Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- Seite 459 (sequence 7)
- Language
- German
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45- Ampfer ist keine „periphere" Kultfigur, kein. überholter „Schutz, heiliger", sondern noch heute ein lebendiger Führer. Wir würden cs im Interesse der Forschung gleichfalls begrüßen, wenn ein zionistischer Historiker, wie Limen hofft, die deutsche stud Emanzipation zum Gegenstand seiner Arbeiten nehmen würde. Nur möchten wir jenen Geschichtsschreiber davor warnen, von den Simonschen Richtlinien Gebrauch zu machen, weil sich sonn der Weg, den er einschlägt, als Irrweg erweisen dürfte. LporthcLden und Nor^polforschcr. Unseren Gegnern gefällt es, mi Zeit zu Zeit das alte Märchen ton der körperlichen Untücbtigkeit und dc'- moralischen Feigheit der Juden in ihren Zeitungen und Zeitschriften ibrcn Lesern erneut vorzusetzen. Es erübrigt sich, in den meinen Fällen auf diese Behauptungen, die jed-er Unterlage entbehren, einzugchen. Nicht mn die Taten einzelner zu rühmen, sondern um dis Selbstverständlichkeit einmal gelegentlich auszusprechen, daß auch Juden zu außerordentlichen physischen Leistungen befähigt sind, wollen wir unseren Lesern die tarnen einiger erfolgreicher jüdischer Teilnehmer auf der Olympiade i n A m ft e t b a m nennen: die amerikanische Jüdin Zenny R o s e n f e l d tnwährte sich ebenso wie Fräulein Steinberg (Teutschland) im lMÄeter-Lauf für Frauen. Bei den Auslosungen im Schwimmen konnte Goldberger (Hakoa, Oesterreichs und die Tomen Fräulein F r i z z i Loewy ((Oesterreich) und Hcdi Biene nfeld (Dcstcrreich) gute Erfolge erzielen. Ter Leistungen der Lsfenbach>er Primanerin Helene Mayer ist hier an anderer Stelle gedacht. Bei der Nobile-Expedition haben an hervorragender Stelle jüdische Gelehrte und Forscher w.itgcarbeitet. Profc'wr Lamoilowits ch, der Leiter der Rettungserpediüon des Eisbrechers „Krass in', der in der Arktis die von der ganzen Welt bewunderte NcNungstct vollbrachte und spater auch dem schwor havarierten deutschen Dampfer „Monte Cervantes" in großer Seenot zu Hille kam, ist ebenso Jude wie der hervorragende italienische Physiker Profenor Aldo Vontremoli. Tiefer junge Gelehrte, ein Enkel Luigi L u z a t t i s . war bei der Katastrophe der „Jtalia" unter denjenigen, die mit dem Gaskörpcr des Lustschiffes abgetrieben und offenbar zugrunde gegangen und. Ter Tod von Pontcemoli wird allgemein als großer Verlust für die Wissenschaft empfunden. In der Säictur „Jüdischen Presse" vour 3. August wird ein Aufsah von Dr. Wilhelm Wcllwart, Advokat in Topolcany (Tschechoslowakei), „Die bürgerliche Demokratie und das Judentum", veröffentlicht, dem wir folgenden Absatz über die Gründung einer jüdischen Wirtschaftspartei in der Tschechoslowakei entnehmen: „Die schwierige wntschaftliche Lage aber und der Ilmstand, daß gerade -der nationale und Klanenkampf. der in unserem politischen Leben ausgeiochten wird, zu der natürlichen Konseauenz geführt hat, daß das bisherige Bürgertum Schritt auf Schritt von seiner schwer errungenen wirtschaftlichen Position hinabgedrängt wird, daß man anfängt, die Menschen selbst bei der Besetzung der kleinsten Beamten- oder Tienerstellen nach ihrer Nationalität zu klassifizieren, daß das Bürgertum des Segens des staatlichen Protektionismus nicht teilhaftig wird, und daß ja eben dieser Protektionismus die Handels¬ und Eewerbesreiheit und damit die Lage des Bürgertums so kritisch gestaltet, hat dazu geführt, daß sich die interessierten Kreise teilweise bereits zu Abwchrschritten entschließen mußten. Ein Teil des Judentums hat sich zum Schutze seiner gefährdeten wirtschaftlichen Interessen zu einer besonderen politischen Wirrschastspartei zusammen geschlossen. Tiefer Teil des Judentums hat zunächst den Kampf im Läzoße des Judentums selber gegen die nationale politische Richtung ausgenommen, um die politische Betätigung des Judentums zu cntnationalisieren. Einzelne Gruppen der jüdi'chcn nationalen Partei löstn sich auch schon von diesem lebensunfähigen politischen Körper ab, weil sie zur Einsicht gelangen, daß es für uns keinen Sinn und keinen Zweck hat, hier in unserer Republik ein „nationales" Leben führen zu wollen. Sie sehen ein, daß unsere wirtschaftlichen Interessen die Schaffung einer naüonalpolitiksteicn Organisation dringend erheischen." Interessant ist, daß diese Partei, die an den kommenden Wahlen tcilnchmcn will, nicht nur die Aufmerksamkeit des Judentums auf sich lenken, sondern daß sie eine Plattform sch-asfen will zur'Vereinigung des 6esamten liberalen Bürgertums ohne Unterschied der Nationalitäten und der Konfession, zu einer politischen Partei, zu einer entnationalisicrtcn Politik und der wahren, bürgerlichen Demokratie. * Der „Badische Beobachter", das .Hauptorgan der badischen Zentrumspresse, setzt sich in seiner Nummer 172 in einem Artikel: '.'D^utschrratlonaL — mit oder ohne Gänsefüßchen?" mir der „Badilf^n Zeitung" und jenen -Nationalistischen Kressen auseinander,, die für Ych allein die nationale Gesinnung in Anspruch nehmen. In dem Artikel heißt cs: „Und gerade die . Badische Zeitung" bat in ihrer Nummer 137 es wiedcrur <^Ler*Q'!en?