Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- Seite 388 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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den „verdorrten und eisigen Zieles Judentums geredet wird. Auch treten in diesem Luche des Breslauer Universitätsprosestors die berüchtigten Konstruktionen der gefälschten „Protokolle" wieder auf. Z i e s ch e schildert das Judentum als eine einheitliche, geschobene Macht, die bewußt antichristliche Ziele verfolge und mtt allen Mitteln die Alleinherrschaft an sich reißen wolle, um alles Wahre und Gute zu vernichten und aufzulchen. Jüdischn Ursprungs sei mcht nur die modernp Philosophie und Wissenschaft, sondern etwa auch ein Teil des Protestantismus (Leite 16 u. 17> Man höre und staune! Dieser Protestantismus „kämpft auch in der Politik, und zwar auch dort, wo er sich antisemitisch und völkisch nennt, in den wichtigsten Punkten noch auf der Seite, des Judentums". — Liberalismus, Sozialismus und Pazifismus sind dem rechtsstunden Professor ver!)aßt und prompt erfolgt die Erklärung „diese Erscheinungen seien in ihrem Ursprung jüdisch" (Seite 72). Besonders eigenartig berührt von der Seite eines orthodoxen Katho- Uten, der im Namen des Christentums sprechen will, die Ablehnung des Friedensgedankens. „Der absolute Friedensgedanle ist falsch und nichts anderes als eine der Abwandlungen des falschen jüdischen Gottesbegrisss" (Seite 70). — Während man also sonst von dem „jüdischen Rachegott" spricht, und den Juden die Schuld am Kriege aufbürden will, wird hier der Friede nsged an ke als jüdisch und. daher minderwertig geörandmarkt!. Wie oft ist schon nachgewiesen worden, daß die Juden weder politisch noch sozial eine Einheit bilden. Man höre, was Prosepor Zieschö alles über die Politik des Judentums auszusagen weiß: „Politisches Ziel des Judentums ist die Beseitigung der geschichtlich gewachsenen nationalen Führerschichten zugunsten der Führung durch das jüdische Bankkapital, die uns als Demokratie mundgerecht gemacht wird." (Seite 23.) Die Trennung von Kirche und Staat „ist das Ziel der jüdischen Politik." (Seite 20.) Die öffentlichn Funktionen sollen „mindestens an allen entscheidenden Stellen offen oder von hintenher in jüdische Hände gelegt werden." (Seite 21.) Solche demagogischen Behauptungen finden sich in allen Teilen des Bruches. Trotz'Hu ge über g wird behauptet, daß die Juden ,-)cn großen Farbentopf und die Millionen Pinsel, genannt öffentliche Meinung" in der Hand hatten. (Seite 5.) — Was soll man von der Reußerung halten, „das Judentum hält es heute an der Zeit, mitten im christlichen Staat, dem Judas ein Denkmal zu errichten"? (Seite 13.) Was ist hier gemeint? r Und dann die übliche Verallgemeinerung: - Seite 123 zitiert Zieschö eine Stelle aus „einem jüdischen Buch der Gegenwart", ohne auch nur Titel und Verfasser zu nennen, — und auf der nächsten Seite nennt er die angeführte Stelle „das kecke Angebot des Judentums". Also das Buch, besten Autor nicht erwähnt wird, enthalt aus einmal ein Angebot ,ches" Judentums! Dasselbe Verfahren wird öfters wiederholt. So wird Seite 125 allgemein gesagt: „in jüdischen Kreisen wird hierzu bemerkt"; daß auf diese Weise nur Zerrbilder herauskommen können, scheint Herrn Professor ZieschL entgangen zu sein. Die Ziomstischn Bestrebungen werden von Herrn Ziesche in antisemitischer Weise ausgemünzt und so dargestellt, als ob es sich hierbei um geheime Weltmachtpläne handele. — Mit Pathos thft er aus: „Oder soll jenes gewaltigste und geschichtsreichste Stück der Erde, Europas Tür, der Königsthron einer dem Christentum feindlichen Macht werden?" (Seite 115.) Aus dem Zionismus