Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 32 (10.8.1928)
- Date
- 1928-08-10
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I 1 ßMW tfftl AsWMS. ✓ Ss« MMg ZWO«. der Judenheit in der ganzen Welt nicht einmal für ein schönes Ziel, geschweige denn für eine Tatsache. Wir lernen aus der Geschichte des Judentums und sehen, daß es such erhalten hat, weil ihm auf Grund einer großen Reihe gemeinsamer, durch die Religion vermittelter Geisteswerte, bei aller Verschiedenheit in der Politisch-kulnrrellen Entwicklung der Ein.zelgruppen, die Grundlage gegeben war. Auch das Mittelalter konnte die Juden in den verschiedenen Ghetti der Welt nicht absolut vereinheitlichen. Auch für sie galt der Grundsatz, daß der Boden, auf dem sie wohnten, die Lust, die sie atmeten, das Wasier, welches sie tranken, die Menschen, mir denen sie zusammenkamen, die eonne, die auf sie herabschien, die stärksten Verschiedenheiten erzeugten. Mau mag dies „weltliche" Verschiedenheiten nennen, weil die Einheit in der geistigen Ausfassung über die letzten Dinge durch sie nichf berührt wurde. Diese letzten Dinge sind nicht allein Fragen des rein religiösen Gebietes; es sind auch Denkrichtungen darunter zu verstehen. Es ist insbesondere die Erfassung der letzten Probleme der Menschheit, wie sie die Bibel lehrll Dadurch haben sich zwei Wurzeln des jüdischen Menschen gebildet: die eine auf dem Gebiet der geistigen lieber zeugurig, die eine Einheit verlangt, die andere auf dem Gebiet der realen Verbundenheit der Menschen mit Heimat und Land. Beide Werte, die da erzeugt wurden, sind lebenswichtig, So sah der Centralverein ein, daß der Lebenswille auf beide gerichtet war, auf Glauben und auf Heimat. Genuß sind auch diese Begriffe roh, aber man versteht, was darunter gemeint war. Will der Eentralverein die Gegner des Judentums zunächst einmal bekämpfen, so muß er seine eigenen Soldaten in ihrer Stellung stärken. Er mußte ihnen und wird ihnen stets dartun müssen, daß diese doppelte Wurzel gepflegt werden muß, damit der Baum nicht zugrunde geht. Wenn darum die Reden und Abhandlungen seitens der Führer des Centralvereins von jeher aus die kerndeutsche und echt jüdische Gesinnung hingewiesen haben, so war das ^alles andere als eine bloße Redensart. Es war die Srundauffapung,' welche eine relative Einheit des Judentums forderte und als gegeben ansah, aber aus der anderen Seite diesen Begriff der Einheit aus dem Nebeldunst der Redensart in die praktisch gegebene Umwelt einführte. Hier stieß und stößt man bereits mit einer Anzahl von zionistischen Geistigen ostjudischen Ursprungs zusammen. Gewiß ist das nur eine Minderzahl in dem großen Kreise vieler wertvoller Intelligenzen, die auch unser deutsches Kulturleben bereichern und fördern. Aber es gab gerade unter diesen Männern und Frauen eine Reihe von Federn, die diese eine Wurzel, die Heimatwurzel — verständlich aus ihren Erlebnipen—nicht anerkennen wollten, die über das Deutschtum der Juden spotteten und die auf Grund einer traurigen Vergangenheit eine Geistesrichruug angenommen hatten, die in jedem aufrichtig jüdisch und echt deutsch empfindenden Juden einen Tummkopf oder einen -Heuchler erblickten. Es gibt eine Schicht von solchen Schriftstellern, die sich merkwürdigerweise auf der einen Seite als starke jüdische Nationalisten bekennen, während sie auf der anderer: Seite nur für das radikal Internationale schwärmen und eine Auflösung nationaler Bindungen bei anderen als ein Erfordernis fortgeschrittener Kultur bezeichnen. Dieser Auffasiung entgegenzutreten, erscheint dem Eentralverein als eine innerlich notwendige Aufgabe. — Gewiß war es, daß hier schwere Meinungsverschiedenheiten entstehen mußten, daß wir mit starkem Spott verfolgt wurden, daß man schon damals glaubte, einen Gegensatz zwischen dem geistig vorwärtsstrebenden und dem bürgerlich ruhebedürstigen Publikuni Herstellen zu können. An der Wahrheit hat das nichts geändert. Einen Einheitsgedanken im^ richtig verstandenen Sinne bejahen auch wir. Aber der falschen, nicht wünschenswerten und durch nichts gegebenen oder gebotenen absoluten Einheit mutz die erstrebenswerte relative Einheit gegenübergestellt werden. Und diese von uns gepflegte und erstrebte Einheit ist die Einheit in den religiösen Auffassungen und nttlichen Erkenntnissen, welche uns den einheitlichen Gottesbegriff, die einheitliche Moral und die einheitliche Tat als für das Judentum und damit für uns wesentlich erkerinen laßt. V. Neben diesem Unterschied über Wesen und Ziel der u rA. steht