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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-27 · 30 (27.7.1928) · p. Seite 421

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
30 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 421 (sequence 1)
Language
German
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I I i! \! i I ■'^WS, 2j j l /y [y Herl in, TTTjvXl 192S VEL Jafytßang * Nr. 50 _ Einzelnummer 10 p fett rüg .ipp.'v-p.ij-:/ BrrrtcliahrsLbonneurent x'-—3\il^GrT\Oir\© Z*01l!ir\qd0S OudsnllimS 3,^0 RM. (i^Sügl. Bestellgeld). - Bnlaa a. e^nfildiung: $ezlin SW €3, mnöenftr. 13 $ezrJ?Tt$ez: Amt Dönhoff 3594,5595. .:. PosilcheStonto: Berlin 5-5472. .:. Dankkor.ro: Dresdner Dank, Dcch!r> stütz- O, Berlin SW 63, fiinfcenftr. 7, und von Goldschmidt-Noth'chUü L Co.. Berlrn WZ. Alleinige Anreigrnannahme: Annoncen.Sxpedirion Rudolf Mosse, Berlin SW IS. und deren Filialen. Anzeigen-:eise,: 0,S5 tf.H sür dir Tßefpatiene 3«jJe ncö ^ndo f Mosies Normalzeilrnrncuer Rr. 4, Familienanzeigen und Siellengesuche (nicht Ltellenangetzste) für Mitglieder d. Erntralvererns Q,L> JlJi, tue 90 mm vielte ^craainszei.e ISv'V' VTVf I! '■!/< Mi Aßs yr liwU J/ WfD sAA^ÖaM 'U1 o \S>' W K V '^^0 ’vW. VW 4-/4-1 5 0: V V W v y v*) <4 v § V^vv£i>$i <07^ i?4 A*V?5 >*- it sllit I fei« Die Erforschung der Geistigkeit der deutschen Stämme, ihrer geistigen Eigenart und ihrer Einwirkung ans die Entwicklung der Nation in geistiger Hinsicht fängt an. Lebhaftes Interesse.zu erregen. Es sind bedeutungsvolle Publikationen erschienen, die versuchen, hier Licht zu verbreiten und den Anteil festzustellen, der den einzslnen deutschen Stämmen atu geistigen Leben der Nation eigen ist. In der Bücherreihe der Sammlung „Wistenschaft und Bildung" hak Dr. Th. Lenschan über die deutschen Stämme und ihren Anteil am Leben der Nation geschrieben.' Der Literatursorscher Prosepor Joseph Nadler betrachtet in einem Werke „Die Literaturgeschichte der'deutschen Stämme und Landschaften" die Beziehungen, welche die deutsche Literatur zu den einzelnen deutschen Stämmen hat. Er sieht in jedem deutschen Stamm gewisse Merkmale geistiger Art. In diesen spricht sich nach ihm das Besondere ans, das jeder Stamm besitzt, das ihn zu seiner Rolle im geistigen, insbesondere i m literarischen Leben der Nation befähigt. In einem anderen Werke „Ceistesgeschichtliche Stammes- und Landschaftslehre" wendet er seine Anschauungen hierüber auf das ganze Geistesleben, auch auf das politische Leben und Strebcu an. - Es ist sehr fraglich, ob solche Betrachtungen zu den Quellen des deutschen Geistes führen, uns die deutsche Klassik und die deutsche Romantik in ihrer Genesis erklären und uns den Ursprung der geistigen Strömungen und Neigungen deutlich machen können. Denn die deutschen Stamme sind nicht so scharf geschieden, um in ihnen Besonderheiten mächtig werden zu lassen, welche sie in ihren geistigen Beziehungen und Triebkräften scharf trennen. Es ist noch nicht einmal sicher, ob die Trennung des deutschen Do lies in Stämme von der heutigen Gestalt so alten Datums ist. W>enn nämlich die sprachliche Eigenart der Stämme in ihren Dialekten liegt,, so müßten gemäß den Ergebnissen der Dialektforschung die stamme in ihrer heutrgen Form sich erst im Mittelalter gebildet haben. Jedenfalls sind die Stamrnesgrenzen von jeher etwas Flüssiges gewesen. So hat man im späten Mittelalter plattdeutsch dis über die ^.inie