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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-17 · 33 (17.8.1928) · p. Seite 460

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
33 (17.8.1928)
Date
1928-08-17
Page
Seite 460 (sequence 8)
Language
German
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460; Vsy ‘den- JuKsn am Nieösrr'helru ' Don Cememdrrirbörner Tr. A. Kc»bee (Köln). Tie Siebenhzix.derijahrseier. die kürzlich die beiden Städte Rees und Fanten begch-en konnten, lenkt unsere Aufmerksamkeit auch auf die Inden jener im weitausgedchnten rwrddeutscheu'Flach!and gelegenen, ob ihrer Fruchtbarkeit gerützmteii Gegend am Niederr h e i uN. Rees und llamem gehörten einst zuur Erzftift Köln, hatten es mindestens etwa feit dem Anfang des 12. Jahrhunderts zu einer gewissen Bedeutung gebracht, ihre Bevölkerung besiattd schon zur-! Teil nus Kausleuteuu auch wurden in Rees und .Unten Märkte avgehakten, zu denen Händler von nah und fern herbeiströmten, und Leide werden gleichzeitig hn Jahre 1228 von Erzbischof Heinrich I. von Köln zur Stadt erhoben. Um die'Wende des 14. Jahrhunderrs gehören sse Zum Herzogtum Kleve, nach dem Vertrage zu .lauten im Jahre 1614 werden sie drandenburgisch bzw. Preußisch, nach der französischen Besetz» ngszeit, in der sie zun; Croßherzogtuni Berg geschlagen wurden, sind sie der R h e i n p r o v i n z cinverleibt worden. Mögen auch Juden im Mittelalter nicht imnwr ein unbedingter Eckstein bei der Gründung von Städtern genocsen sein, so finden ne sich doch verhältnismäßig früh in den beiden Orten, zlmurl in .Unten, noch bevor es befestigt und damit zur Stadt erhoben wurde. Hier wurden im Jahre 1096 zahlreiche Kölner Juden getötet und Le- Brbekkoder geschrieben und illuminiert worden. Dage<p?n nennt erst eine Urkunde von 1346 einen Juden namens Sa lern o n, Sohn des Byves in Rees. Das Katastrophenjahr 1349 brachte anscheinend über die Juden beider Städte Vernichtung; lauten wird in den Memoirbüchern als Marterstätte ausgeführt. Nach Rees tt. a. sandw die Stadt Wesel wegen der den Juden zur Last gelegten Brunnen - Vergiftung Loterw Aber in der Folgezeit haben sie sich vereinzelt daselbst wieder angesiedelt: wenigstens werden hi der zweiten Hälfte das 14. Jahrhunderts in Unten, in der ersten Hälne des 15. Jahrhunderts in Rees Juden genannt und üben daselbst das ihnen zugewwsene Gewerbe des Geldverleihens aus. Das 16. Jahrhundert erzählt von der Ermordung eines Juden aus kanten in der Nahe von Dilisburg (1506) und von der Ratsversügung in Rees (1564): „£5 sollen hinfüro keine Juden in der Stadt geduldet werden . . Als dann am Ende des 16. Jahrhunderts die Juden sich aus den Schlupfwinkelnin denen sie sich nach den Verfolgungen und Ausweisungen des späten Mittelalters verborgen hatten, wieder hervorwagten, ge-- wannen sie auch in den ktevischen Städten festen Voden, so z. B. in Rees seit 1635. Insbesondere hat der Große Kurfürst die ungehemmte Entfaltung des jüdischen Geschäftslebens im klevischen Gebiet gefördert und, der Familie Gomperz (Enmrpertz) vor allem in den Städten Kleve und Wesel seine besondere Huld zuteil werden lassen. Aber auch in Rees hatte Z a n d i ch Herz. d. i. Zadok ben Moses Halloi, der Schwager des Landrabbiners M o r d e ch a i G om p erz in Emmeri ch, am 22. Juli 1647 Geleit und Niederlanurtgsrecht erhalteu — und Zaudich Herz gehörte neben seinem Schwager zu den' Angesehensten der rlevischen Judenfchaft