Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 29 (20.7.1928)
- Date
- 1928-07-20
- Page
- Seite 411 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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e%;/^vv';-Jvvw/^ ^JüuJi'WüOij mi MÄL^Ädö» §or ysliÜsKs öintsrgrund. — Die Nesiemkg finanziert bas Lnternehmm. - ..dm SntE der WaKhsitung Ler patristisÄrn Gesühle." — Auch für CHulkinöer. — §ie alle DolKstoslegense. So n derber ich t für d'i-e „C. V.-Zeitung". Budapest, 14. Juli. Die Negierung Berhlen beruft sich gern und oft darauf, daß sie nach dem Bolschewismus in Ungarn Ordnung ^gem allst habe. Heute kann man, das muß der Neid B e t h l e n laßen, tatsächlich selbst als Jude auch am Abend ohne Gefahr für seine körperliche Sicherheit seine Wohnung verlassen, ein Unternehmen, das vor sieben oder acht Jahren nicht ratsam gewesen wäre. Für den europäisch denkenden Menschen muß cs merkwürdig klingen, daß die Regierung eines geordneten Staatswesens sich dessen rühmt, daß auf dem von ihr verwalteten Gebiete nicht mehr straflos gemordet werden kann, doch was für Augen wird der Europäer erst machen, wenn er erfährt, mit welchen Methoden diese „Konsolidierung" erreicht wurde. . . Die weißen Mörder bekamen zunächst in Bausch und Bogen Amnestie. Offiziell nur diejenigen, die „nicht aus Habsucht" gemordet hatten, doch tatsächlich gingen auch die, die ihren Opfern Geld und Wertsachen weggcnommen hatten, straffrei aus. Mit der Amnestie war es aber noch nicht getan. Die unruhigen Gesellen, die in der Negel nie einen richtigen bürgerlichen Beruf gehabt hatten, ließen nicht so leicht von ihrem einträglichen Handwerk. Die „Patriotische Empörung" hielt weiter an, das heißt, es wurde weiter geinordet und geraubt. Es mußte eine, zweite Amnestie erlagen werden. Und hier selche dann die spezielle Konsolidicrungskunst des Grafen Vethlen ein: er sorgte für ein „anständiges Fortkommen" der Gesellen d e § I v a n H e j j a §. Zu in Teil veranlagte er ihren Uebertritt in die . verschiedenen „patriotischen" Organisationen, die sich das neue Negime inzwischen selbst geschaffen hatte — zur Abwehr gegen etwaige Bewegungen der Arbeiter und der hungernden besitzlosen Landbevölkerung. Ein anderer Teil der Weißgardisten — die Gesellen, die sich in den neuen Organisationen nicht disziplinieren ließen — wurde anderweitig versorgt. Die einen wurden als Beamte der Straßenbahn angestellt, das heißt, sie wurden dort evident gehalten und bekamen Gehalt, ohne natürlich je ^ur Arbeit zu erscheinen, die anderen bekamen einen ruhigen, sicheren Posten bei der Steueradministration, wieder andere wurden mit fetten Einkünften als Umsatzstcucrkontrolleure untergebracht, noch andere bekamen rvertvolle Konzessionen, sei es zur Ausfuhr von Agrarprodukten, sei es. daß man ihnen die den Juden weggenommenen Schank-, Tabak- und Kinokonzessionen ausliesertc! Sie machten dann in der Regel ein „Kompagnicgeschäft" mit dem alten Eigentümer: dieser durste weiter arbeiten, mußte aber das Einkommen mir den: in beschaulicher Zurückgezogenheit lebenden neuen Konzessionär teilen. Wer hatte es da noch nötig, sich täglich von neuem in Patriotische Empörung zu stürzen und die mühselige Jagd nach unvorsichtigen reichen Juden fortzusetzen? Bett) len ist das Konsolidierungswerk glänzend gelungen. Sieben Jahre sind seither vergangen. Allgemein glaubte nian. daß die Weißgardisten endgültig liquidiert seien, und der ruheliebende Bürger wußte dem Grasen Bethken noch Tank dafür, daß er die Sache, wenn auch in einer für den Staat nicht nmrdigen. aber doch sicheren und aufregungsfreien Weise erledigt hatte. Da passierte ein Fall, aus dem man schließen mußte, daß die Staatsgewalt es noch immer nötig habe, sich durch Liebesgaben diese traurigen Helden längst vergangen gewähnter Tage vom Leib zu halten. Einer der gefährlichsten. Gesellen des Ivan HJstjas, ein gewisser Koloman Zsabka. bekam aus staatlichen Geldern etwa 14 000 Mark — zur Herstellung eines Films. Es gibt in Ungarn einen sogenannten Filmindustriesonds, in den neben staatlichen Subventionen die hohen Beträge fließen, die die Filmimporteure als Gebühren für die Zulassung und die Kinobesitzer für die Zensurierung ihrer^ Filme zahlen. Dieser Fonds ist offiziell dazu bestimmt, die Herstellung ungarischer Filiue zu finanzieren, doch wurde noch kein einziger vernünftiger ungarischer Film produziert, sondern die Riesensummen des Filmindnstriefonds werden für die phantastischsten „patriotischen'''' Zwecke verzettelt. Als „patriotisches" ViTtcr* nehmen ist auch das Zsabkasche aufgezogen. Er hat es übernommen, einen großen ungarischen P r o p a g a n d a f i l m