Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 31 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- Seite 432 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Sie groMMsAs §WS Ms dem Dünziger Swdenlenlüg. SonderberichL für die C. V.-Zeitung". L. L. Danzig, 31. Juli. Mit einet gewissen Spannung durste man dem 11. Deutschen Studcnchntag in Danzig entgegensehen. Mehr als ein halbes Jahr ist seit jenem 30. November 1927 vergangen, an dem die preußische Studentenschaft das Studeutearecht in der Form, in der die Staatsministcrialverordnung vom 23.. September 1927 es fest legte, durch Urabstimmung verwarf. Um des völkischen Prinzips der österreichichen Studentenschaften willen hatte die preußische Studentenschaft die taatliche Anerkennung prcisgogeben. Aus der alle studierenden um* affenden Zwangsorganisation der Deutschen Studentenschaft war eine private Vereinigung geworden, die nicht mehr das Recht in Anspruch nehmen durfte, im Namen der studentischen Allgemeinheit Zu sprechen. Andere Länder waren Preußen gefolgt, einzelne Hochschulen hatten sich von der Deutschen Studentenschaft losgesagt, ein neuer Verband der verfassungstreuen Gruppen, der Deutsche Studentenverband, war entstanden. Wie würde auf au' dieses der Deutsche rrtudententag in Danzig reagieren? Fünf Tags lang, vom 27. bis 31. Juli, sind die Vertreter der Deutschen ^tudenicäschast in Danzig versammelt eeweseu. um sich übsr ihren weiteren Weg in§ klare Zu kommen. ES ist notwendig, zu diesen Verhandlungen vom Ltondpunkt der deutschen Juden Stellung zu rühmen, nicht etwa, weil das Wort Jude in den Debatten Qpdkn wäre oder wer! ein Tanziger Festredner, dessen Neigung Zu Entgleisungen in Danzig bekannt ist. anttsemitelnde Bemerkungen in einen Vortrag ür. r Danziger Architektur einschmuggckte — sondern deshalb, well hinter all' diesen Debatten unsichtbar di? eins große Frage stand: was heißt deut - sch es DokkLtum, wer gehört Zum großdeutschen Bereich? Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, eanä. zur. Walter SchmaLek. hatte Las tragende Referat der Tagung über die .Zukunft der Deutschen Studenlensa^st" übernommen. Wer entartet hatte, eine Kampscsfansare für die döltische Idee, eine Attacke gegen dis preußische Regierung zu hören, wurde enttäuscht. Schmadel hielt einen überaus klugen, im besten Sinne akademischen Dortrag über das Wesen der Deutschen Studentenschaft, der in leidenschaftsloser Untersuchung den Ceschchrnuen und Gegebenheiten auf den Grund zu gehen suchte. Es kann cm dieser Stelle nicht unsere Ausgabe sein, seinen Sedankengängen über den Charakter eurer stcidsntcschcn Selbstverwaltung im einzelnen zu folgen. Uns Lnterrstrert hier nur die Stellung, die zu den entscheidenden Fragen, an Lenen der Konflikt mit dem Preußischen Kultusministerium zum Ausbruch kam, eingenommen wurde. Sowckt Preußen die studentische Selbstverwaltung durch Ileberordnung des Kurators als Aussichtsinstanz antasten will, xnünm wir unweigerlich feWeiden, erklärte Schmadel. Anders aber steht es mit der anderen Streitfrage, der Auffassung vom wroß - deutscherr*. Die österreichische Studentenschaft hat Abstammung und Muttersprache für die entscheidenden Kriterien der DolkZrLgehöriLkeir erklärt; der preußische Kultusminister hält das kulturelle Bekenntnis für entscheidend. Heute, sagte der Vorder Deutschen S-udcnttnschast, ist es noch zu früh, den Begriff des tschen" endgültig Zu Lestniercn. Dress Frage ist noch zu ungeklärt, lmmcmd°, cüZ Laß wir sie in diesem oder jenem Snrne beantworten können. LeLhals hätte man uns in Lüsen Gewissensfonflitt, wie ihn die Wstimmung vorn 30. November 1927 mit sich brachte, nicht hüreinbringm dürfen. Wenn die deutschen SindcnLcnschaftcrr Ln Oesterreich ihr Deutschtum durch rassige Abgrenzung graubcn schützen Zu müssen, so mögen sie im Augenblick diclieichL recht kiabcn^ Ein Zdsa! stellt aber ihre Anffastrrrrg nicht dar, die endgültige Klänrng d§S Dsllsbegriffs stcbk nach aus. Soureit Schmadel. Dian vergegenwärtige sich, welche Kämpfe dieser Tagung vorauZLegangen