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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-03 · 31 (3.8.1928) · p. Seite 434

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
31 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
Seite 434 (sequence 6)
Language
German
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434 ZimfunüsieLZig Führe jüdische Realschule ßeankfurt a.M. Jüdisch-konfessionelle Schulen — namentlich höhere — sind in Deutschland recht dünn gesät. Selten dringt etwas über ihr Wesen und Wirken in die weite Oeffentlichkeit, und doch sind ihre Ziels und Leistungen bedeutend. Das bew/cist die Festschrift, rvelche das Kuratorium (Schulrat) soeben anläßlich des sirnsundsiebzigjährigen Bestehens der Realschule mit Lyzeum der I s r a e l i tische nReligionsgesellschajt in Frankfurt a. M. herausgegeben hat, ein über 200 Seiten umfasiendes, würdig ansgestattctes, mit wohlgetrosfenen Llbbildungen geschmücktes Buch. Um es gleich zu sagen im Geist ihres Stifters S. R. Hirsch, des Führers der Orthodoxie, ruht die im Schuljahre 1927/28 von 214 Realschülern und 206 Lhzealschülerinnen besuchte Anstalt auf streng-traditioneller Grundlage unter Betonung der Bedeutung und des Ewigkeitswertes der deutschen Kultur. Tie Festschrift spricht cs deutlich aus: „Die jüdische Anschauung blickt als Ziel der Mcnfchheitserzrehung auf den Tag, an dem alle Völker sich Zur Höhe reinen Menschentums erhoben haben werden. Das; aber durchgeistigtes Deutschtum weserröverwandt mit reinem Menschentum ist, das; deutsche Kultur ein Wcgbahncr zu jenem erhabenen Ziele ist, ist unsere Ncberzeugung." . Selbstverständlich wird der Beschäftigung mit der Religion und mit dem Hebräischen ein breiter Raum im Lehrplan gewährt. Wenn die cingesührten deutschen Lesebücher mancherlei Bestandteile enthalten, die dem rein-christüchen Aorsteklungskreise entnommen sind, so treten an deren Stelle jüdische Stoffe. Hierbei lehnt cs die Schule ab, die Bedeutung eines Dichters jüdischer Herkunft wegen dieser Abstaunnung zu übertreiben oder das Werk eines nichtjüdischen Dichters zu überschätzen, weil es einen jüdischen Stoff behandelt. Daß im deutschen Unterricht die spezifisch-jüdische Weltanschauung und die jüdische Kulturkunde berücksichtigt werden, bedeutet nicht nur keine Beeinträchtigung dieses wichtigen Unterrichtsfaches, sondern im Gegenteil — einen Weg „zu wesentlicher Bereicherung und Zu vertieftem Verständnis nach jeder Richtung hin". Vor hundert Jahren schon hat der gelehrte Stifter der Anstalt als Ausgabe des Eeschichtsunterrichts die allgemeine Weltgeschichte zur Erkenntnis der Menfchheits- und Mcnschentumsentwicklung bezeichnet, „von der Bibel ausgehend, ihr eng sich anschließend, vom Geiste der Heiligen Schrift durchdrungen, überall Gott und Menschtnm lehrend für Geist und Herz". - - J. yO . ' 'S/I'. >// VS '£C,& vT-; - . ^> ■/ u y Brief des Gründers der Frankfurter jüdischen Realschule, Samsun Raphael Hirsch> an Rabbiner Oskar Lehmann (Mainz)* Eigene Verkaufsstellen in aßen grösseren ■ Städten Deutschlands. Erhältlich in allen Spezialgeschäften. Wer die Geschichte dieser Realschule liest, wird das Schlagwort vom ' ' „freiwilligen Ghetto" in das Reich der Fabel verweisen, denn durch diese trefflich geleitete Anstalt w e h t d e r L u s t Z n g m o d e r n st e r Ideen, und alle Ergebniffe neuzeitlicher Pädagogik wie alle auf Gemeinschaftsgeist und soziales Empfinden abzielenden Bestrebungen finden hier die schönste Verwirklichung. Eine „Schulbüchersiistung - zum Andenken an die im Kriege Gefallenen" (88 Namen nennt die Ehrentafeln nimmt den Eltern die 'Lvrge um die richtigen Schulbücher ab. Eine andere Stiftung sorgt für Anschaffung der für den hebrüischen Unterricht erforderlichen Bücher. Schularzt — Zahnarzt — Schulspeisung — Verschickung — Leibesübungen — Wandertage — Wettkämpfe (mit besten Erfolgen im Dreikampf und Stasfelschwimmen) — Klassengemeinde — Lehrerausschuß — Elternbeiräte — alle diese Einrichtungen im höheren Schulwesen der Gegenwart finden auch in! dieser orthodoxen Schule ihre sich segensreich auswirkcnde Pflege. j Nicht marktschreierisch verkündete Theorien, sondern eine stetige, schwere pädagogische Arbeit in den Schulstuben setzt hier wirkliche pädagogische Reformen in die Tat um. Daß die Lehrkräfte der Doppelanstalt wissenschaftlich auf der Höhe sind, davon zeugen die ticfgründigen Abhandlungen in der Festschrift: „Apologetisches" von Fink. „Bernard Shaw" von Caro, „Beitrüge zur Kenntnis der alten jüdisch-deutschen Prosanliteratur" von Schüler. .Lüdische Symbo-; lik" von Munk sowie ein „Kommentar des Llelri zum Traktat m' Chagiga" von Lange.? j Alles in allem: ein glänzender Rechenschastsbcricht, den eine fest im I,; Boden des Deutschtums wurzelnde und dabei streng-orthodoxe höhere; Schule für jüdische Knaben und Mädchen der Oeffentlichkeit vorlegt. . : r Professor Dr. Eugen Wölbe. , Fair Play. I Eine vorbildliche LcSens^egel auch für Nichtenglän-cr. Wir cnknehmcir dein irr der Franlsurter SozieintLdrmkcre! - 192? erschienenen Buch, „Fair Play, Sport, Spiel und Seift in England", des fein beobachtenden Journalisten Rudolf K i r ch e r nachstehende Ausführungen, die von jedem Volk und von jeder Gemeinschaft als der beste Weg zum harmonischen Zusammen- ' I leben beherzigt werden sollten. Tie Schrisileitung. £ \ Fair Play ist ein Inbegriff von Werten. In diesen zwei ■ Worten ist alles gesammelt, was die englische Erziehung und die ' ' englische Lcbensaufsaffung für erstrebenswert und für erreichbar ' halten. Die Worte find unübersetzbar und es wäre sinnlos, sie in - einer knappen Formel zu interpretieren. Es gibt Dinge, deren Wert in ihrer Undennierbarkeit und Unbestimmtheit liegt. In den Begriff Fair Play läßt sich unendlich viel hineindeuten, hineinfühlen', und ze umfasiender wir ihn zu verstehen vermögen, desto näher kommen wir seiner Bedeutung als Richtpunkt, als - Ideal, als Leöensphilosophie, als soziale Weisheit. Jeder Sports- ■ mann, jeder Soldat, jeder Politiker, jeder Staatsmann, jeder; Journalist, jeder Unternehmer, jeder Arbeiter, — wer immer es : \ sei, die Mahnung, das Programm, das in diesen zwei Worten * j liegt, könnte ausreichen, seiner ganzen Arbeit Inhalt und Sinn j Zu geben. Fair Play regelt die Beziehung zum Nächsten, U und zwar die Beziehung gerade in den Dingen, wo die Prüfung s? beginnt: in Konkurrenz und Kampf, im Wettbewerb und im H Affekt. Fair Play gebietet, den Nächsten Zn achten und im Gegner den Menschen und Spielkameraden zu sehen. Schon der kleinste | ■ englische Junge lernt, daß es unwürdig ist, den Schwächeren zu ‘! vergewaltigen und gemein, den besiegten Gegner zu mißhandeln. : . Daß die Nolle des Siegers nicht immer leicht ist, l)at die englische ' < Nation freilich in neuester Zeit an sich selber erfahren. Gloichmel: Fairness gilt den Engländern als eme der nobelste:! Pflichten, und der Wille zu dieser Tugend ist stark genug, den englischen Sinn immer wieder in diese Richtung zu lenken, wie groß, auch die Ablenkung zuweilen sein mag. Nicht Gutmütigkeit ist die Tricblrast, sondern der auf dem Spielplatz gekräjtigto Instinkt für daS Billige. Was man oft mit Neid die englische Begabung für die .Politik i nennt,~ifi Zumeist nichiZ anderes als das natürliche Walter! dieser natürliä^en Instinkte. Wenn auch nach heftigen - Schwankungen, ist es immer wieder diese Regung, dis den Engländer treibtT in letzter Stunde die Konzesfiouen zu machen, die nötig sind, um dem Common Sense yum Sieg Zu verhelfen. Fair Play ist darum auch - die Grundlage olefes vielgerühmten Common.Lense des englischen Volkes. So ist der Sport der größte Lehrmeister dieser Nariön. U

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