Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 31 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- Seite 430 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tschechoslowakischen Republik. Er war der Führer zur. tschechischen Einheit. Er hat jetzt die leuchtende und lohnende Ausgabe, die künstlerische und geschichtliche Einheit des alten Prag zu wahren und damit auch den Prager Iudensriedhof nicht verschimpficren zu la^ru. Dr. Alsrev Wiener. 0W&’fwjUM Ms der stillen KufriärungsardekL öes lt.v. Ru8 meiner Schulzeit haftet die folgende Erinnerung besonders stark im Gedächtnis: Unser Deutschlehrer galt als Antisemit. Wir hatten diese Kenntnis jedoch nur vom Hörensagen; denn im Unterricht sprach er nie von seiner Politischen Gesinnung. Ta hielt er eines Tages einen Vortrag über Sudermanns „Frau Sorge". Mit einer sonst ungekannten HesLigleit und Verbitterung — ich höre noch die verhaltene Erregung seiner Stimme — schilderte er uns den Niedergang der Familie des Helden, den „ein Jude heraufbeschworen hatte". Er wiederholte diese Tatsache immer wieder und wühlte sich förmlich, auch in der Betonung des Wortes „Jude", in die Vorstellung ein: Um eines Juden willen muhte ein wackerer deutscher Bauer zugrunde gehen. Sonst kein Wort, keine Verallgemeinerung! Die Schlüsse aus seinem Vortrag lieh er feine Schüler selbst ziehen. Die verwerteten ihn je nach ihrer politischen Haltung als neuen Baustein für ihre keimenden antisemitischen Anschauungen oder sie vergaßen ihn, soweit sie gegen Verallgemeinerung gefeit waren. Dieses Erlebnis kommt mir immer wieder bei gewissen Zeitungsnotizen in Erinnerung. Da berichtet irgendein Generalanzeiger, ein angeblich unparteiisches Blatt, daß auf einem Autobus in Berlin zwei Taschendiebe, Eardinengeruch und Löwenpengel, in dem Augenblick festgenommen wurden, als sie sich gegenseitig bestahlen. Oder es wird mitgeteilt, daß bei einem Schisssuntergang in Finnland Herr Isaak Salomousohn Frauen aus einem Boot gestoßen hatte, um sich selbst zu retten. Oder man hört von der Verschleppung deutscher Mädchen nach Südamerika. Ein Herr Isidor Silberglanz soll ihnen die Ehe versprochen und sie so zur Fahrt üeör das große Wasser verleitet und ins Elend gestoßen haben. Mit besonderer Breite behandeln andere Notizen wieder Sittlichkeitsverbrechen, deren Täter Namen aus dem antisemitischen Witzblatt-Arsenal führen. In ausgesprochen völkischen Blattern wundern uns solche Erzählungen nicht; aber sie finden sich auch in solchen Presseorganen, deren Schriftleiter ihre Neutralität irr Der fogermrrrtterr Iudcrr frage streng zrr betonen pflegen. Charakteristisch ist das Bekenntnis des Redakteurs einer grotzerr rechtsstehenden Provinzzeltmrg, daß in seinem Blatt das Wort „Jude" nicht Vorkommen dürfe; aber man fand dort häufig in Berichten über Gerichtsverhandlungen. rrsw. Notizen jener Tendenz. Solche Bemerkungen sind oft gefährlicher als die derben Auslastungen eindeutig antisemitischer Färbung. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, datz der Redakteur wie jener Oberlehrer eine Gelegenheit sucht, um zugleich seiner antisemitischen Gesinnung NusdruL? verleihen und doch die vorgeschriedene Neutralität zu wahren. Während er antisemitische Einsendungen zurückzustellen gezwungen ist, bietet sich ihm hier die Möglichkeit, einen angeblich wahren Borgang Zu schildern. Weil die Namen dieser Personen unzweifelhaft jüdisch klingen, wird die Verallgenreinerungssucht eines unkritischen Publikums das übrige tun, um vorhandene judenfeindliche Gesinnung durch den neuen Sch ul fall „typisch-jüdischer" Verschlungen zu bestärken oder gleichgültige Haltung zur Judensrage Ln antisemitische zu verwandeln. Nicht immer sind solche Meldungen Erfindungen und Ausgebürten eines völkischen Korrespoudeuzreporters. Aber wenn ohne Angabe von Zeit und Ort Schauerberichte mit ausgesucht jüdisch klingenden Namen durch die Welt gehen, besteht meist der Verdacht der Mystifikation. Und dieser Verdacht bestätigt sich gewöhnlich bei der Nachprüfung. Der G> V» ist sich der VedeEurg solcher inUttUtvjrrdengegnerischer Propaganda bewußt, und er sicht cs als seine Aufgabe an, derartigen Irr- und Falschrrreldungerr wo immer errtgegenLUtreren» Selbstverständlich nur Irr- und Falschmeldungen! Es bedarf keiner weiteren Erörterung, daß wir uns niemals dazu hergeben, die Berichterstattung über tatsächliche Verfehlungen von Juden mir oder ohne Namensnennung zu verhindern. Las verbiet et schon die selbstverständliche Achtung vor der Freiheit der Presse und ihrem ßiecht zur objektiven Berichterstattung. Der C. V. liest nicht nur die antisemitische Presse, sondern zur Kenntnis der Hauptgeschäftsstelle und der