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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. Seite 469

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
Seite 469 (sequence 5)
Language
German
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4ö§ 5) 0 h u n » e r e m eigenen Korrespondenten. # Sofia, int August;;• au.der: Lände seinen v nrismu werben. daß ie jude zum Au sdrnck ko nun ^ändern Minr icnxo;, ie ::• ^jniätr'.iu Ungarn und zeitweise den Linen ffei-en Piozerusatz bei baltischen Judenschast bilden die -n den letzten Jahrzehnten aus der ehemaligm österreichisch-ungari- ^'cn Monarchie, aus R u ßla n d u s w .t ingewanderten deutsch sprechenden nschkena sisch en Juden. Tie Mehrheit bilden jedoch die in Bulvörigkeit sind und sich bei aller Tonalität gegenüber Bulgarien doch imnwrbin, wie dies im Orient alle Ra^en, Nationen und Religionen hm, als ein besonderes nationales Gebilde betrachten. (Uebrigens nicht nationalsüdisch rm zionisti'chen Sinne). Sie widmen sich in der Hauptsache kaufmännischen, aber auch gewerblichen Berufen jeglicher Art un) können von alters her als die eigentlichen Träger des bulgarischen Handels angesprochen werden. Zum kleineren Teil betätigen ne sich in freien Berufen und leisten als Aer.zte, Rechtsanwäste Tüchtiges. Sie werden von den Bulgaren in ihrer Gesamtheit geschätzt und geachtet. Sie bedienen sich unter sich ihrer fpa malischen Muttersprache, deren Grundlage das zur Zeit ihrer Austreibung aus Spanien daselbst gesprochene Spanisch bilde:, aber mit türkischen, bulgarischen üfrv. Blendungen stark durchsetz: ist. Sie sind aber fast ohrw Ausnähme der bulgarischen Sprache mächtig, ^chon der sprachunterschied trägt zu der gesellschafrlichen Kluft bei, die sich zwischen Nationalbulgarien und Juden harausgebildet hat. Diese Trennung wird von jüdischer Seite nicht zu vermindern gesucht, vielleicht weil man glaubt, daß dahinzielende Bemühungen^ das Mißtrauen auf der anderen Seite noch verstärken würden, selbst die Berührungspunkte, die durch Handel und ^Wandel ohne weiteres gegeben sind, können in gesellschaftlicher Himcht keine Brücke von der einen Seite zur anderen schlagen. Tie Isolierung der Juden, teilweise durch .eigenen Willen hervorgerufeu, ist sonnt fast vollständig, und diese sLbgeschlopenheit konnte nur dazu beitragen, daß bei den Vulgären Neid und Mißgunst mehr und mehr Platz griffen.. Tiefe beiden Eigenschaften der Vulgaren müpen unbedingt als -ein Ausdruck von Antisemitismus gewertet werden, wenn sie auch nur in gemäßigte, nicht in brutaler Form zutage treten. Noch in den Balkankriegen und bis znrn Weltkrieg hatten Juden hohe Stellen in d-r Armee irm.e und bekleideten Aemter in Ltaat nnd^ Verwaltung. Die Lage hat sich seitdem geändert. Infolge der Frieden sverträ ge war Bulgarien gezwungen, seine Armee aufzulöfen und an deren Stelle ein wenige tausend Mann starkes .gut bezahltes Söldnerheer zu letzen, dem die bulgarischen Juden ßuh fernhalten und von dem sie auch wohl ferngehalten werden, pickst nur die Vorbilder westeuropäischer Staaten haben dazu geführt, daß nach dem Weltkrieg auch bulgarischerseits den Juden 1 stillschweigend Aemter und Würden in Regierung und Verwaltung versagt wurden. Tie durch den unglücklichen Kriegsausgang geschaffene Situation hat durch die