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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. Seite 369

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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Koffer Friedrichs Wort von der „Schmach des Jahrhunderts^. Berlin, den 26. Juni 1928' An bis Schrift lei tun g der „C. D.-Zeitung". In feinem schönen, mit zwei Proben aus seiner weithin bekannten Autographensammlung geschmückten Erinnerungsblatt zum 40jährigen Todestag des eDtcu Kaiser Friedrich am 15. Juni d. I. hat Professor Dr. Ellgen Wölbe in Nr. 24 der „E. D.-Zeitung" eingehend der berühmten Worte des zweiten deutschen Kaisers gedacht: „Ter Antisemitismus ist eine Cchnrach des Jahrhunderts." Wölbe deutet dabei an, ba& voll antisemitischer Seite versucht worden sei, an den diesen Kreisen natürlich unbequemen Worten zu drehen und zu deuteln, die der damalige Kronprinz irn Jahre 18‘SO zu dem hochangeseheuen Berliner Stadtrat M e \j e x SJ1 a gnns gesprochen hat. Ergänzend sei hierzu, zum Teil aus Grund einer persönlichen Eniinerung des Schreibers dieser Zeilen, das Folgcnd-e gesagt: Noch um 1911 herum hatte ein Berliner 2lntisemitenorgan in einem Artikel mit dem Schlagwort „Eine alte Lüge", angeblich aus Grund der Mitteilungen eines — natürlich ungenannten — Ohrenzeugen, des „Kammerherrn Grafen B.", es unternommen, die „Legende" zu zerstören. Einige Zeit nach dem Bekanntloerden dieses Artikels war ich bei dem Sohn von Meyer Magnus, dem ausgezeichneten Botaniker und namhaften Pilz- und Algenforscher, Gch.-Nat Professor Paul W. Magnus (gestorben 1914), dessen wohlwollender und freundschaftlicher Gesinnung ich mich erfreute, in seinem noch ganz altvaterisch anmutenden Gelehrtenheim am Blumeshof, um von dem allezeit Hilfsbereiten — nicht vergebens — Förderung für die Forschungsreise eines jungen Gelehrten zu erwirken. Tns Bild de- Vaters brachte mich auf den berühmten Ausspruch des Kronprinzen. Hierbei bestätigte mir Paul Magnus, als der mündlichen 1lel>erllcferttng seines Vaters entsprechend, den Bericht, der in der „Nadionalzeitung" in den achtziger Zähren des vorigen Jahrhunderts erschienen war. Tiefer Bericht war in unserer E. V.-Zeitschrist „Zm Deutschen Reich" (1911), aus der unsere „G. V.-Zeitung" hervorgegangen ist, gegenüber den Entstellungen des antisemitischen Mattes wieder abgedruckt worden. Danach hat Kronprinz Friedrich Wilhelm nicht nur jene, von dem anonymen Grafen Bangeblich bestrittene Aeußerung getan, sondern er hat sie auch später wiederholt und bekräftigt. W o l b e folgt offenbar diest Bericht, den ich noch dahin ergänzen kann: „Der Kronprinz zog znr Erläuterung seiner Anschauungen eine Anzahl markanter Zwischenfälle der letzten Zeit herbei, wobei er auf die Geschichte der antisemitischen Agitation und ihrer einzelnen Phasen einging. Er knüpfte insbesondere an die in den Berliner „Reichshallen" stattgefundenen Vorgänge bei einer wüsten antisemitischen Radauversammlung der achtziger Zahre Worte der Verurteilung an." Nach dem Zeugnis von Martin Philippson („Leben Kaiser Friedrichs III.", S. 356, Anm. 1) wird der Ausspruch des Kronprinzen zum Ilebersluß noch bestätigt durch den Brief des Fürsten von Hohenzollern an feinen Sohn, den König von Rumänien, vom 24. Januar 1&?6 („Aus dem Leben König Karls von Rumänien", Dd. 4, S. 239). Zch darf im einzelnen noch auf meine Veröffentlichung im „Berliner Tageblatt" Nr. 13S vom 17. März 1914 verweisen. Znftizrat Dr. Henry Silberstcin (Berlin). Sollen wir uns durch den Judenhaß beeinflussen lassen? Köln. 7. Juni 2923. An die Schriftleitung der „E. V.