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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · p. Seite 386

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
Seite 386 (sequence 6)
Language
German
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386 ollkirrstudenisnlM... Ludendorsfs neueste Entdeckung. Man "ist gewohnt, das Conlenrstudententum als einen Exponenten des sogenannten nationalen Deutschlands anzusehen und ist daher um so erstaunter, wenn man plötzlich erfährt, daß all diese sich häufig so radikal und nationalistisch gebärdenden Verbände in Wirklichkeit völlig unter jüdischem Einfluß stehen, ja, daß die meisten ihrer traditionellen und geheiligten Bräuche Erfindungen jüdischer Bosheit sind, dazu bestimmt, die deutsche akademische Jugend zu entmannen und sittlich zu verderben. Wir verdanken diese überraschende Entdeckung dein Ehepaar Ludendorff, dessen kriminalistischer -Scharsblick ja schon jo manches Verbrechen, das Juden, Jesuiten und Freimaurer an der Seele des deutschen Volkes begingen, aufgedeckt hat. Tie Nummer 21 ihrer „Deutschen Wochenschau'" vom 30. No'enr.lond (Juni) 1928 ist der Entlarvung deS deutschen Eouleurstuverrtenrums gewidmet. Tiefem Feind des deutschen Voltes wird dort mit brutaler Hand die nationale Maske von der Stirn gerinen. Es wird gezeigt, daß alle diese sich nach außenhin vielfach so antisemitisch gebärdende, am das Arierprinzip schwörende Korporation in Wirklichkeit völlig unter dem Einfluß und der Hörigkeit ihrer völlig vcrjndeterr und frcimaurcrisch verseuchten Altherrensclmft stehen, und daß die meisten ihrer wesentlichen Sitten und Gebräuche gleichfalls dem Froünaurcituiu, dieser teuflischsten Erfindung jüdischer Bosheit, entlehnt sind. „Indenhohn der unsichtbaren Väter treibt in dem Brauchtum der Studenten rruter Beihilfe der künstlichen Juden in der Aithcrrenschast mit deutscher Jugend ein srivowZ Spiel." Zwei Bräuche haben es dem Ehepaar Ludendorsf besonders angetan: Der „Landesvater"' — unb bis Mensur. Die Mensur, nach M a t iy i i b c Ludendorsf Von den Juden eigens dazu erkunden, um den alten ehrlichen deutschen Zweikampf zu beseitigen und in der studentischen Mensur zu einer Spielerei heradzuwürdlgen und dadurch seines sittlichen £crn§ zu berauben. General Ludendorsf -gießt die Schale seines Zorns besonders über das .öLcrndcsvaker-Skechen" aus, jene harmlose Demonstration der Dundesbrüderlichkeit und Varcrlandsliebe, die auch heute noch den Höhepunkt studentischer Kommerse zu bilden pflegt. Diese Zeremonie besteht bekanntlich in dem Absingen eines Liedes und dem Durchbohren der Eouleurmützen, die nachher clle aus einen Schläger aufgerecht werden- Diese symbolische Handlung soll die Brüderschaft der Korporrnionsangehörigcn neu bekräftigen und ihre Vaterlandsliebe dokumentieren. Tor Dame Ludendorsf bedeutet diese, ihrer Ansicht nach aus der französischen Revolution stammende sreimaurerische Sitte ein Symbol der Empörung gegen eine völkische Staatsgewalt. Tie Freimaurer hätten sie emee'ührL, um in den Studenten den Hast gegen die damalige völkisch Staatsgewalt, den Landesherrn, Zu nähren, der symbolisch in der Mütze durchbohrt wird. Heute soll damit der Kampf gegen die völkische Staatsgewalt überhaupt symbolisiert werden« Das Absurde der Idee, dast gerade die sich meist zum Nationalismus bekennenden Studenten sich mit einer so kindischen Demonstration gegen die völkische Lckaaisidee wenden, bedarf keiner Begründung. Es erscheint auch zwecklos, den Genera! Ludendorff über Entstehung und Bedeutung dieser studentischen Bräuche aufklären zu wollen; wer nicht belehrt werden will, dem kann nicht geholfen werden. Man konnte sonst General Ludendorff auf hervorragende Darstellungen der deutschen