und zu ihren Vertretern im Herzogtum. Auch im Haus seines Sohnes Isaak Zaudi oder Isaak Herz, der am"4. Juni 1651 selbständiges Geleit für Rees erhielt, wie seines Eukelsohues Benedict, der das Stammhaus weitersührte, blühte inneres Glück und äußerer Segen. In der klevischen Landjudenschast. die eine einzige, das ganze Territorium umspanuende' Gemeinde bildete, sind freilich die Jud-en von Emmerich, Kleve, Wesel immer zahlreicher und einflußreicher gewesen, kanten ist mir seinen drei jüdischen Familien im Jahre 1661 fünf jüdischen Familien im Jahre 169^3 und 1701. sieben jüdischen Familien im Jahre 1711 und 1717, acht jüdischen Familien im Jahre 1728 relativ groß, Rees ist über fünf jüdische Familien im 17. Jahrhundert und über sieben jüdische Familien im 18. Jahrhundert rncht binausgekommen. Sie betätigen sich in den verschiedenen Zioeigen des Handels und haben ihren Teil an dem. seit Anfang des 18. Jahrhunderts einfetzenden Verfall der klevischen Judengemeinde. In Leiden Städten aber haben wiederholt Jud-enlandtage stattgesundere Das neunzehnte Jahrhundert bedeutet für die äußere Entwicklung der beider: Gemeinden keinen erkennbaren Fortschritt. Der Zug nach der Großstadt hat auch ihre Mitglieder ergriffen: Bei Fanten wirkte besonders der für den Geistes- und sittlichen Zustand weiter christlicher Kreise charakteristische B u sch of - P r oze ß vom Jahre IE in dieser Richtung.' In Rees hält Pietätvoller Sinn die Vergangenheit lebendig. Ter romantisch gelegene alte jüdische Friedhof aus der Stadtmauer, die Synagoge. mancher altertümliclre Kultusgegenständ, der sich im Besitz der Familie Marcus besindet, erzählen von vergangenen Tagen. Gegenüber den großen jüdischen Gen-einden in den rheinischeu und hoULndischen Städten hat das nieder rheinische Gebiet in der jüdischen Geschichte stets nur eine bescheidene Rolle gespielt. Nicht irrmrer sind es auch freundlich^ Erinnerungen, die bis Jubiläums- *) Vak. Liefegang: „Niederrhrirnschks StädteDsfen", 13^7; St auf» Marrn-Frevkerrthsl: „Die- Familir Go^perz", F. Satt: „Dss ProLo?o!lbllch der Landfudenschast des Hcrzogrrrms Kleoe", 1&2. Bad-$3 sy Steift* e Liä * ^©.SflEEz f! UHaus allerersten RangesE—_^2ZZZ fei er der beiden Städte in den jüdischen Bürgern auslöst. Aber eines muß ihnen, die durch jahrhundertelange Verbundenheit mit der Gegend in sie hineingewachsen sind. Anerkannt werden: das H e i m a t r e ch t o rn Ist i e d e r r h e i u. Norbert Levp gestorben. Tie d e u t s ch e M e ta l kw i r t f ch afL steht^an der Bahre eines Führers. Ganz überraschend komurt aus der ^chveiz die Trauerkunde, daß dort in Samaden bei St. ONoritz Kommerzienrat Norbert Levy (Berlin) im 72. Lebensjahre g e st o r b e n ist. Ein Selfmademan ist mit ihm dahingegaugen. der mit eiserner Energie und unermüdlichem Fleiß sich den Weg gebahnt hat. So wurde er zu einem Pionier feines Wirtschaftszweiges. Mit seiner organisatorischen Begabung schuf er neue Bedingungen für die deutsche Nohstoffversorgung. ' Am 23. Oktober 1856 in F o r d o n bei Bromberg geboren, war Norbert Levy zunächst in einer Berliner Metallsirma tätig, übernahm dann die Vertretung des Frankfurter Melrhauses Beer, Sondheimer L Eo. und gründete 1889 in Berlin die eigene Firma N. Levy & Co., die bald eines der angesehensten Häuser des deutschen Metallhandels wurde (erst 1926 wurde sie in die Firma N. Levy-Stern A.