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Central-Verein-Zeitung · 1928-06-22 · 25 (22.6.1928) · p. Seite 356

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
25 (22.6.1928)
Date
1928-06-22
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 Irrösn/emSUche Propaganda an -er Wiener Universität. In den letzten Jahren ist, wie wir häufiger zu berichten gezwnngen waren, die Wiener Universität minier wieder der Schauplatz judenfeindlicher Propaganda gewesen. Bald handelte es sich um den Ausschluß jüdischer Hörer, bald fanden judenfeindliche Wahlen statt. Immer wieder wurden die Hörer von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt und durch politisch-radikales Treiben in Unruhe versetzt. Jetzt hat, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur (Jta) meldet, die Deutsche Gesellschaft für Rassenpflege an der Aula der Wiener Universität einen Anschlag gemacht, in dem es u. a. heißt: „Gleichberechtigung alles dessen, waS Menschcnantlitz trägt, schrie das Judentum seit mehr aLs einem Jahrhundert, so lange biö> das deutsche Volk diesen Unsinn zum heiligsten Staatsgrundsatz erhob. So ist heute jeder Zulrrkaffcr, jeder Hottentotte, jeder eingewanderte Jude mit dem bodenständigen Deutschen gleichberechtigt, trotzdem die Deutschen die gesamte Kultur im Lande schufen, trotzdem die Juden die gesamte Unkultur des Ostens und Unzucht des Orients ins deutsche Land brachten. Es ist aber billiges Recht, wenn wir fordern: Deutschland den Deutschen, nicht aber den asiatischen Hebräern!" Gegenüber derartig sinnlosen und ethisch niedrigen Behauptungen ist jede Widerlegung unnütz. Ter Pfeil trifft den Schützen selbst! Wandergewerbe uns Uaffenfrage. Erfolgreicher Einspruch unseres Thüringer Landesverbandes. Das Pößnecker Händlecblatt ..Das Versand-Hans" verössenllichte im Februar 1928 einen Artikel „Das Wandergewerbe und die Raffenfrage", der in gehässiger und völlig ununterrichteter Weise einen Zusammenhang Zwischen der „Judensrage" und gewissen unerfreulichen Erscheinungen im Wändergelverbe zu konstruieren suchte. Unser Landesverband Thüringen ließ dem Blatt eine Berichtigung zugehen, die auch gebracht wurde. Später erschien ein Aussatz über „Wandergewerbe und Staatsangehörigkeit", der sich gegen den ersten-Artikel in sachlicher Form wandte und den konstruierten Zusammenhang zwischen „Raffenfrage und Wandergewerbe" ablehnte. Ter Verfasser des Artikels brachte die in Händlerkreisen akute Frage der Betätigung von Ausländern im Wandergewerbe in die allein mögliche Formel: „Ist der Händler im Besitz der staatsbürgerlichen Rechte oder nicht? Das Hineintragen der Rasseufrage in die Frage der Staatsangehörigkeit des Wandergewerbetreibenden ist gefährlich und führt zum Schaden des ganzen Gewerbes auf Abwege." Kurz vor den Wahlen ließ sich dann im „Eingesandt" des gleichen Blattes, für das die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung trägt, ein Händler mit dem Ansruf vernehmen, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei zu w ä h l e n. Ihm antwortete, allerdings erst nach den Wahlen, ein Leser des Blattes, der diese Forderung gebührend zurückwies. Nunmehr hat sich der Verlag des Blattes, der G e r o l d - D e r - tag in Pößneck, an uns gewandt und uns durch persönliche ErNärungen ut eindeutiger Form sein großes Bedauern über diese unzulässige Einmischung der Redaktion in politische Erörterungen ausgesprochen. Er hat uns versichert, daß seine Zeitschrift niemals die Absicht hatte, sich inpolitisch eFragen zu mischen, und daß allein durch Verkettung unglücklicher Umstünde (Krankheit des leitenden Redakteurs) die beiden Artikel erschienen find. Ter Verlag hat uns versichert, doß er frei von jeder antisemitischen Gesinnung ist. Wir halten mit dieser bestimmten und befriedigenden Erklärung die Angelegenheit' für abgeschloffen. Rei. Neue Spnagogenfchänöung. - Unser Freund Prediger I a st r o w in F o r st in der Lausitz hak sich genötigt gesehen, gegen Unbekannt