Studcniengeschichle, etwa auf Fabricius. „Geschichte der Corps", oder andere Werke Hinweisen, die sich eingehend mit der Entwicklung der Mensur und der Bedeutung und Entstehung des .Landesvaters" beschäftigen. Es würde sich dann Herausstellen, daß zum Beispiel der „Lande später"' bereits bei den alten Landsmannschaskcn des 17. und 18. Jahrhunderts in Brauch war. die in dieser Form mit den neuen in die Hochschule einziehenden Landsleuten Brüderschaft trarcken und dabei ar^H ihres Landcsherrn gedachten. Dian könnte ihn darauf himveisen, daß bereits der Nencrnmistenkonvcnt von 1776 den .Landcsvater" als eine berncrkenswerte Hebung aus alten Zeiten er« wähnt und eingehend beschreibt. An dieser Stelle erübrigt sich ciire ausführlichere Widerlegung der Behauptungen Ludendorsfs. die das angegriffene Couleurstudententmn selbst, das auch bereits beginnt, sich seiner Harrt zu wehren, vornehmen mag. So wird z. V. bekannt, dah die Trernerschast Philippin<r in Marburg, deren Ehrenmitglied Ludendorsf war, ihrr auS der Reihe seiner Ehrenmitglieder gestrichen h^rt« Ludendorsf selbst teilt dieses Faktum in der Deutschen Wochenschau"' mit und bemerkt in seiner bekannten Bescheidenheit dazu: ,LDie lächerlich wird sich in der Weltgeschichte die Turnerschast Phllippina in Marburg ausnchmen, die den Führer des Weltkrieges, der seinerzeit die grenzenlose Gutmütigkeit hatte, unter vielen anderen auch die Ehrenmitgliedschast des Verbandes der Turn.erschaften auf Deutschlands Hochschulen anzunehmen, die Ehrenmitgliedschaft kündigte." Wir deutschen Juden befinden uns übrigens nach diesen neuesten Ludendorfsschen Feststellungen in ausgezeichneter Gesellschaft. Während wir bisher nur gemeinsam mit Jesuiten und Freimaurern nach Ludendorsfs Diktat außerhalb des deutschen Volles standen, steht nunmehr auch — um die eigenen Worte des Generals zu zitieren — Arademikertum in seiner freimanrerischen Hörigkeit außerhalb der lebendigen Einheit deS erwachenden dentscheu VolkeS". Die deutschen Akademiker mögen sich trösten! Die Ausführungen rmseres früher so populären Generals finden heute nur noch eine bescheidene Resonnanz. W. U* „HrrmöjWkchr vZKfths vora«ssstz»«sen." Bon LberstudrendirckLor Tr. Siegfried Kawcrau. Der „Weltkamps" brachte kürzlich unter dem obengenannten Titel eine Reihe von Sätzen, die den „Kampf uni die deutsche Erziehung" begründen jolleru Der Verfasser verbirgt sich keusch unter dem Bseudonym „Arianus", der Herausgeber heißt Alfred N ofenberg. Ich selber werde in dem -Hefte als „Grenadier I.s" bezeichnet. Vermutlich, luctl ich „Siegfried" heiße. Als ich 1912 den „Rabbi Jesus von Nazareth" veröffentlichte, hieß es bei einem Rezensenten: „Der Versa'ser, wohl ein Jude aus Bukarest." Ich unterrichtete damals an der deutschen Schule in Bukarest. Wie wäre es, wenn Herr Alfred Rofenberg mit mir in Konkurrenz träte, wer reinerer nordischer Abstammung ist? Blutprobe, Haarprobe. Echädelmeffung gefällig? Ahnentafel? Herr Wächtler „beweist" in derselben Nummer des „Wettkampfes" die Verjudung'der Schulreformbewegung, da in einer Versammlung am 3. Mai 1627 „zwei Juden als Vortragende" aufgetreten seien (mit zwei Ausrnfungszeichen, für jeden eins!). Sollte Herr Rasende r g oder Herr Wächtler etwa in der Untergrundbahn auf derselben Bank mit drei Inden (!!!) gesessen haben — sollte er .etwa „verjudct" sein, ohne es bisher bemerkt zu haben? Tenn das ist ja die fürchterliche Gefahr des jüdischen Geistes, man wird von ihm umgarnt, olzue es zu merken — und eines Tages kommt ein „Gelehrter" mit jener besonderen arischen Akribie und beweist haarscharf, daß man in I.s Diensten steht-. Ich habe mir den Zorn jenes Arianers zu ge zogen, da ich, kämpfend für echte nationale Würde, im „Tagebuch" bei einer