entstandene Notlage der nichtjudi^chen Bevölkerung den Juden erheblichen Schaden zugesügt. rregreisliche Unzufriedenheit ric? der durch die für Bulgarien ungünstigen Friedensschlüsse bedingte Abbau der aktiven Offiziere und der Mangel an geeigneten Unterkommen für diese in anderen .Berufen hervor. Tie dem Lande aufertegten Reparationen und .rm Gefolge davon eine wenn auch im Vergleich zur deutschen mäßi- .gere Inflation zur Verarmung der Bevölkerung beitrugen. Die nach Bulgarien aus den auf Grund der Friedensverträge abgetretenen .Gebieten zuräckströmenden Flüchtlinge brachten dem Lande neue sorgen. Hinzu kommt noch eine Ueberfüllung aller kaufmännischen und freien Berufe, die eine Unterbringung besonders der Offiziere geradezu unmöglich machte. Durch diese Tatsachen hat sich die Abneigung gegen die seit d'.elen vielen Jahren in Bulgarien handeltreibenden Juden noch Nnergert, die allerdings nicht direkt als offener Antisemitismus, pudern eher in kleinlichen unangenehmen Schikanen zum Ausdruck wmmt. Im übrigen aber bemüht sich der Staat nach graften, Terror und Ungerechtigkeit gegenüber lüdischen Bevölkerung zu vermeiden und zu verhau te n. Wohl haben gewme Teile der ziemlich mächtigen und tmslutzretchen Militärpartei, die sich hauptsächlich aus Offizieren . l9e“ Armee zusammenfttzt, wiederholt versucht, öffentlich r?n 21, YnniS* ” 0“ UlL' C^UJUIU3 xuna diese st Selbsterhaltungstrieb schon schreibt der Regiei, Vot^ und edoch die Inden, die den Handel ernten ‘on3lam 2ufblühende Industrie Bulgariens zum deä Land"?^ fr’t1 ^ax]^ ^a^cn rrnd zum allgemeinen Wohlstand Ein anderes Moment der Beunruhigung — und -das ist vom deutschen Standpunkt aus besonders bedauerlich — trugen junge Studenten in das Berhältnis zwischen Nationaibulgaren und Juden. Zunge Angehörige -er aufgeweckten und ehrgeizigen bulgarischen Intelligenz wurden, wie schon immer, auch zu Zeiten -er deutschen Inflation zum Studium an deutsche Universitäten geschickt urrd nahmen sich hier die Mentalität völkischer, antisemitisch gesinnter deutscher Hochschulbesncher zum Vorbild; diese brachten sie mir ihrer Nuckfdjr auch in ihre Heimat, machten sie nun bulgarischen Juden gegenüber geltend und stifteten Unruhe. Versuche dieser Gruppe, den Radauantisemitrsrnus in Bulgarien einzmühren, wurden von der Regierung unterdrückt und die bulgarische studentische Jugend eines Beferen belehr:. Nationalistische Verbände und Vereine suchen natürlich auch hier weiterhin Mittel und Wege, um Anhänger und Zulaus für ihre antisemitischen Tendenzen Zu gewinnen. Einsichtige und maßgebende Bevölkern ngsteile aber, die die wertvollen Eigenschaften des jüdischen Elements für Bulgarien richtig einschätzen, lehnen, jedenfalls nach außen hin, ein Eingehen auf judenfeindliche Propaganda ab. Wie aus dem Vorstehenden hervorgeht, kommt der Antistmitismns in einer scharfen oder gar terroristischen Formern Bulgarien nicht zum Ausdruck. Tie hier ansässigen Juden goren ihren Geschäften sowie ihren sonstigen Jnterenen nach und werden im großen und ganzen in keiner Weise behindert. Es wäre sogar wünsckzenswert, daß die Regierungen und der nichtsüdische Bevölkerungsteil auch in den anderen Ostländern eine ähnliche Loyalität walten ließen, damit auch in diesen Staaten eine Beruhigung unter den jüdischen Einwohnern