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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. Seite 445

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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445 Mn Märchen ans unseren Tagen. Wtetc und da auch neuerdings das bekannte Wochenblatt des Herrn -nr Goebbels, „D er An g r i f f", Entführungen Minderjähriger rn Berlin durch ein von „dunklen Männer n" geführtes Auto, aus dessen Insassen flugs „Juden' gemacht werden, in großer Aufmachung verbreitet, o iü der Syndikus dcs Landesverbandes Oderschlesicn des C. A. dielen Erzählungen gründlich nachgegangen. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen werden llbbaücm Jntcrcne bei dem jüdischen wie inchtjudgchen Teil unserer Leser begegnen. * 3m letzter: Winter waren in O b e r s ch l e s i e n, insbesondere unter der Landbevölkerung, Gerüchte über ein „schwarzes Au t o" verbreitet, von dessen Insassen eine garrze Reihe Kinder, Mädchen, aber auch erwachsene Männer, mit Gewalt verschleppt worden sein sollten. Ta infolge der allgemeinen Beunruhigung stellenweise sogar die Lehrer in der Schute die Kinder vor dem „schwarzen Auto" warnten, suchte die Polizei eine Klärung dieser mysteriösen Angelegenheit mit allen nur denkbaren Mitteln zu erreichen. Polizeibcamte gingen, als Frauen verkleidet, auf den als besonders gefährlich angesehenen Straßen spazieren, um sich entführen zu lasicn, aber, wie vorauszusehen war, ohne Erfolg, schließlich gelang es, alle bekannt gewordenen Fälle als Märchen a u f z u k l a r e n, durch die ein längeres unerlaubtes Fernbleiben von Haus, Schute oder Arbeit beschönigt werden sollte oder bei denen eine gehörige Portion Hysterie oder Vagabundentum mitspielte. In Gleiwitz mußte ein junger Mann zugeben, daß er ein auf der Kanalstraße stehendes Wellblechhäuschen in der Dunkelheit als schwarzes Auto und die Bäume als Männer angesehen hatte. Am 28. Januar wollte in Gosel ein junges Mädchen bei einer solchen Entführung sogar einen M e s s e r st i ch in den Nucken erhalten habe::. Als sich aber bei einer ärztlichen Untersuchung weder eine Wunde noch eine Narbe fand, mußte sie schließlich Zugeben, geschwindelt zu haben. Ter ernsteste Fall war zweifellos der, da ein Mann, der tatsächlich 'mit erfrorenen Füßen in das Krankenhaus eingeliefert werden wußte, angab, Insassen eines „schwarzen - Autos" hätten ihm ein Fläschchen unter die Nase gehalten und ihn dann betäubt ins Auto gezogen. Nachts sei er dann mit erfrorenen Füßen im Walde bei Laband erwacht. Die in diesem Fall besonders schwierigen Ermittlungen ergaben schließlich, daß es sich um einen Arbeitsscheuen handelte, der sich bei einem vielleicht krankhaften Herumstreichen nachts im Walde verirrte und sich dabei die Füße erfror. Ein Schuljunge in Gleiwitz wurde Anfang März im Stadtwaid mit verstauchtem Bein ausgesunden. Er wollte "sich das zugezoaen haben, als er aus dem „schwarzen Auto", in dein 'man ihn habe entführen wollen, herausgesprungen sei. In Wirklichkeit hatte er sich, wie er schließlich selbst gestehen mußte, an ein Auto angchängt und'sich beim Herunterfallen den Schaden geholt. Am 14. Mürz sollte in Schalscha ein dort vermißtes Mädchen in einen Sack gesteckt und von dem „schwarzen Auto" verschleppt worden sein. Es wurde kurz darauf in Gleiwitz aufgegriffen und wegen Herumstreichens in Fürsorgeerziehung gegeMn. Als schließlich ein unaufgeklärter L u st morb an einer Frau in der Nähe von