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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · p. Seite 398

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
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3v$ Historiker neuerer Zeit, Jakob Burckhardt, aus, wenn er in seinen großartigen „Welstze'chichttichen Betrachtungen" die Worte prägt: Macht ist blue. Sehr schön wird das Pfalmmcrt „Die Macht Gottes ist, daß er das Recht Liebr" durch einen talmudischen <ratz erklärt: Im menschlichen Treiben wird die Macht zum Widerspruch gegen das Recht; wer die Gewalt hat, schreitet über das Recht hinweg. In Gott ist Macht allein das R ech t/ Darum fährt das Psatmwort forr: „Du, o Gott, hast Redlichkeit gegründet. Recht und Gerechugleit hast Tuin Jakob geschaffen')." Dem Recht ist begrifflich dre Macht eigen. Es ruht auf der Grundlage der Macht. Die M a ch t (sie Liegt aus geistigem, die Gewalt auf psychischem Geb irre) dient dem Recht. Macht geht nicht vor Recht. Macht ohne Recht ist Unrecht, es sei denn, daß sie sich zur Neckstsmacht wandeln will. So kann auch eine Revolution zur Begründung eines Rechtszustandes führen. Es wird noch langer Zeit und vieler Mühe bedürfen, ehe diese Sätze Allgemeingut werden. Dazu werden Schriften wie Wiesers Buch ein gut Teil beitragen. Aber er überschätzt das Gesetz. Die Natur der Sache, Treu und Glauben, man kann auch von üaturrechtlichen, dem Sittengesetz entsprosienen Einflüssen reden, sind Kräfte, die mit dem Gesetz in einen Kampf geraten können. Ln dem sie, wie gerade das RechLsleben der Nachkriegszeit gezeigt hat, vielfach obsiegen. Uebrigens kann man, wie bereits von anderer Seite') betont worden ist, weder naturgesetztich noch rechtsZewtzlich von einem „Gesetz" der Macht sprechen. Und es ist gerade von unserem Standpunkte aus das schönste Ergebnis des die Theorie der Macht erschöpfenden Wieserscheu Buches, daß es eben kein Gesetz der Macht gibt. „Im Kampfe sollst du dein Recht finden", ist der Leitsatz der berühmten Schrift von Jhering, „Der Kampf ums Recht""). Sie beginnt mit den Worten: „Das Ziel des Rechtes ist der Friede, das Mittel dazu der Kamps." Das darf aber, .muß man einwenden, nicht für alle Fälle gelten, besonders nicht für die regelmäßigen des Alltags, in denen nicht die Ehre oder sonst ein hohes Gut auf dem Spiele steht: ein Mittel zum Frieden ist der Kamps. Das Nachgeben im V er - gleich ist oftmals kein schwächliches Zurückweichen, kein feiger Verzicht auf gutes Rechst kein Eingeständnis des schwachen Glaubens an die eigelie Sache. Es ist eine sozialo - Aufgabe von Recht und Gericht, das Recht überhaupt zu - schützen, nicht bloß das im Kampfe stehende Recht. „Der Ee- - rechtigkeit Werk wird Friede sein", heißt es bei Jesaias, - Kapitel 32,17. Eimern wir uns daran, daß unsere Propheten die Vorkämpfer einer Friedensidee gewesen sind, die sich weit entfernt von müder Kraftlosigkeit gehalten hat. Mit ihnen kann auch Friedrich Wies er gehen, wenn -er sagt: „Ich habe keinen heißeren Wumch als den, daß dieses Buch etwas dazu beitragen möge, die Gemüter mit der Zuversicht zu erfüllen, daß es den Menschen be'chieden sei, endlich im Hasen des Friedens zu landen.' Das muß auch für die Mästendes nahen und fernen Ostens gelten, die, zum Teil erfüllt von ältester Kultur, in unseren Tagen im größten Freiheitskampf der Weltgeschichte stehen und um die Anerkennung der ursprünglichsten Menschen- und Völkerrechte ringen. , Bei der Behandlung von Nation und Nationalismus kommt W i e s e r auch im Zusammenhänge auf die Juden zu sprechen: ' „Lord Veaconsfield hätte nie darauf verzichten wollen, ein Engländer zu sein, noch) Rathenau darauf, ein Deutscher zu sein. Die gebildeten Juden werden der Kultur ihrer Sicd- Kommerzienrai Adolf Wolf (Stuttgart). Za ders Kcxhruf auf Seite 402. 4) Dgl. Baeck. „Das Wcfen des Judentums/ 3. Auflage. S. 262f. L u d w i g B c n d i x in der .Luriürchcn Wochenschrift" 1t27, S. 26. «) Jetzt rnrch im Philo- Drrlag erschien. 