Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 34 (24.8.1928)
- Date
- 1928-08-24
- Page
- Seite 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i 4HH Gesamtheit der Londoner Inden nahm doch kaum eine Notiz von ihr. jleiue Berührung mit den Kreisen, die nicht offiziell dem religiösen Liberalismus dienen, fand statt. Das ist natürlich fetrverlet Vorwurst das liegt im Charakter der Organisation der englischen Judenheit. Wie anders aber nun das Antlitz der Tagung in Berlin! Hier war die Tagung der religiös Liberalen getragen von dem Interesse und der Aufmerksamkeit der ganzen großen Berliner Gemeinde. Ter erste Festgottesdienst am Sonnaöendvormittag fand statt in der Synagoge in der Oranienburger Stratze, in einer Synagoge zwar von liberalem Ritus, aber doch' nicht nur den Interessen 'der liberalen Juden dienend rmd auch nicht nur von liberalen Juden besucht, sondern eben in einer Synagoge, die der Ausdruck des frommen Gefühls aller ist. Die gesamte Berliner Gemeinde bewirtete am Sonnabendmrttag die Erschienenen. Ter erste Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Eerson- S i nx o n, begrüßte die Versammlung, und es kam so deutlich zum Ausdruck, daß ein solcher Vorgang wie diese Tagung nicht nur Angelegenheit der liberalen Juden ist, sondern Ange» legenheit der Gesamtjudenheit. Es trat auf diese Weise ein wichtiger Punkt der Eigenart dos deutschen Judentums mit besonderer Schärfe hervor. Sein Wille, die Einheitsgerneinde in Berlin zu erhalten als Ausdruck der Pflicht aller Juden, für einander 3.11 leben und für einander zu sorgen auch in ihren religiösen Bedürfnissen, mögen sie inx einzelnen und in den Voraussetzungen und Richtungen noch so verschieden sein. So wurde also das äußere Angesicht der Tagung zu einer Bekundung der GcsanUrichtung des deutschen Judentums. Nicht gering darf angeschlagen werden, dass die Tagung Männer rmd Frauen verschiedenster religiöser Richtungen innerhalb des deutschen Judentums zusa mme n fü hrte. Bei der Schärfe des innerjüdischen Kampfes geschieht das nicht oft. Man sah in den beiden Gotteshäusern, in denen FestgoLtesdienste starrfanden-, am Sonnabend in der Oranienburger Straße und am'Sonntag im Tempel der Resormgemeiude, Menschen, die sonst immer nur das Gotteshaus ihrer Richtung und ihrer Kultusform besuchen und kennen. Alle horten die Predigten des Friedens, die von den Kanzeln ertönten, und es war ein Stück Befriedung, das an diesen beiden Gottesdiensten gewirkt wurde. Jeder sah und konnte sehen, wie ernst und tief, wie ehrlich und wahr auch die Männer und Frauen der anderen Richtung um das Judentum ringen und nach ihm suchen. Wir sprachen schon davon, daß in der Intern ation alität der Tagung ein großer und wichtiger Wert liegt. Es sei nochnrals betont und wiederholt: Daß man sich über die Grenzen der Länder hinaus um religiöse Tinge mühte, daß Männer und Frauen aus New Jork, London, Paris, Warschau, Budapest, Prag, Stockholm — wer kann die Städte und Länder erschöpfend au stählen! — sich vereinigten, daß man dabei stets und immer von der Emfalnmg des Judentums in der ganzen Welt sprach als von einem "Dienst. der an der Menschheit zu leisten ist. So begründete man eine Inter- Nationalität, die im kleinen ein Bild des Weltfriedens darbot, um den die ganze Welt heute kämpft und ringt. Aber neben dieser Internationa lität des gemeinsamen Ringens um das ideale jüdische Gut stobt die Bedeutung dieser Tagung vom deutschen Gesichtspunkt aus. Es ist schon an und für sich nicht gering anzuschlagen, daß so viele Gelegenheit hatten, in dem neuen Deutschland sich umzutun, in der Reichshauptstadt zu weilen, das Ringen des neuen Deutschlands um die Erfüllung seiner sozialen Ausaaren ju sehen. Es ist nicht gering anznschlagen, daß so vielesclegenheit hatten, die Kulturschätze Deutschlands, die ganze geistige Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Ja, es war im Grunde die ganze Tagung eine große Huldigung, die bcm beut* scheu Gei st dargebracht wurde. Immer und immer wieder kam es in den Referaten und in bcn Disünsionsreden der auswärtigen Teilnehmer zum Arlsdruck. wieviel sie dem. deutschen Geiste verdanken.' wie er ein Teil ihres seelischen Besitzes geworden ist. Auch das Gefühl Dankbarkeit, das alle Redner von außerhalb gegenüber den Leistungen des deutschen Judentums bekundeten, war eine Huldigung, die'der deutschen Geistigkeit dargebracht wurde. Jeder sprach davon, daß das liberale Judentum, wo immer es aus der West in die Erscheinung tritt, gleichsam ein Kind des deutschen rciiaiofcn Lroeralismrrs ist. Jeder sprach davon, daß die Me nicken, die im vorigen Jahrhundert in Deutschland den religiöser? Liberalismus begründet und ausgebaut haben, daneben Zugleich Pioniere waren, deren Arbeit der Judenheit der gesamten Welt zugute kommt. Und da das nicht nur Phrasen waren, da