Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1928-06-29 · 26 (29.6.1928) · p. Seite 367

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
26 (29.6.1928)
Date
1928-06-29
Page
Seite 367 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277781-2277807--04572-2285200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

367 Die Swötrütsrscchlen m Irankfurt H. N. unü öie Deutschs Volkspartei. Ein Ereignis von übeAokaler politischer Bedeutung hat sich bei Wahl der unbesoldeten Magistratsmitglieder in Frankfurt a. Dt. zngetragen. Unter der Parole „Gegen den Marxismus" verbündete sich die Deutsche Voltspartei nicht nur tmf den DeutschrraLronalru, der WirLschafLspartei rnrd einer sogenannten Arbcitnehnrergvrrppe, .sondern auch mit der Nationalsozialistrschen Panter. Die Frage, ob den Arbeitnehmern oder den Nationalsozialisten, die beide über die gleiche Stimmenzahl verfügten, ein Stadtratsposten zugebilligt werden solle, wurde dabei durch das Los entschieden. Zufällig trug die Arbeitnehmergruppe den Sieg davon und die Nationalsozialisten erhielten keinen Vertreter. Dagegen ist ihnen die Hoffnung, durch Nachrücken später einmal in die Stadtvernxrltung einzuziehen, geblieben. Mt Recht hat dieses Verhalten der Deutschen Bollspartei rn weiten Kreisen Entrüstung erregt Wenn auch die Verdienste der Reichsleitung, den offiziellen Parieikurs durch judenfeindliche Verlockungen nicht beeinslnssen zu lasten, unbedingt anerkannt werden müssen, so muß doch ein solches Wahlbündnis in einer Stadt wie Frantsurt, wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung, berechtigtes Bedenken Hervorrufen. Will sich die Deutsche Dolkspartci nicht denr Vorwrrvs aussctzerr, durch ihre Halkrnrg vor der Wahl Stimmenfang auf Grund haltloser Versprechungen getrieben zu haben, so wird sie urit ihrer eindeutigen Stellungnahme zu dem Falle Frankfurt nicht zu rttckhalteu dürfen. „Deutschblütige Berufung .. ♦" Aus Den Richtlinien für Lehrerbildung des völkischen Lehrerbundes. Der Bund völkischer Lehrer hat auf feiner letzten Tagung Richtlinien für die Lehrerbildung beschlossen. Sie sind in Ausgabe 23 der „Schnlpslege" vom 9. Juni — vielleicht als Soltsanrkeit — abgedruckt. Aus den erbaulichen Sätzen seien folgende herausgehoben: Allgemeines: 1. Alle Wistenschaften furd der deutschen Jugend nur durch deutschblNtige Berufung empfindende Lehrer zu vermitteln, Werl es Die im Blute begründete Persönlichkeit ist, die begeistert. Daher muß bei der Zulassung zum Lehrerberuf dieser Gesichtspunkt der entscheidende sein. 2. Um dem Nachwuchs der rassisch gesunden Volkskreise die Wahl des Lehrerberufes zu erleichtern, sind auf dem Lande und in der Kleinstadt weitgehende Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. 3. Vorbedingung zum Studium ist die Neise einer Vollanstalh deren Lehrplan dem „völkischen Erziehungsziel" entspricht. 4. Bekenntnismaszige Trennung der Lehrerbildung wird abgelchnt. Inhalt und Ordnung der Lehrerbildung: 1. Richtunggebend für die Lehrerbildung sind: a) das „völkische Erziehungsziel" -(gleichwertige Bildung), d) die Ausgaben der einzelne Schulzüge (unterschiedliche Ausbildung). 2. Die philosophischen Fakultäten Der Universitäten und die pädagogischen Akademien sind so anszubauen, das; sie die Ausbildung sämtlicher Lehrenden im Sinne dieser Richtlinien übernehmen können. 3. Gemeinsam müssen von den Anwärtern für alle Schulgattungen gefordert werden: a) ein psychologisch-pädagogisches Studium ans rasscnöiologischer und geisteswisienschastlicher Grundlage mit praktischen Uebnngeu an besonderen Lehrstühlen. d) Eingehende Fcnntnisse der Rasienkunde und Vererbungslehre als Grundlagen aller Kultur, sowie der Soziologie als deren Auswirkung*). „Dentschblütige Berufung empfindende Lehrer". — Zur Klarheit mW Schönheit der deutschen Sprache haben sich diese deutschblütigen Erziehungspolititer noch nicht durchgerungen. Das liegt möglicherweise an der doch nicht genügenden Reinheit des Blutes. ,>Aber ebenso mangelhaft wie ihre Sprachöildung sind ihre Geschichtskenntnisse. Ohne den Böhmen Komenius, den Franzosen Rousseau,, den Halbrtaliener Pestalozzi würde sich auch das deutsche Schirl- und E r zi-ohn n g s w e se n noch weit im Rückstände befinden. Den Herren „Berufenen" sei empfohlen, w den Erinnerungen von Julius R o d e u b e r g nachzulesen, welch' außerordentlich bewegende Wirkung der Vortrag des Pro- Mwrs >2 t a h l mrf feine Hörer, junge und ergraute, übte. Dieser YmreiMide Redner und spätere Begründer der Konservativen Partei,' war nach seiner 2tbstaimrumg auch nicht rein deutsch blutiger *) Bon uns fett gedruckt. Die Schriftlcitmry. Empfindung. Und auch die Männer, die es den „Deutschblütigen" erleichtert haben, sich in die tiefsten deutschen. Dichter „ein—zu— fühlen", sind auch nicht immer als „deutschblütig" anzusprechen. Nein, nicht jeder, der „deutschblütig" ist, ist auch ein „Berufener". S. A.