Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- Seite 455 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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455 Aus hm Mm LN VMlH'MMlW. §M WZ M DZÄ! Tie Verfassungsfeier des 11. August in der Reichsbmiprftabt wurde durch einige Reden hervorragender Vertreter des politischen unb wipenschaftlichen Lebens beleuchtet, aus denen wir an Hand umfassender Unterlagen einige Stellen hier wicdergeben, die uns als jüdisä-e Deutsche besonders angelten. Im Mittelpunkte des Derfasiungstages stand die Kundgebung der Reichs- und Preußischen Staatsregierung im Reichstag. Im Mittelpunkt dieser erhebenden Kundgebung ^die Rede Professor R a d b r u ch s, die allgemein nach Form und Inhalt als Glanzleistung angesehen wurde. Aus ihr seien solgende Worte hier angeführt: Professor Na dbruch sprach von der Dersassungsfeier der Zukunft: „Aus allen Rednertribünen werden deutsche Staatsmänner, werden die geistigen Führer Deutschlands das Antlitz des deutschen Staatswesens zu zeichnen unternehmen. Von allen Schaubühnen wird Schiller seinem Volke zurufen: „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an!' Oder Florian Geyer: „Der deutschen Zwietracht mitten insHerz!" Aus Wegen und Stegen wird immer wieder das Lied erklingen, das der erste deutsche Reichspräsident wieder zum Liede aller Deutschen gemacht hat. Und der sröhlich-seierliche Tag wird getragen sein von einem Meer von Fahnen in dem wundervollen warmen Treiklang unserer Reichsfarben. . . ." # „Nicht nur die Nationalversammlung von 1919 steht bestimmend hinter unserer Verfassung; auch das Erlebnis von 1914 klingt in ihr wieder. Die Besten und Tiefsten, ein L u d w i g F r a n k etwa, zogen hinaus, um als Frucht ihrer Kämpfe auch ein erneuertes, freieres Vaterland hoimznbringen. Auch für uns, die wir nicht aufhören, gelobend und beschwörend der Welt zuzurufen: Nie wieder Krieg!, ist der Weltkrieg das Heldengedicht und die Passionsgeschichte eines Volkes, die als eine größere Ilias in der Menschheit sortleben wird. ..." * „Stefan George hat in einer großen Kriegsdichtung Wirrsal und Ratlosigkeit jener Jahre geschildert: ,. da entstieg auf seinem farblosem Vororthaus, — der fahlsten unserer Stätte, ein vergessener, schmuckloser Greis, . . . der fand den Rat der Stunde — und rettete was die geberdig Leuten — schließlich zum Mgrundsrand gebracht: das Reich Dem, der damals das Reich rettete, dem ersten Soldaten des alten Deutschland, dem erstenBürger des neuen Deutschland, gilt unser ehrfürchtiger Gruß und Tank . . * .Eine Verfassung ist wie eine Fahne, die um so heiliger wird, je mehr sie von Schwvrthieben zerschlisten und von Kugeln durchbohrt ist. Wie unendlich viel Leben ist in das Fundament unserer Verfasiung eingemauert worden. . An der Stelle, an der ich stehe, grüßte mit einem unvergeßlichen Klang in der Stiinme, mit einer unvergeßlichen Handbewegung Friedrich E b e r t den Sarkophag, der Walther N a - ihenaus Sterbliches barg; der große Staatsmann, der das Reich zum zweiten Mal gründete, den großen Staatsmann, der die neue Außenpolitik des Reiches am sichtbarsten vertrat. Beide umgeisert von der Verleumdung, beide Opfer der Pflicht bis in den Tod.' Und wiedrele Namenlose haben neben ihnen für diese Verfasiung gekämpft und geblutet! Eines der schönen Kampf- und Trutzliet^r unserer Arbeiterschaft endet mit dem hochgemuten Wort: Zas Banner bleibt stehen, wenn der Mann auch fällt! . . . Und das ist das Herrliche, Große in der Welt!" * * Auf der VerfassungsseierderkatholischenJugend Berlins sprach Dr. Sonnenschein folgende packenden Worte auch für uns: „Wir sind, o Vaterland, deine Söhne. T-cine Töchter. Nicht deine Heloten. Wir sind nicht die Geduldeten. Wir sind die in deinem Atem Lebenden, mit deiner Glut Wachsenden, in deinem Feuer uns Verzehrenden. Deutsche Menschen." * 4m Dersaffungtztage, der auf den Sabbath fiel, wurde ln den deulscke ceö°ÖC?r, oCl Bedeutung des wichtigen Tages aus geistlichem Munt L t vÄ* *?cn