örmen' ihrer Abneigung gegenüber der Fabne des Teu zcpen Nnches recht lappischen Ausdruck zu geben. Sic d r u cf t e namli < D" ' d c ru „p üb rer" einen Artikel ab „W e r zieht di Sb ö » aV» ldene a u s", in dem mit Namen un Karlet *4 Adressen in der Kaiserftraße i QDlh*it^~ äufßcfübrt. waren, hic die schwaxzrot Vat 'hl ^Abne Qm Grenadirrtag gehißt hatten, e -hr daber nur darum zu tun, cs so hinzu stelle! Enthält nur feinste Moikereibutter H. B AHLSENS KEKS*FABRIK A 6 HANNOVER als sei bie schwarzrotgoldene Fahne „d i e Fahne d e r I u d e n\ Wir sehen ab von dcr Unanftändgikeit eines solchen Verfahrens. das Zugleich an gehässiger Gesinnung kaum üccrtrofstn werden kann. Aber eins Frechheit ist es. das schwarzrotgoldene Symbol des Teull'chtums, das lange Zeit im Mittelpunkt dcr Sehnsucht aller Deutschen stand, und von Theodor Körner begeistert besungen wurde, als cs noch keine ichwarzweißrote Fahne gab, aus Grund unwahrer Behauptungen so verächtlich zu behandeln. Tis „Badische Zeitung" weiß, daß die schwarzrotgoldene Fahne so gut die Fahne des Präsidenten des Deutschen Reiches wis jedes guten Deutschen ist, dcr dem Vaterland auch unter der Republik aufrichtig dienen will. Und es spricht nicht gegen den nationalen Sinn der Juden, sondern für ihn. wenn jüdische Geschäftsleute den Mut haben, sich^durch die gehißte Fahne zu den deutschen Farben schwarz- Rot-Gold zu bekennen." * Die „Münchener Neuesten Nachrichten" beschäftigen sich in einem Aufsatz „Dcr völkische Gedanke als geistige Bewegung" mit einem Dortrag, den Professor Max WrrttDt -.Jena) im Hochschulring „Deutscher Art" gehalten hat. Max Wundt schildert dort zwei völlig verschiedene geistige Grundlagen dcr Entstehung des völkischen Gedankens, von denen die eine aus dcr Romantik, die andere auf der Klassik beruht, und kommt zu folgendem Ergebnis: „Keine von beiden 'Anschauungen whrt einseitig zu befriedigender Lösung; beide richten sic ihre Aufmerk'amkcit nur auf Telle, die zusammengehören, die eine auf das Leben, die andere auf die Form. Pom Raffenstandpunkt kann man heute — noch mit allem Vorbehalt — sagen: die Tiefe, die dem Amcrikanertum fehlt, die Kraft des Beharrens, dcr Treue, das alles ist dem deutschen Volke vielleicht dadurch gegeben, daß die kühne. Unternehmungslusrige nordische Raue bei uns nicht auf niedere, sondern auf wertvolle Raffen gestoßen ist idinarische, dalischch, und daß bei uns nicht ein nordi'chcr Adel über fremden Raffen saß, sondern ein vorwiegend norduchcr Adel mit einem ebenfalls vorwiegend nordischen' -Bauerntum zu ringen hatte. Vom kulturellen Standpunkt muß man sogen: Form ohne Leben ist ebcwowcnig zukunstskräftig als Leben ohne Form; das ewige Ringen der beiden führt zu immer neuer Form, cs ist der eigenartige Rhylhmus dcr deutschen Geschichte. Wenn Günthers „Wicdervernordung" das deutsche Volk rncyt sprengen soll, so kann sie nur den Sinn haben, die andersartigen Kräfte im deutschen Volk nicht zu vernichten, sondern zu meistern." Vöcnn die „Münchener Neuesten Nachrichten' hierzu schreiben, daß sich, . die Verfechter des völkischen Gedankens dieser inneren Gegensätze noch kaum bewußt geworden seien, daß sie die Ergebnisse der Raffcnforschung als cttvas Endgültiges nähmen, während wir hier doch noch bei den Anfängen stünden, so können wir dem nur zuftstnmen. und zum Schluß nochmals dem Berichterstatter der „Münchener Neuesten Nachrichten" das Wort erteilen, der schreibt: „Nur eine Synthese kann hier ein das Volk ergreifendes Ideal erfassen, einseitiger Fanatismus zersetzt nur noch mchr." Das Breffeccho den Rbeiulandtagung. Nachdem wir jetzt einen genauen Uebcrblick darüber gewonnen, wie wart die deutsche Presse unserer Rhernlandtagung, öder deren h-crv: nagendes Gelingen wir in Nr. 23 der „C. V. - Zeitung" berichtet hattkn, VeaÄtung geschenkt hatte, können wir seststcvcn, daß 72 Zeitungen ihren Lrstru in mehr oder weniger aussührlic^n Berichten ron unserer Kundgebung Kenntnis gegeben haben. Die Presse aller Partcirichtungen ist daöci vcrrretrn und, was an dieser Stelle vielleicht interessieren bürste, einen erheblichen Prorentsatz stellt die Rechtspresse. So ist es also gelungen, nicht nur die Zehntausende von Lesern der „L. V. - Zeitung-, »andern darüber hinaus nach vorsichtiger Schätzung viele Hundertrausende deutscher Landsleute von unserer Arbeit, von unseren Zielen und von unserer Verbundenheit mi: der deutschen Heimat zu unterrichten.