-G. mit aufgenommen): denn ihr Leiter verstand es, die Grenzen feines Unternehmens immer weiter zn stecken. Er blieb nicht der Händler, der Metalle kaufte, um sie an den Konsumenten weiterzuvertauseu. Er erkannte bald die Möglichkeiten, die in der Verwertung von Altmaterialien liegen. Früher achtlos beiseite geworfene Abfälle des Fabrikationsprozesses mußten sich in irgendeiner Form wieder verwende» lagen. So wurden Millionen gespart, die sonst für neue Rohstoffe an das Ausland hätten gezahlt werden müssen. Norbert Levy wurde der Organifator des ALtmetallgroßhandels, der Verbindungen über die ganze Welt sich schuf und dessen Tätigkeit der Metallindustrie unentbehrlich wurde. So ist es erklärlich, daß er der Führer seiner Berufsgenossen wurde: Vorsitzender der von chm ins Leben gerufenen Berliner Metallbörse, Vorsitzender des Vereins Deutscher Metall- Händler, Mitglied der Berliner Industrie^ und Handelskammer, in ihr Vorsitzender des Metallfachausschicsses. Zahlreiche andere Ehrenämter, darunter des Aufsichtsratspostens des größten deutsche» Kupferbergwerks, der Mansfeld A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb, sind Zeuge des großen Ansehens. das Norbert Levy genoß. Das Wirken dieses jüdischen Kaufmanns wurde zum Nutzen seines deutschen Vaterlandes. Der E e n t r a l me r e i n betrauert in bt-ai Entschlafenen ein altes, treues. Mitglied und einen stets opferbereiten, großzügigen Freund unserer Bewegung. K. Z. Mit Fritz Stahl, dem Kunstrekerenterr des „Berliner Tageblatts", iß wicdcr einer von denen aus dem Leben geschieden, die durch die Einfachheit ilrrcr Persönlichkeit, die Sachlichkeit ihrer Kritik, die Feinbeit ihres Witz<s der Kunstkritik der letzten Jahrzehnte ibren Stempel anfgcdrückt baden. Unser Blatt ist nicht der gegebene Raum, inn das KänftLerLmn Fritz Stadls zn würdigen, die Saiönbeit der noch zuletzt von ibm berausgcgcbenen Werte besonders bervorzuhedrn. Was nns seinen Verlust besonders schmerzhaft erscheinen läßt, das iß das Gefühl, in seiner Person einen Kritiker vom Schauplatz der Knust abtretm zu setzen, der bEwübt war, sich dem sogenannten „Geiß der Eroßßadtt entgegenznstcnrinen. Ztiernals hat er nur negative Kritik geübt, verdammt oder in den Hinnnel getzoLen, sondern er analysierte stets, steltte der Kritik die Forderung gcaermber, stets bereit, Wege 311 ebnen, Ziele zn deuten, Dcstcdendcs zw erkLärcrr und Kommendes voranszufühlen. Kurzum, er war ein Dlensch, der mit. jeder Zeile, die er schrieb, bewies, daß das ^chtachaort vorn ^jüdischen Journalisten und Schriftsteller" ein Ehrenwort ist, wem; ein Manu wie Fritz Sttchl mit ihm belegt wird. Cr. Der Jüdische Frauenbund läßt zum . driLt-enmal einen Kunstkalcnder erscheinen, der schon in seiner äußeren Ausmachung ben^ist. dirß die Herausgeber den Wunsch baden, hier eine künstlerisch vollendete Kleingabe zu bringen, die gleichzeitig einen sehr praktischen Zweck erfüllt. Der kleine Uinlegekalendcr ermöglicht, neben dem Kalendarium und dem Text das Kunstblatt eim ganze Woche vor Angen zu haben. Die Reproduktionen nrnrefter Werke jüdischer Künstler und Künstlerinnen^ sind l)ervorragend. Im Tcrtteil baden Mitarbeiter und Freunde des Jüdischen Fraacnhnndes Gedanken gecurßert, die sich besonders ans das I n b i l L n in L j a b r. d e s Jüdischen Frauenbundes, der 1929 sein SSjährrgos Bestehen feiert, beziehen. Ter Kalender gereicht jedem jüdischen Hanse zur Zierde- L. L. k-1o<c:?r2rLiSOk? orm51rs35gto Prsrlse

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