Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 26 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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36$ Der „neutrale" Stahlhelm. Ans dem amtlichen'„Ttühltzelm-Hand-uch". Im Aufträge des Bundesamtes auf Grund „amtlid)cn Materials" I)rtbcn zwei Stahlhelm-Mitglieder ein „ Stah! hel m - H a n d b u ch " hcrausc^gebcn'). Es fall sozusagen der K a t e ch i s m u s der Organisation sein, die aus einem reinen Wehrverbandc nach Meinung der Herausgeber z u e i n e r V o l k s b e w e g u n g geworden sei. Dcr ganze Kreis des menschlichen Daseins in politischer, cchisch-relugtcher. kultureller und winschastlicher Beziehung utn den Stahlhelm r.(* Mittelpunkt tvird diirchmessen — oder umgangen. Ein Kapitel ist 8 t a h lhcL in undE h r i st e n t u m " benannt. Ein Freiherr v. 2 ü n i n ck, der sich als Vtitglied des Bunder'vorstandes vorstellt, entwickelt in ihm den nicht neuen, aber auch nicht richtigen Gedanken, daß das Christentum die Religion des Kampfes und nicht des Friedens sei. Am Schlüsse seiner Darstellung schreibt Freiherr v. Lüninck: „Wenn Atheisten, Matcrialistcrr und Pazifisten,, wenn Juden und Jndengcnosscn den Stahlhclnr bckämpfei;, so wird rrrrs das stets eine Ehre sein und uns den Beweis erbringen, das; unsere Ziele und Wege die richtigen sind; wenn aber aus dem christlichen Lager heraus gegen uns Giftpfeile verwandt werden, so können wir solchen Unverstand nur bedauern , und müssen hoffen, das; dies kurzsichtige Gebaren der Sache des Christentums nicht unnennbaren Schaden zufügt/ Statt weiterer Antwort wollen wir uns lediglich darauf beschränken, die Tonart festzustellen, in der maßgebende Kreise des Stahlhelm von „Juden und Jndengcnosscn" sprechen. Die helörn von öurgsiun. Der Bericht Des „Völkischen Beobachters" — und Die wahre Begebenheit. Der „Völkische Beobachter" vom 2ö.*'21. Mai brachte eine fettgedruckte Notiz über einen „blutigen Straßenkampg in der Judenhochburg Burgsinn (Ujr.)". Es Hecht du u. a.r „Beim Eintrestcn des Redners kam cs gegen die mit Totschlägern, blanken Messern und schweren Holzprügeln^bewassnetL Menge zu kurzem, aber für unfrte tapfere S. A. (Sturm 6, Luürzburg) erfolgreichen Handgemenge. Tie S A. ging unter weitgehender Schonung der dcutschblutigen Vrllsgcnoffcn vor, rückte jedoch den mit Totschlägern angreisenden jüdischen Hetzern zu Leibe, so daß nach kurzem, energischem Faustkamvs die zehnfache Ncbermacht den Karnps einstellte und wir unbesiegt, in festem Schritt vom Karnpsplatz abmarschieren konnten. — Pg. Neinecke stand hier mit seinen braven Jungen im Brennpunkt des blutigen, aber erfolgreichen Kampfes und deckte Persönlich den Abmarsch/ Unser Landesverband Bayern hat an Ort und Stelle genaue Erkundigungen über diesen „blutigen Kamps" eingezogen, und diese Erkundigungen ergaben den auch schnell den richtigen Tatbestand. Tie .Ludcnhochburg Burgsinn", in welcher neben 2000 Einwohnern zwölf jüdische Fanrilien im besten Einvernehmen mit der übrigen Bevölkerung leben, sah am 17. Mai gegen X*S Uhr abends einen kleinen Auslauf. Etwa dreißig Personen, darunter sieben junge jüdische Leute, betrachteten neun Hitler-Leute in Uniform, die in B u r g s i n n zur Abhaltung einer Versammlung angekommcn waren. Es kam zu einem Wortwechsel zwischen einem Arbeiter und den Hakenkrcuzlern. Als im Auto noch fünf rveitcre uniformierte Hakenkreuzler cintrafen, bekamen die Hakcnkreuzler Schneid, und einige von ihnen gingen aus den Arbeiter los. (5hl junger jüdischer Mann