einzieht. Sie würde dem Aufblühen dieser Länder dienen. tfl Mus y: ymDÜmmmüm Nachspiel zn einer Gefaltenenehruug. In Frankfurt a. M. hatte sich der Schriftleiter S utterer des ,,Völkischen Beobachters" vor dem Schöffengericht wegen Beleidigung des Rabbiners Tr. Salzberger und wegen Vergehens gegen das Republikschutzgeseh zu verantworten. I m a i ivßt auf dem Sachfenhäuser Friedhof bei Frankfurt a. M. ein Kriegerdenkmal ein geweiht worden. Neben dem katholischen und dem evangelischen Geistlichen hatte aus ausdrücklichen' Wunsch des Vorstandes der Kriegskameradschaft auch Rabbiner Tr. Salzberger an dieser Feier teilgenvmmen. Nach seiner Rede war ein Schwerkriegsbeschädigter mit folgenden Worten an ihn herangetreten: „Es ist eine Schande rnrd eine Schwach, daß ein Jude sich rrntcrftcht, bei einer solchen Gelegenheit au einem Brieger- Vcrrtmal, das Frontsoldaten geweiht ist, zn sprechen." Tiefe Aupvbelei veranlaßte nun Gutterer, den ^chrifueiter des .Völkischen Beobachters" zu einem groß oingezogenen Artikel von dom üblichen Niveau der Veröden tlichungen in völkischen Zeitungen. Es wurde darin die Frage gesollt, ob dieser Jude (Dr. ^alzberger) überhaupt im Felde gewesen sei oder ob er sich hinter der Front herumgedrückr habe. In der Anklagerede fand der ^Laatsanaval: scharfe Worte gegen Gurrerer, der sich damit zu entschuldigen suchte, daß er die ZeitnnZ an -eur fraglichen Tage habe „znsammenhaneu" nrnsien. Er führte dann weiter aus, daß er selten einen so kläglichen Eindruck von einem so jungen Menschen gewonnen habe, der nie an der Front aewtsen sei, der noch die Bänke der Quarta gedrückt habe, als Rabbst'er Tr. Salzber^zer als freiwilliger Frontgeistlicher im Felde war. Der Airgeklagte berufe sich auf feine christliche Erziehung, ob er nicht wisie. daß gerade dort die Achtung vor der Religion und der Geünnung Andersdenkender gefordert werde. Er habe den Eindruck, daß der ganze Artikel nur deswegen geschrieben worden sei. um Reklame für seine Zeitung zu vrachen und die Leser mit Se n s a t i o n s g e s ch i ch t e n zu ködern. Der „Völkische Beobachter" fühlt sich bemüßigt, in Qünem Prozeßbericht den Ang'ltagten Gutterer selbstverständlich als einen „Helden" hinzustellen, während er dem Staatsanwalt Provokation vorwirft. Emphatisch heiß: es dort: . , . „Einen Antrag stellt Pg. Gutterer nicht. Vom Dor^ sißenden befragt, spricht er die stolzen Worte: ..Urteilen Sie. wie ein deutsches Gericht zu urteilen hat!" Und das deutsche Gericht urteilte! Zwei Monate Gefängnis für Vg. Gutterer! Schweigend hört Gutterer das Urteil an! . . . . . . Mer eines mvchte die deutsche Republik nicht vergesienl Aus den Ge-ängni^en und Kerkern dieses „Staates" schallt immer mächtiger der Ruf durch deutsche Lande: Teutchland. erwache! Und Deutschland wird erwachen, dafür wird die nationalsozialistische Freiheitsbewegung sorgen." Auch dieser Prozeschericht und der Widerhall, den er in der völkischen Pfteye gesunden hat, zeigt, wie genai: es die Führer des Nationalsozialismus und verantivorttichen R'edakreurc mit der Wahrheit nehmen. Die Verhandlung hat attcl) einen wertvollen Einblick in die völkische Redaktionsstube gestatte:, wo man „z::- sancmenhaut" statt verantwortlich zu schreiben. Spec'uüor.

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