Be u th e n mit dem schwarzen Auto in Verbindung gebracht wurde, unterbreitete die Polizei in einer Pressekonferenz ihr Material zur allgemeinen Beruhigung der Oeffentlichkeit. Die Gerüchte vom schwarzen Auto verstummten nun für längere Zeit. Tie Aufklärung der Polizei schien aber doch nicht überall hingedrungen zu sein, denn ein dreizehnjähriger Schuljunge in Schewk o w i tz bei G r. - S t r e h l i tz"erzählte, daß er am 6. Juli beim Eänsehüten von einem Mann „mit langem Bart und gedrehten Ohrenlocken" in einem Automobil nach den: Weg gefragt worden sei. Tabei sei ihm dieser mit der halbgeöffneten Hand über die Nase gefahren und habe ihn so eingeschläfert. Bei seinem Erwachen habe er sich im Auto zwischen zwei Männern „mit gedrehten Ohrenlocken" befunden. Auch der Chauffeur habe einen Spitzbart gehabt. Als er „Rettung!" schrie, härten ihm die beiden mit dem Tode gedroht. Tn habe ein auf einem Rade dahcrlommender Landjäger sein Rad aus der engen Straße vor das Auto geworfew und es dadurch zum Halten gebrach!. Er sei daraus entsprungen, und als er um Uhr nach Hause gekommen wäre, hatte seine Mutter von den Nachbarn schon von seinem Abenteuer gewußt. Damit hatte die Geschichte ihre antisemitische Note bekommen, 'und ein judenfeindlicher Berichterstatter hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als sie irr einer sonst einwandfrei geleiteten Zeitung zu veröffentlichen. Tie daraufhin von der Ortsgruppe des Gentralvereins in G r. - S t r e h - l i tz erbetene amtliche Untersuchung des Falles ergab, wie das nämliche Blatt jetzt berichtigend mitteilt, daß der.Junge, statt in die Schule zu gehen und nachher die Gänse zu hüten, sich in der benachbarten Stadt Gr.-Strehlitz Herumgetrieben und das ihm irgendwie bekannt gewordene Märchen vom „schwarzen Aulo" erzählt hatte, um der zu erwartenden Strafe zu entgehen. . Den Volkskundler, den Märchen- und Sagenforscher, mag der umuerhm seltene Fall der Entstehung eines neuen Sagenstosses vom „schwarzen Auto" mit den Requisiten, Personen und Motiven des atten Märchens, wie der in der: Sack gesteckten Jungfer, deru Juden mit dem schwarzen Bart, dem Hirtenbuben mit seinen Gänsen usw, interessieren. Tie Tatsache mag ihn vielleicht sogar erfreuen, daß die Fähigkeit, Sagen zu gestalten, im Volt nicht verloren gegangen ist und selbst vor den Erzeugnissen moderner Technik nicht halt macht. Ter jüdische Betrachter aber kann sich eines leichten Grauens nicht erwehren, wenn er rückblickend überdenkt, welch entsetzliche Folgen solche antisemitischen Märchen oft in früherer Zeit hatten, ja in manchen Teilen Osteuropas heute noch haben. . Dr. I. Jakoöowih (Beuthen). Schuldige Achtung. Der Reichspräsident im völkischen Spiegel. Das deutsch-österreichische völkische Wochenblatt „Michel", das in Graz und Wien erscheint, legt Wert daraus, nicht als ^kandalblatt vom Schlage des' Nürnberger „Stürmer" zu gelten. Man muß in der Tat zugestehen, daß es, soweit das bei einer rein völkischen Zeitung überhaupt möglich ist, eine gewisse ernstere Haltung wahrt. Ihn so lehrreicher sind daher seine Aussätze für die Einstellung der Völkischen. In der Nummer vom 5. August (Folge lll) befaßt sich Tr. Wilhelm Huber mit der „Auslieferung". Tie französische Behörde hatte IvefanntficTj die Auslieferung deutscher Landsleute verlangt; den deutschen zuständigen Stellen gelang cs schnell, mit den entsprechenden französischen zu einem die Würde des Deutschen Reiches wahrenden Ausgleich