Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1928-08-24 · 34 (24.8.1928) · p. Seite 467

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
34 (24.8.1928)
Date
1928-08-24
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277781-2277815--04680-2285320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i 467 v«MlwSSti LrZ MM' „Jacob Schiff, Luvenvorff, Bethmann Hollweg u. a." Wie wir erst neulich in diesen Blättern an dem Buche deZ Franzosen Lambelin nachgewiesen haben („C. V.-Zeitung" 1928, Nr 30) schieben die Antisemiten der einzelnen Länder den Juden die'Schuld an allem Unglück zu. Cs entsteht dann das reizende Bild daß die deutschen Judengegner die Juden für dre NiederlageDeutfchlands verantwortlich machen, und daß die französischen Judengegner die Juden für den Huf* stieg Deutschlands verantwortlich machen.^ Solche Tatsachen manchmal zu berichten, ist deshalb nötig, weil sie bester als manches andere aller Welt die ungereimten Behauptungen der Judengegner vor Augen führen. Das tut treffend ebenfallein soeben erschienenes Luch des bulgarischen Priesters I v a n o v, der auf 137 weiten die Zusammenarbeit des — Satans und der Juden entdeckt hat. Wie die. französische Zeitschrift „Le cri des peuples“ (vom 18. Juli 1928) berichtet, behauptet Jvanov u. a. wider alle Wahrheit, daß Wilson. Lenin, Tschitscherin und Kerenski schmutzige Juden seien. Er behauptet, daß die Juden Bulgariens ihren Staat den Serben und Griechen preisgegeben hatten. Und nun kommt das reizendste: Er schreibt wörtlich, daß Mt Alliance Israelite t'niversellc zusammen mit Jacob Schiff, Wavburg, Wissotzki, Ludcndorff, Bethmann HoLwcg und dem Baron Ginsburg grmäf; den Ratschlägen Achad Haams die russische Revolution subventioniert habe." Was sagt General Ludcndorff zu den Behauptungen seines Gesinnungsgenossen aus Bulgarien? Ta werden selbst seine weißroten Schlagbäume, dre Symbole des jüdischen Weltzeptcrs, vor Bergungen Purzelbäume schlagen. Zur WM Stelle ffieXsn'J. „Er betreibt Die Politik unseres Erbfeindes." Wir hatten schon in einer der letzten Nummern dieser Zeitung Gelegenheit genommen, auf die Beleidigungen des Reichspräsidenten von H i n d e n b u r g hinzuweisen, die sich in der österreichischen völkischen Wochenschrift „Michel" befanden. Dabei chatten wir bemerkt, daß wir die schärfsten Angriffe dieser Zeitung, gerichtet gegen den Neichsaußenminister Dr. S t x e f c m a n n, nicht besonders verzeichnen, weil die völkischen Zeitungen und Zeitschriften ja schon seit langem in hemmungsloser Weise gegen Dr. Stresemann Vorgehen. Dieses Mal aber scheut sich der „Michel' nicht, Dr. Strcsemarrn ans Anlaß Der Pariser Reise derart zrr beschimpfen, daß diese Zeilen festgehalten zu werden verdienen. Sie sind enthalten in einem Artikel „Der vierte Pakt" von Dr. Wilhelm Huber (Nr. 33 vom 19. August). Die deutsche Oeffentlichkeit sollte solchen Aeußerungen eine gewisie Beachtung schenken. Die Erinnerung an ähnliche zügellose Treibereien gegen Erzberger und Nathcnan und deren Folgen darf noch Nicht ausgetilgt sein. Dr. Huber schreibt folgendes: „Der „Vorwärts" berichtet . . woraus es Frankreich jetzt ankomme: auf nicht mehr und nicht weniger, als den „deutschen Reichsaußenminister' Stresemann auf die feierliche Erklärung zu verpflichten, im voraus alle Lösungen aus der Hand Franko reichanzunehmen, die später die Frage der Ueberprüsung des