flnlr und welche Worte sonst in studentischen DersamullungeN' und. Zeitschriften ertönen, und man wird anerkennen müssen,'daß ein großer persönlicher Mut dazu gehörte, mit diesem Ernst am völkischen Dogma zu rütteln und Entscheidungen als fragwürdig hmzuftellen, die bisher als u n o. n t a ft b a r gölten. Freilich, mehr konnte Schmadel nicht erreichen. Hinter ihn stellten sich Ln fcer erregten Debatte die KreisleiLer von Ostpreußen und Bayern -- eine polnisch eigenartige Konstellation —. gegen ihn Zogen zahlreiche Vertreter aus dem Reich wie aus Oesterreich Zn Felds. Ein Student, der sich als Vertreter der NstioualsoZiallften vorstellte, wurde von dem. sehr sachlichsN LagungLleL^r Hilgen stock darauf hingcwiesen, daß hier" nur BiitpznUns, nicht Yarteiverlre-ee sprächen. Die entscheidende Frage, die mit Heftigkeit immer wieder Schmadel critgegengebalt-sn wurde: kb er denn auf dis Oester reicher dahin einwirlen wolle, daß sie ihren Kafststandpunkt revidierten, wurde von ihm zurückbaltenL dahin bLLnwovrtLt: wcmr VaK prenstrsche Ministerium er» nerrcS Stndcnl'crrrscht vsrfsllagerr würde, das den Ocfterrcrchern auch nach deren Ansicht genügende Garantien Zur LeuLschcrhalLung ihrer QorbschuLerr bicu, ss i&U* tv eiste Revision des nmktiait'dJnntle§ für eTfsrderkrch. Aus den Nüsse^mttisemUiLnmK rorure h sich nUM fefifegre» Die Debatte lül-rla zu keiner Einigung. Der von Schrnabcl dorblchlogcnerr Resolution. in der unter Anerkennung be*1 Vergangenen neue SÜc(» Zu staatlicher Anerkennung vorsichtig vfscngclaffsn wurden, f&ffte etn Lndcrcs Vorsiandoinstglicd einen Gegenantrag entacaen, der stsrrrS Beibcharten des biÄzerigcn StaaLPirnktes für die Zukunft forderte. In kluger Negie brach dis Lerkung am S-onu.abcu^ abend bh Antzsprach? vor bet Abstimmung ab, da erst Fragen des St:r.;m:ech-s GsHäd worden mußten, ehe man zur ErrLsLeidiMg kommen könne. So legis sich der L>onn!sg mit feinen FestvortrLg-n da^oifchen. der Montag bracktc SLtzURLen der Außschüsie und laugwstrigs Lcoattt-n Ll«r.'dorr -äb' ftimMUngswodutz und sornmst Satzungsänderungen, die Lebatteios genehmigt wurden, und als man so im Abstimmcn drin voar. tauchte plötzlich eine neue VorstandsresoLut'wu aus, die S6) m adels Eintrag und den Gegenantrag zu einem Stet verrnengt und damit dis vorhandenen ticfgel-enden Riffe noch einmal verdeckt hatte. ^Ohne weitere Debatte fand diese Resolution eürftimmige Annahme. Tie angenomuccne Entschließung hat folgenden Wortlaut: „Ter 11. Deutsche Studentcntag in Danzig dankt den vreußischnr Studentenschaften für ihre feste Haltung, die sie in derr Kärnpsen um das preuß:sil)s Stubenteurcchtz insbssondLre drrrch br-e Abstimmung dom 2ll. November 1927. bewiesen haben. Der Studttckentag sieht auf dem Standpunkt, daß durch die Aölehnnng de-r ^taatbminisierialvcn'ordnung vom 23. ^pternber 1927 der Anspruch aus staatliche ^lnerkennung nicht ausgegoben ist. Irtzwischen aber ist die LtudentenschIft entschlossen, die studentische Selbstverwaltung in Preußen auch ohne diese Anerkennung svrtzufetzen. Tis auf dem föderativen Gedanken aufgcbauts Würzburger Satzirng, welche die unverrückbare Gru^idlage für den großdeutschcn Zusammenschluß drr Studentenschast ist. schließt jeden Druck auf die auslandsdentschen Studentenschaften aus, ihren Ausbau zu ändern." Tie ersten beiden Sätze stammen aus dem Antrag S 6) madel, der dritte Absatz aber sucht die O^sterreicher vor Antastung ihres Rasiestandpunktes zu schützen. Praktisch bedeutet diese Nesolutivn niabts anderes, als daß man dis Austragung der zutage getretenen Zwiespäliigkeiten zunächst einmal vertagt hat. Es ist nicht an.zunehmen, daß sich die Situation in -der nächsten Zukunst wesentlich ändern wird. Aber wie auch die Ziesolutionen lauten mögen, das eine haben die Aussprachen dieses Lanziger Ctudententages dem aufmerksamen Beobachter doch gezeigt: der Lcrlusi der stantUchcn Ancrkcnnnno mit sll seinen BcgkeiLerschcinungcn hat so ruanchet^ in der SLudentensck'^fL nnchdcrttlich §cmcrll;L. Man beginnt, vom Nachöeterr völkischer