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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 423

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 423 (sequence 3)
Language
German
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423 vereitelte Frieöhofsfchänöung in Roln. Noch ist die Erinnerung an die große Frredhofsschändung auf dem Friedhof in K ö l n - D e ck st e L n nicht erloschen, noch inuner ist die Staatsanwaltschaft bemüht, der Täter habhaft zu werden, d-a kommt die Nachricht, daß in der vorigen Woche ein Beamter der Wach- und Schlicßgestllschaft eine Rotte junger Burschen stellte, die die Mauer des jüdischen Friedhofes Ln Köln-Ehrcrrselfr übersteigen wollten. Der Beamte stellte die Schandbuben. es kau: zu. einem Handgemenge, wobei der Wächter von seiner Schlagwasfe Gebrauch machen mußte. Erst als er mit der Schußwaffe drohte, ließen die Helden der Nacht von ihm ab und ergriffen unerkannt die Flucht. Nach den Aussagen des Beamten waren die Burschen mit Hakenkreuzen geschmückt und hatten sich zürn Teil mit Handwerkszeug gut Wenige Tage zuvor wurde an der vor kurzem erbauten kleinen Tempelhalle auf dem alten jüdischen Friedhof am Bonner Tor in Köln düs Mögen Dovid durch Bnbenhändc abgeschlagen» Bon den Tätern fehlt auch hier jede Spur. Die Iuöen, die Retter DeuLjHlcmZs — sagen öle französischen Fnüsemiren. Schon seit langem haben die Antisemiten aller Lander erkannt, daß sie nur durch internationale Zusammenarbeit vorankommen können. An Versuchen, eine Einheitssront gegen das Judentum zu bilden, hat es nicht gefehlt. Nur macht sich bei diesen Bemühungen ein unangenehmer Umstand störend bemerkbar. Die Juden, so heißt es, arbeiten mit den Feinden unseres Volkes zusammen, lim so den Untergang unseres Volkes zu beschleunigen. Wenn dies wahr ist, so müssen also die Juden wohl zugunsten dieses „Feindes" arbeiten. Erklären zum Beispiel die deutschen Antisemiten, der Jude unterstützt den französischen Erbfeind, und wollen umgekehrt die französischen Judengegner dein Volke klar machen. Deutschland verdanke alle seine Nachkciegserfolge jüdischer Hilfe, so scheitert an diesem logischen Widerspruch, der auch wenig empfängliche Gemüter stutzig machen muß, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Antisemiten. Obwohl es leicht fallen würde, die Widersprüche der antisemitischen Agitation rein propagandistisch auszuwerten, wird man der jüdischen Sache weit besser dienen, wenn man den Tatsachen nachgeht, die dieser innerantisemitischen Fehde zugrunde liegen. In dieser Hinsicht liefert ein kürzlich erschienenes Buch eines französischen Antisemiten, Roger Lambelin, schätzbares Material (,,Les victoires d’Israel", Paris 1928, Bernard Grasset). ' Während Lambelin die reichhaltige deutsche Literatur für seine Zwecke nach Kräften ausnutzt und ihr in fast allen Punkten folgt, macht sich ein deutlicher Unterschied bemerkbar: Nach I^aiiibelm haben nämlich die Inden nach dem Kriege kern anderes Ziel verfolgt, als Deutschland so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu brkngen. So heißt es (S. 15), daß „die Juden sich nach dem Kriege zusammenfchLosicn, um eine Zerslückeluttg Deutschlands zu verhindern." Auf S. 92 wird bedauert, daß Polen keine Großmacht geworden sei. Auch dies hat der politische Einfluß des Judentums verschuldet. Auf S. 88 schreibt Lambelin: „Die größte Mehrzahl, wenn nickt die Gesamtheit der Juden ergriff während des Krieges Partei für die Mittelmächte und fühlte sich mit Deutschland solidarisch." Leite 168: ,.Tie internationale