Dawes-Planes und der Entschädigung aufwerfen würden. Vielleicht gelingt es dem Bruder Strescrnsnn, mit dieser Art „Realpolitik", die wir Hochverrat nennen, die Räumung des besetzten Nhcirrlandcs zu erkaufen. Da der Judaslohn dem deutschen Volk nicht bekannt ist und nicht bekannt wird, könnte dann Dr. Stresemann wieder einmal höchstselbst im Deutschen Reichstag seine „realpolitischen" Erfolge allsposaunen und darob von allen deutschen Idioten, bzw. „Frnktiou-"mitg!iedern, bewundert werden. — Stresemann wird also, feiner Würde wohl bewußt, wieder einmal nach Paris fahren, zu einer Zeit, da deutsche Behörden wie Schächer nach den „angesorderten" deutschen Opfern der französischen Blutgier fahnden, um dort unter größtem Beifall särntlicher Anwesenden dem deutschen, noch immer nicht gebrochenen Nacken den vierten eisernen Ring anzusetzen für die Belange seiner '.Verständigungspolitik" lind zur * Ehre der europäischen Menschheit und — des göttlichen Baumeisters. Ob der tstU Juden versippte, überstaatlich eingestellte Dr. SLresem-rnu ein unbelehrbarer Tropf ist oder etwa ein JUximp — ein Hochverräter von Beruf, diese Frage müssen wir billig dahingestellt sein lassen. Jedenfalls aber ist die Außenpolitik, die er seit Jahren betreibt, vertritt und verficht, keine deutsche, sondern die unseres Erbfeindes." (Von lins fett gesetzt. Schristltg.) Stresemann, mit den Juden versippt, unbelehrbarer Tropf, Lunup, Hochverräter von Beruf, vertritt die Politik der Fran- Crrrlf-1 ' kG^cu*cn diese Zeilen, wenn auch der Berfasier so vorrnelut 1Par' Verhüllt das anszudrücken, was er wirklich * bric Un?Jtc Ü-A'U Stresemann auch in den "g u .tth»-r-r-:kaleii Mitteln angenommen hat, geht eindeutig vus einem „Gedicht* hervor, das in dem Organ des Reichs» tagsnbgeerdueten Göbbels vorige Woche erschienen ist. Ordensfragen. Ham Sie's gehört? Wissen Sie's schon?. Stresemann Ritter der Ehrenlegion? Eine Rosette mit Poincare? Arm in Arm mit Bruder Rouzier? Doch die „V o ß" erklärt es für Witze, Ausgeburten der Hundstagshitze, erfunden sei das Gerücht von nationalistischem Otterngezücht. Mit Verlaub, ihr Herren! Mit Bangen sehn wir in Gustavs Taten seit langen Zeiten zu unserm besonderen Schmerze nichts als — mild gesagt — Hundstagsscherze! Ties Zum ersten. Zum zweiten aber: Wie er in Deutschland den Kandelaber längst schon verdiente nm den Kragen (als Orden'.) am Galgenstrick zu tragen, so ist er im Auge der Grande Nation schon lange würdig der Ehrenlegion durch seine Politik bis dato! 81 non e vero, e den trovato » , , (Fette Zellen im Original nicht fett. Schriftltg.) SAMMs m «MM §WM Eine Feststellung Des „FungDeutschen". Wer die völkische Agitation der letzten Jahre beobachtet, der weiß, daß ein besonders beliebter Agitationsstosf für Volksversammlungen und Zeitungen die Lehre vom sogenannten schaffenden und raffenden Kapital ist. Schaffendes Kapital ist das bodenständige, das der großen deutschen Jndustrieunternehmungen, das Hunderten und aber Hunderten von Menschen Arbeit und Brot gibt, das stets mit edler Zielsetzung arbeitet. Unter diesem Gesichtspunkte wird schnell schassendes Kapital =. christliches Kapital — arisches Kapital gesetzt. Raffendes Kapital, so wollen es die Völkischen, ist das Börsen- und Spekulationskapital, das international verteilt ist, das nur auf den eigenen Nutzen, nie auf die Allgemeinheit bedacht ist. So kommt slngA die