von N ordhanse n bis Halle gesprochen. Noch vor 50 Jahren ging die Dialektgrenze zwischen Plattdeutsch und Mitteldeutsch weiter südlich als jetzt. In der Mark herrschte noch im 16. Jahrhundert allgemein die plattdeutsche Sprache. Irl den Zeiten des © roßen fo u r f ü r ft e n war die K i r ch e nl b tt ch e Berlins plattdeutsch. Nirgendwo heben sich au den Stammesgrenzen die Stännue ab, überall gibt es ^^ftgänge. So ist die Bevölkerung N i c d e r s a ch s c u s 1-1)011 '^unover in auffälligem Maße im Wesen und vorslngen Hausbau den Frauken und Thüringern angenähert. Dw Franken am Niederrhein weisen Züge aus, d:e an W cst s a l e n gemahnen. Nördlich von D ü s s e l - o o r f pnd die N i e d e r r h o i n s ä über, die man genoohnlich unter die Franken e'mreiht, mehr Westfalen als Franken, im Berg i schon und nördlich von Duisburg kaum von den Westfalen zu unterscheiden, was das Landvolk anbelangt. Es ist noch nicht lange her, daß das westfälische Bauernhaus nördlich der Gegend von Mors, Düsseldorf und des Wuppertals das gewöhnliche ländliche Haus war. Südlich des Mains stellen die Leute an der M o sel, an der Saar, am Rh ein von Koblenz auswärts, in der Pfalz U e b e r g a n g e zwischen Franken und Alemannen dar. Diese Gaue sind alter suevüch-alemannischer Boden, der durch den Sieg Chlodwigs bei Zülpich von den Franken erobert ward. Offenbar haben sich die fränkischen Eroberer mit den alemannischen Einwohnern gemengt, die jene vorfanden. Nadler teilt in seiner „Geistesgeschichtlichen Stammeswib Landschaftstehre" (Philosophische Taschenbücher) die Deutschen in eine römische und nichtrömische Gruppe. Die Deutschen, die, wie Franken, Alemannen und Bayern, dort sitzen, wo Rom Jahrhunderte herrschte oder doch über seinen Herrschaftsbereich hinaus den Einfluß seiner Kultur auh die benachbarten Germanen entfaltete, sollen durch die römische Einwirkung eine spezielle GeistrsversassungenvOrben haben, die anders fein soll als die der Sachsen und Ostdeutschen. Aber fragen wir: Gilt diese nicht auch teilweise für den sächsisch-friesischen Stamm? In denen Gebiet haben am Niederrhein, in Westfalen, in den Niederlanden - auch die römische Zivilisation, die römische Kultur ihre Macht ausgeübt. Und sind die Ostdeutschen nicht zum großen Telle aus Frauken, Alemannen, Bayern, aus Niederländern und Niederfranken zusammengewachson, die. ihre Erbschaften aus der römischen Zeit nach dem Osten trugen, im Verein mit Friesen und Westfalen, die gleichfalls mit solchen Erbschaften ausgestattet sind? Tie Ostdeutschen wenigstens im ^tromland der Oberelbe, der Oder, in vielfacher Hinsicht in der Mart, in Ostpreußen müssen also auch mit jenem Geiste durchtränkr sein, der von -/com her gestaltet worden ist, müssen alw geistig den Leuten von der ..römischen Gruppe." verwandt sein. Nadler mgt vom fränkischen Stamme, daß „das letzte Mysterium Europas sich in ihm vollendet" habe'. „Fränkische Schöpfung ist die klassische Bildung der Deutschen." Zu solchen! 'Glaube)! kann mau nur kommen, weil die höchste Vollendung der klassischen Bildung Goethe, der Frankfurter, war. Aber alle anderen großen Vertreter dieser Bildung waren keine Franken, nicht Schiller, der Schwabe, nicht Lessing, der Lausitzer. Frauken waren nicht Wieland, der Schwabe, Herder, der Ostpreuße aus Mohrungen, Klvpstock, der 5; Vnn UI2 nfc üiu I- 'M f 2 % I I :t

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