Besprechung deutscher Lesebücher schrieb: Wenn etwas am Gesamtbild ferner als Zeichen einer Zeitkrcmkheit gedeutet werden darf, dann ist cs die Vorliebe für des Eigenschaftswort „deutsch", das unzählige Male in Titeln und Ueberschristen erscheint. Dickes überbewußte Deutsch-sein-Wollen ist ein Zeichen seelischer Schwäche gerade bei denen, die so starke Gebärden und so große Worte liebem Vom Lelbswerständlichen braucht nicht gesprochen zu werden. Wer aber immerzu von „deutsch", „national", „rein", „edel" reden muß, wer sein eigenes Volk immerzu erheben muß und über alles emporsteigert, der verrät nur, daß er die Suggestion an Stelle der schlichten Taftachlichkeilen braucht, daß ihm auch die einfache und köstliche Form seines Volkstrnns zu einer Sache marktschreierischer Großtuerei geworden ist. Wemi ich, vor ein Gericht Volk stiebender Männer zitiert, sagen sollte, welcher Strafe ich ob dieser Sätze wert sei, dann würde ich mit Sokrates antworten, ich verlange, im Prytcmeum gespeist zu werden. Ter ,LLelrkamPs" aber spricht, nach dem Zitat dieser Worte, in ehrlichem Ringen um den Sinn dieser Gedanken: „Wie fern gesponnen das doch ist! Nur ja kein Stolz aus deutsche Werte!" und vorher: ,L)ann hat dem Grenadier I . - . s das noch immer gebrauchte Wort ,deutsch' wehegetan. Er jammert . . Und am Schluß dieser eifrigen Arbeit mit der sinnigen Neberschrist Kostproben aus der Giftküche weltzersetzender Mächte" heißt es: „Ein kommendes Deutschland wird viel zu tun haben, um die Kehrichtfäffer zu füllen, und viele Herkulesse brauchen, um den geistigen Augiasstall Berlin zu säubern. Aber das kommt einmal. Und mit der üblichen deutschen Gründlichkeit!" Wenn man geistig und seelisch nicht weiterkann, dann „beweist" die Faust. Das ist „sittliches Recht", denn es heißt in den einleitenden Grundsätzen: „Ein Mann oder eine Bewegung, wclckc diesen Werten zum. vollkommenen Siege dechelseir wollen, haben das sittliche Reckst, das Gegnerische nicht zu schonen. Sie haben die Pflicht, cs geistig zu überwinden, es organisatorisch verkümmern zu lassen und politisch ohnnrüchtig zu erhalten. Wird aus einem Kulttnwiüen kein Machttricb, so sollte er überhaupt keinen Kamps beginnen." Ich habe gelegentlich in meinen Schriften von Menschen gesprochen, die iyr Abenlang auf dem Standpunkt knabenhafter Räuberromantik oder püppchenhaster Eitelkeit stehenbleiben und noch als den Jahren nach Erwachsene die Moral eines Tertianers, der sich an Winnetou heiß liest und sich mit der Faust die Welt erobert, "sestbalten; sie sind ethische Petrefalte einer längst zurückliegenden Welt, interessant wie Ammonshörner und versteinerte Schnecken aus einem vergangenen geologischen Zeitalter. Hier haben wir ein Schulbeispiel solcher Tertianermoral mit dein Anspruch ewiger . Gültigkeit: sollte diese Moral ernsthaft das Leben der Zukunft belasten, must solches Gestein weggeräumt werden uud in Museen verstaut werden. Liber so wenig man einem Tertianer den „katergorischeu Imperativ" philosophisch begründen oder die Bergpredigt in ihrer letzten sittlichen Größe nahebringcn kann, so wenig kann man mit solchen fossil erstarrten Menschen diskutieren. Es ist gar keine Basis vorhanden, aus der eine Verständigung möglich ist. Der normale Tertianer wird wenigstens eines Tages Sekundaner, da sind Anknüpfungspunkte vorhanden. Der Dauertertianer (mag er auch äußerlich das Abiturium machen und Geheimer Obersinanzrat oder gar Minister werden) bleibt ewig dem „W erden" verschlossen, er ist, und er i st mit dem ganzen Anspruch gewisser alter Tanten und Skatbrüder auf Unfehlbarkeit und beachtenslverte Größe. Sie sind st a t i i tfj e Menschen, und alles Fruchtbare ist dynamisch.

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