Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 27 (6.7.1928)
- Date
- 1928-07-06
- Page
- Seite 383 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3§Z Ludwig Holländer: Innerjüdische Befriedung. fo wird die Achtung für die Beweggründe aller im Judentum vorhandenen Strömungen diesen häßlichen Kamps verschwinden lassen. Wir wissen sehr wohl, daß überall Entgleisungen Vorkommen, daß keine Auffassung davor behütet bleibt, von den Anhängern des äußersten Flügels hier 'und da einmal Worte hören zu müssen, die von der Gesamtheit nicht gebilligt werden. Gerade deshalb aber sollte man nach dem Grundsatz verfahren, in zweifelhaften Dingen überall Freiheit walten zu {aj]en. Man sollte bei aller Ueberzeugungstreue stets daran denken, daß, um ein achtenswertes nnd geschätztes Mitglied einer Gemeinschaft zu fern, eine restlose Uebereinstimnnma mit jedem Programmpunkt dieser Gemeinschaft keineswegs erforderlich ist. IV. „Wie, wenn . . . jemand der Meinung wäre, das; es gar keinen Patriotismus als abgesonderten . . . Zustand gäbe, ebenso wie cs auch keine Religiosität als abgesonderten . . . Zustand gibt, sondern daß der Patriotismus nur das bleibende Element und die Grundform alt unseres bürgerlichen Lebens sein solle, ebenso wie die Religiosität das bleibende Element unseres höheren geistigen Lebens überhaupt?" (I- G. Fichte: „Ter Patriotismus und sein Gegenteil. ) Aber sowohl nach der innerjüdischen Seite wie nach der Seite unserer Einwirkung auf die Umwelt hat man gerade in letzter Zeit zu wiederholten Malen uns in wenig vornehm erscheinender Weise verdächtigt, so den Weg zu friedlichem Ausgleich auss neue erschwert. Dies sei an zwei Beispielen kurz erläutert: Wir haben und konnten es niemals beanstanden, wenn von feiten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland durch einzelne ihrer Mitglieder für die Verbreitung ihrer Auffassung innerhalb des "deutschen Judentums in der christlichen Umwelt Sorge getragen wurde. Das ist gutes Recht und gute Pflicht jedes Zionisten. Uns darf es aber ebensolverüg verübelt werden, wenn wir von demselben Recht Gebrauch machen. So kann man cs nicht als unmoralisch auslegen, wenn . die Broschüre unseres Freundes W i e n e r oder die Werl-Cohnschen Vorträge Interessenten an der Palaftinabewegung von unserer Seite zugänglich gemacht werden. Denn wir machen dadurch von dem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch, das von keiner Seite unterbrmden werden sollte. Wir haben schon einmal festgestellt, daß es weder uns noch den Herren Staatsrat Cohn oder Dr. Weil bekannt ist, ob eine llebersetzung der Weit-Cohnschen Vorträge dem Herrn Minister Van der Velde überreicht worden ist. Diese Feststellung wurde von uns bereits am 1. Juni getroffen. Das hindert aber nicht, daß das „Jüdische Echo"'in München vom 22. Juni erneut die als Unwahrheit bezeichnet? Behauptung austvarmt. und versucht, dem klaren und eindeutigen Dementi des Centralvereins, an dem es selbstverständlich nicht Vorbeigehen konnte, einen zweideutigen Sinn unterzuschiebon. Unterdessen hat die persönliche Rücksprache eines unserer Mitarbeiter mit Band er Velde ergeberd, daß das Gerücht in der von zionistischer Seite gebrachten Fassung von Band er velde zweifellos nicht stammt. Bandervelde kennt den Absender der Broschüren sendung nicht und hat auch niemal s d en C. B. als solchen bezeichnet. Und wenn die „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" an uns die Frage richtet, ob die Uebersetzung eines solchen „Pamphlets", wie die Herren sich ausdrücken, ins Französische und seine Versendung 'an einen christlichen Politiker des