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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 422

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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in dem niedersächsischen Halberstadt geboren wurde. Das Interesse für sie war vielleicht am_ regsten in Nied erden Ls chland und int n i eder s ü ch s i sch e n Osten. Seffing fand seine vornehmsten Stätten der Wirksamkeit nach Breslau in Berlin, Hamburg und Braunschweig. Der Bahnbrecher und Ueberseher der antiken Klassik, Voß, war ein echter Niedersachso, der auch plattdeutsch schrieb. Der getreue Interpret Goethes, Ecker mann, war ein Hannoveraner aus Winsen an der Luhe. Die größten Bewunderer Goethes und Schillers konnte man in Hamburg schauen. Der Göttinger Hainbund, dem größtenteils aus Niedersachsen Gebürtige angehörten, wirkte als Verbreiter klassischer Ideen. Im übrigen stammte die Familie Goethes in männlicher Linie aus dem nördlichen Thüringen, aus dem Landstrich zwischen Thüringer Wald und Harz, wo niederdeutsche und niederländische Kolonisation das Land urbar gemacht hatten. Goethe hat von dem Blute dieser Siedler etwas abbekommen. Mütterlicherseits stammten seine Ahnen aus Süddeutschtand. Sein Biograph B i e l s ch o w s k h sagt geradezu: „Der Organismus des Dichters entstand daher aus der glücklichen Mischung der Stände und Volksstämme/ Und Winketm a nn, der den Klassizismus einleitete, ohne den ein Goethe kaum zu denken ist, stammte von seinem Vater her aus Schlesien, von seiner Mutter aus der niedersächsischen Aktrnark, wo auch seine Wiege stand. So ist es wohl sicher, daß die klassische Bildung nicht allein „fränkische Schöpfung ist", sondern ebensosehr schwäbische und namentlich niedersächsische Schöpfung. Auch wenn Nadler zum Entgelt sozusagen die Niedersachsen- und die Ostdeutschen zu Trägern der Romantik macht, stimmt das nicht ganz mit den Tatsachen überein. Unzweiselhäft stammen glänzende Vertreter der Romantik aus diesen Stämmen, aber ebenfalls von Franken und Schwaben. Was an den Versuchen aussällt, aus den Stämmen die Quellen des deutschen Geistes herzuleiten, ist, daß überall das „Frisia non caiitat" durchklingt. Verglichen mit dem, was Franken und Alemannen nach der Meinung von Nadler vollbracht haben, ist das, was die Nredersachsen vollbrachten, mehr als bescheiden. Deren Anteil an der Geistesgeichichte Deutschlands ist aber bestimmt viel größer, als Nadler annimmt. Dessen wird man aber nur dann gewahr, wenn man mehr in die Tiefe dringt und den Verästelungen des Niedersachsentums durch die deutschen Gaue folgt. Man betrachte nur die Fülle der Genies, die Ostdeutschland dem deutschen Volke gab, denke an die Philosophen Fichte, Schopenhauer, Nietzsche, Hartmann, Böhme, an die Dichter Lessing, Herder, Tieck, Eichendorff, Grillparzer, an die großen Naturforscher Humboldt, Helmholtz, Virchow, an die Staatsmänner und Feldherren Wilhelm v. Humboldt, Bismarck, Moltke, Blücher, Jorck. um nur einige zu nennen. Das Blut vieler deutscher Stämme rollt in ihnen, ganz besonders aber das der Niedersachsen. Man kann schlankweg einen großen Teil der Genies unb Führer, die aus dem Osten stammen, für das Niedersachüntum reklamieren. Aber eins ist' zweifellos: es wird schwer haltern zu beweisen, daß nicht alten deutschen Stammen, also auch den Niedersachsen, für alle Zweige der geistigen Betätigung Anlagen eigneten, die zu gewaltigen Taten des Geistes bei allen deutschen Stämrnen führten. Nicht die Zugehörigkeit zu einem Stamme oder Gau kann also das Entscheidende bei der Verrichtung geistiger Großtaten sein. Wer sich auf die Erforschung dieser Beziehungen beschränkt, wird schwerlich an die Quellen des deutschen Geistes gelangen. Zweifellos Liegen sie zum Teil ' ui ihnen, aber auch nur zum Teil. Wer die Ursprünge des deutschen Geistes und seiner Taten erforschen will, muß weiter schauen, mutz den Mächten nachspüren, die von der Umgebung auf die Schaffung des Geistes ausstrahlen, muß fc\ KiSjrilches iKS5€S U L l :u \t jfej fri ' 1 L ü & Csii i ts ks “& > Facbinger V eisandstelle, Berlin SW]I( Schvtiebcrger Sirs.«>e 16a. Telefon: I.