Großstuauz hat dadurch, daß sie die finanzielle Stabilität Deutschlands wiederherstellte, dein Lande einen überraschenden industriellen Wohlstand gesichert, der seine wirllchastliche und politische Mcdererhebuug herbciführt. Ucberhaupt kann man festsLelle«, daß (Fortsetzung von Seite 422J auf: dLe ArbeiL für die Zukunst. Jews andere Volk erhält sich durch natürliches Wachstum, weil jedes neue Glied hineingeboren wrrd in das Volk. Zu unserer Erhaltung genügt nicht, daß "immer neue Geschlechter geborenwerden: sie müssen auch erzogen w e r d e n i m G e i st e d e r T h o r a, die unser Bindeglied ist. Bei anderen Zollern wird das geistige Niveau durch Erziehung der 4lajicn fojtmnnt, aber ihre Existenz ist nicht an sie geknüpft. Unsere Welt aber besteht nach einem'Talmudsatz nur durch den Hauch der Kinder des LchrhauseS. Was imZ erhält, ist unS nicht angeboren und wcrd uns nicht in die Wiege gelegt; wir müssen das. Um-, wir ererbt, erst erwerben durch Erzieh u n q und N n t e r r i ch t. Aus der Erhaltung und 'Verbreitung unserer Thora beruht also unser Leben, darum hatte Rabbi Jvchanan ben Sakkai recht, wciui er die Errichtung des Lehrhauses erwirkte. Leibuiz sagt einmal: mir die Jugend — ich schasse ein Jahrhundert/ Unsere Geschichte hat bewiesen, baß nicht ein Jahrhundert, sondern 'mehrere Jahrtausende durch sie geschaffen wurden, denn der Midrasch zu nuferem Trauerbüchlein Bella sagt mit Recht: „Solange die Kinder rnr ^ehrhanfc z w i t sch e r n . kannst du sie nicht überwinden." 'Z?1 bleckst jd.3 Lehre des Ti so ho beaw das alle Wort wahr: ,/cteuet feicic cdiuicv auf und mach: einen Jan-: um die Lehr?/ Rabbiner Dr. Ncnfeld (Elbing). die Juden eine starke Verehrung für Deutschland' an den Tag legen, obwohl sie in Deutschland oft schlechter behandelt wurden alb irgendwo anders. Sie haben während dcö Krieges, besonders in Amerika, Italien und auf dem Balkan, allgemein für Deutschland Partei ergriffen und auf ihren Einfluß ist cs zurückzuführcn, wenn in den Versailler Friedcnsvcrtrag gewisse für Deutschland güusrige Bedingungen ausgenommen wurden und wenn die späteren Verträge Den Fricdenövcrtrag milderten." Tief? Urteile eines verbissenen Antisemiten mögen genügen. Zahllose andere konnte man mit Leichtigkeit hinzufügen. Im übrigen steht Lambelin dem Judentum kaum anders gegenüber als bei uns etwa Ludendorss. Das Freimaurertunr und der Jude sind ihm eins: „Tie engen Beziehungen Zwischen Judentum und Freimaurerei sind so offensichtlich, daß niemand sie mehr zu leugnen wagt. Das Judentum der Kabbala und die Freimaurerlogen bedeuten das Ende der christlichen Zivilisation." (S. 211 l) Auch im übrigen ist Lambelin ein unverdächtiger Kronzeuge. Er will dem französischen Juden das Recht aberkannt wißen, Offizier, Beamter, Abgeordneter oder auch nur Lehrer zu werden — er wird also auch in dieser Hinsicht unseren Völkischen recht sympathisch sein. Nur in einem Punkte werden die antisemitischen Doktrinen diesseits und jenseits des Rheines vermutlich kaum zu einer Einigung kommen, in der Frage, welche Stellung die Inden in aller öerren Länder im Kriege und in der Nachkriegszeit z u Deutschland ein* genommen habe n. Mit welchen Argumenten werden mm die deutschen Antisemiten diesen Abschnitt im Lehrgebäude ihres sranzösi?chen Gestnn11ngsaeno]lcn bekämpsen? Liebet euren Nächsten! Das politische „Kasseler SonnLagödlaLL". In Kassel erscheint als „Christliches Wochenblatt für Mitteldeutschland" ein Kasseler Sonntagsblatt, das von der evangelischen Landbevölkerung in' Kurhepen, Oberhessen, im