Auslandes in den Ausgabenkreis des C. B. falle, so müßte diese Frage bejaht werden, wenn ein solcher Schritt von uns unternommen worden wäre. Denn oben wurde dargelegt, daß wir die Verwurzelung mit unserer Heimat als eine Lebensnotwendigkeit sür uns betrachten, daß wir in der Schaffung einer zweiten politischen Heimat nicht unser Ideal erblicken können, weil wir in ihr weder eine Forderung des Judentums noch eine Forderung, die unserer Einstellung zur-deutschen Umwelt entspringt, sehen. Es wird von unseren Gegnern stets verkannt, oaß wir nach keiner Richtung hin Gegner des palästinensischen A u f b a u e § s i nb. Wir begrüßen jeoe Arbeit in Palästina, insbesondere aber die Tätigkeit,^ die eine Heimstätte für Juden schafft, die möglichst vielen in ihrer Heimat gequälten und entrechteten Inden ein neues und fruchtbares Leben bietet. Ter jetzt dort beschrrttene Weg abe? erscheint uns unglücklich, und aus dieser Erkenntnis heraus, fühlen wir uns verpflichtet, überall da warnend unsere Stimmen zu erheben, wo wir ein Jnterege für die Palästinaarbeit überhaupt voraussttzen können. Wenn unsere Freunde so getadelt werden, weit ne z. B über die Universität in Jerusalem ungünstig urteilen, so tun sie nichts anderes als die „Jüdische Rundschau" selbst, die vor einiger Zeit folgendes geschrieben hat: „Tie Anfänge der Universität bestehen jetzt drei Jahre, und die verantwortlichen Körperschaften werden nch Rechenschaft abznlegen haben, ob sie mit der Entwicklung des Instituts zufrieden find. Wir haben seinerzeit . . . darauf hinacwiejcn, daß eigentlich noch keine Universität vorhanden in. sondern nur der Wille, eine Universität zu schaffen. In den ersten drei Jahren wurden manckie Versuche unternommen. . . . aber auch heute sind noch kaum die Konturen der Entwicklung zu einer wirklichen Universität zu erkennen." Sie tun nichts anderes als Wladimir Jabotinski, der sich erst kürzlich in der „Stimme'" über die Universität wörtlich folgendermaßen äußerte: „Wie die Tinge liegen, scheint nun doch begründete Hoffnung zu bestehen, daß die absurden Zustände aus dem Ecopusöeig ein Ende haben werden und daß die eigentliche Arbeit für den Ausbau einer hebräischen Hochschule beginnen wird." Gewiß ist die Richtung Jabotinski im Zionismus alles andere als anerkannt; aber daß man ihn wegen seiner scharfen Kritik an der Einrichtung der Universität einen besonders schlechten Juden nennen würde, ist wohl kaum anzunehmeu. Auch eine Kritik kann zum Ausbau helfen, wenn sie, wie bei uns, sachlichen Erwägungen entspringe, miS wenn sie genau so das Wohl der jüdischen und deutschen Gesamtheit im Auge behält, wie dies die zionistischen Schriftsteller für sich in Anspruch nehmen. Wir kommen zum zweiten Beispiel und sind gezwungen, Vorwürfe zurückzuweisen, die in der „Jüdischen Rundschau" vom 16. Mai d. I. dem Centralverein gemacht werden und deren Ton und Beweisführung allein schon genügen konnten, um jede Hoffnung aus Sachlichkeit im innerjüdischen Kampf schwinden zu lassen. Dort heißt es: „Es scheint, als ob bei dieser ganzen Wahlpropaganda der Wahlfonds die Hauptsache wäre. Ter E. B. arrogiert sich dis Rolle einer wahlwerbenden (offenbar jüdischen!) Partei, obwohl er doch in der Theorie eine solche jüdische Absonderung ablehntch Man zeige uns eine Zeile in der „C. D.-Zeitungch die zur Werbung des Wahlfonds geschrieben wurde, au? der nicht der einfachste Mann hatte ersehen können, daß es sich hier darum handelt, die Mittel auszubringen, die notwendig sind, um in Zeiten erhöhter Agitation besonders wirksame Waffen zu haben und seine eigenen Ideen intensiver propagieren zu Ms*. © i