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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-10 · 32 (10.8.1928) · p. Seite 442

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
32 (10.8.1928)
Date
1928-08-10
Page
Seite 442 (sequence 2)
Language
German
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GMMlMM!3iö KZSS8ottSy. genauer verstanden, als das heute der Fall ist. Das muß so sein; denn eine Eoistesrichkung mit bestimmten poliinchc-n Forderungen muß sich um so mehr verändern, als die Weltlage durch den große:: Krieg in Politik, Kultur und Wirtschaft ganz anders geworden, zum größten Teil sogar irr ihrem letzten Inhalt umgestaltet ist. Mit Befriedigung kann festgeftellt werden, daß in einem Aufsatz in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" Dr. Walter ßur, ausspricht, fein verständiger Zionist meine mit dem Wort „Volk", daß die Juden gegenwärtig ein Volk im gewöhnlichen Sinne des Wortes seien. Lux sagt: ,^Wer die Juden ein Volk nennt, will damit Lediglich betonen, daß ihre Gemeinschaft neben den religiösen Grundlagen, wesentlich durch gemeinsame Abstammung und Geschichte, also durch nationale Merkmale, bestimmt ist." Ob diese Merkmale „nationale" Merkmale sind, ist eine Frage der Auslegung des Wortes national. Aber die GesamLausfassung des Herrn Lux beweist, daß Eedankengänge, wie sie unser verewigter Eugen Fuchs in seinen grundlegenden Schriften geprägt hat, heute weit über den Nahmen unserer Freunde hinaus auch im zionistischen Laaer Anerkennung gefunden haben. Wir sehen insbesondere in den Erörterungen der Zionisteukongresse, wie die Auffassung Weidmanns gerade über den Inhalt des Jüdisch-Nationalen sich über die 'Herrschen Aufsagungen hinaus gemäß der von uns gekennzeichneten Linie entwickelt hat. Ohne daß hier geprüft werden kann, welche Richtung in der Auffassung des Voltlichen im Rechte ist, ' muß gesagt werden, die Entwicklung gehr ohne Zweifel dahin, daß der wesentliche Begriff vom „jüdischen VolkZ der zu einem starken und früher berechtigten Streitpunkt geworden war, heilte mehr und mehr auch von zionistischer Seite im Sinne des Centralvereins ausgelegt wird. Das bedeutet aber nichts weniger, als daß jene Fanfare, die ein jeder aus dem Baseler Programm aus den Worten „für das jüdische Volk" heraushörte, heute viel milder klingt und daß darum der früher so bestrittene und, wie man objektiv sagen kann, so viel Unheil anrichtcnde Volksbegriff bei dem heutigen Geschlecht einer gewissen charakteristischen Abmilderung unterworfen ist. Allerdings mach bemerkt werden, daß unter den Zionisten Osteuropas der alte Dolksbegrifs völliger Vollhafter Selbständigkeit, daher völliger innerlicher Gebundenheit an ein rein politisches jüdisches Volkstum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, heute noch ausgeprägt ist, im Gegensatz zu den Zionisten der westlichen Länder. Ein großer Teil der auf dem Boden des Centratvoreins stehenden Männer und Frauen wünscht auch die Errichtung einer ösfentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Also, sollte man sagen, sie unterscheiden sich von den Zionisten in keiner Richtung. Und doch empfindet man allgemein den großen, wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Anschauungen. Dabei wird niemand verkennen, daß genau so wenig wie der Zionismus der Centralverein in seinen