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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · p. Seite 399

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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399 EtrMrs MWAOrOZ. Das Echo Der Presie. Der natio„also;ialistischc Abgeordnete T t r a s s e r hat in Der Neve, die er am 6. Juli im Aufträge seiner Fraktion zur Regierungsbildung hielt, den Finanzminister Hilferding als einen „in Ofrgalizien geborenen negroiden Juden" bezeichnet. Er wurde vom Reichstagspräsidcnten Lobe aus dem Saal gewiesen. Wahrend die Linkspresse Straffer aufs schärfste verurteilt, erwähnt die Rechtspresse den Vorgang im allgemeinen nur kurz. Jnr einzelnen bemerkenswert sind die nachstehenden Prcsscstimmcn: Die „Germania" vorn 7. Juli: „Tie Sitzung selbst wäre ohne Zwischenfall verlausen, wenn es nicht der nationalsozialistische Abgeordnete Strasser für geschmackvoll angesehen hätte, einen schlechten Scherz zu machen. Das Rcichssinanzministerium wird von dem Sozialdemokraten Hilferding verwaltet. Wenn-Herr Ströper es für gut befand, den Finanzminister wegen seiner Zugehörigkeit zur^ jüdischen Rasse zu beschimpfen, so wird jeder anständige Mensch diese Methode so beurteilen, wie sie es verdient. Er wird sie als eine grobe Ungehörigkeit zurückwciscn. Wir stimmen dem Reichstagspräsidenten Lobe völlig der, wenn er wegen dieser beabsichtigten Verunglimpfung Herrn Strasser aus dem Saale wies. Das Parlament ist ein Kampfboden für sachliche Auseinandersetzungen, aber nicht für persönliche Beschimpfung. Es ist bedauerlich, daß die an sich sachliche Debatte durch diesen unliebsamen Zwischenfall gestört wurde." „Der Jungdeutsche" vom 7. Juli: . . Einen pikanten Beigeschmack erhielt die gestrige Sitzung des Reichstags auch durch einen massiven Angriff des Nationalsozialisten Straner. Auch hier spielte der Namen und^ die Person des neuen Finanzministers die Hauptrolle. _ Sträger erklärte wörtlich: .Es ist eine Schande, daß ein in Ostgalizien geborener negroider Jude hier als Reichsfinanzminister austrittll Herr Straner hat sich geirrt. Herr Hilferding ist nach seinen Angaben im Reichstagshandbuch konfessionslos und in Wien geboren. Zwar spricht vieles dafür, daß Herr Hilferding rassisch Jude ist, denn die Linksprepe schrieb bei der Installierung dieses neuen Kabinetts so beiläufig, daß für den Posten des Justizministers nicht Herr Koch, sondern eigentlich Herr Haas in Frage gekommen wäre. Jedoch seien zwei Juden in einem deutschen Kabinett nicht gerade wünschenswert. Herr Strasser wurde wegen seiner Worte über Hilferding sofort von der Sitzung ausgefchlonen." Dev „Völkische Beobachter" vom 8./9. Juli schreibt: „Wegen der ,Barmatrepublik' erhielt Strasser den ersten Ordnungsruf. Im weiteren Verlaufe seiner wirkungsvollen Ausführungen kam dann straffer auf den „in Ostgalizien geborenen, negroiden Inden" Hilferding zu sprechen, was auf den marxistisch besetzten Bänken begreifliche Aufregung hervorries. Ter Obergenosie und Rcichstagsoräsident Löbe, dessen „unparteiliche" Amtsführung sonst immer gerühmt wird, glaubte dies zum Anlaß nehmen zu können, um unter Ueberschreitung seiner Befugnisse gegen den Abg. Straffer — ein bisher unerhörter Vorgang! — den vorzeitigen Ausschluß aus der Sitzung zu verfügen. Wegen angeblicher .ungewöhnlicher Beschimpfung' eines KabinettsmitgLicdcs." Die „K?euz-Zeitung" vom 7. Juli: „Dann gab es noch einen Zwischenfall, als der Nationalsozialist Straner in seiner gepfefferten Rede zu der Regierungserklärung die Bezeichnung „der in Oftgalizieu geborene negroide Jude Hilferding" auf den neuen Neichssinanzminister anwendete. Bei den Sozialdemokraten gab es natürlich darob einen Entrüstnngssturm. Reichstagspräsident Löbe wies ihn wegen dieser Bemerkung von der Rednertribüne weg aus den Saal. Die Anwendung dieser schärfsten Disziplinierung, die dem Präsidenten auf Grund des 8 91 der Geschäftsordnung bei „gröblicher Verletzung der Ordnung" zu Gebote steht, war insofern ein Novum im Parlament, als gegen einen FraktioUsredner bisher noch nie davon Gebrauch gemacht worden ist. Uns scheint diese Disziplinierung als zu weitgehend. Man ist doch bei den wildesten Ausfällen kommunistischer Redner niemals so „feinfühlig" gewesen. Außerdem ist zu berücksichtigen, das; der von seiner Fraktion beauftragte Wortführer nicht wie ein Zwischenrufer persönliche Ansichten laut werden läßt, sondern für die Fraktion und damit für die Gesamtheit der Parteiarrgchörigen spricht. Gerade die eifrigsten Verfechter des .souveränen' Volkswillens sollten doch bedenklicher darin sein, die Meinungsäußerung breiter Volksmanen zu unterbinden." - Unsere Ausstellung auf der Presse: Oberer Rheinsaal, Westhalle, Gruppe II, Stand 407.

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