Strafantrag wegen Besud- »rmg des Synagogcngcbäudes sösfeuttich kirchlichen Gebäudes) Korst d. L. zu stellen. Tort sind an dem Häupter ngantzj in der Nacht vom 11. zum 12. Juni vier Zettel Völkisch- Rationalen Inhalts angeklebt worden, die das Hitler- Bildnis,. das Hakenkreuz, die Inschrift: „Grostdcutschland erwache!" und den Sah enthielten: „Die jüdischen Paradiese dieser Welt sind stets noch Statten des Grauens gewesen." Wir haben Anlaß zu der Annahme, daß die Täter in den Kreisen der Werwolf-Bewegung zu suchen find, und werden in Gemeinschaft mit unserer Ortsgruppe nichts unversucht lassen, um diese heimtückischen und feigen Umtriebe der gerichtlichen Sühne entgegenzuführen. G In der Berusungsverhaudlung gegen die Lüneburger Shnagogenschättder, die im November 1927 die Synagngo in 1 Ländlichster Weise besudelten, wurden dieder Nationalozialistischen Partei angehörenden Täter zu Gcüngnis st rasen von zwei bis sechs Monaten verurteilt. { Enthält nur feinste MOLKEREIBUTTER H.BAMLSENS KEKS-FABRIK A G- HANNOVER Von Herbert Eulenberg. Sein Lebenslaus ist eigentlich der üblich vorschriftsmäßige eines gebildeten Deutschen gewesen. Als Sohn eines Rechtsanwalts in Elberfeld geboren, wird er selber wieder Rechtsanwalt. Allerdings mit von Jugend an vorhandenem starken schöngeistigen Einschlag. Aber auch das war bei den Bloems, die es immer etwas mit der Kunst und dem Theater hatten, nichts ganz Außergewöhnliches. Angeregt durch Erfahrungen, die er als Referendar, als Paragraphenlehrling und als Reserveleutnant gemacht hat, beginnt er dann Romane zu schreiben: Romane, die sich von vornherein einer großen Gunst des Publikums erfreuen können. Diese Beliebtheit wächst noch mit den späteren Werken, mit dem „Eisernen Jahr" und den „Schmieden der Zukunft", so daß B lo cm bald zu den meistgelesenen Schriftstellern des deutschen Volkes gehört. Vom Kaiser angefangen bis zur kleinen Weißnäherin wird er verschlungen. Wilhelm der Zweite hat ja Bloem eigens mehrfach zu sich beschieden, um sich mit ihm, den er nach Ganghofer von allen Romanschriftstellern unserer Zeit am stärksten verehrte, eingehend über seine Bücher zu unterhalten. Eine Weile schwenkt Bloem dann als Dramatikus und Dramaturg zum Theater über, um nach ein paar Jahren sich wieder ganz der Romanschreiberei zu widmen. Den Krieg übersteht er, als Student schon ein erster Fechter auf dem Paukboden, als einer unserer tapfersten Offiziere. Trotz mehrfacher schwerer Verwundungen meldet er, der eigentlich längst aus dein Schneider heraus ist, sich immer wieder an die vorderste Front. Soweit also ein schöner Lebenslauf eines erfolgreichen deutscher Modeschriftstellers. „So schön, wie man ihn nur verlangen kann", wie es am Schluß des „Wozzeck" heißt. Da überrascht Bloem sein liebes gutes Publikum plötzlich nach dem Krieg durch einen neuen Roman „Brüderlichkeit", in dem er als unser neues deutsches Zukunftsideal den- „Willen zur Volkheit" ausstellt, das heißt die hingehende Liebe zu allen deutschen Staatsbürgern, weß Standes und Glaubens sie seien, welcher Klaffe und auch Raffe sie angehören mögen. Ta beginnt ein Teil seines bisherigen P u b l i k u m S von Bloem sichtbarlich ab zu rücken. Das hatte man bisher nicht für möglich gehalten, daß ein deutscher Korpsstudent für einen Juden, ja für das ganze Judentum P a r t e i n e h m c n könnte, ^a, daß er es sogar in den Bereich der Möglichkeit geschloffen hat, daß ein deutscher Mann — entsetzlich nur zu denken, geschweige denn auszusprechen! — eine I ü d i n a l s seine rechtmäßige Ehefrau h e i m f ü h r t. Es hieß damals, daß seine Studentenverbindung von Walter Bloem das Band zu rückgefordert habe, nachdem dieser Roman, in dem „Christus über Wotan triumphiert", dort zur Kenntnis gekommen sei. Wenn dem so gewesen ist, Bloem wird als anständiger, ereifter Mann auch darüber hinweggekommen sein. Für ihn andelte es sich nicht darum — und das ist das Anziehendste

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