Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 29 (20.7.1928)
- Date
- 1928-07-20
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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414 ßdwenfclb nrünicn 1840 die F'riedenshütLM Friedländer zu Ehren wird das große Eisenwerk bei Beutheu von seinem Sohn Morihhüne genannt. Die Friedländersche Familie, daneben die Firma Cäsar Wollhei m, tragen durch ihre führende Stellung int Kohlenhandel, aber auch durch ihren starken Einfluß auf die oberschlesischr Kohlenindustrie und die Oder-Schissswerften sehr zur H e b u n g d e r o b e r s ch l e s i s ch e n Wirtschaft bei. Die Ncbenprodukre-Gewinnung, heute von größter Bedeutung für die chemische Industrie, geschieht durch die unter Fricdländerschcnr Einfluß crrichrcieu „Oberschlesischen Kokswerke'K In Niederschlesien sind deutsche Juden die Förderer der großen schlesischen T ex t i l i n d u st r i e. Tie Lei neuivebereien von Albert H a in b u r g e r, von F. V. G r ü n s e l d in Landeshut. von S. Fr a e n k e L in Neustadt, von Fritz F t a c u t c l in 6 o r a u , die Baumwollspinnerei der Nt e Y e r - K a u s f - m a n ü - W e r l c in W ü st e g i ers'd o r s sind heute mit die ersten Werke'ihres Gewerbes.- , . In Berlin gründet 1864 der aus' H e i t\ g en st a d t in Thüringen stammende Ludwig Löwe zunächst ein Geschäft für Werkzeugmaschinen. 1869 wandelt er es bereits in die noch heute bestehende weltberühmte 'Aktiengesellschaft um. Er errichtet eine Fabrik, in der er als Deutscher zuerst versucht, amerikanische Werkzeugmaschinen nachzuahmen und ebenso die Nähmasästneusabrikation aufzunehmen._ Sein Unternehmen hat ursprünglich mit vielfachen Wechselsällen zu kämpfen.-' Erst die Gewehrsabrikatiou ermöglicht ihm einen Aufstieg. Aber diese Erzeugung ist nur von vorübergehender Dauer, und Löwe versteht es, seinem Werke in der Anfertigung von Werkzeug-, aber auch Dampfmaschinen die rührende Stellung zu geben, die cs noch heute in der deutschen Industrie besitzt. Inprnm ykhiuijnui '44 v 44 ü 6 Bemerkungen zu einer Schrift von Freud. Von Prof. Dr. Erich Stern (Giesten und Mainz). Als im vorigen Jahrhundert die Naturwisienschasten einen großen Aufschwung genommen hatten, da griff die Anschauung um sich, daß sie allein wirkliche Wissenschaften seien. In engem Zusammenhang mit dieser Einstellung steht auch die Auffassung, daß nur das Greifbare und Faßbare Wirklichkeit besitze und daß alles als Täuschung abzulehnen sei. was über dieses hinausgreife. Insbesondere versuchte man das U c b c r n a t ü x li et) e, in erster Linie die Religion als eine Selbsttäuschung des Menschen hinzustellen. Es muß dabei vor allem aus Fcucrbachs groß angelegten Versuch, die psychologischen Wurzeln des religiösen Lebens aufzuweisen und damit ober: die Religion gleichsam zu entlarven, hingewiesen werden. Seitdem kehren ähnliche Bemühungen immer wieder, ohne daß eigentlich wirklich)? neue Argumente beigeoracht worden sind. Das gilt auch von Freuds letzter Schrift „Tie Zukunft einer Illusion"*), die die Religion als Illusion saßt: Diese Illusion gilt es zu zerstören, den Himmel „den Engeln und den LpatzerM zu überlasten und sich zur Realität — zur irdischen Wirklichkeit — zu bekennen, zu lernen, sich in die Gemeinschaft einzufügen, ihren Forderungen zu entsprechen, auch ohne die Furcht vor Strafe im Jenseits oder ohne Hoffnung, daß uns später ein besonderer Lohn zuteil würde. Wir sollen lernen, von' unserem Verstände Gebrauch zu machen und ihn nicht dadurch einzuengen, daß wir weite