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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-13 · 28 (13.7.1928) · p. Seite 397

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
28 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
Seite 397 (sequence 1)
Language
German
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VII. Jahrgang * Nr. 2$ Einzelnummer 10 pfennfg 1 «4> 4> ' LUerteljaLröabonnemcnt 2\ll^€:rT\eir\0 2 1,20 ÜISW. (Zuzugl. Bestellgeld). xrttag u. LchriftlcUrrng: Berlin LH' 68. Lindenstr. 13 .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3534,3595. .:. Postlck flube G, Berlin SW 64, Lindenstr. 7. und ron EoldschmidL-Roth^ Llleinig- Anzeigenannahme: VnnOncen.Expedition Rudolf Moste, Berlin SW IS, unJ> deren Filialen. Anzr «>ArmrtT:«»?T<»T.T-.i,5rT_y Q3r. 4. fvamritennns?rntt 1,!,^ c^tsllenaesucbL fnidii Ctellenanacbole) für Mitalieder d. £ QJua T% , /fcS/tä I i Yx^; r <i?a Ws>'ot<?u \> J?? itl'f nm imui 's ff ',1% M n r ] r! \^n Von Landgerichksral 0t. 3. Sf esu (Berlin). Es ist eine auffallende Tatsache, daß vielen aus dem Volk der Dichter und Denker der Einfluß von Ideen auf die breiten Mafien und damit zugleich die Bedeutung der Ideen für das Dölkerteben nicht voll zum Bewußtsein gelangt ist. Vergessen sind die Erfahrungen des Weltkrieges, die nur allzu deutlich gelehrt haben, wie Franzosen, Engländer und Amerikaner mit den Ideen der Freiheit, des Nationalismus, des Selbstbestimmungsrechts-die eigenen Volksgenossen, aber auch andere Völker in ihren Bannkreis zu ziehen wußten. Und doch besitzen gerade die Deutschen ein besonders reiches Schrifttum an Werken, die Ideen oder ihrer -Geschichte gewidmet sind. Ein auf Ideen gegründetes Buch in deutscher Sprache war es, das — wie man sich auch dazu stellen mag — unter allen Schriftwerken der letzten hundert Jahre den größten Einfluß auf die Entwicklung der Menschheit ausgeübt hat: Kar! Marx „Das Kapital/ Sind es aber letzten Endes Ideen,, die die Menschheit vorwärts treiben, so verdienen alle Schriftwerke besondere Beachtung, die schöpferisch, aber auch geschichtlich Ideen zum Gegenstände haben. Deshalb sei diese Betrachtung dem Buche*) Friedrich Wiesers: „Das Gesetz der Macht" gewidmet, zumal, da es in seinen Grundfragen, aber auch in einzelnen Teilen die Juden als Staatsbürger unmittelbar angeht. F r i e d r i ch F r e i h e r r v o n W i e s e r, der als Professor der Staatswipenschaften an der Universität Wien und als Schriftsteller ein langes Leben an die Gebiete der Volkswirtschaft und Soziologie gewendet und der letzten kaiserlichen Regierung Sesterreichs als Handelsminister angehört hat, traf beim Durchdenken der gesellschaftlichen Zusammenhänge auf das Thema der Macht. Gesellschaft, Recht, Macht und Freiheit waren der Gegenstand von sechs Vorträgen, die Wies er im September 1909 bei den Salzburger H o ch s ch u l k u r s e n gehalten und im Jahre 1910 als Bucksi) unter dem Titel „Recht und Macht" herausgebracht hat. Hier haben wir den Vorläufer des umfangreichen Werkes vom „Gesetz der Macht" vor uns, das dem Ganzen - der Machterscheinung und ihrer gesellschaftlichen Umwelt bis rn ihre Tiefen nachzugehen sucht und zeigen will, wie sich das strenge Gesetz der äußeren Macht zu den milderen Geboten von- Recht u n d Sittlichkeit wandelt. Das Werk zerfällt in drei Hauptteile. Ter erste handelt vom „Allgemeinen Aufbau von Macht und Gesellschaft", der zweite vom „Geschichtlichen Wert der Macht", der'dritte von - den „Wegen der Macht in der Gegenwart". „ Aus dem e r st e n Hauptteil seien hervorgehoben die Abschnitte: Aeußere und innere Macht, Ursprung und Wachstum der Macht und der Machtverbände, Führer und Masse, Machtpsvchologie, £uC*ili^ in (Staat und Gesellschaft, Rechts macht und Rechtsform, Tie Kulturrnächte, Die gesellschaftliche Willensv) XV und 562 Seiten. W *) Leipzig, Verlag Tnncker in\ 1026, Verlag Julius Springer. u.-Humblot. bestimmnng. Aus dem zweiten Hauptteil: Formen und Wandlung der geschichtlichen Macht, Das" Gesetz der abnehmenden Gewalt, Das Gesetz der zunehmenden Freiheit und Gleichheit, Das Gesetz der kleinen Zahl, Ter geschichtliche Kreislauf der Macht. Aus'dem dritten Hauptteil: Ter Liberalismus, Nation und Nationalismus, Tie modernen Machtorgane (Parteien und Klassen, moderne Diktaturen), Tie Machtbilanz der Gegenwart. Es kann nicht unsere Absicht sein, auch nur zu allen Grundfragen dieses gedankenreichen Werkes Stellung zu nehmen. Vielmehr wollen wir uns nur mit dem Fundament des ganzen Gedanken bans, dem Verhältnis von Recht und Macht, und der Stellungnahme des Verfassers zum Judentum und zur Rassensrage näher beschäftigen. Mit gutem Grunde nimmt das Problem „Recht und Macht" in allen rechts- und staatsphitosophischen Werken einen breiten Raum ein. Handelt es sich hierbei doch nicht etwa um bloße theoretische Erwägungen, sondern um eine Grundeinstellung mit weittragenden rechtlichen Folgen. Wer die M acht als R e ch t s i d e e aussaßt, wer den Machtstaatsgedanken H e g el — S ta h lscher Richtung vertritt, wird in der Frage der Gleichheit der Staatsbürger nach Seiten Politischer Rechte, in der Frage der Todesstrafe und sonst vielfach zu einem anderen Ergebnis kommen, als wer die Rechtsidee in der Gerechtigkeit oder in der Humanität begründet sieht. Daß viele Völkische von der Gerechtigkeit als Grundlage des Rechts nichts wissen wollen, sondern vom Machtgedanken besangen und gefangen sind, habe ich an anderer Stellet gezeigt. Es bedarf keiner Ausführung, wie wichtig die Weltanschauung gerade für den Juristen als Richter, Verwaltungsbeamten, Anwalt des Rechtes ist. Welche Pflichten hat hier der Staat in der Erziehung, namentlich des juristischen Nachwuchses, im eigensten Staatsinterefie zu erfüllen! Das beste, was über Macht und Recht überhaupt gesagt werden kann, finden wir in unseren alten Schriften, mit denen sich hier, wie auch sonst des öfteren, altchinesische Ueberlieserung deckt. Namentlich 'die Propheten haben das „Recht des Stärkeren" verworfen" und immer wieder betont, daß bloße Macht das Unsittliche, das Böse ist. Nichts anderes spricht einer der bedeutendsten *) „Völkische Rechts- und Scaalsphllosophie.' Philo-Vcrlag, 1927. H Aas E§S§m, InhcU: I Zwei neue Friedhoissclmndnngen* — | Stadtrahbiner Br. Rieger (Skdiguri): | Zu Eduard Lumpariers Schrill „Das [ Judentum in seiner kulhtrum! reit« L J gionsgeschichiUchen Erscheinung“*

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