zu kommen. Aus Grund dieser Vorfälle wird nun von Tr. Huber der schärfste Angriff gegen die Führer der deutschen Republik, insbesondere gegen den Reichskanzler Ri ü 11er und den Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n, vorgetragen. Das ist man in völkischen Blättern gewohnt. Aber das Rene und schmerzlich Neberraschende: Die unantastbare P e r s ö n t i ch k e i t des N e i ch s - Präsidenten von Hindenburg wird nun auch von sich ernst nennenden B ö l t i s ch e n in den Staub gezogen. Ter Aufsatz enthält dafür folgenden Beweis: . . .„Und damit für uns Deutsche auch der blutige Hohn nicht fehle, geht dieser nationale Ausverkauf Deutschlands in sittlicher und geistiger Hinsicht — Politisch und wirtschaftlich ist Deutschland schon längst ausverkauft — sozusagen unter dem Schutze jenes vom deutschen Volte einst mir Recht gefeiertsten Heerführers vor sich, den die Weltgeschichte zum machtlosen Oberhaupt der internationalistisch und sricdcnsduslcrisch verseuchten deutschen Republik gemacht." (Von uns fett gesetzt. Die Schristl.). Ter Leser möge die Worte „des einst nüt Recht gefeiertsten Heerführers" beachten. Aber es fommt noch deutlicher. Dr. Huber schreibt weiter: „Der Kern der Sache ist, daß die Regierungen sowohl in Oesterreich als auch in Deutschland nichts anderes mehr sind als Schauspieler, Drahtpuppen und Vollzieher des Willens der jüdischen Machthaber. Falls uns die Wirklichkeit und die neudeuische Politik darüber nicht handgreifliche Beweise genug gibt, so klären uns zur Genüge Die „zionistischen Protokolle" auf. Im zehnten Protokoll heißt es: „An die Stelle des Monarchen setzen wir die Karikatur eines Herrschers, einen. Präsidenten, ausgekcserr aus der Masse, ausgcwählt aus der Schar der uns sklavisch ergebenen Kreaturen." (Von uns fett gesetzt. Tie schristl.). Danach ist also Hindenburg von den „Weisen von Zion" „aus der Masse a u f g e l e s e n" und „eine de n Jude n s k l a v i s ch er ge de n e Kreatu r". Auch der Schluß ^des Aussatzes, der sich zuerst mit den österreichischen VerhäLtncheu besaßt, ist ch a r a f t e r i ft i s ch für die Schätzung, die die Einsicht und die Selbständigkeit des Reichspräsidenten bei ernsten Völkischen genießen: . . .„Daß ein christlich-katholischer Prälat (gemeint ist Bundeskanzler Seipel. Tie Schristleitung.) international eingestellt ist und wie die Inden für die Menschheit der ganzen Welt mehr Verständnis hat als für unser Volt und seine Ehre, nimmt un» nicht wunder. Es gehen ja seit alters her das allerchristliche Rom und das auserwählte Volk getreulich miteinander, um ihre gemeinsame Pllitik, die Entfremdung der Völker gegenüber ihrer angestammten Art, zu betreiben. Daß aber der volkstümlichste Deutsche, der gefeierte Generalseldmarschall von Hindenburg, in seinen alten Tagen dazu verurteilt ist. jene planmäßige und zielbewußte Bercleudungspoutik seines Volles mitzumachen, ist für jeden sehenden Teutschen so schmerzlich, als es für das Judentum und die übrige Menschheit' erfreulich sein mag. Er, der einst aus innerem Auflehnen gegen den Schandsrieden den Oberbefehl niedergelegt hatte, ist jetzt gezwungen, zu allen Temütigungen, die dieser Vertrag Deutschland aufcrlegt hat, zu allen Würdelosigkeiten einer „zuranglämigen Versöhnungspolitik" Ja und Amen zu sagen. Tnmit hilft er feinen Feldherrnruhm selbst verdunkeln. Ter deutsche Mensch aber ist am Verzweifeln ob seiner Ohnmacht."

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