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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. Seite 373

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
Seite 373 (sequence 9)
Language
German
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373 Nächsten zu verabscheuen und zn anderen Menschen zu sagen: ,Ihr werdet verdamrnt werden', zu sagen: »Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil?" Taher ist Rousseau auch gegen das Prolclytenmacheu: „In jemanden dringen, die Religion, in der er geboren ist. zu vertagen, heißt meinen! Beduinen nach, ihn ausfordern, ein Unrecht zu begehen, und folglich: selbst Unrecht tun." Lo lauter und schön diese Gesinnung ist, so darf man doch nicht erwarten, daß sich der Vikar oder in seiner Person R o u ssea u gänzlich den Vornrteilen seines Zeitalters entzogen hätte. Wenn er Beispiele bringt, welche die Notwendigkeit der Toleranz dartun sollen, so demonstriert er dies lieber an den Türken als an den Juden; auch hält er in naivster Weise an der himmelhohen Ueberleaenheit der christlichen Religion über die jüdische fest, und es fehlt sogar nicht an gelegentlichen wegwerfenden Aenßernngen über die Religion der Inden. Man darf hieraus keinen Nachdruck legen, denn er will keineswegs die Juden von der Toleranz ausgeschlossen wissen und ist überall ein c ch t e r V e r t r e t e r der H it m a n i t n t. UnivcrsltäLeProfcssor Tr. W. Kinkel (Gießen). drei Jahre „Morgen". Im Februar d. I. hat die im Philo-Berlag erscheinende, vou Professor Dr. Goldstein in Darmstadt herausgegebene Zweimonatszeitschrist „Der Morgen" ihren dritten Jahrgang abgeschlossen. Ter „Morgen" ist eine vorn E. B. lebhaftest begrüßte und geförderte Schöpfung und bestimmt, Träger und Verbreiter des C. V.-Gedankens m großem Rahmen in einer von der Zweckbestirnmtheit der Tagespolcmik losgelösten Form zu sein. Jetzt, nachdem 18 stattliche Hefte vorliegen, kann nnd darf man wohl festzustellen versuchen, was der Morgen" in den drei Jahren seines Bestehens geleistet hat — geluessen an der Aufgabe, welche die deutsche Judenhcit in Ansehung ihrer gegenwärtigen Lage einer deutsch-jüdischen Knlmrzeitsckrist zu stellcri hat, sowie an den von der Zeitschrift selbst gesetzten Zielen. Maßgebend für die mit schweren finanziellen Opfern verbundene Gründung der neuen Zeitschrift war die allmählich gereifte Uebcrzeugung, daß eine für den politischen Tageskampf besrinunte Wochenschrift, wie die „C. V.-Zeitung", nicht auch noch die Ausgabe erfüllen könne, die Ideologie des C. B. in wissenschaftlicher Betrachtungsweise darznstellen und der nichtjüdischen Welt ein Wirklichkeitsbild von jüdischer Entwicklung sowie deutsch-jüdischer Geistes- und Kulturarbeit zn vermitteln. Entsprechend war die Zielsetzung des ..Morgen" bestimmt durch jüdische Wesensart sowie durch die aus der Zeitlage sich ergebenden Notwendigkeiten. — Ausgehend von dem C. B.-Grundgedanken, daß Judentum im 'wesentlichen ein religiöser Begriff ist, wollte der „Morgen" in erster Linie der Darstellung jüdischer Religion und Religiosität in ihrer geschichtlichen Entwicklung wie in ihrer Stellung in und zn der Problematik der Zeit dienen. Dazu sollte dann als zweites, gleichberechtigtes Problem die Stellung des deutschen Inden innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft, also all das treten, was wir gemeinhin als Judenfrage zu bezeichnen pflegen. Smveit schien das Programm des „Morgen" klar und zkoeckentsprechend umripen. Wenn die neue Zeitschrift aber darüber hinaus noch versicherte, daß sie allem Geistigen aufgeschlosien fein werde, das den Morgen kündet, so stellte sie damit jedenfalls ihrem Ehrgeiz und Tatendrang das beste Zeugnis aus; kam aber auch dadurch in die ^^ßnise^ßaraxgerLMos staisepßoraX'Seife Z/fäheFßomX-Sfuunpcon. die vtslb&m/ipien um hochwertigen Ouauido-Erzeugnäse der Firma heinricti Mqck Nacfif.. Ulm a.ü Gefahr, ihren Charakter zu verwischen und sich den eigentlichen Ausgaben und Zielen zu entfremden. Entscheidend für die Entwicklung des „Morgen" wurde seine Leitung. In Profcsior Eoldstein gewann der Verlag eine Persönlichkeit, die schon längst ihre Fähigkeit erwiesen hatte, das jüdische Problem in den Zusammenhang der Kulinrprobleme der Zeit hineinzustellen und es von der Höhe philosophischer und kulturmissenschastlicher Betrachtungsweise zu erfassen und darzustellen. Was ist nun in den drei Jahren seines Bestehens aus dein „Morgen" geworden lind was hat er geleistet? Der erste Jahrgang verrät noch — begreiflicherweise — die Spuren des Tastens und Suchens. Ta fehlt noch die sichere Einstellung auf die selbstgewählten Ausgaben; da'findet sich noch manches, was nach Gelegenheitsarbeit aussieht. Aber schon der zweite Jahrgang zeigt ein anderes Gesicht; da tritt die Tendenz deutlich hervor. Die Hauptauftuerksamkeit ist den Fragen der jüdischen Religion in ihrer Entwicklung wie. im Kampf um ihre Selbstbehauptung in der Kulturkrise der Gegenwart gewidmet; daneben kommt die Auseinandersetzung mit all den Fragen, die wir kurzerhand als völkische bezeichnen, durchaus zu ihrem Recht. Ter dritte Jahrgang stellt dann wieder mehr den wirtschaftlich-sozialen Fragenkomplex in den Vordergrund; dazu kommt der Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen jüdischer und nichtjüdischer Kulturarbeit und Gcrsteshaltung, dargetan an bestimmten Persönlichkeiten wie an den Problemen selbst. Daß neben diesen Hauptgebieten geistigen Lebens auch die aktuellen Fragen der Literatur, Kunst, Wistenschast und Erziehung gebührende Beachtung gesunden haben, sei nur kurz erwähnt. Somit kann dem „Morgen" bezeugt werden, daß er seiner Aufgabe durchaus gerecht geworden ist. Insoweit er jedoch darüber hinausgegangen ist, muß die Kritik einsetzem Die Konsequenzen der oben schon angemerkten ungerechtfertigten Ausweitung des Aufgabenkreises HL r~K > -verkaufen wirinunserm SAISON-AUSVERKAUF zu Preisen, die einfach ohne Beispiel sind!!! — und nur MAASSEN-QUAUTÄTEN! OÜUOfi 1 fl 0 iK zf. 0\ ^^. •4\r Beginn: 2 Juli 9Uhr WEM iiikiST-. LEIRZIGERäi , ECKE MARKGRAFENSTOJ %

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