Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5-6 (22.6.1928)
- Date
- 1928-06-22
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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f 14 ßen an, al§ bafc toir cnblid) ben SBcrfudj madjen; tvo ftnb bie 15 öu§.unferen Leihen, bie roir brausen? Skr foö imb ruitl leiten? ÜRan tnadjc ben Scrfud) imb t>on bem Ergebnis be§ 33erfudje3 madje man abl)üugig, n>a§ nad)f)cr madjfen foll imb roa§ nad)t)er roadjfcn toirb. 3n einem 3eita[tcr, in bem ein Surf) nne Gbuarb ©prangert „^ftydjologie be§ 3 u* genbalter§" in bier Salden 38 000 Käufer — ober min« >eftcn§ 100 000 Lefcr — gefunben hat, fann man nid)t gut lagen, ba£ nid}t§ 9ceue§ t)eramr>äd)ft. -keute nod) ftnb bie formen, bie flu) bie $olf§bilbung~bemegung feit 1918 an ben fcetfdjtebenften ©teilen £eutfcr)lanb* müljfelig erfämpfte, gangbar unb anmenbbar. 9lad) 3laturgefefcßn wirb früher ober fpätcr bie 3e^ fotnmen, wo aud) btefe (rorm?luf* lücfcrung ntdjt mehr mögltd) ift. 5)ic» braucht un§ nidjt in betrüben, benn ber QeltQnlau] fjat bie pdbagogtfdjen {formen ftetB nad) rclattt» tarier datier afy „t> er alt et" beifeite gefteflt. Sine Spodjc tute btc tmfere erforbert aber ben SBillen jum etnf)eitHd)en StlbungSjiel für un§ unb ba§ betttfdje 2?olf\ 2-eyf)atü gilt c§, mit gefunbem Cptimtemu* ben ridjttgcn 3eitpunft 3U erfaffen. Sic £fcpfi§ möge surüdtreten! £er Ser« fud) mirb bemeifen, bafr nur gefunber Cptinmmu* im» tueitcrführen fann. i.: Einigung der Jüdischen Jugend? Von Ernst Wolff (Breslau) man btc au§ ber jübifdjen S^genobemcgung fyxbox* gegangenen 23ünbe benutzt einem gemeinfamen Qkle 3u}ül)ren, fo ift e§ unerläßlid), bie j ü b i f d) e g? r a g c lieber einmal a u f 3 u r o 1I e n. äderen gegenwärtiger ^ftiobeftanb ift leiber rafcF) geferjübert: iln§ allen ift gemij3, b a f; b a 3 Sebent um nid)t unter« gehen barf. Slbcr mehr meifj beute fehl ffarfel}cnbcr SQRcnfd), beim eine allgemein j fibif ä)e 21uffaffimg über ben 3uhalt fetner gufunft c£tftt€xt nid>t mehr. gibt feine geiftige 5ß0rftcnung bc§ © e f a m t jubentum« unb be§^alb überhaupt fein faßbares 3ubeutiim mehr, fortbern eine gubenheit mit mehreren, fid) ausfchlicfjlidj bünfenbeu Huf* fafiungcn bom 3nbentunt, bou benen ober neben benen bie ridjttgc erft burd) bie Gefdjidjtc bec Sufunjt ersmefen irerben fann. Sie «Reihe: „5Mtgion~, ^^irofopbte", „nationales Leben", „DJitjfton" tonnte beliebig üerlängert icerben; aber lüeber bie ^eligionSübnng, m>d) ein iübtfd]=börftfd>:§ ßcben, ntd) ein SBirfen im <Sinnc ber „SJlifiiDii bc§ gubenhiml" bringt f}ente bie Alraft an}, bk gilben» 5 e i t t a t f ä 3) l i u) 3 u f a m m e I n unb mit cinfjeitlid)em iuJ>ifd9enßeben§inFiaIt 311 berforgen. Sei biefer vcady läge n>aie z% ein gefabrltajcr ßeidjtfmn^ luolitc man ba£ SBort Don fcet jübifdjen ©emetnfc|üft nod) bcrit^igt anerfennen; n?er bie» tut, ^dlt entlüeber feine <Sonberricbtung in Minber Gicge^uüetfitfjt für tie einzig mögitcrje unb bes^alb für bie gufunft fietjete Söfung ber Su^venjrage, ober bie Straelen be§ uniergegengenen 55 o l i § b i f b e § renkten i^m, bom SlmriSimi^ refleftiert mit foId}em ©ranje, ba& pe i^n für ben Sufammcnbrud) ber Ickten ga^rc blinb macfjen. 6§ ttmre aber aud) Tangft nod) fein einr)cittidjc§ gubentum gcf^affen, n>enn c3 gelange, alle gegentedrtigen einzelnen 3cid)tungen unterbcüden. 