das eine wirkliche Wahrheit ist, erwächst daraus uns Heutigen eine besondere Pflicht. Auch diese Männer au§ dem vorigen Jahrhundert, deren Anregungen und deren Lebensarbeit heut in der ganzen Welt sortwirken, die einstmals das deutsche Judentum zum geistigen Führer der gesamten Judenheit machten, sie wirkten ja so, wie sie wirrten, nicht nur aus dem Jüdischen, das in ihnen lebte, sondern ebenso aus der in ihnen vollzogenen Synthese von Judentum und Deirtschtum, luirffctt so, wie sie gewirkt haben, weil bei ihnett beide Kulturströme in ihrer Seele vereinigt waren. So erwachst uns Heutigen, wenn man nicht nur von einer Führerrolle in der Bergangenheit reden will, sondern sie auch in Zukunft sesthalken will, die Pflicht, dieses besondere Antlitz des deutschen Judentums zu wahren und fest zu halten, erwächst für uns die Pflicht aus der engsten Verbindung mit der Besonderheit des Reichtums des deutschen Geistes, die Eigenart des deutschen Judentums zu begründen. So formt sich uns aus der Betrachtung der Tagung des Weltverbandes für das religiös-liberale Judentum aufs neue der Wille zur seelischen Verwurzelung mit Deutschland und mit deutschem Geist, um so die Linie sestzuhalten, von der einst diese große Wirkung auf die Wett ansging. „Ehriftusgläubigs IuZen." (Brief unseres eigenen Korrespondenten.) H. Budapest, August 1626. Christus-gläubige Jl»d?n' Tie Bewegung ist nicht neu in Ungarn, schoss vor vielen Jahren hörte man, daß eifrige Bekehrer bestrebt seien, die Juden aus ei n e m bequemen, das G e w i s s e n nicht zu stark belastenden Umwege zum Abfall von ihrer Religion zu bewegen: Ihr könnt, sagte man ihnen, ruhig Juden bleiben, euren Ritus pflegen und zu eurem angestammten- Gott beten: nur an Christus sollt ihr glauben, an Christus als Messias, nicht einmal als Gott oder Gottessohn. Ihr habt ans euren Glaubensbüchern nur die Stellen zu streichen, die vom Messias als von einem Kommenden sprechen, alles andere kann unverändert bleiben. Dafür werdet ihr dann von uns, den Angehörigen des weltbeherrscheuLen Glaubens, als Vollmenschen anerkannt, ja, als unsere Brüder! Biel Erfolg hatte die Bewegung bis jetzt n-cht. Von Zeit zu Zeit flammt sie aber immer wieder nüt auffallender Energie aus .... wenn neues Geld aus England und Amerika gekommen ist, wo ihre Begründer und Finanzieren: sitzen. Jetzt ist eine kräftige OraanisationsLätigkeit in der Provinz im Zuge, deren Mittelpunkt Miskolc ist, eine Stadt in Oberungarn mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung. Tie Leitung ist paritätisch unter Juden und Christen verteilt. Ter ch ristliche Leiter ist Julius Röck, ein allbekannter — Spiritist, der jüdische ein Privatbcamter namens Artur Lrzigeli. Filialen sollen demnächst in anderen Judenstädken, vor allem in Ryiregyhäza gegründet Werdern „Chrislusglaubige Juden" nennen pch nicht nur die jüdischen Angehörigen dieser merkwürdigen Brüderschaft, sondern auch ihre christlichen. Kein übler Trick: Ihr könnt ruhig fcnnnen, ihr Inden, beim es handelt sich nicht darum, euch der angestammten Religion abspenstig zu machen, ihr seht, das Gegenteil geschieht, wir Christen nehmen den Namen Jude an! -Herr Rock gibt die Zahl der „christusgläubigen Juden" christlichen Glaubens in Miskolc mit einigen Hundert an, wahrend sich aus den Reihen der Miskolcer Juden etwa Zwanzig der Brüderschaft angeschlossen haben. Auch Frau Julius Röck nimmt aktiv an der Dewegung teil. Einem Journalisten sagte sie: „Tie C h r i st e n h c i t selbst ist Israel, denn es gibt keine Inden und Christen, esgibtnurIu denn ndbekebrteJu den../ Hinsichtlich der Zugehörigkeit der „christnsgkäubigen Juden" beider Religionen sagt Herr Rock: „Riemand^braucht Angst zu haben. Tie chrrstnsglaubigen Juden gehen für ihre Stanunreligiou nicht verloren. Sie zahlen ihre Kultussteuer weiter, nur ihre Gedankenwelt und ihre Welrarsschauung ändert sich. Wir verhindern allerdings den Glaubens- Wechsel nicht, aber wir fördern ihn auch nicht/ Herr Artur S z i g e t r, der „jüdisch/ Leiter der „christusgläubigeu Juden/ läßt sich folgenderrnaßen vernehmen: „Ich gehöre auch jetzt n 0 ch zur j ü bischen K 0 n f e s s i 0 n und bl esi b e au ch Silbe. Ich stche nicht ans ritueller Grundlage, dann runder Suche nach der Wahrheit darf uns das Togma nicht behindern. I ch st c h c auf der G r u n d! ag e de r s cc l r s che nA nb e tn ng, das Wort ist nur Aeußerlichkeit. Die christusgläubigeu Juden haben' keine Feste, jeder kann nach eigenem Gefallen den Saböat oder den Sonntag feiern. Tie Seele, dre Seele ist alles und die Stärkung des Lagers der christusgläubigeu Juden wird zum seelischen Frieden führen/ %nn weiterer Kommentar zu dreien wirren, aber m'ihren Zielen nur zu durchsichtigen „Glaubenssätzen/ .Mcltansmaunuaen/ ,Scestn. theorien* und „wiffenschastlichcn Studier/ erübrigt sich";vch?.'