-K. Die ll. S. fl. p. D. sucht fteufand. Irr und vor Den Toren Berlins ♦ . . Sehr. Triunchhierend teilt Dr. Goebbels seinen Anhängern immer wieder mit, das; Berlin erwacht, und daß der Nationalsozialismus in der Neichshauptstadt täglich an Boden gewinnt. Wir überschätzen diese Uelxwtreibungen nicht, sehen aber scharf zu: denn cs ist kein Zweifel, das; die N.S.A. P.D. in Berlin die rechtsradikalen Gruppen allmählich anfsaugt und zahlenmäßig dadurch erhebliche Fortschritte macht. Vom 4. bis 9. Juni haben — wie wir kürzlich berichteten — an der Berliner Universität Wahlen z u e i n-e r allgemeine ri Studentenschaft stattgefnnden. An den Wahlen beteiligten, sich 5146 Studenten, gegenüber 5212 im Jahre 1920. Während die Nationalsozialisten 1920 118 Stimmen erhielten, brachten sie es diesesmal auf 7 91. Bon 109 Sitzen nehmen in diesem oppositionellen Studentenparlament die National s o z i a l i st e n 15 ein. Planmäßig gehen die Nationalsozialisten in Berlin auf Arbeiterfang aus, und Tr. Goebbels kann, so oft er in Arbeitergegenden spricht, vor überfüllten Sälen reden. „Trotz der Sommerzeit überfüllte Sale, keine Partei macht uns das heute nach." In allen Ausrufen an das „e r w a ch e n d e Berlin" wendet sich Goebbels an die breiten Massen de x Re ichshaupt st a d t, nicht ohne Erfolg besonders in den Kreisen der Arbeitslosen. Was man in der Reichshauptstadt früher nie beobachten konnte, ist jetzt täglich möglich: in allen Teilen Berlins gutgekleidete Nationalsozialisten in Hitler-Uniform mit der Hakenkreuzbinde um den Arm. Vor den Toren Berlins ist die Gewinnung von Neuland naturgemäß leichter. Im Bezirk B a r n i rn - N ck e r m a r k finden täglich nationalsoZialistische Versammlungen statt. Kein Tors, das nicht von nationalsozialistischen Agitatoren heimgesucht wird. In wenigst Wochen ^0 Versammlungen allein im nordöstlichen Gau Berlin-Brandenburg. Am IS. Juni war Parteitag in Kü stritt, zu dem 350 Delegierte aus der Mark erschienen waren, ein Eisenbahnabteil und drei Lastwagen Hilsstruppen aus der Reichshauptstadt sowie Herr Ku b e als Redner. Am 14. und 15. Juli soll ein Nckerrnärkertag in Prenzlau vor sich gehen. Berlin und Brandenburg scheinen im besonderen die Bezirke zu sein, in denen man in der nächsten Zeit mit aller Macht Neuland gewinnen will. Durch die Freifahrkarten wird diese Agitation von weicher ivesentlich erleichtert, und man muß anerkennen, daß die nationalsozialistischen Abgeordneten an Agitationsfr endigtest andere Sendboten des detrtschen Volkes wert überragen. ... rrnv auch in Württemberg? Aus dem Württembergischen Schwarzwald wird uns geschrieben: Auch in unsere friedliche -Gegend mochten sich Hitler-Banden einnisten. In F r e n d e n st a d t 'sprach ein nationalsozialistischer Rechtsanwalt uns Geislingen in dem Gasthaus „Zn den drei Königen" vor seinen mitgebrachten Hakenkreuzlern, im übrigen aber, wie wir hören, und wie auch der Berichterstatter des „Stuttgarter Neuen Tagblatts" vermerkt, vor leeren Bänken. Der offielle Bericht der Nationalsozialisten im „liberalen" „Grenzer" spricht von den schmucken Braunhemden Adolf Hitlers und einer gutbesnchten Versammlung. In O o r b marschierte am 16. d. M. eine Hitler-Schar aus Nagold mit Hakenkreuzsah ne und Hiller-Lied ein. Im „Lindenlmst, dem ersten Gasthaus der Stadt, in dem zahlreiche einheimische und fremde Juden verkehren, bekamen die Nationalsozialisten unbegreislichern^ise einen Saal zur Verfügung gestellt. Die Besitzer des „Lindenbast' mögen an dieser Versammlung wenig Freude gehabt haben, denn al^gesehen davon, daß es zu Zusammenstößen zwischen den Hitler-Leuten, die aus Horb selbst wenig Verstärkung erballen hatten, und ihren Gegnern kam, haben auch die jüdischen Besucher dem Wirt berechtigte Vorwürfe gemacht, daß er den Todfeinden eines großen Teils seiner treuesten Gäste den Saal gibt, anstatt durch energisches Abrücken von den Hitler-Leuten zu zeigen, daß er mit Radauantisemirismns nichts zu tun haben will. Seine Entschuldigung, daß cr die Tendenz der Partei nickst gekannt habe, klingt schon kaum mehr glaublich, besonders nachdem cr am Tage vor der Versammlung darüber ausgellärt worden war. Wir zweifeln nicht, daß die erlittene Niederlage die Hitler-Leute nur darin bestärken wird, wieder nach Horb zu kommen. Ter „Lin denh o T wird dann Gelegenheit haben, zu beweisen, ob ihm mehr daran gelegen ist, daß bei ihm volksverbetzende Elemente zu Wort kommen, oder daß sich seine alten, treuen Gäste in seinem Hause behaglich fühlen sollen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.