2?ian mu§ fiai i3ielmef)r barüber ffar fein, bag na<5 einem fofdjen Aufräumen ebenfo leicfjt unb nad; ben Sr» fa^rungen unferer Seit fogar ma^rjdjcinfid) nur eine Döllige Öeere, ba§ ^ci^b aber: ber Untergang, übrkj bliebe. Sie ©c|djid3te 3etgt genug Seifpiete, in benen, n^enn nat^ großer ge* memfamer SBergangen^eit eine Si)inercn3terung ber JBcftanbtctle mit bcutlid>er $IuSficfjt auf ^euorbnung eintrat, eine t>erfrüf)te 2]erem^eitli(§img§frife btc ^eftigften Sruberfampfc unb bamit rafd) ben fpurfofen Untergang ber garten ©emeinfe^aft herbeigeführt bat. lim* gefebrt treifen, o^ne <Spt^finbigtcit betraduei, aud) in unferer bi§ |eute 3ufammenf)dngcnb berlaufenbcn 6efd}id}te bie teligiöfeu unb nationalen SBerfaßscpodjcu feine febenbige jübifdje Aufgabe iljrer 3eit auf. 3ft hiernach megen 3KangcI§ eine§ gemeinfd)aftltd}cn geiftigen 3nhalt§ alter jübtfdjcn (Bru^pen eine iübtfcbe ©emctnfdiaft im einheitlichen Gimte überhaupt nicht mehr borljanben, fo befkhen bod) jahfrctdie e m e t n f a m f e i t e n*, menn mir unter folcben jebe teiltueifc llebereinftiminung smtfdjcn allen ©Itebern einer Vielheit r>erftel)en. tUle btefe ©emeinfamfetteu ftnb auf ber ctn3tgen im meücfien 6üme formalen S}orou§fefeung begrünbet, ba^ alle 3uben bie <grj)altung beg 3"bentum§ m offen* SBer bie nidjt milT, tft im gcfd)id)tliä)en Sinne nid;t 3ube unb fann bei unferer Betrachtung übergangen toerben. SBer bie gcfdjidjtltd^ Grljaltung bc§ _3ubentu:n§, mie immer er fie üd) benfen mag, ioünfdjt, mirb 3unad>ft mit allen, beren SSünfdjc in t>em gteid>eu Siele münben, in bem Sntcr^nc für ben gesamten 3nbatt ber iübifdjen Vergangenheit jrcrbunben fein. 3u biefem gemeinfamen, toertoalten, ioenn aud) t*erfd):ebcn au ferner teten (Erbgut treten 3miugenbe 9iotn>enbtgfciten ^um 3ufammcnftchen, bie fid) au§ ber £age ber 3uben in ber (^egcnttKirt ergeben: 3?be iübifd>e ^tnfteEung mirb bie Behebung ber Cftinbennotlage ab3 Slufgabe empfehlen unb gum 5tuflöfen ihrer unb ber anberen iübtfdjcn Staffen* ttote aud) bor ber!paläfttnafrage fteben, felbft loenn ihr bie geiftige unb fecüfdje <Srö{je biefeS jübifdien äkrfndhS feine ©cfolgfdjöft auferlegt n?eil fie anbere SBege pef)t. SDie jübifdje SB 0 h 1 f a 1) 11 § * Pflege, bie ja butä>u§ ntd;t ohne toctfcrcS in bie S!age ber allgemeinen SSohffahrtepflcgc cingcgliebert gebadjt werben fann, mei! fie meift mit grunbfä^lid) anberen lUtttent angcftd)tS ber Gigcnart ihrer ©egenftanbc 31t arbeiten genötigt ift, fann gerabe be§fiaTb bie SDcittoirfung aller jübtfn>^ofitibcu Gruppen enoarien. S(ud) geroiffc g r u n b f ä t? I i dj e Aufgaben ber 2t b e 1) t_ b e § 3ubenhaffe§ lucrben gemeinfam bleiben, aud) tr»cnn fid) bie ibeeDen ©runblagcn nod) fdjarfer ooneinanber trennen, mit benen bie öerfdjieben orientierten jübifdjen Gruppen ttjr Safetnsrcdjt am gegebenen Drte unb in 5>er gegebenen SScifc gegenüber ber Umruelt begrünben. darüber fynauZ bleibt, gerabe menn btefe innere 3>incren3tcrung fortfdjrettct unb überhaupt folange ne beüeht bie Erhaltung eine? gc ift igen 5) er fei) r§ 3tinfd)cn allen ©ruppen münfdjenöioert folange ntdjt bie Hoffnung auf einen füufiigen frud)t* baren Ausbau ber torl)anbenen (Scmcinfamfcttcn gdnsltd) aufgegeben luorbcn ift. 3iun mun man aber bon ber 5tnGc ber großen ©emeinfemfeit iübtfd}cr Güter unb Aufgaben, bie ben jüb:fd)en Gefamtheiten al§ SRichtpiinfte bei ber SBeftimmung ihrer Gonbcnrege etubeit(id) bieneu, Die „Gemeinfamfett ber £eben§für]riing-, bie als H'ontafl ber ein- Seinen 3ur Grljaltung