- Zeitung". Gestatten Sie auch mir, meine Meinung zu dieser Frage unbefangen zu Lustern. Wer cs bestreiten will, daß der sogenannte Antisemitismus die Juden nicht schon in vieler Hinsicht beeinflußt hat, oder deutlicher gesprochen, erzieherisch gewirkt und weiter wirken wird, der kennt eben nicht den ungeheuren Einfluß feindlicher Mentalität, nicht nur aus Einzelpersonen, sondern auch auf ganze Völker. Wenn wir cs auch wohl nie Zugeben werden, von „Antisemiten" beeinflußt und erzogen worden zu sein, so ist doch unsere christliche Umgebung, in der wir leben und leben w o l l e n , in Sitte und Gebräuchen so knltnrabsärbend gewesen, daß sich gewiß heute kein ehemaliger Ghettojude mehr wohl in der 2-Uitte heutiger Juden fühlen wurde. Tiefes Absärben aber ist eine Wandlung in uns Inden, die sich auf Schritt und Tritt, irn Ceschättsleben _ sowohl wie im Famttienkrcise, sichtbar und Deutschjudentum und Fraakfart a. M, 13. Juni 1923. An die Schriftleitung der „C. D.-Zeitung". Es gilt, uns deutschgcrichtete Juden zu rechtfertigen vor den Zweifeln der Zionisten, vor den Eingriffen der nicht wohlwollenden Nichtjnden. Von zionistischer Seile hört man oft den Vorwurf, daß diejenigen, die sich Liberaljuden, Deutschjuden nennen, damit nicht nur einen Deckmantel haben wollen für dis Programmlosigkeit ihrer Stellung zum Jüdischen, sondern gar einen Tcrkmantel für bereits vollzogene, irncingestandcne Assimilation ins jeweils rein Nationale, jüdisch Unmögliche. — Der nicht wohlwollende Nichtjnde lehnt das Bekenntnis des ' deutschbewußten Indem ab, weil es ihm uuvorstellfühlbar macht, und nur einzelne Schichten des Judentums, sagen wir beispielsweise neu;ugezogene Ostjuden, mögen noch konservativ in der Ablehnung diesem Absärben gegenüberstehen. Dieses Absärben aber ist dem Judentum nützlich und erforderlich, also wird er erzogen, und das ist das Gute, daß wir vom Feinde lernen und nicht aus Selbstgesalbn in Art und Wesen verharren, dir man spöttisch „jüdisch" nennt, und die auch unter Juden selbst die schärfsten Kritiker finden. Tie gestellte Frage ist daher nicht einfach mit ja oder nein abzutun, denn es wäre nichts als dummer Trotz, eine Sitten- Verbesserung nur darrnn ablehnen zu wollen, weil Antisemiten an diesen Sitten Anstoß nehmen und schlechte Angewohnheiten rügen. Erkennen wir selbst. Ivo etwas zu verbessern ist, so ist es gewiß kein feiges Entgegenkommen oder gar unwürdige Nachgiebigkeit. wenn wir dasselbe als schlecht anerkennen, was die Antisemiten tadeln. E. .S. (Köln-Sülz). . ^ndlfferentismus.' bar ist, daß man, unabhängig vom nationalen und wirtschaftlichen Zugehörigkcitsgefühl, seinen jüdischen Glauben als etwas rein Ideelles, Weltanschauungsgemäßes eurpsindet- — Und beide, Zionisten wie Antisemiten, halten das Teutfchjudentum für einen lauen, mehr odea: weniger richtungslosen, nicht recht definierbaren Jndisferentismus. Dem ist zu erwidern, daß bedauerlicherweise wirklich in keiner jüdischen Gemeinschaft so viel gedankenlose Mitläufer sind wie eben in der deutschjüdi scheu; und es kann nicht genug gcbrandmarkt werden, daß diejenigen das sestgcrundete Bild im Programm „Teutfchjudentum" verwischen, die zu lau sind, um sich mit ihr?r L w'i:/?, W „?Jt v ca i u n Mi u 's , fN/wwwv Tha&Ja&st scf'fütt’cÜz, A^i6i^ida/A.g

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