stellte sich schützend vor den Angegriffenen, einen älteren Mann, und erhielt daher den ersten Schlag. Damit begann eine allgemeine Schlägerei. Die H a k e n k r e u z l e r w u r d e n tüchtig verprügelt. Ihr Führer Ncinccke bat schließlich einen älteren jüdischen Herrn (unser Mitglied Adolf Hcinemann), der dabei stand, er möge die Burgsiuncr beschwichtigen und dafür sorgen, das; seine Schar unbehelligt das Dorf verlassen könne. Das ist die Form gewesen, m welcher der Parteigenosse Neinecke „den Alnnarsch persönlich gedeckt hat". Auf Zureden des alteren jüdischen Herrn ließen die Burgsinner schließlich von ihren Opfern ab, ließen' es sich aber in ihrer Empörung nicht nehmen, die uniformierten Jünglinge, die den Streit provoziert hatten, in nicht gerade zarter Manier bis zum Dorsausgang zu begleiten. Ter „Völkische Beobachter" stellt die Sache so hin, als ob die Schlägerei durch jüdische Hetze und Verabreichung von Alkohol vorbereitet worden sei. Es steht fest, daß nichts dergleichen tatsächlich geschehen ist. Nachdem die provozierenden Hakenkreuzler aber nur durch das Eingreifen und durch den Edelmut eines Juden vor schlimmerem körperlichen schaden bewahrt worden sind, ist es nur ein weiterer Belocis von Niedrigkeit ihrer Methoden, daß sie diesegroßherzigcTaterncsJudeumitsolcherLüge lohnen. L. F. (München). 1) „Stahlhelm-Handbu ch", im Aufträge des Bundesamtes auf Grund amtlichen Materials hcrausgcgcben von den Kameraden Walter St € 11 n c r, Obcrfikutirant a. D., und Heinrich Hildcdrandt, Polk^. rpirt. Berlin 1927, Elahlhclm-Vcrlcg. „was öle Glocke geschlagen hat im Iuüenhaß..." Demnächst erscheint im Verlage K iepe nh e u er ^(Potsdam) ein neues Werk des bekannten Philosophen Constariliir Brunner „Aus meinem Tagebuch"). Wir bringen nachstehend aus diesem Werk einen Abschnitt über die zukünftige Gestattung des Judenhasses zum Abdruck. Die Ausführungen Constantia Brunners werden manchem unserer Leser angreifbar er: scheinen. Aber auch wenn man nicht mit allen seinen Ansichten übereinstimmt, so sollte man doch seine Aeußerungen als die einer seltenen geistigen Persönlichkeit lesen und durchdenken. Die S ch r i s t l e i t u n g. „Was die Glocke geschlagen hat im Judenhaß und ob's besser oder schlimmer wird? Bester. Sogar bald um ein Großes bester. Vorurteil und Haß gegew die Juden wird dauern (ich habe ausführlich gezeigt, warum), solang die Inden dauern. Vis Judenhaß und Juden aufhören werden: bis es keine Juden mehr geben wird, locil es keinen Judenhaß mehr gibt, so wie es keine Hühner mehr geben wird, wenn es keine Hühnereier mehr gibt. Aber der Grad des Judenhasses wird "sich vermindern, und zwar bald um ein Pi> deutendes. Ilm ein so Bedeutendes, wie die Judenemanzipation vorankommt; die gerade durch die jetzige Hitze des Judenhasses eine gewaltige Förderung erfährt. . Hauptsächlich der Weltkrieg hat den Judenhaß von neuem augefacht; und der neu angefachte Judenhaß hat eine bisher noch nicht dagewesene Bewegung in die Judenheit gebracht. Eine große Anzahl Ostjuden wurde ans ihrem Ort bewegt und in den Westen Europas und Amerikas geführt. Das ist eine allberührende Kultnrbewegung von großen Folgen: Ter Kampf des Judenhasses gegen die Juden» stützt sich aus zwei absurde Voraussetzungen. Erstens darauf, daß für diesen .Haß die Juden so, wie sie wirklich sind, gar nicht existieren, sondern statt ihrer die Konstruktionen existieren, welche der (zu wirkli'chem Sehen gänzlich unfähige) Haß sich zurochtgemacht hat. Zweitens und nicht zum gerinnen