Erundauffassungen stehengeölieben ist. Auch er ist zu klareren Folgerungen gekommen. Auch er hat, genau wie jede andere Bewegung, die im öffentlichen Leben in irgendwelcher Weise hervortritt, gelernt, gern gelernt, weil auch seine Anhänger mir offenen Augen durch die Welt gegangen sind. Wenn auch das Bild, das Rudolf Sa mu e l vom Eentralverern abgibt. für diesen nach keiner Richtung hin zutrisst, so ist es doch in mancher Hinsicht für die gesamte Judenheit des letzten Fünftels des vorigen Jahrhunderts richtig gesehen. Die bewegenden Kräfte des Volkslebens überhaupt waren damals lange nicht in der Weise erforscht, wie cs heute der Fall ist. Dies gilt für jüdische und für nichtjüdische Kreise. Dem Sozialismus gebührt das Verdienst, nach dieser Richtung hin sprechende <5 e s c n $ c rr< c g u n § $cn?crg.:ni[cR. Cs gibt heute kein LeLens* gebiet mehr, cnf dem sich nicht gewisse Äcfotmbcoesu n g c ti bcmm, lich machen, kein Stellet bat rvohr jemals ^eine solche Fülle von Reform, bcwegungen erlebt, nne sie den: unseren eigen sind. Und umgekehrt kenn: man sie sich aus der Gestalt unserer Kultur gar nicht hinwcgde'Neu: wo sich Urbel cuf ollen Lebcusgebieten in solcher c:at:e bemerkbar machen, und wo das Vertrauen in eineu allgemeinen verrrünfrigru Zustand der bestehender: Ginge so sehr erschüttert ist mit de: uns, und s?o endlich ziu solcher Grad uon Aktionär wir in unserer Gesittung herrscht, da das planmäßige Bemühen um Besserung der gegebenen Zustänücfast etwas Gelb>'locrftandUage-5. In der Tat muß heule der RrsormwUir cer-edezu als eine Pflicht aller dazu Berufenen erscheinen: jede einzelne Person und lebe BerrnsNasse, die uch über eine rein mechanische Tätigkeit erheben, sind rerpslichLet, Le nach ihren Krafrrn an der großen Aufgabe unsr'.rr ZeU, an der Umdibduug nnb Rrugestaltuug der Ber» hä Uni sie rnirzuwirlrn. Unerträglich gcmrrden ist lleu-.e'st'ue satte S-stbst. rrrfriedenheir, die alles auf das herrlichste bestellt findet und in i*etein Dillen |iit Umbildung nur ge ho fuge orgele: oder nervöse Re n^run gesucht erblickt. ^diesem Sinne darf heute auch keine Berufsgruppr. das Bejic-Heu einer Krisis in ihrem Gedirte mit der Begründung edlchrren, es erbe in ihrem. Beruf nichts zu re formte reu." in außerordentlichem Maße zur Klarheit beigetragen zu haben. Tie ganze Lehre von der bürgeckichen Gesellschaft steckte in den Kinderschuhen. Die großen Soziologen, die der Welk vielleicht erst den Anfang neuer Erkenntnisse über Gruppenleben und Einzelseele gegeben haben, waren noch nicht vorhanden. Die Entwicklung der Wirtschastslcchre stau zwar damals schon hoch, ist aber durch die Erkenntnis der letzten Jahrzehnte auf einen ganz anderen Boden genau worden; kurz, das Weltbild hat sich verändert. Der Zionismus begann in der gleichen Weise wie der Centralverein, an der damals Vorgefundenen Lage der Judenheit Kritik'zu üben. Wir werden heute nicht mehr den Grundsatz ausrechterhalten, daß es l e d i g l i ch die Religion ist, welche die Juden eine- Landes von ihren Mitbürgern unterscheidet. Wir sehen heute wie immer entscheidend im Judentum eine religiöse Gemeinschaft, wohl, daß der Gesichtspunkt Stammesgeinoinschaft bedeutsame Die Erhaltung des Judentums des Eentralvereins in derselben wir es tun. Sie glaubten, in der aber wir erkennen der Schicksals- und Bindungen erzeugt, haben die