östlichen Westfalen, südlichen Hannover und weit darüber hinaus in Zehntausenden von Eremplaren gelesen wird. Die Bedeutung eines solchen Blattes ist nicht zu unterschätzen, wenn es auch nicht das Format, die Fülle der Nachrichten und den Leserkreis eines Weltblattcs hat. Dafür ist es für solch ein Blatt viel leichter, sich das Vertrauen seiner Leser zu erhalten, denn es gibt ihrer Glaubensüberzeugung Ansdruck, ste erkennen die Autorität der abgedruckten Bibelstellen, Gebete und Predigten an und übertragen sie unwillkürlich auf das Blatt, das häufig ihre einzige Zeitungslektüre bildet. Tiefes „Kasseler Sonntagsblatt" nimmt in jeder Nummer Stellung zu den politischen Ereigninen. Bei dem Berichterstatter eines Sonntagsblattes kann man den politischen Weitblick führender Männer nicht voraussetzen; wohl aber muß man auch von ihm verlangen, daß er sich der V e r a n t w o r t u n g b e w u ß t ist. die ihm das Vertrauen seiner Leser auferlegt, daß er ihnen keine Informationen gibt, die gegen Wahrheit und Gerechtigkeit v er ft^o ß e n. Diese primitive Forderung verletzt das „Kaneler Sonntagsbtatt" aber.ständig den jüdischen Volksgenossen gegenüber. Hier wendet es die bei den Antisemiten so beliebte Methode an. alles, was ihm politisch unangenehm ist, als „jüdisch" zu charakterisieren. Allein in den letzten sechs Nummern lesen wir die folgenden Sätze: Ter französische Jude Basch darf unter Tuldung der preußischen Regierung in Berlin Deutschland auf das schärfste schmähen und den Franzosen Handhabe bieten, neue Repressalien gegen uns zu crgreiseu. Tas IudcublaLL „Frankfurter Zeitung" wünscht, daß trotz des Unrechts des Colmarcr Urteils Frankreichs Ansehen in Elsaß-Lotnringcn nicht gemindert wird: in seinem -sinn ist cs, wenn Deutsche ihre Teuckchstämm'igkeit und deutsche Sprache verleugnen. Am Rhein trifft man viel mehr Nationalgcsühl als im Iufrcn- BerUrr. Wenn die Demokraten keine jüdischen Geldgeber hätten, wären sie längst aus dem politischen Leben verschwunden. Der jüdische Rechtsanwalt Landckäerg lehnte im Reichstag die Begnadigung der sogenannten Frrnemöreor ab: dabei_ bandelte es sich um Männer wie Oberleutnant Schulz, dem wir cs mit seinen Kameraden danken, daß nickt weiter deutsches Land verloren gegangen ist. Tie verurteilten Staatsanwälte Tr. Pelzer und Tr. Easpari verdienten statt eines Vernxstscs von Volks und Rechts wegen eine Ehrung. Alan kann es ihnen wahrlick nicht übel nehmen, wenn sie versucht haben, durch Artikel in der Presse die Oesreirtlrctstert für die Durchführung des Strafverfahrens fegest Zwei jüdische Schieber zu ermöglichen. Auch unter den Sozialdemokraten gibt cs vernünftige Leute. Leider können sie sich gegen die Berliner „VorwärLs"-Iudcrr in der Parteileitung nicht durchsetzen. Der Reicksbankpräsident schacht soll nicht wicdergewäblt werden, weil cr durch Drosselung der Ausländsanleihen den jüdischen G r o ß b a n k c n nickt angenehm ist. Darum ist c? sehr Wohl möglich, daß man an seine Stelle einen dem jüdische»: Großkapital gefügigen Mann sehen mvebte, und zwar Oerrn Tr. R c i n h o l d. Er wird gewählt Vom Gv'neralrat, der aus sieben Ausländern und sieben Deutschen besteht. . Unter freu „sieben Deutschen" befinden sich rnindesteno drei Inden, wenn nicht gar vier. Weiß ein Wrxlpmbla.it, das sich „christlich" nennt, nichts anderes über die Juden zu sagen als derartige gehässige Phantasien, kennt cs wirklich keinen lw sie reu Weg. seine christliche Nächstenliebe zum Ausdruck Zu bringen?

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