zustandezubringen, der die ungarische Geschichte seit Ludwig K o s s u t h bis auf unsere Tage — natürlich nach den Vorstellungen der n a t i o n a l i st is ch e n R e a k t i o n — darstellen soll. Zsabka war nie Filmfachmann, hat überhaupt nie mit dem Film etwas zu tun gehabt. Der einzige Nechtsütel, unter dem ihm die 14 000 Mark angewiesen wurden, ist seine Vergangenheit als Weißgardist. Als solcher hat er einfach Anspruch auf irgendeine Versorgung e r - hoben, und er hat sie bekommen. Er wird nämlich nicht nur wenigstens die Hälfte der für die Herstellung des Propagandafilms bestimmten Summe einsteckcu, sondern wenn er für den schäbigen Rest dann irgendein Flickwerk hergestellt haben wird, wird es ihm nicht schwer sein, bei der zuständigen Behörde durchzusetzen, daß alle Kiuothealcv verpflichtet werde::, den Zsabkaschcr: Film ,,iur Interesse der Wall-Haltung der patriotischen Gefühle" irr alle ihre Aufführungen cinzrrfügcrr — fein sch Lech Leo Geschäft! Sicher wird der Besuch der Vorstellungen des Zsabtascherr „patriotischen" Filmes auch für die Lchultinder als obligatorisch erklärt werden. Das Geschäft ist von vornherein so sicher, daß Zsabka auch von einem Kinounternehmer Geld bekommen hat. Die 14 000 Mark würden ja, selbst wenn Zsabka den ganzen Betrag in das Unternehmen investierte, nicht ausreichen, er mußte daher noch Privatgeld in Anspruch nehmen. lieber das Sujet des Films hört man. daß es über den historischen Hintergrund, die Jahre der Kossuthschen Freiheitskämpfe, nur so eu passant hinweggleiret, während die Geschichte der letzten Jahre um so liebevoller behandelt wird: der Weltkrieg „unter besonderer Berücksichtigung der heroischen Haltung der magyarischen Truppen", zwischendurch natürlich — Zsabka wird doch auch als Filmfabrikant seine weißgardistischo Vergangenheit nicht verleugnen — jüdische Rechnungsunterosfiziere „fern vom Schuß", dann die „jüdische" Revolution des Jahres 1918 und der noch „j ü d i s ch e r e D o l s ch e w i s ni ii s", schließlich die glorteidie Aera der „nationalen Wiedergeburt" — mit Zsabka in höchsteigener Person als Hauptdarsteller! Das hat er sich nämlich, als er mit einem ungarischen Regisienr das Unternehmen in Gang brachte, Vorbehalten. Wenn er seine Rolle auf Grund seiner - eigenen authentischen Kenntnisse der Vorgänge der Jahre 1919 bis 1921 spielt, wird sie sensationell werden. Einen breiten Raum nimmt im Zsabka scheu Film die Dolchstoßlegende ein, natürlich streng a n t i s e m i ti s ch aufgezogen. Die Juden haben 1918 verhindert, daß die „in vollster militärischer Ordnung, mir der Waffe in der Hand" vom Kriegsschauplatz heimkehrenden ungarischen Soldaten die alten ungarischen Grenzen gegen den siegreichen Feind verteidigten, sie haben die Entente kniefällig gebeten, Ungarn aufzuteilen, und da ihnen das nur zum Teil gelang, machten sie dann den Bolschewismus, der der Ausgangspunkt der Weltherrschaft der Juden werden sollte. Und so weiter. Was es nur an Borniertheit und Verlogenheit in der Rüstkammer des Antisemitismus gibt, wird da restlos in die Erscheinung treten. / / ' t {Fortsetzung von Seite 410.) Hermann Oncfcn in seiner Lassalle-Biographie das Elternhaus seines Helden folgendermaßen beschreibt: „Der Vater herzensgut, hitzig und weich . . .. die Mutter zänkisch. durch und durch unfein und kleinlich, das Ganze eine Sphäre von betulichem Sentiment, weichlicher Unkultur, ewigen häuslichen Szenen und ewiger Gclderörterung. Die großen Männer unseres Volles sind aus anderen Elternhäusern hervorgegangen." Allein welche Perspektive eröffnet sich, wenn derselbe, einem solchen Milieu entstammende Jüngling schon vierzehnjährig bekennt: „Ebenso kämpfen in meinem Innern zwei andere Extreme. Soll ich klug lein, soll ich tugendhaft sein in meinem Leben? Soll ich den ' Mantel nach dem Winde hängen, den Großen schmeicheln, mir durch seine Intrigen Vorteile und Ansehen erschleichen, oder soll ich \vk der trotzigsie Republikaner auch au der Wahrheit und Tugend halten, alles andere nicht beachten und nur daraus ausgeben, dem Aristokratismus den Todesstoß versetzen? Aber nein, ich will, obwohl ich dazu Talent hatte, kein lächelnder feiger Hofschranze werden! I ch will den Völker!: die F r e i h e i t v e r k ü n d e n. und sollt' ich im Versuche untergehen. Ich schwöre es bei dem Gott über den Sternen, und Fluch mir, wenn ich je meinem Schnurr untreu werde!" Es läßt sich aus dem Dorangogangenen unschwer entnehmen, daß in L a s s a l l e s Brust der Ghetto-Jude und der emanzipierte Jude miteinander rangen. Und es ist symbolisch für die Haltung des jüdischen Deutschen, daß Lass alle den Weg des letzteren gewählt har.