1225. lunzsländer nicht abfagerr wollen, sie sind zu tief mit ihr verbur.den: die Masse der altansässigen Juden ist auch ihrem Bürgergefühle zu treu ergeben. Die zionistische Bewegung löst den Konflikt nicht, der zwischen dem jüdischen Volke und den Kulrurnationen bestehst unter denen sie wohnen." Ueöer diesen Konflikt spricht sich Wiefer näher aus, wenn er von depzur Macht gelangten jüdischen Oberschicht völkischer Geschlosienheit redest die sich in den nationalen Körper einschieb? und als fremdes Element innerhalb der Nation wirksam werde. Diese Ausführungen, die den Zusammenschluß der Arier im Machtkämpfe rechtfertigen sollen, stehen im Widerspruch mit den vorangebenden Darlegungen Wiesers und zeigen, wie leicht in jüdischen Fragen auch ein mit tiefem Blick begabter, von gutem Willen beseelter Schriftsteller die tatsächlichen Verhältniste unrichtig, und zwar in einem den Juden ungünstigen Lichte sieht. Ten wahrheitsuchenden Sinn Wiesers erweist seine Stellung zur Rassenlehre. Ihm ist die wissenschaftliche Erforschung der Rassen bisher zu wenig fortgeschritten, um auf sie Lehren von allgemeiner geschichtlicher Weite gesichert aufbauen Zu können. Und wie eine Warnung klingt es, wenn er auf ein verbreitetes Rassenbuch hinweist, das "bei Beethoven, Goethe und Luther einen Einschlag „schlechten Blutes" annimmst Damit schließen wir die notgedrungen auf einige Fragen beschränkte Besprechung des Hauptwerkes Friedrich Wieners. y Wer an die Macht der Ideen aus die Gehirne und Herzen der Menschen glaubt, wer trotz allem die Bedeutung der Geschichte als L e h r - Meisterin der Menschen nicht verneint, der wird sich dieses, von hohen ethischen Idealen getragenen Buches freuen, das in ruhiger, sachlicher Darlegung den geschichtlichen Weg von der Macht zum Recht weist und damit Zum Ausdruck bringst daß es kein Gesetz der Machst wohl aber eine Macht des Gesetzes oder besser, eine Macht des Rechtes gibt, eines Rechtes, das sich auschickt, auch die Völker zu versöhnen und allumfassend, allmenschlich einen auf Wahrheit und Recht gegründeten Frieden zu schaffen, für die einzelnen, für die Nationen und für die Menschheit. Zwei neue Friedhofeschärrdurrgcn. Kaum sind die Wahlen vorüber, so mehren sich wieder die Friedhofsschändungen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Kreise, hinter denen man die Friedhossschänder vermuten muß, während der Mahlzeit Enthaltsamkeit gepredigt haben, damit nicht die Oefsentlichkeit gegen sie aufstehe und sie so Stimmeneinbuße erleiden könnten. Nun ist diese Hemmung gefallen, und die Vandalen beginnen von neuem ihr Werk. 33 jüdische Grabsteine sind in der Nacht vom 6. zum 7 . Juli auf dem Friedhof in Kaiserslautern umgestürzt und teilweise demoliert worden. Die rechtsstehende „Pfälzische Presse" schreibt hierzu: „An dem oberen Eingang des wie üblich verschlossenen Friedhofes halten Bubenhände in den sandigen Weg' rechts zwei Hakenkreuze gezeichnet, links schräg stand in den Sand gekritzelt lesbar das Wort „Judcnsippschaft". Angesichts des bekannten Zeichens und des beleidigenden Wortes föunte man zu Bernnrllmgen gelangen. Wir wollen diese vorerst ganz außer Betracht Lassen, zumal ein Beweis nach irgendeiner Seite nicht vorlügt. Es kann eine Irreführung sein, um von der Spur der wirklichen Täter abzulenken. Aber eines wollen wir feststellen: „LTor inrmcr auch die Täter waren, sie haben der Stadt Kaiserslautern den allerschiechtesten Dienst erwiesen; sie haben die Stadt in Verruf gebracht. Aber nicht bloß die Stadt, auch die Einwohnerschaft ist durch Veit Schurkenstreich getroffen worden. In Kaiserslautern hat die Toleranz noch einen guten Klang. Irr der ganzen Stadt herrscht uur eine Stimme der Empörung, der restlosen Verurteilung dieser bodenlos genreinen. Schandtat. In der T'ürgcrschast besteht die Auffassung, „die Gräber der Toten, gleichviel welcher Konfession diese inr Leben angehärterr, sind «ns heilig, die Ruhestätten der Verstorbenen unantastbar". Es wäre darum nur zu wünschen, wenn es gelänge, 'die Täter 311 ermitteln; eine exemplarische Strafe ist ihnen sicher." Zum drittenmal ist der Friedhof in Bovenden bei Göttingen von Friedhvfsschändern heimgesucht worden. Ein Grabdenkmal wurde zerbrochen und umgestürzt. Sowohl im Falle Kaiserslautern wie im Falte B o v e n d e n sind Belohnungen ausgesetzt und von der Polizei leider bisher ergebnislos die nötigen Ermittlungen eingeteiret worden. Dies sinv Die 38. und 59. Frrcvhofsschärrdung.

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