LauLcssyndikaLe kommen wohl fast sämtliche Zeitrrrrgen Deutschlands. Taucht xum eine derartige Meldung auf, so pflegen wir systematisch die Tatsachen zu überprüfen. Sind die Fälle erfunden oder entstellt, so unterdreiterr wir dem Blatt das Ergebnis unserer Ermittlungen und bemühen uns so, das wieder gukzumachen, was die tendenziöse Notiz in den Köpfen unkritischer Leser an Verwirrung gestiftet hat. Charakteristisch für die ober? gekennzeichnete Methode sind die Berichte über jüdische Mädchenhandlcr oder Derrrrteilungen vsrr Männern und Frauen mit typisch jüdischen Namcrr. Der Ort der Gerichtsverhandlung liegt rneist im Ausland. Trotzdem scheuen wir keine Mühen, um einen authentischen Gerichtsbericht zu erbitten, der daun Grundlage für unseren Gegenartike! ist. So haben wir fast jede Meldung über angebliche Verurteilungen wegen Mädchenhandels, auch und meist im fernen - Ausland, geprüft und das Notwendige veranlaßt. Humoristischer Färbung entbehrt nicht der anfangs erwähnte Fall der Taschendiebe Cardinengeruch und Löwenstenge!. Nach vielen Mühen gelang es sestzustellen, daß eine Verhandlung gegen Taschendiebe solchen Namens nie stattgefunderi hatte. Allerdings waren ausländische Taschendiebe verurteilt worden und eine Korrespondenzmeldung über den Fall durch ganz Deutschland gegangen. Mir gingen diesem Bericht nach und stellterr fest, daß selbst jüdische Mitarbeiter eines Ksrresporrdenzbnrcaus das Opfer einer Mystifikation geworden waren. Sic hatten den Bericht eines Gerichtsreporters, der einem rechtsstehenden Verlage angchört, übernommen. Dieser Reporter hatte sich die schönen Namen Gardinengeruch und Löwcnstengcl erdacht. Die Feststellung des Sachverhalts genügte bei einer großen Anzahl von Redaktionen, die in gutem Glauben den Bericht ausgenommen hatten, inn erneut Maßnahmen zur Vorsicht gegenüber mysti- ^sikationsverdachtrgen Meldungen Zu treffen. Allerdings ist dieBerichtigungsmögIichkeit beschrankt. Es gibt meist keine gesetzliche Grundlage, das Blatt zur Aufnahme einer Berichtigung zu zwingen, und wir find lediglich auf die Loyalität der Schriftleitung angewiesen. Ter § 11 des Preßgesetzes verpflichtet den Verantwortlichen Redakteur nur, ans Verlangen einer beteiligten Privatperson oder öffentlichen Behörde Berichtigung auszunehmen. Aber wenn über Herrn Isidor Salomonsohn, der in Wirklichkeit gar nicht existiert, Gerüchte rn die Welt gesetzt werden, so ist rrrernarr d da. der eine Berichtigung erzwingen kann. Das, was geschehen kann, nämlich die Prüfung der Tatsachen und der Versuch, die Richtigstellung durch persönliche Fühlungnahme mit dem betreffenden Blatt dort unterzubringen, geschieht feit langem. Wir verfehlen nie, überall, wo man für ein wahres Wort Verständnis hat, durch unsere Ortsgruppen bei den Zeitungen und Zeitschriften im Sinne einer gerechten Würdigung der Tatsachen vorstellig zu werden. Aus diesen Beziehungen haben sich schon oft für beide Teile wertvolle Verbindungen ergeben, und wir hatten dabei die Möglichkeit, unser Aufklärungsmaterial über Juden und Judentum zu verbreiten^). Diese Tätigkeit nimmt einen wesentlichen Kaum in der Aufklärungsarbeit des C. B. ein. Er ist sich bewußt, daß er in einer Periode des schleichenden, trockenen Lntisemitismus die Methoden tückischer Gegner durch solche wachsame WahrhsiLssörderunZ zu bekämpfen hat. De. Harrs Sxeidsmütm, *> Kurz not Erscheinen Lrs Artikels fiudLir wir eine Anregung unseres Freundes Rabbiner Dr. Neustaus in Mühlheim hn „SfragllUfdics Familienfcfatt*' vO.ri £6. ZuU. Er schlägt vor. Laß die Pressestelle L-cs Pcrußisthcu Landesverbandes euch diese AeberwachungsarbLit übernehme, rreil er von der Voraussetzung ausgesti, dass der C. V. solche Arbeit als Bbmehn iudirrkier QnLisLmitlschcr Angriffe ntchr leisten könne. Der vorliegende Aufsatz Zeigt. d-?ß der L. V. auch diese Ar! der Aufklärungsarbeit schon seit langem derrcibt, roenn wir auch nicht oft darüber zu berichten pl'.gen. L^ermonLtssckrrkt ‘ fl Herausgeber ticl Schrättel tüs j: li Ü ü Ci..-' w U 41 Pt-oL Dr. Jalta» Gcldxtcta ß)«a£üUt^ 4. Jahrgang: Heft 3 soeben erschienen Aus dem Lili&it des zweiten Helles: Edmoad Fleg: Warum IcL Jade Lin. — B. Jacob: Der Arbeiter. — Alfred Marx: Kritische Bemerkungen zur Rassenhygtene. — Otto Conrad: Der Hurnanitätsgedaale Lei Wilhelm. Wundt. — Paul Michaelis: Baltische ELrinnenisgen an hi.o*es Mendelssohn* — Erast Holzer: Jüdische Jugendbewegung. —- Fr*nz Rof;«ßSW«ig: Zasn ersten B-snd der Encyelop&edia Jsdaica. — Julius Goldstein: Der Mensch über den Rassen. — Erich Ungar: Mythos und Wirklichkeit. —- Anzeigen. Zu bestehen: ‘Philo Verlag, Berlin SW 68, LiüclensCr. 13. Einzelheit 2,25 M., jEhresabossenrent 12 M. } i: i ii z5