soll sich nach ihm „eine nichtchristliche, mechanische, rein wirtschaftliche Vernichtung aller wahren Dolkerfreiheit ergeben". Wenn von einem Universitätsprosessor solche Ansichten vorgetragen werden können, so ist das aufs neue ein Beweis, wie wichtig sachliche Aufklärungsarbeit ist und wieviel noch in dieser Richtung geleistet werden muß. S. W. €m kaihoüsc&ec QehlÜckse itBec „(kt täaiisdie Jüccfie mid Jkdmtmi Titelschrift wie auch Verfasser könnten auf den ersten Blick für eine positive Behandlung des Problems bürgen. Doch nur zu bald muh man sehen, daß sich der Autor, Di*, theo!. I. A. Koflers, in seiner Schrift „Katholische Kirche und Judentum" aus alten, ausgetretenen Gleisen bewegt, wie Rassenantisemitismus, Minderwertigkeit der jüdischen Rasse u. a. Auch andere vor ihm haben schon den Versuch gemacht, die katholisch Glaubenslehre zurechtzurücken, um dann.! gleichsam einem chr i ft l i ch c n Antisemitismus seine Berechtigung ex cathedra 311 verleihen. Wir finden alfo^ \\n großen und ganzen nichts voesentlich Neues in dieser Schrift. Was aber trotzdem die Broschüre beachtenswert sein - läßt, ist die wirklich radikale Art, das u r ch r i st l i ch e Haßgist, in das der Verfasser seine Feder taucht und womit er seine Ausführungen über die Judcnsrage unterstreicht, wahrlich eines katholischen Theologen hockest unwürdig. Na-ch seiner Ausfasiung ist Unmoral und Judentum eine mathematische Gleichung, I u dengegnerschast wohl vereinbar m i t der ch r i ft - I i ch e n N ä ch st e n l i e b e; diesen Arckisemitismus in christlichen utelhen nennt er „aktiv", einen notwendigen Akt der Notwehr, MrrstianisrnuZ alias nationalen Volks schütz. Seine Judengegnerschast entspringt einem zukunftsbesorgten Christentum, u>cit „uns der sorgcndeBlick auf die christliche Kultur der Zukun.st zu Judengegnern wacht {<?. 23). In seinen maßlosen Fordcrm'.gon geht er sogar so weit, auch vom gesamten katholischen Klerus eine völlige Gesinnung?.! änderung in der Judenfrage zu erwarten. Als Beweis jür solch über- * triebene Forderungen bringt er als Beleg eines llerikalen „zeitgenössischn f Antisemitismus" ganze 14 Namen bedeutender katholischer Theologen * herbei, die in ihrem Leben antisemitisch eingestellt gewesen seien, j „weil der talmudische Antichristianismus die Schande von zrvei Jahrtausenden ist und der Antisemitismus nur die Notwehr gegen jüdischen Betrug, gegen Dolksaussaugung und unerträglich gewordene Judenherrlchaft" (S. 42). Es mag vielleicht von Interesse sein, doß der Von ihm mehrmals als „Antisemit" Zitierte P. A. M. Weiß j in seinem Buch „Die religiöse Gefahr (S. 102) klipp und klar den r katholisch-theologischen Blickpunkt herausstellt, wenn er schreibt j a. a. O.: ,Fkarm man den Antisemitismus, so berechtigt er > unter gewissen Beschränkungen aus bem sozialen Gebiet ist, i schon nicht mehr dulden, weder vom christlichen noch vom \ menschlickken Standpunkt aus, sobald er sich ins Gewand der Rafsensrage hüllt, so must mau ihn dreifach verurteilen, \ werrn er sich auf den Boden der Religion begibt." Kann man [ über die Berechtigung b.pv. Nichtberechtigung eines sozialen | Antisemitismus anderer Anschauung sein als Weiß, so hei f Weiß aber doch in seinen Ausführungen jenen „zeitgenössischen l katholischen AntrsemitZmus" verworfen, dem Kosler das I Wort in schärfster Fonn redet. Koslers Urteil über jüdische l Ethik, die nach ihm nur niedrige Diesseitsethik ist, kann am | besten mit einem Ausspruch Mendelsohns widerlegt werden: ] „Allen Eigenschaften Gottes, seiner Weisheit, seiner Güte, seiner Ge-; rechtigkeit, würde es widersprechen, wenn er die vernünftigen und j nach der Vollkommenheit