üizow 8260/61. den Einflüssen der Kultur nachgehen, der Erziehung, der Natur, den allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Verhältnissen sowie der Struktur der Gesellschaft. Aus allen diesen Faktoren wuchsen die Kräfte hervor, die die Führer des deutschen Volkes, die Meister im Reiche des Geistes gestalteten. mumm Die Jewish Agency, die Körperschaft von 50 Zionisten und 50 Nichtzionisten, zum Ausbau des nationalen Palästina soll geschaffen werden. So will cs der § 4 des Palästina-Manda ts, so forderten es auch — nicht einheitlich — die letzten Kongrepe der zionistischen Weltorganisation. In diesen Blättern wurde über die Entstehung, die Zwecke, die Ziele der Jewish Agency eingehend be* richtet'). Ter Stand der Verhandlungen wurde dargelegt. Tabei spielten die Amerikaner unter des verdienten Louis M a r s h a! l s Führung die entscheidende Nolle. Nach einem Abkommen Professor Weizmanns mit den Amerikanern-) wurden im letzten Jahre eine Anzahl aus verschiedenen Gebieten sachverständiger nach Palästina geschickt mit dem Aufträge, den Stand der palästinischen Wirtschaft in ihren verschiedenen Ausstrahlungen zu erkunden,und die Zukunstsmöglichkeiten nüchtern klarzustellen. Tie Sachverständigen hielten sich mehr oder weniger lange Zeit im Heiligen Lande aus und erstatteten der „autoritativen A g e n c v - 4v o m m i f f i o n (Sir Alfred Mond fLord Melchettst Oskar Wassermann, Tr. Lee K. Frankel, Felix Wardurg) umsaffende Berichte, die leider bis heute nicht veröffentlicht sind. Aus Grund dieser Berichte, auf Grund eigener Beobachtungen an Ort und Stelle, auf Grund besonderer wirtschaftlicher Kenntnisse faßten jetzt nach eingehenden Verhandlungen in London die vier genannten Persönlichkeiten den Extrakt der Berichte zusammen, entscheidend vermehrt um. eigene wirtschaftliche Ratschlage an die palästinischen Siedler und an die zionistische Leitung, sowie um dringende Wünsche an die englische Negierung. Tiefem Bericht kommt eine für die zukünftige Gestaltung Palästinas wie für das Verhältnis der Zionisten und Nichtziouisten beim Aufbau Palästinas und rückwirkend auch in den verschiedenen Ländern weitgehende Bedeutung zu. Leider liegt beim Abschluß dieser "Nummer weder der vollständige noch der authentische Bericht dieser Londoner Viererkommission vor. Durch die „Jüdische Telegraphonageutur" (Ita) wurde lediglich der zweite Haupt teil, der die Empfehlungen und Schlußfolgerungen der Kommission enthält, der Oesfentlichkeit übergeben. Ter Text ist nicht authentisch und die Ueberfetzung aus dem Englischen ist manchmal unklar. Bevor also der endgültige Bericht, der 200 Truckfeiten umsaffen soll, nicht einwandfrei vorliegt — hoffentlich werden ihm die Sachverständigengutachten beigegeben sein —, wollen wir von seiner Besprechung absehen. Ter bisher veröffentlichte Bericht hat bereits zu schweren Auseinandersetzungen über Annahme oder Ablehnung ^des Kom- Missionsberichtes innerhalb der zionistischen Kreise, in gewiffem Linne also über Gründung oder Verwerfung einer erweiterten Agency, und damit auch über die weitere Führung der zionistischen Organisation durch Professor W ei z m a n n / geführt. Das zionistische Aktionskomitee ist seit mehreren Tagen in Berlin zu entscheidenden Verhandlungen. versammelt. In diesen Sitzungen werden maßgebende Beschlüsse von großer Tragweite gefaßt werden. Allgemein bekannt ist die Erzählung vom Rabbi Joch an an ben Sakkai, der kurz vor dem Fall des zweiten Tempels in richtiger Erkenntnis der Zukunstsaufgaben sich vor den römischen Führer bringen ließ und um die Errichtung eines Lehrhauses in einem kleinen Städtchen Palästinas bat. Hätte der Römer die Folgen dieser Gründung übersehen, er hätte seine Zustimmung nicht gegeben. Jochanan hatte die Zeichen der Zeit verstanden. Kein Staat, kein Tempel hielt mehr die Inden zusammen: welch' anderes Bindeglied war vorhanden, als die Lehre, wie sie in der Bibel ihren "Niederschlag gefunden! Darum waren ja 800 Jahre vorher die zehn Stamme Israels spurlos verschwunden, weil die Thora fehlte, während das Reich Inda bereits durch das Wirken der Propheten mit jüdischen; Geist durchtränkt war und die Zerstörung des ersten Tempels daher das geistige Band nicht lösen konnte. Darin liegt das Geheimnis und das Wunder unserer Erhaltung. Kein anderes Band als das geistige hat um zusiunrnengehalterr in den Jahrtausenden. Tors uns diese Erkenntnis mit Stolz erfüllen, jo legt sie uns, da Adel verpflichtet, eine Verpflicht u n g *) „£. V.'Zciuna" Ar. -10 vom 7. Oktober 1927. Tcr:t in: Attcrd Wiener, „ftritifdic Nene durch Pa löst in iw. 3. Auf!. 6. 118-42.

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