Strecken dem Denken entziehen und Kritik und Zweifel unter Strafe stellen. Freud selbst betont, daß er in seiner Schrift „nichts gesagt, was nicht andere, bestere Männer viel vollständiger, kraftvoller und eindrucksvolles vor ihm gesagt haben. Er selbst habe nur etwas „psychologische Begründung" hinzugefügt. Diese halt sich naturgemäß im Rahmen der Psychoanalyse: das Kind ist an die Eltern gebunden, von ihnen erwartet es in den kleinen Nöten seines Kinderlebens — die für das Kind im übrigen durchaus nicht klein sind — Hilfe, aus sie vertraut es. Zugleich aber fürckstet es sie, die ihm wesentlich überlegen sind und seinem Begehren schranken setzen.' Vor allem gelten Liebe, Vertrauen, Furcht dem Vater. Ter Heranwachsende Mensch überträgt diese Haltung nun auf einen Vater, den er sich selbst schafft, auf Gott, der gleichsam eine B a t e r i m a g o, Vatercrs'atz und Vatervergrößerung ist. So entstammt die Religion letzten Endes infantilen Wünschen, sie ist eine Form der Wunscherfüllung, die in einer Ebene liegt mit dem Traum und der Neurose, sie ist die große allgemeine Zwang s n e u x o f c der Menschen, die es zu überwinden und durch Arch>assung au die Realität zu heilen gilt. Wir sollen das Morden nicht lassen aus religiösem Zwang, d. h. aus Furcht vor der Strafe im Jenseits, sondern aus Einsicht in die sozialen. Zm a mm. en hange und Anpassung audiese. Wi-r sollen keine Theorien ausstellen über das Leben nachdem Tode, sondern uns bei unserer Erkenntnis und Deutung der Wirklichkeit einzig und allein der Wissenschaft überlassen, ausschließlich sie ist imstande, uns zu führen; verlassen wir ihren Boden, so geben wi-r uns Illusion:;- hin und verzichten auf eine Erweiterung der Erkenntnisse. die nicht das Gefühl, sondern allein das Denken uns zu bringen vermag. Das sind in großen Zügen die Gedanken, die Freud in seiner Schrift entwickelt; er selbst muß Zugeben, daß er sie ebensowenig beweisen kann, xvi: der. Fromme das Dasein Gottes zu beweisen vermag; er weiß ferner, daß er den. Gläubigen durch, seine Ausführungen nicht bekehren, daß dieser vielmehr weiter, an seinem 'Glauben hängen wird, und er muß zugeben, daß auch sein Weltbild kine Illusion bedeutet, nur meint er. eine weniger gefährliche Illusion, denn sie bedrohe den, der sich gegen sie wende, nicht mit Strafe, sie sei nicht unkorrigierbar, sie vermöge es, sich der' Wirklichkeit weitestgehend anzupasfen und sogar sich selbst aufzngel^n. wenn ihre Haltlosigkeit bewiesen sei. Freud erweist sich in seinem Buche als Vertreter des N a t u r a l is rn u s, wie er im vorigen Jahrhunderd hcrriclxurd war, und er teilt mit ihm die VerabwluLierungder Wissenschaft, die über ihre Grenzen hinausioächst und Zmn'alleinigen und aus¬ *) Internationaler Psychoanalytischer Verlag, N>28. schließlichen Organ der Weltdeutung wird. Dieser Naturalismus ist in der Philosophie der Gegenwart, ja selbst in. den Naturwissenschaften irnb in der Medizin bererts überwundem wenn auch die letztere besonders zäh an ihm festhält. Schon Goethe hat hervorgehoben, daß die Summe unserer Existenz, durch Bermmsd dividiert, niemals restlos aufgehe, sondern daß immer ein wunderlicher Bruch übrig bleibe — au diesen kommt die Wissenschaft nie heran. Die Welt erschließt sich aber nicht nur im Erkennen, sondern auch im künstlerischen und religiösen Erleben, das etwas von diesem „wunderlichen Bruchs in sich aufzunehmen vermag. Gewiß ist die Wissenschaft keine Illusion, aber der Nachsatz: „Eine Illusion wäre es, zu glauben, daß wir anderswoher bekommen können, was