Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 28 (13.7.1928)
- Date
- 1928-07-13
- Page
- Seite 402 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Mische Gaststätten. Leipzig, den 7. Juli 1928. An die Schriftleitung der „C. D--Zeitung^. Wer aus der Reise rituell nach den Vorschriften der jüdischen Religion leben will, muß ein jüdisch geführtes Hotel oder ein Restaurant dieser Art aussuchen, wo er sicher ist, daß ihm Speisen gereicht werden, die religiös erlaubt und. Tie Notwendigkeit jüdischer Gaststätten für den orthodox und konservativ gerichteten Teil der jüdischen Bevölkerung kann gewiß nicht bestritten werden. Fraglich ist nur, was der Centralvereiu, der doch lediglich der Erkämpsurg der Gleichberechtigung und der Erstarkung des jüdischen S e l b ft b e w u ß t s e i n s dient, mit einer Angelegenheit zu tun hat, die lediglich rclig'öser Natur zu sein scheint. T-em ist aber in Wahrheit nicht so! Ter C e n L r a l v e r e i n ist oft gezwungen, sür Wünsche der Iudcnheit cinzuireten, die nur gewisse Gruppen seiner Mitglieder mtercssieren. So hat er seit d-:r Zeit seiner Gründung immer wieder sich mit dem Schächten beschäftigen müssen, um den Angriffen gegen feine Zulässigkeit entgegenzutreten. Und im Interesse der Religionsfreiheit und der Gerechtigkeit hat er viel Kraft darauf verwendet, obwohl gewiß nur ein Teil seiner Mitglieder sich durch ein SchLchtverbot persönlich in ihrem religiösen Gewissen, verlörst gefühlt hätte. Änd ähnlich ist es mit der' Frage d-er jüdischen, rituell geführten Gaststätten.' Der Centralderein ist längst über den bloßen Abwchrstandpunkt hinausgegangen, und die sozialen-Fragen, die wirtschaftlichen Bedürfnisse und die wirtschaftlicher? Nöte der -Juden stehen im Vordergründe seiner Bemühungen.- lind der Stand der jüdischen Gaststättenkigentürncr und der zahlreich in ihm beschäftigten Kräfte spielt im jüdischen Leben nicht nur religiös eine wichtige Rolle, sondern er bedarf auch ans rein wirtschaftlichen Gründen als Teil des Ganzen der Förderung aller allgemeinen jüdischen Qrganisationen und so auch des Ccntralvereins. Wenn darum die berufenen Vertreter des jüdischen Hotel- und R e stau ran tgewerbcs jüngst in ernsten Worten sich an die jüdische Teffcntlrchkcit gewandt und aus die große Notlage ihres Standes hingewiesen haben, so sei auch an dieser Stelle den Dingen ein Wort der Betrachtung gewidmet. Vor allem seit der Zeit, da im „Ver - ein jüdischer Hoteliers und Nestaurateure"" eine Interessenvertretung sür die beteiligten Kreise besteht, haben sich die Leistungen der jüdischen Gaststätten so vervollkommnet, daß sie den allgemeinen Betrieben durchaus gleichwertig sind. Sie leiden aber in ihrem Streben durch die Gleichgültigkeit des jüdischen Publikums. Sie erfüllen wohl eine jüdische Ausgabe, deren Notwendigkeit von allen denen anerkannt wird, die jüdisches Interesse haben und sür das Judentum cintreten, auch wenn sic nicht persönlich die Speisegesetze beobachten. Sie bedürfen aber hierin auch der Hilfe weiterer Kreise, die ihnen heute nicht zuteil wird. Und so sei dorn Wunsche der jüdischen Hoteliers gern Rechnung getragen, und es sei vor allem dem noch immer in manchen jüdischen Kreisen vorhandenen Vorurteil entgegcngetreten, als bringe .der Besucher eines solchen Betriebes ein Tpfcr. Die Zeit ist längst vorüber, da ein auf anderem Gebiet verkrachter Jude cs als Gastwirt versuchte und sich darauf verließ, daß seine Glaubensgenossen aus ihn angewiesen seien, und — im wahrsten Sinne des Wortes — alles schlucken müßten. Der Stand der jüdischen Restaurateure ist heute fachmännisch vorgebildck, und wer ihre Lokale besucht, ist gewiß ebensogut aufgehoben wie sonst überall. Und wenn man auch hier wie'sonst nicht etwa das Prinzip ausstellen wird und soll, daß bet Jude n u r dem jüdischen Betrübe sich zuwcndcn soll, so wäre vielleicht schon viel gewonnen, wenn cr ihnen nicht aus dem Wege ginge! Jnnerjüöifche Hefeieörmg. Chemnitz, den 7.Jali 1928. An die Schristleitung der „C. V-Zcitung". Zu dem Kapitel „Innerjüdische Befriedung' und der Forderung des Zionisten I a c v bs o h it: „Kamps gegen Unwahrheit und Unechtheit" _ möchte ich folgenden Beitrag dieser wahren Kampfesweise, wie die Zionisten sie aufsasscn, liefern. In Nr. 47 der „Jüdischen Rundschau" ist ein Artikel erschienen unter der Ueberschrift: „Ter C. B.