Begründer Weise gewünscht, wie Erlangung der Gleichberechtigung rrnd^ Gleichachtung sei diese Erhaltung gewährleistet. Heute wissen wir, daß die Vertiefung, das ewige Aufwersen und die ewige Beantwortung der Frage: „Warum si n d und bleibe n w ix deutsche Jude n?" für unsere Erhaltung eine Notwendigkeit ist. LNr haben gelernt, daß nicht nur die politische Gleichberechtigung von entscheidender Bedeutung für uns ist, nicht nur der Nechtsgedanke, sondern daß die Wertung von Judentum und Judenheit sowohl in der Erkenntnis als auch im Eemütsöezirke von uns und unserer Umwelt in ihrer wirklichen Bedeutung vertieft und gesteigert werden muß. Die Bekämpfung alles dessen, was heute Rudolf S a m n c l dem Centralverein Vorhalt, die Saturiertheit, das „Rcakrive", das Beharren, ist schon von den ©ninbcxn des Eentralvereins in der damals gebotenen Färbung als Ziel und Weg der neugegründeten Bereinigung vorgotragen worden. Wer den ersten Jahresbericht des Vorsitzenden des Eentralverems aus dem Jahre 1894 heute durchlieft, der findet bereits den Kamps gegen die sich im ewigen geistigen Schlafe befindlichen Juden jedweder Richtung. Er Hort immer wieder, wie das, was Rudolf Samuel Saturiertheit nennt, angegriffen und ausgelockeri wird. Er wird endlich gegenüber der Lammsgeduld der damaligen Zeit, die die Uebergrifse aller Art mit Nichtbecwhtung zu beseitigen glaubte, eine scharfe und schneidende stimme vernehmen. Damals hätte von seiten dos Eentralvereins wörtlich gesagt werden können: Ter wahre Gegensatz zwischen der älteren Generation der deutschen Juden und der Auffassung der überwiegenden Mehrzahl der Freunde des jungen Eentralvereins ist der zwischen „Reaktiv" und Aktiv, zwischen Beharren und Erneuern, zwischen Saturiertheit und Revolution. IV. * Tie Kritik dieser Tinge hat der Centralverein nicht erst, wie das heute dargestellt zu 'werden Pflegt, von den jüdischnationalen Schriftstellern gelernt, im Gegenteil, sie wurde von Anfang an in unseren Reihen gepflegt. Mit diesen Unterscheidungen kommt man also nicht weiter. Hier liegen nicht die Gegensätze zwischen den Richtungen. Diese müssen anderswo gesucht werden. Man wird sie zunächst in der Auffassung von der sogenannten Einheit des Judentums und der Judenheit, in dem „Einheit sg e d a n k e rrch zu erblicken haben. Gemeingut der Zionistischen Kreise, soweit man bei großen Eruppenbewegnngen unserer Zeit überhaupt das Wort Gemeingut verwenden kann, ist der a b s o lute Einheitsgedanke. Wo die Zionisten diese absolute Einheit des Judentums als nicht gegeben erkennen, da erstreben sie diese. Hier zunächst trennen sich grundsätzlich die Auffassungen. Und wenn Rudolf Samuel an einer anderen Stelle seiner Ausführungen betont, daß die Auffassung über die Richtung des GesamLwille u s der Judenheit bei Zionisten und Centralvereinlern verschieden ist, so hat er rocht'). Wir halten eine absolute Einheit -) bis ewUschrift LcrtNosi.-^viu s.;c ZukunfU von g:icdr:ch DroönrZ. £u.t Cs?:-, Ludwig TU«, ak> aKav.afUipJ: geaast zur iSm?:* wTfanimlur.ä ISllü £-?s G. D., in der «s heitzt: „Wir e.iupüabcn dr?. llntji* schied dr-s Villen5, der Richtung. Jur Arwrurrg und in der Intensirat ist das In>cntnr:'. bei uns nud den Zionisten da-ftN-r, die Entwicklung hat eher serschiedrue Richtungen ringeschlcgen."

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