als weiterer wesentlicher Unterscheidungspumt die Verschiedenheit im Begriff des I ü d e n t u m s. Wir tol»|en, man hat uns verspottet als den „Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Unglaubens", obwohl man hätte wissen müssen, daß die Gründer des Vereins ausdrücklich betont haben, das Wort „Glaube" sei gewählt worden als diejenige Einteilungsbezeichnung, welche der Staat als für ihn allein in Betracht kommend anerkannt hat. Man hat an uns über diesen Angriff hinaus vorwurfsvoll die Frage gerichtet, welches denn eigentlich unser Glaube fei, den wir so hochhielten und auf den wir so stolz seien. Es muß darauf hingewiesen werden, daß in der Tat in den Kreisen des Centralvereins, genau so wie in den Kreisen des Zionismus, nicht genügend mit der Tatsache gerechnet wird, daß sich ausgesprochene Gottesleugner, wie in den Reihen der christlichen Religionsgemeinschaften, auch in den Reihen des Judentums befinden, und daß diese ihre Zugehörigkeit zu der einzelnen Gemeinschaft unter gar keinen Umständen ausgeben wollen: daß es Kreise gibt, die den überlieferten Eottesbegriff und vor allem jede Gebundenheit an religiöse Vorschriften und Einrichtungen ablehnen, ohne dabei immer das Vorhandensein des religiösen Gefühls für sich und andere zu leugnen oder abzuweisen. Wie ist das zu erklärend Durch die Tatsache, daß alle diese Gemeinschaften einen Typus darstellen, den man nicht allein mit der Stellung zum Gottesbegrisf erschöpfen kann. Insbesondere ist unser Judentum eine Gemeinschaft von Menschen, die sich zum Teil schicksalsgebunden, zum Teil stammesgebunden, zum Teil rein religiös gebunden durch vererbte Erkenntnisse fühlen. Aus diesen geistigen Bindungen heraus entspringt der Wille, Jude zu sein und zu bleiben. Eine Auflösung der seelischen Inhalte etwa in kartothekmatziger Art, daß man alle Einzelempfindungen registriert und nur den als Juden anerkennt, der eine gewipe Anzahl von Eigenschaften, die auf den Karten vermerkt sind, erfüllt, ist gänzlich unmöglich! Dadurch, daß eine Generation geglaubt hat, mit solchen Einteilungsversuchen das große Gebiet der Lehre von der bürgerlichen Gesellschaft einsangen zu können, ist viel Unglück verursacht worden. Die Führer des Eentralvereins haben stets daraus hingewiesen, daß sie im Geistigen und nicht im B o l k l i ch e n des Judentums die Grundlagen unserer Tätigkeit sehen, daß für sie das Judentum eine geistige Einheit mit Goebbels ösukfchsr Nationalfeiertag. Purim soll es werden. Am 11. August wird das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit, in ernster oder volksfesthaft fröhlicher Farm, des Tages gedenken, an dem vor neun Jahren das Verfassungswerk der Deutschen Nationalversammlung in Weimar Grundsatz des Deutschen Reiches wurde. Es ist nicht anders denkbar, * als daß nur verschwindend kleine Kreise einem Werke die Achtung versagen, das an stimm Anfang die Worte trägt: „Das deutsche Bold einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern . . ." Es ist abcx doch anders möglich! Der Reichstag hatte, wie durch die Tagespresie ja allgeniein. bekannt ist, eine Anssprache über die Einführung des 1 l. August als Nationalfeiertag. Tie Ansichten der Parteien waren nicht einheitlich, aber mit Sachlichkeit und Würde legte jede ihren Standpunkt dar — bis auf den Redner der N. S. A. P. D. Es war Goebbels erste Rede in diesem Hause, das er als „Misthaufen" zu bezeichnen pflegte. Und Goebbels war stilrein, das heißt er fügte sich seiner Deutung des Deutschen Reichstags an. In seinen Ausführungen machte er schließlich den Vorschlag, als „Nationalfeiertag dieser Republik das Purimfest" eiuzusührcn, weil bei der Schaffung dieser Verfassung Juden mitgewirll hätten. Man muß es Tr. Goebbels lapeu: er benutzte seine Jungfernrede Lreislich, um sich in die Erinnerung seiner „Kollegen" ein für allemal klar und eindeutig einzuprügen. Nur ist cs eine Ironie des Schicksals, das ihm eine jüdische Institution, das Purimsest. zu dieser Wirkung verhalf. Aber es geht Herrn Goebbels eben mit jüdischen. Dingen ebenso wie vielen Menschen mit FrerndwörLern — sie benutzen sie, ohne ihre Bedeutung 311 kennen. Und deshalb war Herr Goebbels auch nicht im Bilde, wie Purim bei den Juden gefeiert wird: mit Maslenscherz vor allem. Und die wichtigste Figur dabei ist der Pojaz, allgemein Bajazzo oder Glown genannt. Herr Tr. Goebbels, auch ohne daß Ihr Vorschlag. Purim zum Nationalfeiertag zu erheben, Gesetz wurde, haben Sic Ihre Purimcolle glänzend gespielt! Nidcns. J; ■ K , . .Li -