aus die angebliche Bedeutungslosigkeit der von Inden herrührenden Leistungen. Tiefe zweite Voraussetzung ist nur möglich als Folge der ersten, daß man nämlich anstatt der wirklichen Juden nur die dem Bißchen Egoismus der Judenhaster entsprechende Konstruktion sieht; die Judenhaster wollen nicht das Bißchen Egoismus der Juden in einer Menschenwelt, welche ganz allein da sein soll für ihren Egoismus und unbändigen Egoismus, für den Judenhaster Vorteil und Affekte des Hassens, Ncidens und ihres HochmUtens, ausschließlich ihrerseits Kultur hervorbringen 331 können. Dar bisherige moderne Kulturbeitrag derer von jüdischer Abstammung (ungerechnet hier die Kulturbedeutung des alten, wirklick^en. Volkes der Inden) wurde geleistet nur von den Westjuden, die kcnrm. eine Million der Gesamtjudenheit ausmachen. Die Eesamtjudenheib beläuft sich auf 15 bis 16 Millionen. Die vielen Millionen der von der jüngsten Flut des Judenhastes nach Westeuropa und nach Amerika getragenen Ostjuden nun werden in zwei, drei Generationen ebenfalls in dcr Lage sein, an der Kultur tätig teilznnehmen; und angesichts ihrer mit Sicherheit 311? erwartenden. Leistungen wird der Judenhaß sinken. Tie Absurdität seiner beiden Voraussetzungen wird von selber sich widerlegen; immer breiter sich schlagende Kreise müssen die Tüchtigkeit jMscher Leistungen anerkennen, und die Augen öffnen, an Stelle der abergläubischen Konstruktionen von ihnen, die wirklichen Juden zu erblicken, und die Zahl Derer wird zurückgchen, welche meinen, daß, wo Unrecht geschieht, für Bestrafung Diejenigen in Betracht kommen, welche beschimpft und verleumdet tverden und an Denen das Unrecht begangen wird. Mit ihren Leistungen, welche in» das Kulturganze sich einschließcn, müsten auch die Juden in das Kulturleben eingcschlosten werden, von dem sie bisher ausgeschlosten erscheinen, da sie nur in der Undverbindung existieren: „Die Juden und —Es hat aber, da jedes „Die Juden) und" Ausschluß der Juden bedeutet, immer weniger zu heißen „Die Juden". So wird es auch immer weniger heißen; und gerade also die heutige Bewegung wird viel dazu bei' tragen, daß man» an Stelle der Konstruktionen von Juden, wodurch Menschen zu einer F r e m d s a ch e und zu einem F r e m d n> 0 r t (gemacht werden, diese wirklichen Menschen immer bester sieht. Mit anderen Worten: dre Judenelnanzipation wird ein tüchtig Stück vorankommen. (Für die in den Ostländern Zurückgebliebenen wird sie langsamer sich vollziehen.) Man sieht, der Judenhaß betreibt die Emanzipation der Juden, die er verhindern will; da er nicht die einzige Machten unserer Menschen weit, treibt er die^ Juden auf den Boden, 3vo die für ihre Emanzipation günstigen Kräfte frei, werden und sich stärken. Der Judenhaß macht die Juden und hält sie hart danieder, al>er er ist zugleich der Kultur faltor für ihr Wiederairskommen; was die Wunde schlägt, heilt sie auch." ») Aus dem Inhalt von Eonstantin Brunners neuem Werk feien noch folgende Aufsätze erwähnt: Die aktive Philosophie, Die Attribute, Faust zweiter Teil, 6 111 n c : und Nietzsche, Vom menschlichen Hochmut, Spermatozoen, Keine Psychiatrie, Ecistcswerk und Publikum, Das Wissen und der Wunderglaube an das Erkennen, Entwicklungslehre und Pädagogik, Liebe und Ehe, Musik, Ueberwindung der Affekte. Kants Scholastik, Die Kinder der Welt, Leistung der Philosophie fUr die Allgcmcinsprache, Soeptik, Ideen und Attribute, Die Menschen und ihre Namen und die Namen bedeutender Menscheu, „Rassenhygicne", Das Denkende (Materialismus und Idealismus).