemeinschaft alles Menschlichen zu betonen und fremdes Wesen zu begreifen. Darüber hinaus steigerten sich die Jntereffen des Besitzes sogar so weit, daß sie zu Angelegenheiten eines hochentwickelten Ehrgefühls werden konnten. Unter Umständen kann die Erhaltung eines Landgutes für eine Familie, die Existenz einer Bank für die Begründer und Leiter zu einer Ehrensache werden. Wie kommt cs, daß in allen Gewerben gerade die ethisch hcchftehenden Persönlichkeiten sich getrieben fühlen, die Jntereffen ihres Gew^erl>eZ auch in der Politik geltend Zu machen? Tor „Nurverdiener" hält sich von dem gefährlichen Eingreifen in das politische Gebiet fern. So läßt sich der politische Gegensatz zwischen mobilem und immobilen! Kapital erklären. Tiefe Ausführungen Bernhards sind richtig; für uns sind sie auch bedeutsam; denn sie rveisen auf starke Quellen praktisch politischer Abneigung gegen die Juden hin. Die Juden, vielfach Kaufleute und Inhaber von beweglichen Vermögen, werden gerade bei idealer, von Ehrgefühl boeinslußter Auffassung über ihre Pflichten als wirffchaskende Menschen als die besten Soldaten in den Schützengräben des mobilen Kapitals bekämpft. So kommt es, daß ein gut Teil der wirtschaftlichen Gedanrengänge narionalsozialistischer Schriftsteller auf diesen Gegensatz zurück- Zuführen ist. Auch in anderer Hinsicht verdient das Bernhardsäp Werkchen dag größte Inte re sie. Unsere Freunde können sehr viel aus ihm lernen _ L. H. -) .,Drr Hugcnb-2rg'ÄonLo:r^, PirchslogiL und TrSnik ebct $cs§or$ar,lfaib3 der P:er?L von Ludwig Bernhard. Berlin, von Statut Sprinarr r*2$. Bgl. auch „L. V.-Zcnung", Ar. w, von; 20. April 1928: „D.s Beherrscher b*r öffcntUchcn Meinung."