Ncden, tue uns vorliegen, veröffentlichen wir Auszüc rUhi%lKEner Dr. M. Grunwaw (Wien) bei de die sreundnaä^^rn/ ^lracrttrzchcn Krrltuögcmeinde, indem lvir dam Zudenheit likrvoch-E?!En^'^"" öwischcn vstcrreichischcr und deutsch! heute wieder Worte frc-undschastliche -uur-nguna widmen, zewinnt in diesem Jahre besondere Weihe und 3 deutung. Wir stehen unter dem frischen Eindruck der gewaltigen Kundgebung des deutschen Derbrüderungswillens, des Sängersestes, das Hunderttausende deutscher Männer und Frauen in den gastlichen Mauern unserer Stadt vereinte. In den verschiedensten Tonarten wurde in Wort und Schrift und Lied verkündet und bekräftigt das Bekenntnis zur deutschen Geiftesgemeinschast, die man zu einer Arbeits- und Lebensgemeinschaft Deutschlands und Oesterreichs verdichten und verinnerlichen will. In allen düsen Festreden und Leitartikeln vermißte ich aber einen durchaus zeitgemäßen Hinweis darauf, daß bereits vor sechzig Jahren hier in Wien^ein solches deutsches Dorbrüderungssest gefeiert wurde, das deutsche Schützenf e ft 1 86 8, zwei Jahre nach dem unglückseligen deutschen Bruderkriege, zwei Jahre vor dem Kriege, der zur Gründung des Deutschen Reiches geführt hat. Damals galt es Wunden zu heilen, die Deutschland und Oesterreich sich gegenseitig geschlagen hatten. Diesmal aber dachten wir an andere Wunden. Nicht sowohl die, die an den Weltkrieg gemahnen, als an die, die Deutschland sich selber schlägt durch den Streit der Parteien und die konfessionelle Verhetzung, Wunden, um so beklagenswerter und verhängnisvoller, je schwerer der äußere Truck, der aus Deutschland lastet. Und doch braucht kein Volk den inneren Frieden dringender als die Deutschen, n>eil sie ein Volk der Arbeit sind. Ohne Frieden keine gedeihliche Arbeit, für redliche Arbeit kein schönerer Lohn als der Friede. Wenn wir ein altes jüdisches Wort („Wie die Arbeit, so der Lohn^) auf Deutschland anwendcn, dan verdient es, wie Wohl kein zweites Volk, den höchsten Lohn, den Frieden . . . Vor wenigen Wochen war icE) wieder in Weimar, an den Stätten, an denen die Männer gewirkt, die den höchsten Stolz des Deutschen bilden. Als Jude sah ich manches, was andere nicht beachten. Vor Jahresfrist bemerkte ich im Frankfurter Goethe-Haus Erinnerungen an den mächtigen Einfluß, den auf Deutschlands größten Geist der jüdische Brillcnschleifer von Amsterdam ausgeübt hat. Ich sah die Ankündigung der Uraufführung von Lessings „I u d e n" und vor allem ein Lesezeichen, das der junge Goethe dem Fräulein von Klcttenlxng, der „schönen Seele", gewidmet hat. Es trägt von Goethes Hand in hebräischer Schrift das Psalmenwort: „Ich habe Gott stets vor Augen." Und nun fand ich in Weimar, was mir selbst früher entgangen war, im Goethe-Museum eine sehr beachtliche Bleistiftskizze Goethes aus der römischen Zeit, gewidmet von einem bekannten jüdischen Goethe-Verehrer (Alexander Meyer-Eohn, Berlin). Tann stand ich am Sterbebett des großen Dulders, der dem deutschen Idealismus Flügel gegeben, die nichts lähmen kann, und blickte auf den Schreibtisch Schillers. Ta lag das Manuskript einer Szene aus bern Demetrius und daneben ein philosophisches Werk Moses Mendelssohns. Alles Kleinigkeiten. Unter ihrem Eindrücke regte sich aber in mir der Wunsch: Daß doch alle Deutschen erkennen möchten, wie so manche der Quellen, aus denen deutscher Geist und deutsche Arbeit gespeist werden, jüdischen Ursprungs ist, und daß doch diese Erkenntnis dazu beitragen möchte, dem deutschen Volke den unentbehrlichen inneren Frieden zu geben ..." Ein köstlicher Beitrag zur „Rassenwiffenschaft". Ja. wenn Lächerlichkeiten wirklich töten könnten! Alle die Verschrobenheiten gewiyer Rayentheorien wären in dieser Woche Mit einem schlage erledigt worden. In A m st e r - dam siegte als Meisterin der ganzen Welt im Florettsechten die Primanerin Helene Mayer aus Offenbach. Die deutsche So erschien das Bild in der deutschnationalen Presse. Helene Mayer (Offenbach), die Olympiasiegern! im Florettfechten. Phot. Union.