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Central-Verein-Zeitung · 1928-08-03 · 31 (3.8.1928) · p. Seite 429

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
31 (3.8.1928)
Date
1928-08-03
Page
Seite 429 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 3>ftugust >92Z VII. Jahrgang . Nr. 31, Eßrrzelnummer 10 Pfennig OOs i$mm HZs o <> 0*S2r<v'>:i's^6^ LLL5L-§Ä fflfiäBlr'> ViertcUahrsaL^nnement v v</ß Allgemeine Z,eirunö des Judenrums 1,20 RM. (zuzügl. Bestellgeld). - Lerkag u. SchrifUettung: 33«iiiiSW68, Lindenstr. 13 .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3503. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechset. stütze 6, Berlin SW 63, Lindenstr. 7, und von.Goldschnüüt-Rotln'chUd & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expeüition Rudolf Masse, Berlin Sw 19, und deren Filralen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Masse? Kormalzeilenmeffer Nr. 4, Familirnanzeigen und Stellengesuche (nicht Etellenangctzore) für Mitglieder d. Cevtralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JIM. v JJ /{$/$?? ZeiLungLmeldurrg: „Der weltberühmte Prager Judenfricdhof soll verschwinden." Dieses Prag ist ein ganz großes, letztes Erlebnis. Diese, berauschende Geschlossenheit baulicher Ueberlieserung der lärmenden Altstadt und der stillen Kleinseite! Dieser überquellende Reichtum an kaum von der „neuen Zeit" veräwder- Len Straßen und Plätzen, Kirchen und Palästen, Bürgerhäusern und Höfen einer stolzen Vergangenheit! Wer aufgeschlossenen Herzens durch Prags alte Viertel — das ist fast ganz Prag — wandert, der spürt jenseits aller Reisebücher den Atem der ehrwürdigen Reichshauptstadt von damals. Und immer wieder sucht er . den Weg an die Moldau, weil diese an Fluß und Berg sich dehnende Stadt als Ganzes die Weihe alter Zeiten greisöar darstellt,, sie sich durch die Jahrhunderte jungfräulich bewahrt hat. Im kleinen unb doch im großen das gleiche bei Prags jüdischen Altertümern. Zwischen regulierten, schnurgeraden Straßen und übelsten Miethäufern die letzten Reste des Ghettos: das jüdische Rathaus, die AlLneuschul und der Judensriedhof. Das schreibt sich hier so einfach. Und doch dieser Judenfriedhof. Wo Stein an Stein, wo Grab an Grab aus verschollenen Zeiten sich drängen, wo die Großen in Israel in stolzen Steinhäusern gebettet liegen, die begnadete Bildhauerhände mit der monumentalen hebräischen Schrift verziert, mit sinnvollen Wappen und Bildern geschmückt haben. Und ein grünes, dichtes Laubdach liegt über den zusammengepreßten verwitterten Steinen. Die kecken Sonnenstrahlen bahnen sich mühsam ihren Pfad durch die Hollunder¬ und Fliederfülle, und die Vöglein des Himmels trillern fröhlich auf des hohen Rabbi Löw Grab, "begrüßen Hendel, die Gattin des Jakob Bath-Schewi von Treuenberg oder den fremdländischen Namen des «Jose! den Elias del Medigo de Candia. Jüdische lebendige Altertümer in der Welt sind wenige. Wenige, die noch unter Gottes freiem Himmel zu uns rührend sprechen von großartiger jüdischer Vergangenheit, von Hingabe für Heimat, Gemeinde. Religion, von überlegener rabbinischer und weltlicher Wissenschaft, nicht minder von martervoller Geschichte, von.schrankenlosem Gewaltmißbrauch mancher großer Herren. Dieser Judensriedhof sagt und klagt, segnet und flucht. Er kündet wie ein ausgeschlagenes Buch Zeiten voll Enge und Not und Zeiten voll Fülle und Brot. Und über allem liegt wie über Prag der Ärahtenkranz einer stolzen jüdischen Gemeinde ehrenvolle Vergangenheit, ehrenvoll durch Persönlichkeiten und Leistungen aus ihrem Schoße, ehrenvoll nicht minder durch die Schmerzeusmale und Narben an ihren: uralten Körper. * Aber Prag will eine richtige Großstadt werden. Eine Großstadt, wo die Autos bequem überall hinsausen können, wo Omnibusse und Straßenbahnen die Viertel ohne jedes Hrndernis durchrattern, wo Bureauhäuser mit schnellen Fahrstühlen sich prunkvoll ausbreiten können, wo ,Mcht und Luft und moderne Hygiene" keine engen Gassen und keine alten .Häuser, geschweige denn Friedhöfe, störend auf ihrem Siegeszuge vorpinden. Wer gönnt dem aufstrebenden tschechischen Volke nicht diese Neuerungen? Sie sind gewiß notwendig, und die baulichen Fragen mögen der Stadtverwaltung manche harte Nuß zu knacken geben. Schon zittern viele Prager selbst um die stillen Schönheiten ihrer alten Gassen. Wer bis zum 31. Dezember ein Haus erbaut, bleibt mit diesem Bau 35 Jahre steuerfrei. Eine unwiderstehliche Verlockung! Und so ist Prag gewiß heute die Stadt Europas, in der die meisten Neubauten hochgerichtet werden. Wieviele alte Gebäude moderner Trostlosigkeit hingeopsert sind, — werden trotz mancher fürsorglicher Eingriffe die nächsten Jahre uns Freunden, uns treuesten Freunden Prags offenbaren.; * Aber, ihr Bürger Prags, hört unsere herzlichste Bitte, hört unseren Notschrei: Rührt nicht am Prager Judensriedhof! Schon einmal haben ihn rauhe Hände zerstückelt, und künstlerische, beschämende Unfähigkeit hat an seine Stelle langweilige und stupide Mietkasernen im alten Ghetto aufgerichtet. Damals baten und flehten Prags Juden und zahllose Heimattreue Bürger Prags und Kunstfreunde und Prag- Freunde der ganzen Welt. Vergebens. Der tschechische nichtjüdische. Gelehrte Dr. L. Jerabek beschloß sein feinfühliges Werk, über den „Alten Prager Judensriedhof" mit diesen erbitterten Worten: . ' „Es mußte erst das erleuchtete zwanzigste Jahrhundert und mit ihm die schlecht verstandenen, bis ins Extrem getriebenen Echlagworte von dem modernen Fortschritt der Städte und mit ihnender wunderbare Prager Affanierungsplan kommen, um uns dieses kostbare Denkmal und den ergreifend schönen Garten hinauszuassanieren!. Zur europäischen.Blamage für jene, die — nicht. aus religiöser Unduldsamkeit, sondern aus purem Spießbürgertum — die Verstümmelung einer der schönsten und ehrwürdigsten Denkwürdigkeiten unserer Stadt verschuldet habend * Welche flammenden Worte wird er hinausschreien muffen, .hört er von den neuesten Angriffen gegen dieses heilige Stück - Erde. Wir wissen nicht, wie weit die gegen den alten Friedhof gerichteten Pläne, schon gediehen sind. Eine starke Hoffnung bleibt: der hochgebildete, gelehrte und humane Mann, mit einem edlen Verständnis auch für jüdische Sorgen, dort oben auf dem Hradsichn, Professor Masaryk, der Präsident der n Walter Blaem and Herbert Eulen* bergt Die Korps• — Kart Zielenziger: Emil Raihenau, Albert Baltin. — Dr. Max Meyerhol (Kairo): Jüdisch-arabische Aerzte im mitlelaUerUchen Aegypten.

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