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Central-Verein-Zeitung · 1928-07-06 · 27 (6.7.1928) · p. Seite 382

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
27 (6.7.1928)
Date
1928-07-06
Page
Seite 382 (sequence 2)
Language
German
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3S2 Wir können aber feststellen, daß uns in unserer Auffassung eine große Reihe innerhalb des Zionismus organisierter Juden bestärken; nämlich die. die keineswegs ihr zionistisches Bekenntnis im Gegensatz zu dieser Grundlage unseres Seins stellen. Es war immer ein interessantes Problem, den verschiedenen Auffassungen -des Wortes „jüdisch-national" nachzugehen. Es würde wiederholt hervorgehoben, daß selbst innerhalb des zionistischen Führerkreises Unterschiede in der Auffassung dieses wichtigen, vielleicht wichtigsten Problems bestehen, wie das Beispiel des GegensatzesDr. I a c. K l a z k in und Professor Franz Oppenheimer innerhalb der Zionistischen- Vereinigung für Teutschland beweist. Die einen haben erklärt, daß sie in dem Begriff jüdischnational lediglich die innere Verbundenheit mit dem Judentum, die Zukunfts-Hoffnung auf eine gedeihliche Entwicklung jüdischer Werte begrüßen. Tie anderen haben eine letzte Verbundenheit mit dem Aufbauwerk in Palästina als entscheidend angesehen. Die dritten endlich haben eine völlige innere Trennung von ihrer jetzigen Heimat verlangt. D-ahor müßte es eigentlich auch für Herrn Iacobsohn nicht schwer sein, einzusehen, daß auf der einen Seite unsere Auffassung Gemeingut vielleicht der überwiegenden Anzahl auch der zionistisch organisiert denkenden Menschen ist, während auf der anderen Seite die Anhänger völliger Trennung in der Minderheit stehen. Daß auch diese Minderheit den Schutz der deutschen Verfassung genießen muß, ist von keiner maßgeblichen Stelle im C. V. bestritten worden. Vcn einer vom C. V. gewollten „Preisgabe" der Zionisten kann schon um deswillen nicht die Rede sein, weil ihr der moderne Begriff vom Staatsbürger in Literatur und Praxis vollkommen entgegensteht. Die geforderte Gleichberechtigung findet ihre Stütze in der Verfassung. Sie findet sie in der Tatsache, daß die Bürger jedes modernen Staatswesens, die die Gesetze befolgen, und damit ihren Pflichten dem Staate gegenüber Nachkommen, auch Anspruch auf gleichwertige Behandlung genießen. Wenn wir, wie gesagt, darüber hinaus für unsere Weltanschauung die Betonung -unserer Verbundenheit mit Deutschland niemals unterlaßen, so ist das lediglich eine durch unsere innere und tiefste Ueberzeugung und durch die Umstände bedingte Maßnahme, eo hat sie weder einen äußeren Zweck, noch soü sie. etwa bewirken, andere Bürger als dem Staatsgesetz und der Verfassung gegenüber minderwertig erscheinen zu lassen. Aber wir leugnen das Vorhandensein eines jüdischen Volkes in Deutschland, wir bekennen uns zum deutschen Volke. Bestätigt wird diese unsere Auffassung vom Begriff „Volk und Nation" neuerdings durch die Arbeit von H. L i e r m a n n: „Das deutsche SSolS"1), in dem ausführlich auf die Begriffe Staatsnation und Kulturnation im Hinblick aus ihre Wertung innerhalb der deutschen Reichsverfassung eingegangen wird. Dort heißt es': .Zunächst ist von Bedeutung, daß von „Dolksteilen" (in der Versüßung. Die Schriftleitung.) mcht etwa von ..fremdsprachlichen Völkern" die ROe ist. Damit ist ausgesprochen, daß die nationalen Minderheiten im Deutschen Reich nicht etwa als außerhalb der deutschen Volksgenofsenschaft stehend angesehen werden, sondern, daß sie lediglich Teile derselben bilden . . . Die Nationalversammlung stellte sich damit bewußt auf den Standpunkt, daß für sie der deutsche Staat als einziges völkerbildendes Element für das deutsche Volk in Betracht kommt . . „Es ist interessant zu beobachten, wie diese Regelung der Verfassung, die ohne weiteres die deutsch e'n I u d e n als Angehörige des deutschen Volkes anerkennt. . . heftiger Kritik unterzogen worden ist." Li ermann geht dann weiter darauf ein, wie in der Nationalversammlung von zionistischer Seite durch den Abgeordneten Oscar Cohn vergeblich der Versuch gernacht worden ist, diese Deutung dos Wortes „Volk" zu verhindern. 