-Revolutionär Mecklenburg vor Gericht", der in tendenziöser, wahrheitswidriger Weise über einen Beleidigungsprozey gegen die Herren Tr. Sichel und Scharf berichtet. Danach soll der Richter die Freisprechung begründet haben mit dem Sah: „Ied-ensalls sei die -Bezeichnung der Machinationen Mecklenburgs mit dem Ausdruck Schiebung keine Ucbcrtreibung." Tie Begründung des Urteils lautet aber wörtlich: „Nach den eidlichen Aussagen steht sür das Gericht fest, daß der Privatklager durch seine_ Handlungen in der Unterstützung-- angelcgenhcit des Vereins Dctb Israel keine finanzielle n Vorteile erlangen wollte und daß die Art der Durchführung der Unterstützung zulässig und cirrwandsrcr ist. Unter Schiebungen sind - aber Handlungen zu verstehen. die im Verkehrsleben nicht korrekt bezeichnet werden. . Der Angeklagte Tr. Sichel hat den WahrhLitsbeweis, insoweit eine materielle Schiebung vorliegcn soll, nicht erbracht. Dr. Sichel wollte lcdiglich durch das .Wort Schiebung die Gründung der Betüaus E.rn.b.Lv als jüdisch-poliiifcsses Ziel charakterisieren. Das Wort Schiebung wird in der Nachkriegszeit von vielen sehr schnell anacwcndet, das tat Tr. Siche! auch. Tie Absicht der Beleidigung i st ihm n i ch t nachzuweisen, daher ist Tr. Sichel der Schutz d<s § 193. Wahrnehmung berechtigter Interessen zuzubiliigen." Die Unterstellung des Berichterstatters der „Jüdischen Rundschau", der Richter hätte die Handlungsweise Mecklenburgs als Schiebung bezeichnet, ist daher eine glatte Unwahrheit. Wegen der von der Redaktion angefügten Bemerkung der fleckigen Finger Mecklenburgs, habe ich Strafantrag gestellt. Zur Sache selbst haben fünfzehn Mitglieder des Vorstands und der Verordne Len der Gcmcru.de EG:nrnitz. folgende Erklärung abgegeben: „Die Unterzeichneten erklären hiermit, daß Herr - Georg Mecklenburg (Chemnitz) seinerzeit die Fertigstellung des von dem Verein Uctii Israel, hier, angefangenen Bethanfrs mit Wissen und Billigung der Mitglieder des Vorstandes und Ausnahme der vier Mitglieder der Jüdischen Dolkspartei — in die Wege Geleitet hat. Tie gegen^ Herrn Mecklenburg erhobenen Beschuldigungen halten wir für nicht berechtigt. Wir haben im Gegenteil fein. Vorhaben dankbar als ein gutes Werk anerkannt." Carl Becker. Siegfried Friede, Tr. Emil Fröhlich, ^alo Gut .mann, Georg Sötz. Eduard Iosefson, Jose; Kahn, Georg Livpmann, Moritz Mecklenburg, Qslar Mayer, Wal che r Sachs, Hermann Schcndel, Ernst Schwab, Julius Steinberg, Tr. Arthur Weiner. Chemnitz, den 3. Juli 192$. Georg Mecklenburg (Chemnitz).; RommerZisrnat Mslf Wolf (Stuttgm'L): > ' 'gestorben. . Kommerzienrat Adolf Wolf in Stuttgart ist am 9. Juli nach kurzer Krankheit verschieden. Mit ihm verliert der Gcntralvcrcin eines seiner ältesten und treuesten Mitglieder, der Haupt- Vorstand, dem cr seit dem Jahre 1924 augehörte,' einen Mann von großem Einfluß und außcrccwShnlichcr. Erfahrung in allen Dingen des geschäftlichen Lebens. Einen unersetzlichen Verlust bedeutet sein Heimgang für den W ü r t t c m bergischen Landesverband d e Z C e n t r a l v e r e i n s. Als in den Jnslationsjahren die Mittel des Landesverbandes . völlig , versiegt waren und die Aushebung des Bureaus unabwendbar. erschien, da war es der Verstorbene, der zusammen mit. dem schon .früher dahingegangenen Hermann Simon kurz entschlossen die'Kosten des Bureaus übernommen und so die Fortführung der Vereinstätigkeit ermöglicht hat. Und wieder war cs Adolf Wolf, der ein Jahr später zusammen mit dem leider auch verstorbenen Konsul Max Levi mit einer Großzügigkeit sondergleichen, den Fin'anzverhältnissen des Landesverbandes das feste Rückgrat gab. Keine Arbeit für den Verein war ihm zu groß; wir durften jederzeit zu ihrn kommen und seine Hilfe erbitten: Er. der Vielbeschäftigte und von allen Seiten Umworbene, hatte immer Zeit sür uns. Er war.stets bereit, nicht nur selbst zu geben, sondern auch andere zum Geben zu veranlassen, und nichts machte ihm mehr Freude, als wenn cc auswärtige Mitglieder des Vorstandes, der Eeschästslertung oder auswärtige Redner in seinem Heim bcwillkornmenen durste. In den engeren Sitzungen des w ü r t t e m b e r g i s ch e n Arbeitsausschusses haben wir bis zuletzt seine weise II cbctlcgung, seine Freundlichkeit und Herzensgute bewundert. Es war ein ganz besonderer Borzug von ihm, daß er jede Meinung anhörcu konnte, daß er niemals blinde Zustimmung für die von ihm vorgebrachten Ansichten verlangte, ja i:n Gegenteil vorbildliche Duldung für gegnerische Ansichten und Mäßigung in der Vertretung des eigenen Standpunktes bewies. Einer der b c st e n M aitiier der deutschen und d e r w ü r t t e m h e r g i s ch c n I u d c n h e i t \\t mit ihm dahingegangeu. ■ 'Eigene VcrKaufstteHefs i*$ cZUn grossen - . Städten OszlsikJcn-lz. EfhäliiiJi in allen SpezLzlgesJiäfle»L