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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-03 · 31 (3.8.1928) · p. Seite 431

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
31 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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Ein Brieiwedtssl zwischen Walle? Bloem und Herber! Eutenherg, , In Nr. 25 der „C. D.-Zeitung" vom 22. Juni feierte Herbert Eulenberg Walter Bloems 60. Geburtstag. In diesem Festaussatz schrieb er; daß Walter Bloem seiner Verbindung das ihm verliehene Band zurückgegeben habe, nachdem diese Verbindung ihren Vereinsmitaliedern die „Ehe mit jüdischen oder farbigen Weibern" untersagt hatte. Ein Freund unseres Blattes, selbst Alter Herr des Kösener S. C., wandte sich auf Grund dieses Artikels an Vloem mit der Bitte um Ausklärung über dieses von Herbert Eulenberg berichtete Vorkommnis, da er als alter Korpsstudent wüßte, daß dieser Beschluß keineswegs vom Kösener S, C., sondern von der Burschenschaft gefaßt worden sei. Walter Bloem erwiderte unserem Freunde darauf mit dem nachstehenden Schreiben, das wir mit der Bitte um Stellungnahme an Herbert Eulenberg weitergereicht haben. Wir veröffentlichen im folgenden auch die Antwort von Herbert Eulenberg und die Replik von Walter Vloem und glauben, damit diese Frage, die ja nicht nur eine höchst persönliche Angelegenheit Walter Bloems ist, sondern die die Stellung der Korps den Juden gegenüber deutlich macht, klargcstellt Zu haben, daß wir diese Stellung als Lief beklagenswert empfinden, ist selbstverständlich. Waller Bloem schreibt Sehr geehrter Herr Justizrat! Ich bekenne mich zum Empfang Ihrer freundlichen Zeilen von: 2. d. M. Der Aussatz aus der „E. V.-Zeitung" war mir bereits seitens der Redaktion dieses Blattes zugesandt worden. Herbert Eulen berg sagt in seiner Ausführung folgendes: 1. Das hatte man bisher nicht für möglich gehalten, daß ein deutscher Korpsstudent für einen Juden, -ja für das ganze Judentum Partei nehmen könnte, ja daß er es sogar in den Bereich der Möglichkeit geschloffen hat, daß ein deutscher Mann — entsetzlich nur zu denken, geschweige denn auszusprechen! —- eine Jüdin als seine rechtmäßige Frau heimsührt. Dieser Satz soll zweifellos nicht den Sinn haben, als ob ich persönlich eine Jüdin geheiratet hätte, was ja tatsächlich nicht der Fall ist. Er fußt auf einem der Grundgedanken meines Romans Brüderlichkeit". Ich lai;e hier den Helden meines Buches, den FliegerleutnanL Hans Joachim Eichholz, der Schwester seines jüdischen Korpsbruders Löwenstein innerlich so weit uähertreten, daß er die Möglichkeit einer Ehe mit dieser Jüdin ernsthaft ins Auge faßt und in Gesprächen mit seinen Korpsbrüdern als eine eines Korpsstudenten durchaus würdige Haltung verteidigt. Ferner sagt Eulenberg: 2. „Es hieß damals, daß seine Studentenverbindung von Walter Bloem das Band zurückgefordert habe, nachdem dieser Roman, in dem Christus über Wotan triumphiert, dort zur Kenntnis gekommen sei." Schließlich nennt er die Auffaffung, welche den Mitgliedern gewiper Waffenkorporationen mit jüdischen oder farbigen Weibern untersagt, „eine traurige Tatsache, um die Bloem und mein alter Freund, Senatspräsident Wieruszowki in Köln, ihrer Verbindung das ihnen verliehene Band seinerzeit wieder dankend zugestellt haben". Diese Ausführungen fltsb es, welche in tatsächlicher Hinsicht einer Richtigstellung bedürfen. Ich bin des genannten Romans wegen in der korpsstudentischen Oesfentlichkeit sehr scharf angegriffen worden. Meine beiden Korps aber, Teutonia zu Marburg und Lusatia zu Leipzig, haben keinerlei Schritte dieserhalb gegen mich getan. Beide haben mir kct§ Recht abgestritten,- sowohl intern als auch öffentlich Mrßstände, die meiner Auffa-wng nach im korpsstudentischen Leben vorhanden waren, ernsthaft und sckarf zu kritisieren. Daß mir die Bänder entzogen worden seien oder das; ich Versnlasinug gehabt hätte sie Znrückzuschicken, ist eine irrige Annahme Herbert Eulenbergö. Sie sehen, auch für mich trifft zu, was Sie mit berechtigtem Stolz und Dank für Ihre Person rühmen: meine Korps haben mir die Treue gehalten. Ich hatte niemals daran gezweiselt, daß es so kommen würde und müßte. Ich war von vornherein überzeugt, daß die korpsstudentische Idee der Kritik bedürfe, aber sie auch vertrage und ertrage. Einem Alten Herrn, der eure so hohe Meinung von der Korpsidee hegt und betätigt wie ich, eine Kritik an der zeitläufigen Gestalt ihrer Ver- ^üEchung als eine Haltung auszulegen, welche ihn der Zugehörigkeit zürn Korps unwürdig mache — das würde dem innerKen Wesen der Idee widersprechen. In diesem Vertrauen habe ich rurch nicht getäuscht. Das macht dem Korpsstudenten hohe Ehre und mich zu seinem treuen Gefolgsmann. In dieser Gesinnung glaube ich mich mit Ihnen einig zu wiffeu. Es freut mich besonders. Ihnen mitteilen zu können, daß ich anläßlich des Erlanger Studententags East Ihres Korps war und in allen Gesprächen mit Ihren jungen Korpsbrüdern eine durchaus überlegene und der Gegenwart würdige Auffaffung in den hier in Frage kommenden Punkten gesunden habe. Ich bin zu jeder weiteren Auskunft bereit und habe nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie diese meine Ausführungen der Redaktion der „E. D.-Zeitung" zur Verfügung stellen. Ich brauche Ihnen gegenüber wohl nicht zu betonen, daß ich zu jeder Zeile des Romans Brüderlichkeit" auch heute noch stehe und vor wie nach bereit bin, meinen Standpunkt vor jeder Instanz zu vertreten. Mit korpsstudentischem Gruß Ihr ganz ergebener Walker Vloem. Herbert Eutenherg erwidert Die Ausführungen von Walter Bloem habe ich, wie fast olles von ihm. gern zur Kenntnis genommen. Auch freut mich zu erfahren, daß ich mich mit meiner Behauptung geirrt habe, nach dem Erscheinen seines Romans „Brüderlichkeit" sei ihm von feinem Korps das Band abgefordert worden. Damals war hier am Rhein so häufig die Rede hiervon, daß man dem Gerücht unbedingt Glauben schenken mußte. Ich möchte aber auch heute noch fragen, würde diese angenommene verbreitete Nachricht nicht auch jetzt noch allgemeinen Glauben verdienen? Oder mit anderen Worten gefragt: Steht eine offen ausgesprochene Judenfreundschast nicht auch heute noch in einem gewissen Widerspruch mit den alten geheiligten Uebcrlieferungen des deutschen Korpsstudenterrwesens? In der Theorie nicht, erklärt Walter Bloem mit Nachdruck an seinem eigenen Beispiel. Aber wie sieht es denn in der Praxis aus, mein lieber Landsmann? Belehren Sie mich, der ich nur ein Wilder als Student gewesen bin, bitte darüber, lieber Herr Rechtsanwalt a. D.! Werden heute ohne jeden Widerspruch Juden in allen Korps bei uns ausgenommen? Zuckt man nicht doch noch im akademischen Leben ein wenig davor zurück oder lüstet man nicht bedauernd die bunte Burschenmütze, wenn man vernimmt, daß der Keilfuchs leider keinen ganz tadellosen Stammbaum auszuweisen hat? Ueberhaupt Ideal und Auswirkung im Leben! Mir sind viele Christinnen, aber auch umgekehrt Jüdinnen bekannt, die sich theoretisch vollständig urteilslos in allen „Raffensragen" geben, bis man auf den praktischen Punkt der gemeinsamen Ehe kommt. „Nein!" erklären sie einem dann: „Heiraten möchte ich allerdings einen Juden oder vice versa einen Christen unter keinen Umständen!" Verhält es sich nicht ähnlich auch heute noch bei unseren deutschen Korps? In Gedanken kann man sich wohl schon einmal für die „Brüderlichkeit"" erwärmen, 'wie Sie es so schön in Ihrem Roman getan haben, lieber Walter Bloem. Aber in der Wirklichkeit? ,Lehn Schritt vom Leibe!" heißt es da vor jedem „Andersrassigen". Oder sollte ich mich irren? Dann bitte ich mich, der ich weder Christ noch Jude, sondern Heide bin und jeden Kastendünkel und jede Absonderung, christlich-arische wie auch jüdische, ablehne, gütigst hierüber aufzuklären. Herbert Errlenberg. Das Schlusswort von Walter Bloem Sehr geehrte Schrifileitung, auf die Erklärung Herbert Eulenbergs, die Sie mir zur Segenäußernng vorlcgcn, habe ich nur noch folgendes zu erwidern: 1. Die Stellungnahme der im Kösener S. C.-Verband zusammengeschloffenen Korps zur Judenfrage ist durch Beschlüffe des Verbandes sestgclegt. Ihr wesentlicher Inhalt ist derjenige, daß diese Korps Abkömmlinge jüdischen Blutes oder Mischblutes nicht aufnehmerr. 2. Wie ich persönlich zum Judentum stehe, darüber wolle man sich bei meinen jüdischen Freunden erkundigen. Wie ich Zu jenen Kösener Veschlüssen stehe, darüber habe ich mich in meinem . Roman mit aller wünschenswerten Deutlichkeit ausgesprochen. Daß diese Stellungnahme eines einzelnen eine sofortige Abkehr des Kösener 3. C. - Verbandes von seinen satzungsgemaß sestgelegten Anschauungen zur Folge haben würde, habe ich mir niemals eingebildet. Aber ich glaube zuversichtlich, daß eine aus innerer Ueberzeugnng ausgesprochene Forderung nach Abänderung überlebter Austastungen auf die Lange der Zeit ihre Wir« . kung tun wird. Sagen wir weiter die Wahrheit, unsere Wahrheit. „auf daß das Gute wachse, wirke, fromme!" Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebener Walter Bloem.

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