sie uns nicht geben kann", trifft n'cht zu. Zwei wesentliche Fragen scheinen mir bey Freud miteinander vermengt zu sein, indessen einer reinlichen, Scheidung zu bedürfen. Es sind durchaus verschiedene Probleme zu untersuchen, wie sich eine Erkenntnis im Menschen aufbaut, welchen Motiven ein spezielles Interesse entspringt, welche psychologischen Folgen eine Erkenntnis besitzt,' und welche objektive Bedeutung, welcher Wahrheitsgehalt ihr eignet. Daß Furcht und Hoffnung Motive sind, welche den. Menschen zur Beschäftigung mit religiösen Dingen treiben, daß sie in ihm eine Sehnsucht 'zu glauben wecken, wirdzugegeben werden müssen, besagt aber n ich t § g egen das Vorhanden sein einer höheren Wirklichkeit, die mit den. Mitteln unseres Verstandes nicht restlos begr i fje n werden ka> n n — was f Ö n u e n w i r ü b e r h a u p t restlos b e - greisen? Daß die'e „höhere Wirklichkeit" auch von dem anerkannt werden kann, der durchaus auf dem Boden der NaturNnssenschaften steht, hat kürzlich Dessauer eindrucksvoll nachgewicstu, wobei man freilich von dieser höhere» Wirklichkeit keine Wunder erwarten darf, rvelche die Naturgesetze durchbrechen-). Freud überschreitet mit seinen Aufstellungen meines-Erachtens die Grenzen des wipen schart! ich überhaupt Faßbaren, er bcgibt -stch aus den Boden der Weltanschauung, die wissenschaftlich nicht mehr zu begründen ist. Die Psychoanalyse ist ein „parteiloses Instruments -Ihre Ausstellungen behalten ihren Wert auch für den, der die weltanschaulichen Konsequenzen, die Freud hier vorlegt, ablehnt - . Thesaurus Philosophicus. Ter durch seine Arbeiten über Spinoza und Hermann Cohen, durch die Uebersetzung der „Ethik" Spinozas, sowie durch seine philosophischen Anthologien als philosophischer Schriftsteller in hebräischer Sprache bekannte Jacob K l a tz k i u ivar ganz besonders dazu befähigt, ein Lexikon^) der hebräischen philosophischen Terminologie zu schassen. In den beiden vorliegenden Bänden, die durch zivei weitere Bände ergänzt werden sollen, werden die Termini bis zum Buchstaben M behandelt. Ursprünglich Zum privaten Gebrauch des Verfassers bei seiner Nebersctzertärigkeit bestimmt, entdeckte der Autor bei der Sammlung der Termini zu seiner eigenen Verwunderung, wie reich die hebräische Sprache an bereits geprägten Terminis sei. Er wollte diesen Schatz der Allgemeinheit zugänglich machen in doppelter Hinsicht: Einmal, um durch die lexikalische Anordnung der Termini, denen die deutsche Uebersetzung beigefügt wird, das Studium der jüdischen Ro.ligionsphilosophie des 'Mittelalters Zu erleichtern, sodann, um die Kenntnis der Termini zu beleben und dadurch den Sprachschatz der hebräischen Sprache Zu erweitern. - So ist die Absicht des Werkes nicht eine philosophie-geschichtliche, die die Termini, in ihrer von den einzelnen philosophischen Schriftstellern gebrauchten sachlichen Bedeutung darlegen, sondern eine sprachwiyenschastliche, die den philosophischen Sprachschatz von mehr als einem Jahrtausend schriftstellerischer Arbeit darbicten null. Für dieses Unternehmen gebührt dem Verfasser herzlicher Dank und das Interesse für die Fortsetzung seiner Arbeit. Tr. A. Lcvkowrtz (Breslau) -) Dgl. hierzu auch die kritischen Bemerkungen von Hanse in feiner Schrift „Religion oder 2llusio:.'y eine Auseinandersetzung mit dem jünohnt Buche .Professor Freuds,'„Die Zukunft einer Illusion", Moritz Portes, Wien 1923. 3) Jacob Klatzkii'.: ..Thesaurus Philosophicus. Linguae Hcbrwra et veteris et-rcceatioris." ■ I u. II. Verlag Eschtol. Berlin 1928.'-