ctnc§ febenbtgeu jübifdjen 2."ilten3 btefer einzelnen nohoenbtg tft, fdjarf unterfd>etben. Gc:nc;ufamfeit ber Lebensführung im [enteren — ben Lebenslauf ber 3nbioibucn betreffen* ben — Sinne ift ja für bte einzelnen jübtfdjen 3ungen unb Wlatd* bereits burd) ba§ $efteheu ber ciiijcfncn Sünbe erreidjt. G§ fragt fid), ob ben etn^elueu burd; Slitsbehuuug biefv't ©emeinfamfeit auf bte übrigen Sünbc unmittelbar etmas gegeben wirb. ma*3 ben in ber bisherigen Gonberung liegenbcu 3nterefieaufporn \\id\t nur erfegt, fonbern aud) übertrifft 2Ran meifj aus ber ¥rari^ ber einfeinen Sünbe, baB man felbft borr gelegcutlid) Tlül)c hat, bte leiste $lusbehnung bc§ Sunbe§gcfühf§ im Snnern auf aKc in perfönlid}er 25eife 311 erretdjen. 2)ie Segrünbung einer, mie immer nufgefasten. organifatorifdjen Gemeinfamfcit mit ber gefamien übrigen jübifd)en 3ugenb fönnte nur 3U einer Serfladjuug bc§ Sunbe§* n e f ü h 1 § b e i m e i n 3 e 1 n e n führen. Skfrcfjt feine gefamtjübifer>e ©emeinfamfeit in ber 3°ee (im obigen Ginne), mer moütc ttrnu ben cinselnen innerlich fefter__an bte ^nbeurjett binben, menn ihm bte Crganifattonen eiite§ umfa||enbeu 2?unbe» ba5 geiftige Stlb cinc3 Gefamttub:ntum§ oorfptegelu unb er immer mieber t>er- Smetfclub entbedt, ba§ biefeS iBtlb in SSirfttaifctr, bas heifet für ba§ fdjaffeube Lel>en ber Gcgemcart, ein Oölltg lcerc§ ©ort barfteüt. 6§ gibt nur eine 3#ögttd)feit, heute einer Gefamtt?orfteüuttg ber Subenhett unmittelbaren Skrt 3u3ufpred|en: man fann fagen, ba§, aud) »renn erft eine gemetnfame ^bee bie -D»äffen 3ur Gemeinfd?aft btrtbet, btefe bod) aud) uneber bie 3)orausfet>ung für baB §erauffteigen ber 3bee barfteGt, unb man fann hierauf ben c^d}luö 3ief)en, baB c-S uottuenbig fei, aud) aufterltd) eine gemctufd}aftsbcrcite £>al* tung ciusunehiuen, mett nur fo ber 3bee ber 2Beg in un§ geöffnet loerben fann. Gtnc objeftibe ßntfdjeibuug, ob bicfe§ Vorgehen am qp-la^e fei. erroeift fid) ohne ioeitere§ al§ unbenfbar; fteber ift, bafj uid)t iebe gefd)tcrjiltd}c Lage e§ forbern mürbe. (5§ bleibt als 9teffungnabme be§ Ed}retbcr§ hier mir 3a fagen, bafj mir in ber bcutfchiübifd)cn 3iigcnbbcmegung ben 3l{g «3ltm Eingehen einer fold)en ermarhtugs« bereiten Gcmciitfdjaft streit niebt in un§ fpüren. 2ieS Ijat feinen Grunb bartu: ber gefd)id)tl:d)e Ort, an bem bie Sugenbbünbc fa>on heute ftehen, ioeldje einer Tcligtöfen ober nationalen Gtutgung ber 3ubenhctt entgegenfeheu, ftcht ben tijpifchen gornten einer uahenben [Reife ber 3bee, bte hier mit ooltcr §lu§behnung sufammenfäflt mett näher al§ ber Drt be§ bcutfd}jübifdjen ^ngcnMreifet. 2cun biefer ficht am glcid)en feclifdjen -fünfte in ber berou^ten unb gclooHten ^Bejahung ber G d) t cf f a l § ge m e i n f d) a f t mit bem beutfd)en S3olfe, loeld^c ben gebanlltd^en ticxn feine» ^eutfd)- tum§ barftetlt, unb bamit jugleidf bor fo okl ungeheuer fdjmercn Problemen be§ getfttgen unb feelifdjen (trieben?, bie ifjm mit bem beutfdien Solfe aufgegeben finb, bau für ihn jene IRetfe noch in borlaufig' ntdjt abfehbarer (vorm fteljt. 2Bir fühlen mit ooller Geling ^eit, bafc bte SSiebereinfürjrurtg einer gerneinfdjaftsbiIbenben, gefamt* :Ianbi{djen jubeuljett mirb mithin ba'burd) gefenn3etdmet, bay mir 3Voar eine gemetnfdjaftSbinbenbe jübifd> 3bce 3nr3cit feiler fo roentg feben, al§ anbere jübifdjc Gruppen fte im§ nennen fön neu, unb be^ljalb fcr)mer3lid} etne 5?orftelIung 00m 3"bentum entbehren, btc burd) ifjre I