'Im übrigen sei bemerkt, daß in der NaHonalversarnmlx;ng die deutschen Juden niemals als nationale Minderheit betrachtet worden sind. . ' ' ' Demnach kann weder von Denunziationen - noch von 'Scheinheiligkeiterr gesprochen werden. Denn der Gegensatz liegt ja nicht in der äußeren Frage, ob der Jude, einerlei 'welcher Weltanschauung er sich zurechuet, innerhalb des -Staates, den er bewohnt, gleichberechtigt sein soll. Der .Gegensatz liegt Viel tiefer, er klafft da, wo der Mensch der - £\ Llermann: beutfrt?c- Bott aU Nech-sbc^rist tzn. Re-,LS sta-cksrechr der Gegen wart." ii‘27, Ford. Tümmlers Verlag, Lcrlü« und Bonn, . ... einen Weltanschauung den Ecdankengängen des Gegners nicht mehr zu folgen vermag. III. „Es gibt eine'Anzahl von Zionisten, die den UmweLtbczirk, den sie ja mit jeden: deutschen Wort, das sie sprechen, betreten, mit Geist und Willen negieren." (Martin Bube r.) Bei weitem näher kommen, unserer Auffassung verschiedene Redner des letzten Zionistischen Telegierteutages in Breslau. Dort und in "einem grundlegenden Aussatz der „Jüdischen Rundschau" vom 15. Juni hat der nicht nur im Zionismus geachtete Dr. Landsberg dargelegt,- der Zionismus sei zuerst ein Erlebnis im Galuth. Wenn er weiter darauf hinwekst, daß Zionisten heute erkennen, daß „Galuth-Zionisten" Menschen sind, die zroar im tiefsten mit Palästina und seinem Aufbau verbunden dastehen und sich dennoch zugleich mit dem Leben hier, dem sie sich nicht entziehen können, verbunden fühlen, so ist unserer Auffassung nach unsere oben gegebene Darstellung durchaus gerechtfertigt. Sie wird gestützt durch das vorausgesetzte Zillä von Martin Bub er. Die Tatsache, daß sich in der zionistischen Auffassung teilweise eine innere Umwandlung vollzogen hat, ist nicht mehr zu übersehen. Hier scheint uns der Augenblick gekommen zu sein, auf ein anderes Zentralproolem einzugehen, das mit dem Schlagwort „negativer Wert der Abwohrarüeit, positiver Werl der Aufbauarbeit" wohl am besten mnrisien wird. Jacobsohn schreibt in seinem Aufsatz in der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland": „Sind wir Juden vor eine Fülle religiöser, wirtschaftlicher und kultureller Aufgaben schon dadurch gestellt, daß es überhaupt Juden und Judentum gibt, so existiert die Ausgabe des Centralvereins nur dadurch, daß Nichtjuden gegen Juden kämpfen. Die Bedingungen jür die Aufgabe des Eentralvereins erwachsen also nicht aus dem Wesen des Judentums und der Lage der Juden allein, sondern erst aus dem Verhalten der nichtjüdischen Umwelt." Kein jüdisches Problem kann heute isoliert, d. h. ohne Beziehung auf die Umwelt betrachtet werden. Gerade die Berwirklichung des Zionismus ist 'wie kaum eine andere Frage des Judentums abhängig vom Willen oder Nichtwillen dieser Umwelt. Ist es ein Unterschied, ob man im Pro- Palast ina-Komitee christliche Kreise für den Aufbau Palästinas. wirbt, oder ob man sich im Centralverein an die gleichen Kreise mit der Forderung wendet, Dinge des Judentums mit Sachlichkeit und Wiftenschaftlichkeit zu betreiben? Wir glauben, daß im Centralverein, wo man die christliche Umwelt nicht nur für e i n Problem, nämlich das des Ausbaues in Palästina, sondern für alle Probleme des Judentums zu interessieren versucht, für das Judentum sehr wohl Sachliches geleistet wird. Wir wagen sogarzu behaupten, daß gerade die sogenannte Abwehrarbeit, d. h. die deutsch-politische Tätigkeit des C. D., eines der wenigen Mittet zum Zweck, ist, um überhaupt mit der nichtjüdischen Umwelt in Fühlung treten zu können und sie drrrch Beschäftigung mit der Abwehrarbeit mit dem Judentum vertraut zu machen. Soll unser Ziel, eine „Liga der Anständigen* nicht nur innerhalb des Judentums zu schassen, die leidenschaftslos Angriff und Abwehr prüft, dem in der ganzen Welt verfemten Judentum weniger dienlich sein als das Werben zionistischer Kreise für ihre Idee? Man soll über den Mitteln, die angewandt werden, auch aus der Gegenseite niemals den Zweck verkennen, dem sie dienen. Aus das „positive" Programm des Centralv e r e r n § näher einzugehen, erübrigt sich, da es in mehreren Referaten bei unserer Hauptversammlung in: Februar d. I. entwickelt worden ist. Es stellt den Versuch dar, die von zionistischer Seite so sehr verfemte Synthese von Deutschtum und Judentum ihrer Verwirklichung Zuzuführen. So kommt es, daß in unserem Kampfe die von Dr. Hermann erneut erhobene Forderung nach Sachlichkeit im Kampfe erweitert und ausgedehnt wird auf das gesamte öffentliche Leben, gewiß ^nickst Zürn Schaden des Judentums. Don unserer Seite ist die Möglichkeit geprüft worden, ein bis zum letzten treuer und seiner Gemeinschaft anhängender Jude zu sein und dabei gleichzeitig den deutschen Gedanken zu bejahen. Es ist der Versuch gemacht worden, einer Linie zu folgen, die wir in uns empfinden. eine Tatsache festzustellen, an der wir weder vorübergchen rönnen uodj wollen. Wird einmal die sittliche Berechtigung dieses Standpunktes auch von: Gegner anerkannt

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