Gleichung: raffendes Kapital =» internationales Kapital =; semitisches Kapital zustande. Die Tageszeitung „Ter Jungdeutsche", das Organ des Jungdeutschen Ordens, also eine gewiß unverdächtige Ouelle, hat nun in einer Auseinandersetzung mit seinem Gegner Hu genberg die Schlagwörter vom schaffenden und raffenden Kapital unter die Lupe genommen. Es gibt zuerst die Aeußerung des „Markgräflers" wieder. Dieser schreibt: „Das sch aste nd^ Kapital gibt unserem deutschen Volk Brot und Nahrung, ist als Steuerträger das Fundament, auf dem der Staat ruht; vom ihm nimmt der Staat die Mittel, seine Ausgaben zu erfüllen. Das raffende Kapital, das durch ein Telegramm oder einen Brief mühelos von einem Land in das andere gelegt werden kann, das von einer Börse zur anderen wandert, denkt nicht daran, zu produzieren, sondern will lediglich Difserenzgewinne einstreichen. Dank seiner Beweglichkeit hat fca= Börscnkapital verstanden, sich in einem unfaßbaren Maße Einfluß auf die Regierungen, die Presse und die öffentliche Meinung aller wirtschaftlich hochentwickelten Staaten zu verschaffen. Die Geschichte aller demokratisch regierten Länder bietet ungezählte Beispiele für diese Entwicklung. In welchem Maße sich in unserem Daterlande der Einfluß des Dörsenlapitals durchgesetzt hat und loelche Parteien es sind, die sich seiner Gunst erfreuen, das lwben wir in den letzten Jahren alle schaudernd erlebt. Es dürfte nicht viele linksstehende Politiker geben, die in einflußreich Stellungen ausgerückt sind und deren Weiße Weste dabei unbeschmutzt blieb." Dazu bemerkt der „Jungdeutsch e" das Folgende, das wir, ohne uns mit jedem Satze einverstanden erklären zu können, hier wiedergeben, weil es im wesentlichen richtig ist. ,Jm übrigcn sei aber gesagt, daß der Unterschied zwischen schaffendem Kapital unb raffendem Kapital heute ein theoretischer i ft und der W i r k l i ch ke i t leider nicht mehr entspricht. Das „schassende' Kapital", das heißt also die Industriebetriebe, die Bergu>erke, und selbst ein Teil des Grundbesitzes, haben sich nämlich selbst in Aktiengesellschaften verwandelt und sich damit dem Bvrsenzugriss überliefert. Kein Wunder, daß das schaffende Kapital, das angeblich nach Professor Ludwig Bernhard „national" sei, im Gegensatz zum raffenden Kapital, das international sei, verschiedene Jndustricpakte, wie den Ctahlpakt. den Kalipakt und den Chemiepatt, mit den Industrien fremder Länder geschlossen hat. ohne dabei auf nationale Forderungen und Notwendigkeiten Rücksicht zu nehmen. Ebenso falsch ist die Behauptung, daß nur das Dörsenkapital, oder dies iur besonderen, cs versranden hal, „sich in einem unfaßbaren Maße Einfluß auf die Regierungen, die Prepe und die öffentliche Meinung" zu verschaffen. Der Einfluß des Industriekapitals dürfte dem dcö Börsenkapitals in keiner Beziehung nachftchcn. Er ist, was die Presse anbctrisst, sogar stärker, wie Professor Bernhard in seinem Buch über den Hugenberg-Kouzern sogar nachweist. Wenn ein Kapital wirklich national ist, so ist cs das Kleirttapita!, das in den Renten, Versicherungen und Sparkassen, ebenso wie in den Bauerngütern, den Handwerksbetrieben usw steckt. Dieses Kapital gehört wirklich dem Volke und nicht irgendwelchen Geldfürsstn." In diesem Zusammenhänge ist der Artikel von L» H. auß Serie 471 dreier Nummer besonders beachtenswert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.