Phrasen zun: Zweifeln üderztrgehcn, urrv auA dem Zweifel wird, wenn auch nicht heilte und morgen, die Erkerrntnis hcrvorgclxn, die E-rkeuntttich das; man der grostDcntschen Idee nicht damit nahekommt, dost man Mensllzen deutscher Kultur ihrer „Nasse" wegen von der Mitarbeit am LcuLschtumnt zurückftößt. Es war wie ein Symbol, daß Danzig dem Etudc-ntentag zum Abschied im Zoppoter Walde Wagners Wechesesttpiel „ParsifaA bot. das Heil und Erlösung vom Siechtum aus der Erkennttris sprießen läßt. Der öLtttfH-psluifchr EaNKolsvLrLrsg. Eins Erklärung Des LberpröstDenten von Ostyveuszen. In Nr. 29 der Zeitschrift „Die WeltLühne" behandelt der bekannte FinanLschriststeller Morus in einem Aussatz „Schwein und Kaftan" in kritischer Weise den deutsch-polnischen Zollkrieg und die VerhandLungen bezüglich des Abschlusses eines Handelsvertrages. In diesem Handelsverträge müßte auch das allgemeine Niederlüssungsrccht von Deutschen und Polen in Leuischland festgelegr werden. Hierzu schreibt Morus: „Anders verhalt cs sich mit dem allgemeinen Niedsrlas-ungsrecht. Daß geregeltL HandelZbeziehungen zwiscl-en zwei LL'.!dcrn nicht möglich find, wenn die AngsLzörigen des eignen Landes sich nicht drüben etablieren können, ist eins Selbstverständlichkeit, die auch von den Polen anerkannt wird. Trotzdem ist es allmählich gelungen, aus dieser Selbstverständlichkeit ein großes politisches Problem zu machen. Achnlich wie zu Beginn der deutsH-sranzösischen Wirtsazaftsverhandlungen die Franzosen nur ein Provisorrum, die Deutschen aber nur einen endgültigen Handelsvertrag abschließen wollten, wollten dis Deutschen in Warschau bisher nur über ein Provisorium, die Polen dagegen über einen D-auervertrag verhandeln. Innerhalb eines Provisoriums, erklärten sie. könnten sie den^Dcutschen nicht das NiederlassnngsrechL zugestehen. denn die Niertzwlas'.rnrg ist eine Sachs von Tauer. Und wenn man nach rinem halben oder nach einem dreivierto! Jahr die in Polen eLablierten Derrtschen wieder hcrauswersen würde, so gäbe cs einen Lösen politischen Krach, womit sie zweifellos rocht haben. In einem langsriftigeu Vertrage müßte das «ricd-crlnflurraSrecht ar-k volle GcgcrnciLigkrit garantiert sein. Aber ds kommt der Haken zun: Dorsch ei Auf deutscher Seite fürchtet man ossizicll dir Zuwanderirng von Polen wach Lsiprcu^zcr^, inssfiftett aber vor allem dir Zuwanderung polnischer Juden. Die vicLberufene Niederlaffungssragr ist eck so im Kerr; eine Frage des L-aftans. GL wird miLLlerwerLe notwendig, drefts Frage einmal ganz konkret zr? stellen: ,Sollen ans Angst vor der Einsrrtzv nn- Uedsamer Kait-attLräa-rr die Derrtschen auf dsL NLederlassungsrecht Ln Polen verzichten.? Oder soll cms dernsclocTr Grrrnde der Zollkrieg «.«? rL»kr?!LLriLrr weiLecgcsützvL werden Aus Grund dieser Ausführungen nahm der Syndikus des ostpreußischen Landesverbandes des Eerrtralvereins Gelegenheit, den Oberpräfidenren der Provinz Ostpreußen, Siehr, danach zu befragen, ob der von Morus vermutete Anlaß auf HinauszAgerung des Harrdelsvertragos tatsächlich die Besürchkung einer Zuwanderung polnischer Juden sei. Oberprästdenk Siehe erklärte unserem Mitarbeiirr, daß, soweit amilichs BUUen In BeLrachL temm, bevaztim Beweggründe kcrncsfatts in Frage Säuren. Gs sei auch nicht einmal anZttnehmett, daß nach einem etwaigen Abschluß des Leut sch pol aischeu Handclsderkragos die Provinz Ostpreußen einen so starren Wirtschaft ttchen Ausschwu'ng nehmen würde, daß nun für GeichästZlercke aus'Polen ein Anreiz gegeben wäre, sich m Ostpveußen uiederzulassea. Ob der Abschluß des HanLelsvertrcrges out oder schlecht sei, Lmrüöer sei die Aussassung in den Kreisen der Wirtschaft geteilt Für die Behörden sererr rmr voZkswirrschaftLichs und staatspoLiLische MomenLe für die F^age des AhsL-Lusses des Handelöver- LrngLs ausschlaggebend. Mithin euLML die Dermurung von Morn«, Lach so-vsiL Bchörderr in Frage kommen, LntisemiLifche Motive für dis HinauMgorung des Alchhlasst-F des HandchLvertra^s maßgebend gewesen seien. S. *) Von, ANS seit gesetzt. Dir bchckstleittmg.