strebenden Wesen nur zu einer zeitlichen I Dauer geschaffen hätte." Kosler schöpft aus trüben, vergifteten | Zisternen, und solches Gift verleiht der Schrift auch ihren eigentüinj lichen Akzent. S. 17 stellt er die schwarze Schmach am Rhein mit j der jüdischen Schmach gleich und fordert auch gegen letztere ein 1 energisches Vorgehen. Die Inquisition findet seine Billigung, S. 53 s prQigt er den An tis em i tr s m u s de r T a t, der auf die gleichen I Forderungen hinausläuft wie jener seiner Gesinnungsgenossen vor f ihm. Darum die Losung „Custodite!" Kaplan Franz Rödel (Pasing). Indische Wirtschastöfützrer (UI.). TOttSftefe De. Kurt Zielenziger setzt hier seine in Nr. 24 der „E. V--Zeitnng" begonnene Anssatzreihe .^irtschüstssührcr" i rnit der S6)ildcrung der genialen -Löhne des genialen Vaters Meyer Arnschel Rothschild fort. n Das Werk, das der Vater geschaffen, vollendeten die Söhne. 3 Amschel, Sal0m0n. Nathan, Carl und James wurden die Begründer der verschiedenen Dynastien des Hauses k R 0 thschild, des größten Privatbanlhauses aller Zeiten. Die Geld- § beschaffung für die bedeutendsten Staaten Europas wird mehr und mehr ihr Werk. So steigen sie zu Wirtschafts f ü h r e r n auf. p Der genialste der „fünf Frankfurter", Nathan, war fast schon 2 0 Jahre in England, als die große Welt auf ihn aufmerksam wurde. Durch den Besuch eines hochnäsigen Engländers veranlaßt, hatte er sich in drei Tagen entschlossen, 1798 nach England zu gehen. ANer nicht als armer Dtann. Die 20 000 Pfund Sterling, die er mitnahm. sind ein Beweis für die Stärke der Finanzkrast des von Meyer A m s ch e l begründeten Unternehmens. Nathan geht zunächst nach Manchester, schon 1804 nach London, wird ’lSÖO englischer Staatsbürger. Durch seine erste Frau wird er der Schwager M 0 s e s i M0ntefivres. Wir erwähnten schon, daß der Kurfürst von Hessen sich seiner bediente, um sein riesiges Vermögen, entstanden zum Teil aus dem Blutsold, den er für den Verkauf der Landeskinder an England erhalten hatte, in London sicher anzulegcn. So verfügt | Nathan stets über große Mittel. Es gelingt ihm durch Vermittlung k seines jüngsten Bruders James, der in Paris, wie erwähnt, fest 1811 lebt, den Krieg W e l l i n g t 0 n s in Spanien gegen Napoleon zu finanzieren. Immer mehr werden die Rothschilds dann die G e l d - marsch alle für den Krieg gegen den großen Korsen. Nathan Rothschild wird der L e i t e r der S u b s i d i e n -; zahlungen Englandsan die Mächte des Festlandes. Noch bleibt j er im Hintergrund. Aber seine Hilfe wird für H e r r i e §, den englif scheu Komrniqar für die Geldversorgung der Truppen, unentbehrlich. j Lurch den Vertrag von Reichnbach erhält Preußen, durch den von | Teplitz Oesterreich große Hilfsmittel aus England gegen Napoleon. > lieber 15 Millionen Psd. 'Sterl. wurden von 1813 bis 1815 von Groß- \ Britannien bewilligt. Als nach der Schlacht von Leipzig die Bourbonen t 1814 wieder in Paris einzogen, stellt N a t h a n R 0 t h s ch i l d L u d - \ lv i g XVIII. 200 000 Psd. Sterl. zur Verfügung und ermöglicht ihm so s die Thronbesteigung. Als Napoleon von Elba überraschend zurückr gekehrt ist, muß England, das in ihm den schärfsten Feind seines ans- \ steigenden Imperiums erblickt, neue Subsidwu der Koalition z!»r Verfügung stellen. S a l 0 m 0 n Rothschild überbringt die Hilssnüttel für Preußen und wird p r e u ß i s ch e r K 0 m m e r z i c n r a t. . Die Schlacht von Waterloo entscheidet Napoleons Geschick. Wer sie macht auch Nathan zu dem berühmtesten Mann L 0 n d 0 n s. Es ist zwar eme Sage, daß er selbst dieser Schlacht beigewohnt habe. Aber für seinen Blick spricht die Tatsache, daß einer